Review | Kritik | Bewertung @ Generation One
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Artists - Interviews
Donnerstag, 11. August 2005 um 08:55 Uhr
Raptile
(August 2005)

Nach dem Erfolgsalbum "Classic Material" und einem längeren Aufenthalt in den USA kehrt Raptile mit neuem Album und einer ersten Hammer-Single zurück ins HipHop-Business und verkündet lautstark seine Botschaft an alle Neider: "That's how we fight back if you want beef!". Die brandneue Single „Fight Back“ wird dabei am 22.08.2005 ebenso als Limited Edition released, wie das langerwartete Album "Mosez" am 12.09.2005. Wir bieten Euch in diesem Zusammenhang neben einem exklusiven Interview mit Raptile auch jede Menge Info- und Bonusmaterial (Video, Making Of) in unserem Raptile-Special.

Alex: Auf dem Album „Classic Material“ und besonders dem Track „Maestro“ vollziehst Du durch gebildete Charakter das Gedankenspiel Deines möglichen Lebensverlaufs. Was würdest Du jetzt vermutlich machen, wenn sich die harte Arbeit an Deiner Karriere nicht ausgezahlt hätte?
Raptile: "Ich denke ich würde sicherlich noch mehr im Fussballbereich machen... Trainerschein und dann Spielertrainer bei einer Mannschaft im Amateurbereich. Und natürlich auch produzieren und rappen, das geht ja nicht verloren. Ansonsten vielleicht schon jetzt anfangen, Familie zu gründen. Kein Plan, zum Glück ist alles bis jetzt gut gelaufen."

Alex: Du bist ja durchaus als Freestyle- und Battlerapper bekannt geworden. In ihrem Track "Shoot First" disst Dich She-Raw gefeatured von Reason mit den Worten: „The wrong artists being pushed.”. Deine Meinung dazu?
Raptile: "Haha... leider ist das natürlich eine sehr subjektive Sichtweise! <lacht> Ich weiß nicht mal was für ein Track das ist und wer die Perle ist, plus es interessiert mich wirklich nicht! Ich kam aus den Staaten und habe nur gehört dass da Leute mich dissen auf irgendwelchen Tracks, aber die Leute kennen mich und meinen Werdegang nicht... lassen sich von Dingen wie z.B. Singles täuschen. Ich habe sehr viel durchgemacht, wo die wahrscheinlich nicht mal hinschnuppern können! Aber da die meisten nur in ihrer kleinen HipHop-Welt leben und denken sie haben die Weisheit mit Löffeln gefressen, kann ich ihnen nicht helfen... ich verschwende meine Zeit nicht mehr mit solchem Kram!"

Alex: Im Vergleich zu Spontan, dem man in seinem damaligen Disstrack „Finishingmove“ und dem Statement „Ich seh’ Dich Bimbo loosen.“ noch Rassismus vorwerfen konnte, besitzt She-Raw ja einen ähnlichen ethnischen Background, wodurch die Kritik alleine auf Dein Talent begründet ist. Nimmst Du eine solche Kritik ernst?
Raptile: "Die Spontan Sache ist abgehakt, seine Karriere war nach dem Battle vorbei und er steht jetzt im Nichts! Ich bin ihm aber dankbar, denn durch diesen Battle ist der Track „Monstablok“ entstanden und dadurch auch der Name meines Labels „Monstablokaz“. Der einzige Grund, warum jetzt Leute über diesen fetale MC reden, ist nun mal der Raptile Diss... und das ist der Punkt... ich habe niemals jemanden dissen müssen, um auf meine Musik aufmerksam zu machen, das habe ich nicht nötig, ist mir auch zu langweilig, das macht jeder! Aber, ich hoffe sie wird Ihren Weg machen und irgendwann mal in die Situation kommen, wo sie Platten verkaufen muss... und plötzlich sieht, wie Leute sich ändern. Denn eines ist klar, mit dem Erfolg kommen Hater... und die werden sicherlich auch bei ihr an einem gewissen Punkt genügend Sachen finden, um sie zu dissen! Plus, dass sie überhaupt eine Chance hat Platten zu veröffentlichen... auf englisch in Germany... hat sie meinem Erfolg zu verdanken... keinem anderen! Kein Label hätte über so ein Thema ernsthaft nachgedacht, wenn ich nicht letztes Jahr so abgeräumt hätte. Think about it!" <lacht>

 Alex: Du hast in einem älteren Interview geäußert, dass es wenig Sinn machen würde, gegen deutsche Rapper Freestylebattles zu machen, weil die Zuhörer mit Genialität und Wortwitz englischsprachiger Battletexte erstmal nichts anfangen können. She-Raw textet selbst auf englisch, wird nun eine Antwort deinerseits auf den Diss kommen?
Raptile: "Ich glaube nicht dass ich in naher Zukunft überhaupt Battles mit solchen Leuten führe... ich habe sehr viel zu tun... ich würde nur Leute battlen, die wirklich Namen haben. Mir hilft dieser Battle überhaupt nicht... das ist nur Zeitverschwendung... den Scheiss habe ich vor 4-5 Jahren gemacht und wenn ich mit jeder Ratte aus dem Underground battlen müsste nur weil die ein Problem hat... werde ich nie fertig! Die soll erstmal richtig abgehen und sich einen Namen erarbeiten. Wenn es dann mal soweit ist... und sie will immer noch battlen, dann kann man drüber nachdenken. Aber bis dahin wird sie die gleichen Probleme durchgemacht haben, wie ich und müde sein von der ganzen Möchtegern HipHop-Edition... die immer noch nicht das Wort „Realness“ kapiert haben! Wie gesagt, ich wünsche jedem viel Glück der das auf englisch hier versucht... weil das ist das schwerste überhaupt in Deutschland."

Alex: Zum Thema Rassismus: Aus eigenen Erfahrungen beschreibst Du Deine Heimatstadt München und Deutschland im Allgemeinen in gewisser Weise als intolerant. Wie verhält es sich damit in den Staaten?
Raptile: "Ich glaube das Problem gibt es überall... es gibt überall Idioten die es nie lernen. Ich möchte das gar nicht auf irgendwelche Länder beziehen oder vergleichen."

Alex: Wie kommt es, dass es keinerlei Verbindungen zwischen Raptile und dem Projekt Brothers Keepers gibt? Was hältst Du persönlich von dem Projekt?
Raptile: "Kein Plan... die machen ihr Ding... und das ist gut so. Raptile passt da vielleicht nicht ins Konzept... echt kein Plan, ist mir auch egal! Ich bin froh, dass ich mir gewollt oder ungewollt eine gewisse Exklusivität erhalten habe. Ich gehe meinen Weg, versuche mit meinen Leuten ein Ziel zu erreichen... und auf diesem Weg versuche ich den Kids in Gesprächen oder Musik Tipps zu geben, wie sie mit ihrem Leben besser fertig werden."

Alex: Die Zeit nach Deinem ersten Album „Da Basilisk’s Eye“ gestaltete sich ja bekanntermaßen als besonders hart. Nachdem 2001 vorerst der Höhepunkt des Deutschrap-Booms erreicht wurde und zugleich das mediale Interesse an deutschen HipHop-Acts zurückging, wurde es schwierig, andere von seinem Talent zu überzeugen. Mittlerweile wird deutscher HipHop durch Künstler wie Sido, Eko und Kool Savas wieder stark gepusht. Wie siehst Du die Entwicklungen deutschsprachigen Raps? Wie viel hat sich seit damals geändert?
Raptile: "Ich glaube das Ganze ist auf einem guten Weg, was die Exposure angeht! Ich freue mich über jeden HipHop Act der Top10 geht (auch wenn ich Beef mit demjenigen habe)... da alles besser ist als Sarah Conner etc.! Ich denke auch dass es sehr viele neue, unbekannte MC’s gibt, die jetzt einen sogenannten Generationswechsel vollziehen. Was ich nicht so geil finde ist, dass alles immer mehr in das Gangsta Ding übergeht... und viele Fans nicht mehr checken was real ist und was nur ein Industrie-Image ist. Die Kids sind sehr aggressiv und ich glaube dass das alles noch extremer wird in Deutschland... mal sehen."

 Alex: In gewisser Weise folgen viele deutsche Künstler Deinem Vorbild und suchen bewusst Connections in den Staaten für gemeinsame Produktionen. Azad & Savas kaufen sich für ihr Album „One“ die Beats aus den Staaten, Eko performt mit D-12 und Luniz, während Kool Savas exklusive Freestyles von Cam’Ron auf „Die John Bello Story“ präsentiert. Was hältst Du davon?
Raptile: "Ich glaube, dass viele das einfach nur machen um ihre eigenen Träume zu verwirklichen, denn ein Savas verkauft nicht mehr Platten wegen Cam’Ron... ich denke er ist halt ein krasser Fan seiner Musik und ist jetzt in der finanziellen Lage, das zu machen. Bei mir ist das ein bisschen anders gewesen, ich habe mir ja durch den Xzibit-Track erstmal Gehör verschafft, was nicht heißen soll, dass ich nicht ein Fan von ihm war. Ich musste aber dann mit "Unbeatables" beweisen, dass ich ohne Ami-Feature verkaufen kann... und die Platte hat mehr verkauft als "Make Y'all Bounce"! Anyway, soll jeder machen was er meint, die HipHop-Szene denkt zu viel und zu kompliziert, macht einfach Sound der euch gefällt, wenn es gut genug ist kommt der Rest von alleine."

Alex: Wie wichtig ist für Dich der Erfolg in Deutschland? Führt die weltweite Anerkennung immer noch über gute Verkaufszahlen im Heimatland oder kannst Du Dich wie viele US-achts darauf verlassen, nur in bestimmten Bundesstatten Amerikas Deine Alben zu verkaufen?
Raptile: "Ich habe noch keinen offiziellen Deal in den Staaten unterschrieben, ich bin weltweit bei Sony/BMG gesignt. Ich muss meine 2 Angebote aus den Staaten mit Sony/BMG absprechen, aber solange die sich die Option offen lassen wollen, ist da halt eine Sperre drin. Aber Amerika ist das große Endziel... ich muss mich jetzt auch viel um Europa kümmern... ich habe gerade gehört, ich bekomme von Universal Polen für eine Compilation, wo "Unbeatables" einer der Haupt-Tracks war, Platin! Das ist schon mal ein Anfang... nichts überkrasses... aber Platin. <lacht> Ich bin auf dem richtigen Weg... und in den next 2-3 Jahren wird einiges passieren!"

Alex: "Mozez“, Dein neuestes Album soll am 12. September veröffentlicht werden und Du schickst, wie schon beim Vorgängeralbum, mit „Fight Back“ eine Single (Release: 22. August) voraus. Wieder um die Reaktionen der Zuhörer zu testen, oder aus einem anderen Grund?
Raptile: "Nein, das ist ein bisschen anders. Bei "Make Y'all Bounce" war es so, wenn die Platte nicht Top30 gegangen wäre, hätte ich keinen Deal mehr und wäre gedroppt worden. Das war eine klare Aussage des Labels. Und nachdem VIVA und MTV das Video in der ersten Vorlage abgelehnt haben... war ich am fast schon am Ende! Aber der Track war so stark, dass er nur mit Viva Plus Rotation auf 24 gekommen ist... da war ich nervlich schon locker am kaputt. „Fight Back“ ist eher ein Track der den Leuten sagt „Jeeeahh! I’m back.“ und macht euch bereit auf eines der besten Alben die ihr dieses Jahren hören werdet! Der Album Release am 12. September ist sicher... das war damals nicht so."

Alex: Du hast auf „Mozez“ bewusst auf prominente Features verzichtet, was einem nach Kollabos mit Xzibit, Redman, Rah Digga und Wayne Wonder auf dem Vorgängeralbum „Classic Material“ etwas erstaunt. Ist dies ein Zeichen, dass Du Dich im Business bereits fest etabliert hast?
Raptile: "Ich denke jetzt ist der Zeitpunkt den Schritt zu gehen... außerdem habe ich ja dafür ein sehr großes Feature auf dem Album... wobei der Track alleine schon ein unglaubliches Monsta ist! Ich habe letztes Jahr meinen Fuß in die Tür gebracht... dieses Jahr muss ich sie richtig aufstoßen... wenn ich erfolgreich bin, werden viele andere (wie z.B. die eine Keule die auf englisch rappt) auch große Chancen haben einen Major Deal zu bekommen... denn dann machen die Labels sich auch wieder Gedanken über englischen Rap aus Deutschland. Ich bin etabliert, aber muss mich auf jeden Fall noch krass beweisen... ob ich diese Verkaufszahlen verdopple oder verdreifachen kann."

 Alex: Was kann der Hörer von „Mozez“ an Innovationen erwarten? In welcher Weise hat sich Dein Style vielleicht sogar verändert?
Raptile: "Der Style ist viel mehr auf dem Punkt... amerikanische Beats (z.B. Ruff Ryders Producer) mit unseren markanten Raptile Synthies. Ich glaube wir sind gerade drauf und dran einen sehr eigenen Sound zu entwickeln... wo man auf jeden Fall Raptile raus hört! Das mit meinem Style müssen sich Leute selber anhören... ich höre die Songs jeden Tag... und im Vergleich zu Classic Material ist das wieder viel tighter geworden... aber im Endeffekt können das die Fans besser beurteilen."

Alex: Um den Erfolg in den USA überhaupt zu gewährleisten, musstest Du ja viele Verbindungen knüpfen und nach eigenen Angaben jede Menge „hustlen“. Demo-Tapes kamen in die falschen Hände und viele „Dummschwätzer“ gestalteten den Weg steinig. Würdest Du es anderen Acts aus Deutschland empfehlen, das gleiche zu versuchen?
Raptile: "Jeder der schon ein bisschen versucht hat dort was an Start zu bekommen weiß, wie schwer es ist was zu erreichen. Die Amis im Allgemeinen nehmen Europa und Deutschland nicht wirklich ernst... und es ist hart jemanden zu finden, der wirklich nur auf die Musik hört und sagt: „Hey, shit is tight, i’ll help u out!“. Normalerweise ist es so, solange du jemanden nicht helfen kannst, hilft dir keiner... Niemand! Aber ich habe jetzt wirklich über die Jahre 2-3 gute Connections gemacht, die wirklich sehr hohe Positionen haben und die vor allem, nachdem sie "Mosez" gehört haben, mich unglaublich pushen! Obwohl noch nichts unterschrieben ist. Ich würde jedem empfehlen mal drüben reinzuschnuppern... auf der Strasse zu stehen und versuchen von 0 anzufangen. Ich glaube 99,9% der Leute würde nach kürzester Zeit erfolglos die Heimreise antreten. Aber ein Versuch ist es Wert!"

Alex: Mit Deinem eigenen Label Monstablokaz Entertainment kannst Du ja nicht nur Deine Musik ein Level weiter bringen, sondern auch die Crew-Member der Cryptotech-Squad supporten. Wird es demnächst weitere Releases geben? Was ist in naher Zukunft geplant?
Raptile: "Wir haben den Namen des Labels auch auf die Crew übernommen, damit es noch einfacher ist den Namen rauszuhauen. Die Crew heißt Monstablokaz und wir arbeiten dieses Jahr am Album. Die zwei Hauptkünstler sind Da Lioness und Cronite. Ich hoffe wir können im Februar 2006 eine erste Vorabsingle veröffentlichen! Das Album soll dann auch im Sommer 2006 kommen... im Zuge vom nächsten Raptile Album. Also, es ist viel zu tun... zwei Alben... Tour durch Europa und den Rest der Welt... deswegen habe keine Zeit für andere Sachen! I’m focused man!"

Alex: Vielen Dank für das ausführliche und äußerst aufschlussreiche Interview. Möchtest Du Deinen Fans zum Schluss noch etwas mit auf den Weg geben?
Raptile: "Ich danke jedem einzelnen Fan der letztes Jahr den „Underdog“ zum Top10 Künstler gemacht hat... und ich hoffe, dass ihr weiter mit uns den Weg geht, Monstablokaz weltweit zu etablieren. Keep it movin’ and Check out Raptile.com & Subword.com. Jeeeahh! Peace Rap."

Interview am 11.08.2005,
Alexander Riede (Generation One)