Der Kuss des Schmetterlings PDF Drucken E-Mail
Movies - DVD
Donnerstag, den 21. Juni 2012 um 20:48 Uhr

Gehauchte Küsse mit Baguette und Baskenmütze.

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Review | Kritik | Bewertung
Der Kuss des Schmetterlings (2012)

logo-lovefilmBewertung: 3 von 6
Studio: Universum Film
www.universumfilm.de

Das Leben hält einen ganzen Fächer voller Probleme für uns bereit. Von Zeit zu Zeit zieht es eines von ihnen und schmettert es vor uns auf den Tisch wie eine Trumpfkarte. Manche von ihnen sind Schicksalsschläge, die uns völlig unvorbereitet ereilen und jede Normalität vernichten; andere bauen sich ganz langfristig vor unseren Augen auf, ohne dass wir ihnen je Beachtung schenken, nur um uns dann mit voller Härte einen Kinnhaken zu versetzen, wenn es schon zu spät scheint, sie zu lösen. Un baiser papillon ist ein Film, der sich mit nichts anderem auseinandersetzt, als mit eben diesen großen und kleinen, unvorhersehbaren und offensichtlichen Herausforderungen des Lebens dreier Frauen, die jede für sich ihr Kreuz tragen müssen und dabei doch den sicheren Tod einer einzigen von ihnen vor Augen haben.


Billie (Valeria Golino), eine Pariser Kunstrestaurateurin, hat Krebs. Um ihre Familie zu schützen, erzählt sie ihnen jedoch nichts davon, bis die Symptome von Krankheit und Chemotherapie nicht mehr zu verbergen sind. Stattdessen versucht sie, mit ihrer Freundin, der Schauspielerin Marie (Elsa Zylberstein) und der behandelnden Krankenschwester Alice (Cécile de France) die Normalität aufrecht zu erhalten und die direkte Konfrontation mit dem Unvermeidlichen zu vermeiden. Doch auch Marie und Alice ringen mit ihren persönlichen Schicksalen; während Marie mit krampfhafter Verbissenheit alles Mögliche versucht, um trotz ihres Alters noch ein Kind zu bekommen, findet Alice keinen rechten Weg, um ihren psychisch belastenden Beruf mit dem familiären Alltag in Einklang zu bringen. So kämpft jede der drei Frauen mit ihrem eigenen Leben, während der drohende Tod Billies auf besondere Weise Mittelpunkt und Schlüssel der Geschichte darstellt.

movie-derkussdesschmetterlingsDer Kuss des Schmetterlings ist das Regiedebüt von Karine Silla Pérez, und man kann der Französin, die im Übrigen die Schwägerin vom französischen Mann in Hollywood, Luc Besson, ist, ein Händchen fürs stimmungsvolle Erzählen nicht absprechen. Der Film ist getragen von einer wunderbaren Melancholie, die als roter Faden von einer Szene zur nächsten führt und die zahlreichen, auf den ersten Blick etwas unübersichtlich erscheinenden und doch durchdachten Sub- und Hauptplots zu einem großen, homogenen Werk verwebt. Gepaart mit der darstellerischen Stärke, für die exemplarisch Valeria Golino und Vincent Perez, der Billies Ehemann Louis spielt, zu nennen sind, macht dies die zentralen Vorzüge des Films aus. Speziell Golino, die im Film Assoziationen mit Isabella Rossellini hervorruft, spielt mit überwältigend emotionalem Tiefgang die Rolle der Sterbenden, die in ihrem Leben gekonnt den Spagat zwischen fürsorglicher Mutter und modern-emanzipierter Frau gehalten hat, ohne dabei je die Flucht ins Klischee anzutreten.

Leider lässt sich dasselbe nicht für den Film als Gesamtes sagen. Es kann nur vermutet werden, ob es an der juristisch-verwandtschaftlichen Beziehung zu Besson liegt oder an Regisseurin Pérez' persönlicher Handschrift, aber Der Kuss des Schmetterlings erweckt einen dermaßen anglo-französischen Eindruck, dass man an manch einer Stelle meint, Walt Disney höchstpersönlich hätte als Produzent fungiert. Erzählstil, Optik und Ästhetik sind so amerikanisch, wie sie nur sein könnten; es fehlt eigentlich nur noch das durchs Bild getragene Baguette oder ein Mann mit Baskenmütze und Clark-Gable-Gedächtnisbart, um die Stereotypie perfekt zu machen. Obwohl an der Produktion ausschließlich Europäer beteiligt waren und die Geschichte quasi nach der dramaturgischen Feinfühligkeit und dem Feeling des französischen Films schreit, wird Der Kuss des Schmetterlings den Anschein einer US-amerikanischen Vorstellung vom zeitgenössischen Paris einfach nicht los. Da kann auch der kongeniale Score von Angelo Badalamenti, dessen cineastischer Weggefährte David Lynch wohl mittlerweile europäischere Filme dreht als die an diesem Film beteiligten Europäer, nichts mehr herausreißen.



redakteur-david

Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung

David Liese ist der Meinung...
Es ist nicht ganz einfach, mit diesen den Film prägenden Eindrücken im Hinterkopf zu einem Urteil zu kommen, dass der durchaus ansprechenden Geschichte dennoch gerecht wird, zumal das immerhin 100-minütige Drama wirkliche Höhepunkte schmerzlich vermissen lässt. Das wäre ob der bereits erwähnten tollen Darsteller und der phantastischen Musik nicht so schlimm, wäre da eben nicht dieser Hollywood-Flair, welcher Der Kuss des Schmetterlings einfach zu sehr beherrscht. Pérez' Werk bleibt ein Schmetterling, der gar nicht küssen kann, weil er viel zu unruhig in der Luft liegt, solange die Schläge seiner Flügel nicht die Harmonie finden, die dieser Stoff verdient hätte.

 
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