Wenn Rapper Neologismen prägen...

Review | Kritik | Bewertung KC Rebell - Rebellismus (2012)
Bewertung: 4 von 6 Label: Wolfpack Entertainment www.kcrebell.com
Rebellismus, so lautet der Titel des zweiten Soloalbums des Essener Emcees KC Rebell. Über Wolfpack Entertainment erscheint nun also der 17 Tracks fassende Nachfolger des 2011 erschienenen Albums Derdo Derdo. Als Featuregäste sind Farid Bang, Moe Phoenix, sowie Freund und mittlerweile auch bei Life is Pain wieder Labelkollege PA Sports vertreten. Hinter den Reglern standen unter anderem Joshimixu, KD Beatz, Cubeatz & Beatzeps. Kommerziell gesehen ist Rebellismus schonmal ein großer Erfolg für den 24-Jährigen, so stieg die Platte auf Platz 33 der deutschen MediaControl-Charts ein. Überprüfen wir, ob die Platte wirklich ein Muss ist.
Im Vorfeld der Veröffentlichung erklärte KC Rebell mehrfach, dass sich an seiner Einstellung zu HipHop einiges geändert hätte. Bis einschließlich Derdo Derdo wäre es für ihn ein reines Hobby gewesen, mittlerweile gehe er die Sache deutlich professioneller an. Und tatsächlich bemerkt der Hörer eine deutliche Veränderung zum Vorgängeralbum. Während Derdo Derdo, vielleicht auch aufgrund der zahlreichen Features, teilweise eher Mixtape-Charakter hatte, hält sich Rebellismus bei der Gästeanzahl deutlich zurück. Während Farid Bang auf Bitte spitte 5000 Reloaded, genauso wie KC Rebell selbst, recht blass bleibt, weiß PA Sports auf dem gemeinsamen Song Alles wird sich ändern zu überzeugen.
Erfreulich ist die große Bandbreite an Themen die KC Rebell auf dem Album anspricht. Während sich beispielsweise Weiße Fee zunächst wie ein 08/15-Liebeslied anhört, merkt man recht schnell, dass es hier wohl eher um das berüchtigte weiße Pulver als um eine Frau geht. Wer hier eine Glorifzierung der Droge heraushört, hat einiges nicht verstanden. Vielmehr macht KC Rebell klar, wie schwierig es ist davon loszukommen. Joshimixu hat für Amina Koyim ein richtig böses Brett gefertigt. KC Rebell wiederrum scheint ein derart großer Autotune-Anhänger zu sein, dass er sogar seine Verses mit diesem Effekt versieht. Gab es in der Form auch noch nicht, ist aber um ehrlich zu sein auch ziemlich gewöhnungsbedürftig und ich persönlich hätte den Track lieber ohne Autotune gehört. Ziemlich abgedreht ist dann auch wieder das dazugehörige Video, dieses Mal aber positiv. Ansonsten sind auf der Platte viele Songs vertreten für welche KC Rebell’s Fans ihn lieben. Auf 1,2,3 macht der Essener klar, wer der Boss ist und bedankt sich artig bei allen echten Fans, die das Album gekauft und nicht geladen haben. Daneben hat KC Rebell das Talent, Storys so authentisch rüberzubringen, dass man einfach nur gespannt zuhören kann.
Während er auf Ein ganz normaler Tag den Alltag in seiner Hood beschreibt, erzählt er auf Geschichten aus dem Block die Schicksale zahlreicher junger Menschen aus seinem Umfeld. Am stärksten ist dann vielleicht Rotblaues Licht, auf welchem KC Rebell die traurige Geschichte eines gescheiterten jungen Pärchens erzählt. Wirklich interessant ist zudem Meine Geschichte. Hier erzählt KC Rebell dem Hörer in knapp vier Minuten stolz seine Lebensgeschichte. Leider hat Rebellismus dennoch auch seine Schattenseiten, wie beispielsweise Ich bin krank - hier werden von Casper über Laas Unltd. bis zu den Orsons zahlreiche Rapper gedisst. Immerhin kann man ihm noch zu Gute halten, dass er kein Blatt vor den Mund nimmt. Spätestens der Club-Track Bounce wirkt dann aber sehr gezwungen und Fick die Welt 2 (diesmal ohne Manuellsen) ist ein überflüssiger Lückenfüller. Dass es auch wieder anders geht, beweist er mit dem gefühlvollen, an eine verstorbene Ex-Freundin gerichtete Rosen oder dem starken Outro, auf dem KC Rebell dem Hörer erzählt, was er alles machen würde, wenn er nur noch einen Tag zu leben hätte.
Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung
Julian Dannenhauer ist der Meinung… Ich würde vielleicht nicht so weit gehen und sagen, dass Rebellismus ein absolutes Must-Have ist. Dennoch haben wir es hier mit einem guten Album und einer deutlichen Weiterentwicklung zur Vorgänger-LP zu tun. Neben den durchweg starken Instrumentalen, weiß der Essener Rapper KC Rebell vor allem mit seiner authentischen Erzählweise zu überzeugen. Daneben punktet er mit einer wesentlich breiteren Themenauswahl als bisher von ihm gewohnt. Wer die Scheibe noch nicht hat, macht mit einem Kauf sicherlich nichts falsch.
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