Die Zeit steht nicht still. Oder doch?!

Review | Kritik | Bewertung The Offspring - Days Go By (2012)
Bewertung: 5 von 6 Label: Sony Music www.offspring.com
Welch selige Erinnerungen an die eigene Sturm und Drang Zeit alleine der Name The Offspring schon hervorruft, ist bemerkenswert. Ein Blick auf das leicht triste Cover Artwork des mittlerweile neunten Studioalbums der kalifornischen Punkrock Formation erinnert einen doch leider allzu schnell an Vergänglichkeit und das unweigerliche Schicksal des fortschreitenden Alters. Da sitzen ein Knabe und ein reifer Herr gemeinsam auf einer Parkbank im Herbst des Lebens, beide etwas trübsinnigen Gemütes, während Days Go By beinahe wehmütig als Albumtitel gewählt wurde. Wer nun aber eine musikalische Bestätigung des ermüdenden Ersteindrucks befürchtet, darf schon nach den ersten Takten beruhigt aufatmen.
Nachdem ich für meinen Teil ehrlich gesagt nach dem '98er Release Americana, das sich mit inzwischen mehr als 10 Millionen verkauften Tonträgern damals stolze 63 Wochen in den deutschen Charts halten konnte und meine Jugend begleitete, die weitere Bandgeschichte von The Offspring etwas aus den Augen verloren habe, war ich schon etwas gespannt auf den Inhalt der aktuellen Platte. Noch dazu weil man vernehmen konnte, dass Rise And Fall, Rage And Grace (2008) als letztes Werk nicht mehr ganz so viel Beachtung geschenkt bekam. Bryan „Dexter“ Holland (vocals, guitar), Kevin „Noodles“ Wasserman (guitar), Greg Kriesel (bass) und Pete Parada (drums) haben dabei dem Grunde nach kaum etwas von ihrem einstigen Charme eingebüßt, wie ich nach den ersten Minuten der Hörprobe von Days Go By bereits verraten darf.
So marschiert auch gleich der Opener The Future Is Now schön nach vorne und Dexter fokussiert die Lebenslust der Gegenwart, statt sich allzu große Sorgen um die Zukunft zu machen. „Will you take what's in my head / and erase me when I'm dead / cause the future is now...“ Dieser „Punk-Geist im Herzen“ wird dann auch konsequent fortgeführt und obwohl sich der folgende Song Secrets From The Underground ungern als Anthem der guten Laune verstehen würde, verbreitet er nicht gerade Totengräberstimmung, um es auf den Punkt zu bringen. „Stars still burn bright / seasons change overnight / as we find our way / the times they come and go / look back in love.“ Mit reichlich Selbstbewusstsein dürften sich The Offspring nicht nur auf ihrem Titeltrack präsentieren, denn sie haben schon so vieles erlebt, weshalb ein Blick zurück niemals schaden kann. Mit der Neuauflage des Tracks Dirty Magic, der schon auf dem kommerziellen Durchbruch Ignition (1992) zu finden war, tun sie dies auch ohne Reue.
Nachdem man zwischenzeitlich das Songtempo etwas angezogen und der vorgegebene Rhythmus lebhaftere Formen angenommen hat, übertreibt man es ein wenig mit einem sich selbst nicht wirklich ernst nehmenden Cruising California (Bumpin' In My Trunk), das scherzhafte Züge eines Pretty Fly (For A White Guy) annimmt. Für quietschige American Pie Hymnen oder derartige Anwandlungen pubertären Leichtsinns ist das Quartett aus Huntington Beach nicht nur gefühlt dann doch etwas zu alt und herzlich wenig authentisch. The Offspring lassen es sich diesen Umstand zum Trotz aber auch nicht nehmen, den entspannten O.C. Guns Mariachi-Sound auszupacken und spielen sich damit gemeiner Weise unweigerlich in die hinteren Gehirnwindungen musikalischer Wahrnehmung. Spätestens bei Wanna Secret Family (With You) kann zumindest ich meine Füße nicht mehr stillhalten, feiere das „Comeback“ von Offspring über alle Maßen und strecke zum Abschluss des Albums Days Go By feierlich die Faust in Richtung Himmel. Es lebe der Punkrock, denn er scheint unsterblich.
Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung
Alexander Riede ist der Meinung... The Offspring melden sich vier Jahre nach ihrem letzten Release auf beeindruckende Weise mit neuem Songmaterial zurück. Den insgesamt 12 Stücken des von Bob Rock produzierten neunten Studioalbums Days Go By hört man deutlich an, dass Bryan Holland und seine Bandkollegen einiges an Spaß im Studio hatten, was der unverkrampften, beinahe schon jugendlich ungestümen Erscheinung der Platte sehr gut tut, wenn man mich fragt. Wer Punkrock auch heute noch feiert, wird von diesem Album begeistert sein und merkt in keinster Weise etwas von Altersschwäche. Das Leben hat seine Höhen und Tiefen, bei Days Go By überwiegen deutlich die Höhen und das ist auch gut so.
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