Von Erfolgsrezepten und Kritikerstimmen...

Review | Kritik | Bewertung Linkin Park - Living Things (2012)
Bewertung: 5 von 6 Label: Warner www.linkinpark.de
Ich vermute an dieser Stelle einfach mal, als stolzer Besitzer aller bisherigen Studioalben der kalifornischen Crossover / Nu Metal Rockband Linkin Park (deren musikalisch einwandfreie Zuordnung im Laufe der letzten Jahre zunehmend schwieriger wurde) nicht eine absolute Ausnahme darzustellen, schließlich sprechen die weltweiten Verkaufszahlen eine deutliche Sprache. Mit einer gewissen Begeisterung nahm ich auch dieses Mal vor gut einem Jahr die frohe Botschaft auf, als Frontmann Chester Bennington in einem Interview ankündigte, dass man an einem neuen Album arbeiten würde.
Rückt man nun wie so oft das leidige Thema der künstlerischen Entwicklung und stetigen Stildefinition unweigerlich in den Mittelpunkt einer gewissen Erwartungshaltung, müsste ich mich wie offensichtlich viele andere Musikkritiker einer kommerziellen Grundsatzdiskussion stellen. Was ich irgendwie vermeiden möchte, weil es keinen wirklichen journalistischen Mehrwert darstellt. Es wurde auch im Vorfeld dieses Albumreleases schon so viel geschrieben, soviel gemäkelt, bemängelt und teils unsachlich gegen die Mitwirkenden gewettert. Trotz unterdurchschnittlicher Bewertungen chartete Living Things jedoch prompt auf Platz eins in Deutschland, Österreich, Schweiz sowie im UK und den USA. Noch Fragen? Sicherlich, denn man konnte vernehmen, der neueste und damit fünfte Streich der Bandgeschichte würde sich wieder mehr an jenen spektakulären Anfangszeiten orientieren, als Linkin Park mit Energiegeladenen Auftritten noch ordentlich für Furore sorgten.
Hybrid Theory ist das Stichwort, doch man sollte nun nicht vorschnell dem Irrglauben verfallen, eine derartige Platte im Jahr 2012 so oder so ähnlich vor die scheinbar immer wählerischer gewordene Nase des eigenen Musikgeschmacks vorgesetzt zu bekommen. Vollkommen legitim also setzte die sechsköpfige Band aus Los Angeles ihre stilistische Entdeckungsreise fort und bleibt bei einer gut funktionierenden Mischung aus verstärkten Rap/Rock Elementen in Kombination mit elektronischen Klangfarben. Hat dem Vorgänger A Thousand Suns nicht geschadet und wird es auch zukünftig nicht. So startet Living Things mit einer prädestinierten Singleauskopplungen wie Lost In The Echo, der man freilich vorwerfen könnte, sie wäre kein wütender Faustschlag in das arg provozierende Gesicht tiefschwarz gekleideter Metalfans, die aber in letzter Konsequenz angemessener Zurückhaltung eine souveräne Leistung erfahrener Hitschreiber projiziert. Als mitwirkender Produzent zeichnet sich übrigens wie schon bei den letzten beiden Alben Rick Rubin aus und man befindet sich schneller als einem vielleicht lieb wäre im mitreissenden Fahrwasser eines kreativen Ideenflusses.
Was andernorts als „unspektakuläres Füllmaterial“ angeprangert wird, ist vielleicht nicht aufdringlich genug, hält aber einen roten Faden der Platte ein. Auf den Single-Vorboten Burn It Down (bekannt aus TV und Radio) folgt dafür auf dem Dubstep Mashup Track Lies Greed Misery ein etwas lauterer Chester, der unlängst ohne ohrenbetäubende Schreianfälle als markanter Sänger dennoch brillieren kann. Man muss glaube ich kein Prophet sein, wenn man behauptet, ein Song der Sorte I'll Be Gone wird mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder als Score für den ein oder anderen Filmeinspieler herhalten dürfen. Victimized dient dann als härteres Intermezzo, während Linkin Park mit Roads Untraveled nachdenklichere Töne anstimmen. Rapper Mike Shinoda bekommt auf Until It Breaks einmal mehr Platz, um seine Lines zu kicken und räumt dafür den Platz, wenn Sänger Chester Bennington mit einem gefühlvollen Powerless die Platte abschließt.
Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung
Alexander Riede ist der Meinung... Wenn ich nun im Fazit des Albums Living Things überhaupt eine Kritik äußere, dann ist dies die wieder einmal viel zu kurze Spielzeit von 36 Minuten. Auch dieser Platte müssen langjährige Linkin Park Fans Zeit und Raum geben, um sich zu entfalten, das deutete sich bereits auf Minutes To Midnight so an und wurde auf A Thousand Suns fortgeführt. Anhören, auf sich wirken lassen, nachdenken, ruhen lassen und erneut anhören. Diese Möglichkeit bekam man auf den ersten Releases gar nicht erst und dennoch ist jedes einzelne Album der Band ein wichtiger Meilenstein, mit dem man sich gerne selbst weiterentwickeln kann, sofern man dies zulassen möchte.
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