Interviews
|
|
| Artists - Interviews | |||
| Dienstag, 04. Oktober 2005 um 09:19 Uhr | |||
Mäckes (Oktober 2005) Das etwas andere Interview mit einem etwas anderen Künstler im Rap-Geschäft. Der Stuttgarter Mäckes hat stets den Kopf voll mit Gedanken und sorgt bei seinen Fans für uneingeschränkte Begeisterung, wenn er diesen auf seinen Songs freien Lauf lässt. Im Zusammenhang mit seinem aktuellsten Werk "Der bessere Mateja Kezman" gibt es auf Generation One das exklusive Mäckes-Special und eines ist klar: bei uns wird der talentierte Newcomer keinesfalls frühzeitig zum Duschen geschickt! Alex: Einleitend möchte ich Dir die Möglichkeit geben, auch im Interview Deine „letzten Worte“ an den Anfang zu stellen und bedanke mich schon im Voraus für ein hoffentlich interessantes Interview. Mäckes: „Ich danke allen, die sich nie öffentlich bei mir bedanken würden. Bis hierher und keinen Schritt weiter, es wurde schon genug unschuldiges Wort vergossen.“ Alex: Du bezeichnest Dich selbst als „autistisch, nicht linear und gelangweilt“. Was genau kann man darunter verstehen, besonders in musikalischer Hinsicht? Mäckes: „Autisten bemerken die meisten Menschen, die sie umgeben, schlichtweg nicht, sie sind von Dingen fasziniert. Ich bin vom Ding Kunst/Musik/Rap fasziniert, verrenne mich darin, mich immer wieder neu zu erfinden (weil ich ja immer gelangweilt bin), was zur Folge hat, dass ich mich nicht linear fortbewege, sondern querfeldein. Bei dem ganzen Prozess vergesse ich die meisten Menschen um mich herum und setze oft: Kunst über alles.“ Alex: Man könnte Deinen Musikstil ja durchaus als unkonventionell oder zumindest ungewöhnlich bezeichnen. Siehst Du darin gerade Deine Stärke oder befürchtest Du, es könnten sich weniger Menschen mit Deiner Musik identifizieren? Mäckes: „Ehrlich gesagt, hab ich darin nie etwas gesehen, sondern einfach nur gemacht. Vielleicht mir auch ein bisschen zu einfach, aber auf jeden mir keine Gedanken darüber, bis irgendwann immer mehr Leute auf mich zukamen, und gesagt haben, dass ich immer so kompliziert, so vollgeladen, so anstrengend zu hören bin. Erst dann hab ich mir "den besseren" mal am Stück angehört und festgestellt: stimmt. Es wird wohl meine Stärke und Schwäche sein.“ Alex: Aussagen zufolge verbindet Dich und Rap eine regelrechte „Hassliebe“? Welcher Punkt lässt Dich Rap mit einem lachenden und einem weinenden Auge betrachten?Mäckes: „Lachend: Es ist die erste offizielle Kunstform fürs Proleten, meine Ausdrucksform, flowen, Beats laut im Auto hören, wenn man kein Ziel hat. Weinend: jeder beklagt sich darüber, dass keiner seinen eigenen Style hat, doch wenn jemand seinen eigenen Style gefunden hat, ist er Deichkind. Rap als Korsett, ungeschriebene Regeln, aber vielleicht existiert das ja alles nur in meinem Kopf.“ Alex: Einem Zeitungsartikel konnte man entnehmen, dass Malerei neben Rap Deine „zweite große Passion“ ist und Du Dich deshalb schon an einer Kunsthochschule beworben hast. Jetzt studierst Du Kunstgeschichte und Philosophie, also hat Rap noch nicht Deinen kompletten Lebensinhalt übernommen? Mäckes: „Ich hab nach 2 Tagen abgebrochen. Deshalb is Rap, abgesehen von einigen Nebenprojekten, meine kompletter Lebensinhalt. Kann aber gut sein, dass ich noch studiere. Mal schauen, jetzt wird erstmal gerappt.“ Alex: In einem anderen Interview meintest Du, „Der bessere Mateja Kezman Tonträger“ wäre „kein offizielles Album geworden, weil [Du] andere Ansprüche an ein Album stellst“. Welche Erwartungen setzt Du in ein typisches Mäckes-Album? Mäckes: „Ich will einen eigenen Sound, neue Wege gehen, flow-, inhalts- und beattechnisch! Ich will Songs machen und nicht nur 500 Bars ohne Hook am Stück über Beats dreschen. Teilweise kann man das schon auf dem besseren Cashmoney erkennen, aber es ist halt doch nur zusammengestückelt. Mein nächstes Album wird persönlich und trashig, mit mehr Einflüssen aus verschiedener Musik und spoken word und Falco-Features wieder belebt und Hits und Antihits und... wasweißich, wartet noch ’n bisschen.“ Alex: Das „Schneesturm Acca“ wurde ja eigentlich über einen Beat geschrieben, aber wie soll man sich die Idee zu einer solchen Umsetzung vorstellen? Was hat Dich dazu bewegt, diese Zeilen zu verfassen? Mäckes: „Wie gesagt, es war einfach irgendein Part über einen Beat von Peerless. (Der Beste!) Nur so, der Wortspiele und des Rappens wegen. Ich hab ihn Peerless im Studio erstmal Accapella vorgerappt und der hat sich bepisst vor Lachen. Dann bin ich in die Kabine und hab ihn über Beat gerappt und er hat sich nicht mehr bepisst. Er hat gemeint alles geht unter, weil zu schnell. Dann stand ich halt noch drin in der Booth und hab ihn nochmal so gerappt. Und so haben wir ihn dann genommen. Dazu muss man aber vielleicht noch sagen, dass ich mit Plan B Live schon immer viel mit Accapellas in einer theatermäßigen Umsetzung rumexperimentiert hab, wir nennen das „Rap Up Comedy“, sprich es war nicht die Neuerfindung des Rades, es wurde nur zum ersten mal auf einen Tonträger gebannt.“ Alex: In Deiner Musik steckt meistens eine geballte Ladung an Sozialkritik, meistens sehr unterschwellig. Denkst Du, der Durchschnittshörer filtert das Wesentliche an Aussagen heraus bzw. versteht Deine Texte?Mäckes: „Ich hoff doch. Dafür is es ausgelegt. Ich hasse es einfach mittlerweile, wenn man mit diesem ganzen Pathos & Weltveränderungswahn, Sozialkritik oberschwellig und meist flach versucht unter die Leute zu bringen. Ich kann mir das nicht mehr anhören. Auch nicht von mir. Aber reden ohne etwas zu sagen zu haben ist auf Dauer auch nicht so das wahre. Ob und wie das jetzt vom Durchschnittshörer rausgefiltert wird, kein Plan, wenn Sie es nicht wahrnehmen sollten, weil’s zu unterschwellig ist, wird es spätestens irgendwann in den Träumen der Durchschnittshörer wieder auftauchen.“ Alex: In „88“ und „2PW“ auf dem „Der bessere Mateja Kezman Tonträger“ sprichst Du wiederum generelle Missstände sehr deutlich an. Wie unzufrieden bist Du mit unserer Gesellschaft? Mäckes: „Ich liebe diese Gesellschaft! Aber auch nur wenn gerade ein Bericht über das Dritte Reich auf 3sat im Hintergrund flimmert. Nee, hier ist es wahrscheinlich schon besser als irgendwo anders, aber mich pisst diese Egalhaltung an. Alles is egal! bis auf die unwichtigen Dinge, die sind wichtig wie die Hölle geworden. Der Lauf des Lebens ist oft nur noch ein Lebenslauf. Mir sitzt der Lauf des Lebens dagegen halt immer wieder an der Schläfe, ich kann nichts anderes antworten als: Ich bin oft unzufrieden damit.“ Alex: Nach eigenen Angaben „steckt diese negative Grundhaltung irgendwo immer in [Dir]“. Wird dieser Moment ewig anhalten oder können wir in Zukunft auch entspanntere Tracks von Dir erwarten? Mäckes: „Sie kommen. Musik war bei mir immer auch ein Stück Selbsttherapie. Und ich glaub ich bin auf einem ganz guten Weg…“ Alex: Auf dem Album „Dayz Of The Championz“ konnte man sehr gut merken, dass Plan B und Maeckes musikalisch betrachtet doch sehr verschieden sind, und trotzdem versteht Ihr Euch hervorragend. Was verbindet Euch? Mäckes: „Die Liebe zu Rap. Mittlerweile auch Freundschaft. Vielleicht der Fakt, dass wir gerade so verschieden sind und immer wenn wir ein Lied schreiben, uns am liebsten gegenseitig die Schädel zertrümmern wollen, weil jeder mit Topspeed von seiner Seite aus auf den anderen prallt. Er ist ein sehr talentierter Rapper und ich hab einiges von ihm gelernt, was Unbeschwertheit angeht und so. Er vielleicht auch von mir. Aber auf die Frage, was uns verbindet wird wohl am besten unser zweites gemeinsames Album „Als wären wir Freunde“ antworten können, an dem wir gerade arbeiten. Nicht mehr so ne zweiseitige Angelegenheit, jetzt wird alles einseitig. Wir schreiben fast alle Tracks zusammen. Mal sehen was uns verbindet…“ Alex: Mal abgesehen davon, dass Du gelernt hast, „wie man betrunken mit einem Wohnmobil morgens durch die Innenstädte cruist“, welche wichtigen Erfahrungen hast Du als Back-Up MC von Franky Kubrick gemacht?Mäckes: „Ich stand auf vielen Bühnen, hab erfahren wie es sich anfühlt, wenn man abgefeiert wird und auch, wie das so ist, wenn man abgefickt wird. Ich hab viele Leute kennen gelernt, eine gute Zeit gehabt, einige MacGyver-mäßige Überlebenstipps erfahren und bin eben betrunken mit Wohnmobils durch Innenstädte gecruised. Was will man mehr?“ Alex: Besonders beeindruckt hat mich ein Statement Deinerseits, in dem Du Rap mit einem Ikea-Schrank vergleichst. Kannst Du diesen Gedanken bitte noch einmal für unsere User ausführen, da ich denke, es entspricht einer sehr elementaren Sache im aktuellen Musikgeschäft? Mäckes: „Boah, was hab ich da schon wieder gesagt. So ne Schubladengeschichte oder? Vielleicht so was wie: Rap ist ein Ikea-Schrank, billig von den Amis (ja! nicht aus Schweden) erworben und selbst aufgebaut. Jetzt is es so, dass alle Produkte, die gut funktionieren, in den oberen Schubladen stecken und leicht zugänglich sind, will man aber andere Produkte, is es unbequem. Man muss sich bücken, wühlen, suchen. War es so ungefähr? Ich kann mir solche Bilder nie merken, es kommen immer neue.“ Alex: Selbst bevorzugst Du Musik, die „über dieses unpersönliche Level hinausgeht“. Welche Künstler bzw. wessen Musik hörst Du folglich gerne? Hättest Du einen Wunschkandidaten für ein zukünftiges Feature? Mäckes: “In letzter Zeit: Joy Division, Commons Electric Circus, Broadcast, M83, Gonzales, Rocket Freudental, Bloc Party, The Paper Chase, die Zack! Boom! Peng! EP, Mercury Rev, Dead 60s, Doc Schoko, Olli Banjo, Nick Cave, Joe Budden, neulich hab ich auch mal wieder Pac`s "Me against the World" gehört und es war unfassbar, Big L, Grafh, den alten Eminem, Anthony&the Johnsons, The Island... Feature? Hm… Plan B? Herbert Grönemeyer? Gonzales? Grafh?“ Alex: Wie zufrieden bist Du mit Deinem Label Chimperator und was erwartet uns in Zukunft aus der Stuttgarter Talentschmiede in Sachen Releases, Touren, usw.? Mäckes: „Ich bin sehr zufrieden, wir sind nicht das reichste Label, aber dafür das mit den aufgerissensten Ärschen. Release-mäßig kommt Anfang nächsten Jahres das zweite gemeins... das erste wirklich gemeinsame Album von Maeckes & Plan B namens "Als wären wir Freunde" raus, dann gibt’s noch Kodimeys langangekündigtes Album, Andrrrej will auch mal was anderes machen als Businesspläne zu schreiben und mit Frauen in hohen Schuhen abzuhängen und ’ne Tour is auch in Planung, genaueres dazu folgt aber noch auf den chimperator.de's, maeckes.de's und plinch.de's dieser Welt. Watch out!“ Interview am 04.10.2005, Alexander Riede (Generation One)
|


Mäckes
Alex: Aussagen zufolge verbindet Dich und Rap eine regelrechte „Hassliebe“? Welcher Punkt lässt Dich Rap mit einem lachenden und einem weinenden Auge betrachten?
Alex: In Deiner Musik steckt meistens eine geballte Ladung an Sozialkritik, meistens sehr unterschwellig. Denkst Du, der Durchschnittshörer filtert das Wesentliche an Aussagen heraus bzw. versteht Deine Texte?
Alex: Mal abgesehen davon, dass Du gelernt hast, „wie man betrunken mit einem Wohnmobil morgens durch die Innenstädte cruist“, welche wichtigen Erfahrungen hast Du als Back-Up MC von Franky Kubrick gemacht?