Ein Kammerspiel der Apokalypse.

Review | Kritik | Bewertung The Divide (2012)
Bewertung: 4 von 6 Studio: Universum Film www.universumfilm.de
Apokalyptische Themen sind in letzter Zeit wieder voll im Trend. Nach dem Film Hell und dem Spiel I Am Alive, die letzthin rezensiert wurden, besetzt schon wieder ein Weltuntergangstreifen den DVD-Player. Diesmal ist es The Divide von Regisseur Xavier Gens. Im Gegensatz zu Hell spielt der Film nicht im Freiem, sondern in einem Bunker. Aber auch bei The Divide wird der Fokus mehr auf das Zwischenmenschliche, oder besser, dessen Fehlen, gelegt. Eva (Lauren German) beobachtet eine riesige Explosion im Herzen New Yorks.
In Slow Motion walzt sich die Feuerbrunst in ihre Richtung. Tränen rinnen ihre Wange herunter. Alles ist ruhig. Dann gibt es die ersten Panikschreie. Jemand schreit ihren Namen und zerrt sie mit sich. Ein Haufen Menschen stürzt die Treppe hinunter. Nur ein paar schaffen es in den Bunker. Eva und ihr Verlobter sind unter ihnen. Sofort werden Fragen gestellt: Was ist los? Wer ist daran Schuld? Araber? Nord-Korea? Diese Fragen finden keine Antwort. Auf die Frage "Was jetzt?" gibt es nur eine Antwort: Warten auf Hilfe! Schnell wird eine soziale Struktur hergestellt. Mickey (Michael Biehn), Hausmeister des Gebäudes und Bewohner des Bunkers, kennt sich aus und gibt klare Regeln vor, damit die Gruppe überleben kann. Wer glaubt, es handelt sich hier wieder um einen Independent Film, der schlechte Schauspieler mit billigen Special Effects ausgleichen will, sieht sich schnell getäuscht.
Nach der Eingangsequenz mit den nuklearen Explosionen wird sofort der Kammerspielcharakter sichtbar. Die hierfür notwendigen Schauspieler hat Gens glücklicherweise gefunden. An die Seite von Lauren German wurden alte Veteranen des B-Movies, wie Micheal Biehn und Rosanna Arquette gesetzt. Die haben immer wieder bewiesen, dass sie auch auf hohem Niveau darstellen können. Arquette überspannt den Bogen manchmal etwas, in dem sie allzu sehr dramatisiert, aber Biehn gibt seinem Charakter immer wieder feine, fast subtile Züge. Diese Züge finden sich bei Mickey aber erst gegen Ende des Filmes. Am Anfang ist er der Diktator. Derjenige, der sagt, wo es lang geht und seine Argumente auch schlagkräftig untermauert, wenn es sein muss. Er rationiert die Vorräte, verteilt die Räume, legt die Toilettenregeln fest. Das funktioniert erstmal ganz gut. Solange bis ein paar mysteriöse Soldaten in Schutzanzügen den Bunker betreten. Sie entführen das einzige Kind und wollen die anderen von ihrem Schicksal erlösen. Nach einem kurzen Gefecht sind die Angreifer tot. Ein Freiwilliger der Bunkerbewohner bekommt die Aufgabe, in einem der erbeuteten Anzüge die Lage außerhalb des Bunkers auszuspähen und das entführte Kind wieder zu holen. Das Unternehmen misslingt.
Die Konsequenz ist, dass die Bunkertür zugeschweißt wird und es keinen Ausweg mehr gibt. Von jetzt an zerfällt die spärliche Ordnung der Gruppe. Es kommt die Bestie Mensch zum Vorschein. Es wird gefoltert, erniedrigt, vergewaltigt und schließlich auch gemordet. Dieser Prozess wird sehr eindringlich geschildert. Das ist vor allem den Schauspielern und dem Drehbuch von The Divide zu verdanken. Auch wenn die Handlung ein wenig sprunghaft ist und man deshalb die Entwicklung der sozialen Abwärtsdynamik nicht immer nachvollziehen kann, sind die einzelnen Szenen und Dialoge gut ausgearbeitet. Anders ist es mit der Kamera. Hier hätte Regisseur Xavier Gens ruhig ein bisschen mutiger sein können. Die Einstellungen sind selten interessant. Eine klaustrophobische Atmosphäre wird nicht erzeugt. Das hätte aber die ausweglose Situation gut unterstrichen. Konsequent dagegen ist die Untergangstimmung. Von den nuklearen Explosionen bis zu Eva's Flucht aus dem Bunker in die menschenleeren Ruinen New Yorks steht fest, dass es eben keinen Ausweg gibt.
Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung
Sven Sauerhammer ist der Meinung... Eine echte Überraschung war The Divide allemal. Eigentlich hatte ich mit einem platten Endzeitfilm gerechnet, der mit billigem Gore punkten will. Dass es sich um ein echtes Kammerspiel mit glaubwürdigen Charakteren handelt, hatte ich nicht erwartet. Leider wurde dieser Umstand dank einer allzu biederen Bildarbeit optisch nicht sauber unterstrichen. Mal abgesehen von der Eingangs- und Endsequenz gibt es keine Aufsehen erregende Kameraeinstellungen. Das sorgt für ein wenig Langeweile, kann aber verkraftet werden. Jeder, der mit apokalyptischen Themen zurecht kommt und dabei auf blutige non-stop Action verzichten kann, sollte sich den Film zulegen.
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