Exorzismus Reloaded.

Review | Kritik | Bewertung The Devil Inside (2012)
Bewertung: 3 von 6 Studio: Paramount www.devilinside-film.de
"Found-Footage"-Filme, also Filme aus normal an einem Set gedrehten, aber scheinbar authentischem Videomaterial, sind seit dem mittlerweile zum Genreklassiker avancierten Blair Witch Project von 1998 in Hollywood der letzte Renner, bieten sie doch die Möglichkeit, auch mit einem im Vergleich zu normalen Produktionen minimalem Budget einen gewaltigen Effekt beim Zuschauer zu erzielen und demzufolge auch an den Kinokassen Großerfolge zu verbuchen – in der Tat fällt das Einnahmen-Ausgaben-Verhältnis in kaum einem anderen Genre ähnlich lukrativ aus.
Nichtsdestotrotz machen sich auch hier mittlerweile Abnutzungserscheinungen bemerkbar - der Eindruck, dass alles "schon einmal dagewesen" ist, trifft nicht nur zu, sondern spiegelt sich auch direkt in den immer häufiger werdenden Flops des "Found-Footage" wider. The Devil Inside zumindest spielte bereits am Startwochenende zweistellige Millionenbeträge und damit ein Vielfaches seiner Herstellungskosten ein. Er behandelt die Geschichte einer offensichtlich besessenen Frau (Suzan Crowley), die während eines versuchten Exorzismus Ende der achtziger Jahre zwei Priester und eine Nonne tötete und daraufhin in eine Psychiatrie in Rom eingewiesen wurde. Ihre mittlerweile erwachsene Tochter Isabella (Fernanda Andrade) will der Krankheit ihrer Mutter und dem Verdacht, dass sie vielleicht tatsächlich vom Teufel besessen sein könnte, auf den Grund gehen. Gemeinsam mit dem Dokumentarfilmer Michael (Ionut Grama) macht sie sich auf den Weg nach Italien, und der Horror nimmt seinen Lauf.
Die Veröffentlichung des Films rief rasch viele Kritiker mit dem Argument auf den Plan, der Film labe sich lediglich am aus dem Horrorgenre mittlerweile hinlänglich bekannten Exorzismus-Thema, ohne ihm etwas Neues, Frisches hinzuzufügen. Gegen diesen Punkt spricht, dass Regisseur und Autor William Brent Bell allein schon durch den Found-Footage-Effekt sehr wohl eine zumindest formale Neuinterpretation des Motivs anbietet, zumal sich sein Film streckenweise auch anderer dokumentarischer Elemente wie (freilich nachgestellten) Experteninterviews bedient und es so dankenswerterweise nicht über die volle Laufzeit bei verwackelter Camcorder-Ästhetik bleibt. Einmal abgesehen vom übernatürlichen Inhalt des Films wirkt der Streifen so auch überwiegend authentisch. Diese gelungene Aufmachung als nicht-fiktionales Zeitdokument geht dann allerdings stark zulasten der Schockmomente, die in The Devil Inside ganz genreuntypisch zur Rarität werden.
Das wäre an sich noch nicht unbedingt ein K.O.-Argument für den Besessenheits-Mockumentary, wenn die einigen wenigen Gruseleinlagen dann auch entsprechend stimmungsvoll serviert werden würden. Und genau hier hapert es an The Devil Inside wohl am Stärksten. Wo Konkurrenzproduktionen wie der Erfolgs-Franchise Paranormal Activity mit ausgefallenen Kameraperspektiven, geschickter Irreführung des Zuschauers und stimmiger Atmosphäre aufwarten, gibt es in Bells Film überwiegend taghelle Krankenhausflure und Untersuchungsräume, die mehr Angst vor dem nächsten Zahnarztbesuch verbreiten als vor der Attacke des Leibhaftigen. Und wenn das Licht dann doch mal ausgeht und die Kamera orientierungslos durch Treppenhäuser und Kellergewölbe irrt, dann ist der Spuk meist auch schon vorbei, bevor er richtig angefangen hat.
Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung
David Liese ist der Meinung... Insgesamt bietet The Devil Inside definitiv einige interessante Innovationen im mittlerweile von kreativer Stagnation bedrohtem Found-Footage-Sektor. Dass der Film dennoch hauptsächlich von den Erwartungshaltungen der Zuschauern profitiert und diese Vorschusslorbeeren nicht wirklich in Form von Gänsehaut-Kinospass einlösen kann, lässt sich dennoch kaum bestreiten. Auf lange Sicht den größten Mehrwert bietet vielleicht die von Bell geschickt in die Geschichte verwebte Medienkritik; wenn der Dokumentarfilmer mit seiner Kamera gnadenlos auch auf die privatesten Situationen zwischen Isabella und ihrer geisteskranken (oder besessenen) Mutter hält und dieses für die junge Frau so belastende Erlebnis lediglich mit einem trockenen „Great Stuff!“ kommentiert, dann illustriert das den Sensationsjournalismus des Nachmittags- und Vorabendfernsehens wohl besser als so manche auf der Metaebene rangierende wissenschaftliche Analyse.
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