Ein Album ohne große Überraschungen.

Review | Kritik | Bewertung Celo & Abdi - Hinterhofjargon (2012)
Bewertung: 3.5 von 6 Label: Azzlackz (Groove Attack) www.facebook.com/celo.abdi
Anfang des vergangenen Jahres erschien das berüchtigte Mietwagentape von Celo & Abdi. Spätestens seit diesem Zeitpunkt sind die beiden Frankfurter Rapper in aller Munde. Gefördert von Haftbefehl, übertreffen sie ihren Mentor, was die Polarisierung des Publikums angeht, sogar noch um Längen. Kaum ein HipHop-Head in Deutschland hat keine Meinung zu den beiden. Fans lieben ihre authentische Sprache und die düstere Atmosphäre, die auf den Songs herrscht, Kritiker dagegen sehen im Auftreten der beiden Azzlackz den kompletten Verfall der deutschen Sprache.
Nun erschien am 25. Mai 2012 das komplett von M3 produzierte Debütalbum der beiden über Haftbefehl’s Label Azzlackz. Beim genaueren Durchschauen der Featureliste bleiben wirklich große Überraschungen aus. So konnte man im Vorfeld mit solch illustren Gästen wie Labelboss Haftbefehl, Xatar, Schwesta Ewa, Veysel, SSIO & Capo Azzlack allesamt rechnen. Zur Verblüffung vieler konnten die beiden dennoch mit einem Top10-Einstieg in den deutschen Charts einen großen Erfolg feiern. Es bleibt abzuwarten, ob die Kritiker nach dem Hören von Hinterhofjargon verstummen werden.
Positiv bescheinigen darf man den beiden, dass großspurige Ansagen, Verherrlichung eines kriminellen Lebensstils, etc. beinahe völlig ausbleiben, Celo & Abdi sehen sich als Hood-Reporter und geben den Alltag ihres Umfelds ungekürzt wieder. Wenn Abdi dann beispielsweise auf dem Titeltrack Hinterhofjargon den Hörer vor „Haze“ warnt („Boys und Girls lasst die Finger bloß davon, kauft Euch im Media Markt Hinterhofjargon.“), hört ein Jugendlicher vielleicht eher auf ihn, als auf Eltern oder Sozialarbeiter. Die Fähigkeiten von Producer M3 sind sowieso über alle Zweifel erhaben. Man könnte meinen, dass es eine gewisse instrumentale Einseitigkeit geben könnte, da M3 als einziger hinter den Reglern stand, die Angst wird einem beim Hören der erstklassigen und abwechslungsreichen Beats jedoch schnell genommen. Diejenigen, die bereits im Vorfeld Kritik aufgrund der Sprache der beiden geäußert haben, werden ihre Bestätigung auf Hinterhofjargon definitiv bekommen.
Celo & Abdi rappen in ihrem ganz eigenen Straßenslang, das wird dann auch noch mit einzelnen arabischen, türkischen, jugoslawischen oder französischen Vokabeln vermischt. Hauptsächlich geht es um den kriminellen Lifestyle (Traffic Cartel oder Hektiks), die Konsequenzen aus diesem (Durchsuchungsbefehl oder Besuchstag) und den täglichen Hustle (Über Wasser halten). Dazwischen ist aber auch noch Platz für Themen, die man auf den ersten Blick vielleicht nicht von den beiden erwartet. Auf Last Action Hero verstecken sich massenweise Comichelden und beim abschließenden In meinem Land mutmaßen die beiden, wie es wäre nicht in FFM sondern in Bosnien bzw. Marokko aufgewachsen zu sein. Ein sehr starker Track.
Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung
Julian Dannenhauer ist der Meinung… Hinterhofjargon ist am Ende genau das, was man im Vorfeld auch erwartet hat. Die Fans werden sicherlich auch weiterhin die authentische Art und Sprache der beiden feiern, Kritiker sich bezüglich der schwer verständlichen Linguistik kopfschüttelnd abwenden. Objektiv müssen selbst Kritiker Celo & Abdi zumindest eine technische Weiterentwicklung bescheinigen. Gerade im Vergleich zu einem Großteil ihrer Gäste, stechen die beiden meistens deutlich heraus. Positiv war auch die Entscheidung M3 als einzigen Produzenten zu verpflichten. Dies sorgt auf der einen Seite für einen roten Faden, der sich durch das ganze Album zieht, auf der anderen Seite verfügt er über genügend Talent unterschiedlichste Instrumentale je nach der Stimmung, die der Song bewirken soll, anzufertigen. Hinterhofjargon bleibt ein solides Album, das nicht vom Hocker reißt, an dem man als Straßenrap-Fan 2012 aber sicher nicht vorbeikommt.
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