Kurze Rückkehr eines geläuterten Helden.

Review | Kritik | Bewertung Sonic The Hedgehog 4: Episode II (2012)
Bewertung: 4 von 6 Hersteller: SEGA www.sonicthehedgehog4.com
Schön, wenn Menschen einsehen, dass sie Fehler gemacht haben und wieder zu dem zurückkehren, was sie können, um von dort einen Neuanfang zu wagen. So lässt sich wohl SEGAs Rückbesinnung zu den alten Tugenden der Sonic Reihe zusammenfassen. Und es ist Zeit geworden. Was haben die dem armen Igel nicht alles zugemutet: er musste im einfältigen Action-Adventure Sonic Unleashed Kratos imitieren. Er hat für das Wii-Spiel Sonic und der Schwarze Ritter ein Schwert in die Hand nehmen müssen, um der Zelda-Reihe hinterher zu hecheln. Immer wieder wurde er mit Gastauftritten gedemütigt. Aber 2010 erwies man dem Igel endlich Gnade.
Mit Sonic The Hedgehog 4: Episode I und dem 2011 folgenden Sonic Generations durfte Sonic wieder durch wunderschöne und herrliche gestaltete 2D Welten flitzen, Ringe einsammeln und Gegner überrennen. Mit Sonic The Hedgehog 4: Episode II wird das jetzt konsequent fortgesetzt. Es ist schon länger bekannt, dass 2D Spiele wieder voll im Trend sind. Origin hat mit Rayman Origins wahre Kunst geschaffen und die Arcade-Spiele bedienen sich dieser Optik mit großem Erfolg. Diese Entwicklung kommt auch Sonic zu Gute. Darf er jetzt doch wieder, ganz im Sinne der „früher war alles besser“-Fraktion, seine alten Gegner mit bewährten Moves jagen. Erzfeind Dr. Eggman, auch Dr. Robotnik genannt, macht Sonic wieder das Leben schwer. Seine Roboterarmeen bedrohen erneut die Welt. Mit von der Partie ist Sonics Roboter-Alter Ego Metal Sonic. Was genau sie wollen, wird leider nicht heraus gearbeitet. Eine Story gibt es nicht wirklich. Aber nach all den unsinnigen Abenteuern, die der blaue Igel über sich ergehen lassen musste, ist das vielleicht auch besser so. Statt Handlung gibt es eben Hochgeschwindigkeits-Action alter Schule.
Sonic flitzt über Mauern, läuft durch Loopings, springt über riesige Abgründe und auf die Köpfe seiner Gegner. Angeheizt wird er immer wieder durch Katapulte, die ihn sofort von 0 auf 100 bringen. Das ist auch bitter nötig, wenn er von Sandstürmen gejagt wird. Sein treuer Helfer Tails ist auch wieder mit dabei. Diesmal hält der sich aber zurück und macht nur mit, wenn er gerufen wird. Ein einfacher Druck auf den X-Button und beide führen eine Tag-Team-Aktion aus. Tails fliegt mit Sonic ein Stück oder er wird unter Wasser zu Sonics persönlichen Heckmotor. Am brauchbarsten ist aber die Vereinigung zu einem rot-blauen Sägeblatt, dass sich durch Gegner und Eis schneidet. Das alles ist alte Sonic Schule. Ein paar Aktionen, die aber dank der Geschwindigkeit und der ausgezeichneten Steuerung völlig ausreichen. Abgerundet wird das Ganze durch ausgezeichnete Animationen. Sonic und Tails bewegen sich absolut flüssig. Die Grafik ist bunt, detailreich und gestochen scharf. Trotz des unterschiedlichen Stils wird man unweigerlich an die Qualität eines Rayman Origins erinnert. Zwar fehlt Sonic The Hedgehog 4: Episode II der letzte Kick Kreativität, den Ubisoft der Welt seines Helden verpasst hat, aber verstecken muss sich SEGA sicher nicht. Es gilt Wasserruinen, Wüsten und einen Freizeitpark zu durchqueren. Jedes Level hat seine Eigenheiten und versteckte Räume. Geschickt wurden parallel Wege zum Ziel eingebaut. So kann man jeden Level auf unterschiedlichen Pfaden vollenden. Dieses kluge Design erhöht den Wiederspielbarkeits-Faktor der einzelnen Level. Perfektionisten versuchen dabei einen möglichst hohen Punktewert zu ergattern, mit dem man dann ordentlich angeben kann.
Nach jeweils drei Level gibt es einen Boss-Level. Der Kampf gegen die Bosse sind fordernd und sehr gut inszeniert. Vor allem der Kampf gegen Metal Sonic ist ein echtes Highlight. Außerdem erhält der Spieler die Möglichkeit Bonus-Level freizuschalten, wenn er am Ende der regulären Level durch einen besonders großen Ring springt. Das alles spricht für Sonic The Hedgehog 4: Episode II. Aber es gibt eben auch noch Kritik zu äußern. Da wäre zuerst die viel zu kurze Spielzeit! Mit ein wenig Erfahrung im Bereich Jump & Run ist es kein Problem, ein Level in 2 bis 3 Minuten durchzuspielen. Da hat man die ganzen Secrets und Boni natürlich nicht gefunden, aber der nächste Level wartet schon. Da die Levelzahl recht gering ist, kann man das Spiel so in 3 bis 4 Stunden durchspielen. Die Level dann wieder zu spielen, um Rekorde aufzustellen oder geheime Passagen zu finden, ist nicht jedermanns Sache. Dann ist es prinzipiell zu leicht. Oft muss der Spieler kaum etwas machen. Er beschleunigt Sonic, springt bei einem Abgrund oder Gegner. Manchmal gibt es eine Blockade, bei der man stehen bleibt und eine Tag-Team-Aktion ist von Nöten. Lediglich die Endgegner verlangen dem Spieler ein wenig mehr ab.
Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung
Sven Sauerhammer ist der Meinung… Es ist schwer, Sonic The Hedgehog 4: Episode II nicht von der ersten Minute an zu mögen. Die tolle Grafik und der charmante 2D-Stil verzaubert mich immer wieder. Es ist eine wahre Wonne durch die Level zu sprinten. Die paar Gegner sind gleich platt gemacht und das Ziel ist bereits nach 3 Minuten erreicht. Die ersten Level sind so kein Problem. Aber dann, auf einmal: Schluss. Das war eine echte Enttäuschung. Gerade als man richtig im Spiel ist, angespornt größere Aufgaben zu erledigen, da ist es auch schon vorbei. Ein paar mal wiederholt man den ein oder anderen Abschnitt. Aber das ist wenig befriedigend für den durchschnittlichen Spieler. Der Spielspaß sinkt rapide. Hier war der blaue Igel dann doch zu schnell unterwegs. Der tollen Spielminuten sind es einfach zu wenige.
|