Höllisches Endzeitdrama... und die Sonne wird Euch verbrennen.

Review | Kritik | Bewertung Hell (2012)
Bewertung: 4 von 6 Studio: Paramount www.hell-derfilm.de
Mit seinem Film Hell wandelt Regisseur Tim Fehlbaum auf den Pfaden von John Hillcoat's The Road. Vor dem Hintergrund einer post- apokalyptischen Welt müssen sich zwei Schwestern gegen Sonne, Angst und die Bestie Mensch zur Wehr setzen. Bei Hillcoat's starbesetzten Film ist es ein Vater-Sohn-Gespann, welches sich durch sehr ähnliche Verhältnisse durchschlagen muss. Für naiven Altruismus ist in beiden Welten kein Platz. Wer überleben will, darf niemandem trauen und muss sich selbst an erste Stelle setzen.
Bereits in der Eingangsszene von Hell wird dieses Prinzip veranschaulicht: ein Paar versucht einer Straßensperre auszuweichen und verunglückt im naheliegenden Graben. Die Frau versucht ihrem eingeklemmten Mann zu helfen, der versucht sie wegzuschicken, weil er eine Falle befürchtet. Und prompt tauchen einige Männer auf. Hätte sie ihm nicht helfen wollen, hätte sie es vielleicht geschafft. Wer hilft, stirbt! Szenenwechsel: Die Schwestern Marie (Hannah Herzsprung) und Leonie (Lisa Vicari) folgen zusammen mit Phillip (Lars Eidinger) in dessen Auto hoffnungsvoll einem Vogel. Vor langer Zeit hat ein Vogel Noah den Weg zum Festland gewiesen. Dieser soll den Weg zu Wasser weisen. Denn an verbranntem Festland mangelt es den Dreien nicht. Es fehlt an Wasser, Nahrung und Benzin. Eine nicht weiter spezifizierte Katastrophe sorgt dafür, dass die Sonne gnadenlos vom Himmel brennt. Die Nahrung ist auf dem Feld verbrannt, das Vieh notgeschlachtet, gesellschaftliche Strukturen haben sich aufgelöst. Der Mensch ist des Menschen größter Feind.
Ein typisches postapokalyptisches Szenario, wie man es schon prominent bei Mad Max findet. Anders als der Action-Klassiker wird hier aber nicht auf coole Feuergefechte und handfeste Nahkämpfe gesetzt, sondern auf die veränderten zwischenmenschlichen Beziehungen und auf die visuelle Darstellung der feindlichen Umwelt. Die Bilder sind von einem grellen Gelb durchzogen. Sobald die Protagonisten ein Gebäude oder das abgedunkelte Auto verlassen, wird das Bild von dieser optischen Verzerrung eingenommen, wodurch der Zuschauer geblendet wird und genauso wenig sieht, wie die Bewohner der Welt. Untermalt wird das Ganze von einem unangenehmen Piep-Ton. So wird erfolgreich die äußere Bedrohung durch die Sonne auch akustisch eingefangen. Im Gegensatz dazu steht die zwischenmenschliche Kälte. Bereits zu Anfang schlägt Leonie, die kleinere Schwester, öfter mal vor, Phillip aufs Kreuz zu legen und ihm den Wagen samt dem wertvollen Inhalt an Wasser und Nahrung zu klauen. Dann müsste sich auch Marie nicht mehr mit sexuellen Gefälligkeiten einschmeicheln. Marie lehnt das ab. Denn gerade in schwierigen Zeiten braucht Frau eben einen männlichen Beschützer. Der erweist sich dann auch gleich als recht praktisch, als sie beim Durchsuchen einer Tankstelle von deren Bewohner angegriffen werden. Der Angreifer namens Tom (Stipe Erceg) wird überwältigt, schlägt aber einen Tauschhandel vor: Benzin gegen Essen. Nach einem kurzen, wortkargen Gespräch wird beschlossen, dass die Gruppe um Tom erweitert werden soll. Als Mann ist er ein weiterer Beschützer, als Mechaniker ist er geradezu unentbehrlich.
Auf ihrem weiteren Weg trifft die Zweckgemeinschaft auf die Straßensperre der Anfangsszene. Es folgt ein Überfall, in dessen Verlauf Leonie entführt wird. Ein Rettungsversuch schlägt fehl und Phillip will ohne Leonie abhauen. Aber Marie macht sich auf die Suche nach der kleinen Schwester. Sie landet bei einer christlichen Gemeinschaft, die statt Vieh Menschen in Fleischprodukte verarbeitet. Diese Entwicklung ist wenig überraschend, aber spannend umgesetzt. Statt billiger Schock- und Foltereffekte setzt Fehlbaum auf subtileren Grusel. Wenn Marie von der Matriachin der Gemeinschaft zum Essen gebeten wird, wohl wissend, was es gibt. Auch der Schluss bleibt unheroisch. Es geht nicht darum, die entarteten Kannibalen vom Angesicht der Erde zu tilgen, sondern ganz pragmatisch um Flucht. So bleibt der Regisseur der Indie-Linie treu und vermeidet das Abdriften in den schmalzigen Heldenmythos eines Blockbusters. Ganz wie das große Vorbild The Road.
Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung
Sven Sauerhammer ist der Meinung... Eigentlich ist es schade, dass man mittlerweile einen deutschen Indie-Fantasyfilm lobt, obwohl er eigentlich nur die Kopie eines amerikanischen Films ist. Neu und originell ist Hell nicht gerade. Manchmal scheinen die Szenen per copy & paste Prinzip aus The Road übernommen worden zu sein. Trotzdem ist die Inszenierung solide und spannend. Sicher kein Pflichtkauf, wie das amerikanische Original, aber falsch macht man dem Grunde nach auch nichts.
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