The Wire - Die komplette dritte Staffel PDF Drucken E-Mail
Movies - DVD
Samstag, den 04. August 2012 um 09:38 Uhr

Komplexer Kabelsalat.

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Review | Kritik | Bewertung
The Wire - Die komplette dritte Staffel (2012)

logo-lovefilmBewertung: 4,5 von 6
Studio: Warner Home Video
www.hbo.com/the-wire

Wire: Kabel, Draht, auch: Abhörgerät. Während der Bush-Jahre ist dieser Begriff immer wieder durch die Medien gegeistert. Er wurde für das erleichterte Abhören von Bürgern verwendet. Die Serie The Wire nimmt dieses kontroverse Thema auf und erzählt, wie die Polizei von Baltimore mit diesem Instrument versucht, die übermächtige Drogenkriminalität zu bekämpfen. Aber gewitzte Dealer, korrupte Vorgesetzte, Macht hungrige Politiker und vor allem das katastrophale soziale Umfeld machen die Arbeit immer wieder zu Nichte. Fernsehsendungen, welche die Realität darstellen, wie The Wire oder The Shield, werden von Kritikern gefeiert.


Deutsche Fernsehsender interessieren sich dafür offensichtlich recht wenig. Häufig werden diese großartigen, amerikanischen Serien im Free-TV zu unmöglichen Zeiten gesendet oder müssen sich auf Bezahlsendern dem Götzen Fußball unterordnen. Dabei stehen sie auch in den deutschen DVD-Charts immer wieder ganz oben. Man kann sich nur wünschen, dass auch die dritte Staffel von The Wire sich dort einen Platz sichert, abseits des deutschen Fernsehprogramms. Die amerikanische Stadt Baltimore steckt in einem Strudel aus Drogen, Korruption und Gewalt. Das Morden geht ungehindert weiter und Dealer stehen an jeder Ecke. Detective James McNulty (Dominic West) steckt bis zum Hals in dem Schlamassel. Weil er früher in Ungnade gefallen ist, musste er immer wieder seine Dienststelle wechseln und schiebt  jetzt Dienst als Teil einer Spezialeinheit der Mordkommission unter der Leitung von Lieutenant Cedric Daniels (Lance Reddick). Ursprünglich als Abstellgleis für Querulanten gedacht, hatte diese Einheit in der Vergangenheit beachtliche Erfolge, weil sie mit moderner Abhörtechnik gearbeitet hat.

movie-thewireDie Zeiten sind aber vorbei. Die Drogendealer auf den Straßen haben sich angepasst. Sie wechseln ständig ihre Handys, benutzen Codes und sind nicht halb so dumm wie die Polizeiführung denkt. Tatsächlich versucht der Gangboss Russel „Stinger“ Bell (Idris Elba) die Gewalt zu minimieren, um den Gewinn zu maximieren. Trotzdem findet die Polizei ständig neue Leichen, weil andere Gangster lieber auf das Gesetz der Rache schwören, als auf Vernunft. Das führt zu immer katastrophalen Kriminalstatistiken, worauf die Politik reagiert indem sie den Polizeichefs Druck macht, die wiederum machen den Revier- und Ressortleitern Druck, was dann letztlich bei den einfachen Cops wie McNulty endet. Um diesem Kreislauf einen Riegel vorzuschieben, entschließt sich District Commander Howard Colvin (Robert Wisdom) zu einem außergewöhnlichen Schritt: Er verabredet mit den Dealern, dass diese in drei festgelegten, menschenleeren Blocks ihren Geschäften nachgehen können, dafür verschwinden sie aus dem übrigen Gebiet und verschonen die normale Bevölkerung mit ihrer Anwesenheit. Der Geheimplan geht zunächst auf. Die Kriminalitätsrate sinkt, die Bevölkerung ist sicherer und Colvins Vorgesetzte beeindruckt. Als McNulty zufällig über das Projekt stolpert, verbreitet sich die Neuigkeit schnell und Colvin wird zum Spielball der Politik. Als dann auch noch ein Krieg unter den Dealern ausbricht, kann Colvin sein kleines Utopia nicht mehr verteidigen und alles endet so wie es angefangen hat.

Damit wäre die Rahmenhandlung abgesteckt. Daneben gibt es viele weitere Handlungsstränge, die sich grob in drei Ebenen einteilen lassen. Da gibt es die Perspektive der Polizisten, also die von McNulty und seinen Kollegen. Dann die Ebene der Dealer, die sich gegenseitig bekriegen und schließlich die der Stadtführung. Hier versucht ein aufstrebender Stadtrat den Bürgermeister zu verdrängen, was wenig hilft bei der Bekämpfung der Probleme. Es wird dargestellt, wie der Druck von oben nach unten verteilt wird, wie politische Überzeugungen realen Ergebnissen im Weg stehen und wie die Logik der Ökonomie dem mörderischen Gesetz der Straße unterliegt. Das alles sorgt für einen hohen Grad an Realismus, bringt aber auch Probleme mit sich. Die vielen Figuren und verschiedenen Handlungsstränge überfordern den Zuschauer sehr schnell und er verliert den Überblick. Oft ziehen sich einzelne Stränge über mehrere Episoden, wo sie parallel mit 4 oder 5 anderen laufen und ganz nebenbei soll man der Haupthandlung auch noch folgen. Hier hätten sich die Entwickler ruhig an The Shield orientieren können. Dort gibt es neben dem Hauptplot ein oder zwei, Episoden übergreifende, Nebenplots. Darüber hinaus gibt es einen Fall pro Folge der am Ende abgeschlossen wird, wodurch jede Episode einen eigenen dramaturgischen Bogen hat. Das sorgt nicht nur für Spannung, sondern strukturiert die Serie. The Wire dagegen wirkt wegen seiner Komplexität oft chaotisch, was sicher den Realismus erhöht, aber nicht unbedingt das Sehvergnügen.

movie-thewire2Ein anderer Kritikpunkt betrifft die deutsche Synchronisation. Um den Realismus gerecht zu werden, nutzen Serienschreiber den Slang der entsprechenden Umgebung. Das bringt ein mächtiges Plus an Atmosphäre, aber auch Probleme bei der Übersetzung. Viele Wörter oder Phrasen lassen sich nur schwer oder gar nicht ins Deutsche übersetzen. Allerdings hat man immer wieder das Gefühl, dass es auch nicht wirklich versucht wurde. Wer The Wire wirklich genießen will, sollte es sich im Original anschauen. Das Englisch aus der Schule wird nicht immer ausreichen, um alles zu verstehen, aber es verfälscht die Stimmung der Serie nicht so schlimm, wie die deutsche Übersetzung und frischt die eigenen Fremdsprachenkenntnisse auf. Hand in Hand mit dem Slang geht der Soundtrack. Man nutzt aktuelle Songs, oft aus dem Indie-Sektor oder dem Underground der behandelten Szene. Wer jetzt aber einen harten Soundtrack wie bei dem häufig erwähnten The Shield sucht, muss seine Erwartungen zurückstecken. Es gibt viele HipHop-Beats mit rauen Texten, aber der offizielle The Wire Soundtrack kommt auch mit geschmeidigen Jazz und Blues Melodien daher. Manchmal wird man sogar an Gospel erinnert. So wird der Soundtrack zu einem aufregendem Mix aus verschiedensten Stilen. Er reflektiert eben die verschiedenen Perspektiven und Ebenen der Serie und von Baltimore selbst.



redakteur-sven

Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung

Sven Sauerhammer ist der Meinung...
Nach der Meinung einiger Kritiker ist The Wire die beste Serie der letzten Jahrzehnte. Das ist sehr hoch gegriffen, betrachtet man die großartigen Serien, die seit Mitte der 90er entstanden sind. Immerhin haben dieselben Kritiker dasselbe auch über Sopranos oder The Shield gesagt. In Punkto Realismus ist The Wire sicher ganz an der Spitze. Die Charaktere sind äußert komplex, genau wie ihre Beziehungen untereinander. Der Blick auf die Politik und deren Anteil an den Problemen ist einzigartig, vor allem bei der hier vorliegenden dritten Staffel. Aber dafür wurden eben auch Abstriche an anderer Stelle in Kauf genommen, die dem normalen Publikum aufstoßen dürften. Ohne ein fast schon ausführliches Studium der ersten beiden Staffeln, findet man nur schwer einen Zugang. Selbst wenn man die vorherigen Folgen kennt, wird man den ersten Folgen der dritten Staffel nicht viel abgewinnen können. Zu viele Charaktere mit zu vielen Verbindungen müssen beachtet werden. Erst ab Folge 5, wo der Hauptplot um Colvins Projekt in Gang kommt, erhält das Ganze eine Struktur, der man gut folgen kann. Jetzt entstehen auch die Szenen und Dialoge, die einem im Gedächtnis bleiben. Darüber hinaus gibt es schlicht und ergreifend Punktabzug für die deutsche Synchro. Wer des Englischen mächtig ist, soll sich die Serie um Himmelswillen im Original anschauen. Jeder der sich seiner Fremdsprachenkenntnisse sicher ist und gern sein Gehirn einschaltet, während er sich unterhalten lässt, ist aber bei The Wire genau richtig. Er bekommt mehr als nur eine Serie, er bekommt ein Stück amerikanische Realität. 

 
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