Automatikk - Vermächtnis
Music - Rap - HipHop
Freitag, den 27. Juli 2012 um 17:59 Uhr

Warum ein gängiges Konzept ändern?

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Review | Kritik | Bewertung
Automatikk - Vermächtnis (2012)

Vermächtnis - AutomatikkBewertung: 3,5 von 6
Label: Beatillz.de (Soulfood)
www.myspace.com/automatikkrap

Drei Jahre sind mittlerweile vergangen, seit das aus Nürnberg stammende Rap-Duo Automatikk ihr bis dato letztes Album Illegal herausgebracht haben. In der Zwischenzeit hat sich in der deutschsprachigen HipHop-Szene einiges getan und gerade die Hochphase des einst so große Wellen schlagenden Subgengres des Straßenrap ist doch eher am Abklingen als am Aufstreben, wenn man die Geschehnisse genauer verfolgt. Für die Brüder Rokko81 und Attila78 ist dies jedoch noch lange kein Grund, an ihrem Stil etwas zu verändern.


So erschien nun am 29. Juni 2012 das mittlerweile sechste Album der Mittelfranken mit türkischer Herkunft. Lyrische Unterstützung bekommen die beiden von solch illustren Gästen wie Kool Savas und Nazar. Für die Produktionen zeichnen hauptsächlich DJ Smoove, aber auch M3, Freshmaker Beats und Steve verantwortlich. Wie bereits erwähnt ist seit dem letzten Release einige Zeit vergangen, weniger überraschend haben Automatikk an ihrer Themenauswahl rein gar nichts geändert. Es gibt nach wie vor radikale Battle-Ansagen en masse, dazwischen schildern sie aber auch ihren Alltag und verarbeiten persönlichen bzw. sozialkritischen Stoff. Aufsehen erregend war für den ein oder anderen sicherlich, dass ein gewisser Kool Savas gleich zweimal auf der Tracklist von Vermächtnis auftaucht. Während der „King of Rap“ lyrisch schon wesentlich bessere Leistungen als auf Killainstinkt und Teufel abgeliefert hat, wertet er dennoch beide Tracks auf und die jeweils sehr eingängige Hook lässt die Songs zu den Highlights dieser Platte werden.

act-automatikkDen zweiten bekannten Gast darf man dann in Person von Nazar auf Rapstar begutachten. Auch hier ergänzt der Wiener die Nürnberger Brüder gut und spittet souverän über einen simplen Beat. Bescheinigen darf man den Jungs von Automatikk eine deutliche Weiterentwicklung ihrer technischen Fähigkeiten, auch Doubletime-Passagen kommen wie auf Puppenspieler sehr souverän rüber. Wünschenswert wären meiner Meinung nach mehr gesellschaftskritische Songs der Sorte Dorn im Auge, Revolution oder Wenn es Nacht wird und weniger Standard-Battletracks wie Ratata oder Papalapap. Wenn Battle-Rap dann doch bitte über einen punchenden Beat wie auf Bitte Spitte. Gelungen ist ebenso Der Himmel ist die Grenze, wo eindringlich aufgezeigt wird, dass nach dem Höhenflug während eines Drogentrips zwangsläufig der tiefe Absturz folgt. Der Posse-Track Hassphalt u.a. mit Manuellsen, Massiv, Celo & Abdi und Chaker, hätte man dann hingegen eher wieder weglassen können, da hier nicht mehr als platte Klischees vom Stapel gelassen werden.



redakteur-julian

Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung

Julian Dannenhauer ist der Meinung…
"Hallo, Deutschland, schau' Dir Deine Rapper an. Einer sagt Bergsteigen, jeder fängt das Klettern an." Die Orientierung an irgendwelchen Hypes oder Trends ist Automatikk fern und das ist auch gut so. Mit Vermächtnis liefern die Nürnberger Brüder ein kurzweiliges Album ab, welches mit durchgängig guten Produktionen zu überzeugen weiß. Zudem können selbst Kritiker zumindest eine technische Weiterentwicklung nicht leugnen. Das Rad wird hier selbstverständlich nicht neu erfunden, aber dank dem Besinnen auf alte Stärken, gepaart mit einer guten Featureauswahl ist Vermächtnis ein grundsolides Rapalbum, bei dessen Kauf man sicherlich nicht viel falsch machen kann, wenn man Automatikk auch bisher eher positiv gesonnen war.

 
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