Review | Kritik | Bewertung @ Generation One
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Artists - Interviews
Montag, 14. November 2005 um 09:40 Uhr
Separate
(November 2005)

Mit der Single „Deutschlands Hustler“ machte der Mainzer Rapper Separate eindringlich auf seinen „Zahltag“ im Rap-Business aufmerksam. Auch wenn das schnelllebige Chartgeschäft noch nicht auf Separate’s Seite ist, macht sich bereits nach seinem zweiten Soloalbum der hinzugewonnene Status in der HipHop-Szene durchaus bezahlbar. Alle wichtigen Fakten zu Separate’s neuem Album „Zahltag“ könnt Ihr unserem Review und dem dazugehörigen Interview entnehmen.

Klaus: Erst mal Glückwunsch zu Deinem zweiten Album, wir in der Redaktion hier sind alle sehr begeistert von ihm! Wie viel Arbeit steckt in "Zahltag", ist es Deiner Meinung nach Dein bisher intensivstes Album, in das Du auch viele Hoffnungen setzt?
Separate: "Freut mich dass Euch das Album gefällt. Wir haben ungefähr 3 Monate gebraucht bis das Ding komplett fertig war. In den 3 Monaten haben wir auch sehr intensiv an dem ganzen Album gearbeitet. Auch weil wir so viel Arbeit in dieses Album gesteckt haben sind die Hoffnungen und Erwartungen natürlich sehr hoch, aber bisher ist es ja gut gelaufen."

Klaus: Mit Olli Banjo und Prinz Porno hast Du ja zwei prominente Features drauf. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit und verstehst Du Dich auch außerhalb der Musik mit den beiden so gut? Nebenbei hast Du auch noch einen wahren Kracher mit Cormega aufgestellt! Wie hast Du denn das geschafft?
Separate: "Also mit Porno bin Ich ja schon sehr lange befreundet und deshalb ist er natürlich auch auf dem Album. Mit Banjo habe ich schon seit längerem einen ziemlich guten Kontakt und ich finde seine Mucke auch Hammer, deswegen ist es auch sehr cool, dass er auf dem Album ist. Und die Sache mit Cormega hat Shuko in die Wege geleitet, da der ja mittlerweile sehr gute Connections nach New York hat. Und den Track dazu hat er auch produziert."

Klaus: Wie entsteht in Deinem Kopf ein Track, woher nimmst Du Deine Ideen? Immer wieder fallen mir die themenreichen Songs  auf "Zahltag" auf, kommen die von Impressionen aus deinem Alltag oder ist da manchmal auch Fiktion dabei?
Separate: "Also außer dem Song "Überfall" sind eigentlich alle Songs Geschichten aus meinem Leben. Bei Überfall ist das ja auch sehr deutlich, denke ich... Meistens gibt mir dann der Beat ein bestimmtes Gefühl, aus dem ich mir ein Thema überlege. Das sind dann meistens Dinge die mich interessieren, wo man etwas gutes zu schreiben kann, oder einfach tagtägliche Dinge, Probleme mit denen man zu kämpfen hat usw."

 Klaus: Würdest Du Dich selbst als „Message-Rapper“ bezeichnen? Ich will dieses Wort jetzt ausdrücklich nicht als Schimpfwort benutzen, wie es ja so manch anderer Musiker oder Schreiberling tut. Mir geht es vielmehr darum, von Dir zu erfahren, wie Du Dich im Zusammenhang mit Deinen Hörern siehst, ob Du denen etwas mitgeben willst oder ob Entertainment im Vordergrund steht?
Separate: „Also Entertainment ist natürlich sehr wichtig, denn jeder der eine CD kauft möchte unterhalten werden. Wenn man das ganze musikalisch gut verpackt, dann kann man eigentlich fast erzählen, was man will... Wenn die Musik allerdings darunter leidet, braucht keiner eine Message. Wenn dein Flow Scheiße ist, oder Du kein außergewöhnliches Gefühl in Deiner Stimme hast, dann ist mir auch egal was Du erzählst... Allerdings muss man sagen, dass „Zahltag“ kein Message-Album ist, sondern ein einfaches Leben beschreibt, das wir alle führen. Es sind Themen, die jeden ansprechen, weil fast alle schon mal ähnliche Situationen erlebt haben.“

Klaus: Wenn man Deinen Werdegang so betrachtet, so kann man sagen, dass Du viel Arbeit auf Dich genommen hast, um nun da zu stehen, wo Du jetzt bist. Wie beurteilst Du, auch vor Deinem eigenen Hintergrund, die Tatsache, dass sich in Deutschland so mancher Rapper ohne diese „Schule“ direkt ins Business wirft und gewissermaßen Trends ausnutzt?
Separate: „Ich bin ganz ehrlich der Meinung, dass jeder der erfolgreich ist, sich diesen Erfolg auf irgendeine Art & Weise verdient hat. Ich hab sehr, sehr viel gearbeitet um einen gewissen Status in Deutschland zu haben und bin froh, dass ich mich als etablierten Künstler ansehen kann. Aber nur weil andere nicht so viele CDs released haben und trotzdem erfolgreicher sind als ich, kümmert mich das nicht. Ich freu mich für jeden, der das Glück haben kann, mit Musik erfolgreich zu sein, weil ich weiß dass das ein großartiges Gefühl ist. Don´t hate... celebrate!“

Klaus: Wenn wir schon beim Business sind, reden wir gleich mal drüber. Sag doch einfach mal Deine Meinung zum aktuellen Stand eines Rappers in der Rapublik, ist es nach dem Hype Ende der Neunziger immer noch schwer, Erfolg zu haben?
Separate: „Also ich bin nicht reich und habe auch keine Eigentumswohnung... Ich kann aber meine Miete zahlen, ein Auto fahren, essen und Faxen machen. Man verkauft heute nicht mehr so viele Platten wie damals, egal ob HipHop oder sonst wer. Aber die HipHop-Freaks sind halt auch ganz besondere Download-Fans, was natürlich sehr problematisch ist. Wenn die Kids wüssten, wie viel Kohle manche Independent-Labels in ein Album stecken um es gut zu promoten, dann würden die blau anlaufen und umfallen. Aber ich kann mich nicht beschweren, meine Verkaufszahlen sind sehr zufriedenstellend.“

Klaus: Thema „Städtehype“. Du kommst ja bekanntlich aus Mainz, einer normalen süddeutschen Stadt, hast aber auch schon viel Zeit in Berlin verbracht, eine Stadt, die viele ja als einzige als würdig für „echten“ HipHop betrachten. Bist Du stolz darauf es als „Mainzer“ geschafft zu haben, auch Deiner Stadt einen gewissen Grad an Anerkennung gegeben zu haben und findest Du, man schenkt der Hauptstadt zuviel davon und vergisst dabei andere Rapper aus anderen Städten?
Separate: „In Mainz ist Rap-mäßig wirklich nicht all zu viel los... Aber ich bin auf jeden Fall sehr stolz, es hier geschafft zu haben. Der Hype um Berlin ist natürlich sehr groß, allerdings ist die Stadt halt auch riesig und da gibt es halt sehr viele Rapper, aber ich mag Berlin... Die Stadt hat Charakter... Und wenn es gute Rapper aus anderen Städten gibt, dann bekommen die auch früher oder später Ihren Fame, wenn Sie sich durchbeißen.“

 Klaus: Deine erste Single-Auskopplung hat Dir einen tollen Erfolg gebracht! Strebst Du auch nach kommerziellem Erfolg oder steht für Dich Deine Musik, oder besser gesagt die Chance sie an ein möglichst breites Publikum zu richten, im Vordergrund? Ich weiß, das eine schließt das andere nicht aus, trotzdem muss diese klassische Underground-Frage sein.
Separate: „Natürlich will ich kommerziell erfolgreich sein. Ist ja klar... Das will jeder, der Musik macht. Die Frage ist nur, ob Du Dich und Deine Musik dafür veränderst, oder ob Du mit der Musik, so wie Du sie machen willst, erfolgreich sein willst. Ich will mit dem was ich mache erfolgreich sein, allerdings ist es ein sehr steiniger Weg auf die Couch zu Stefan Raab. Das vergessen die meisten.“

Klaus: Wenn wir schon beim Thema Underground sind… wie stehst Du zu Deiner „Basis“? Es gab und gibt ja einige Rapper, denen man Verrat am Underground vorwirft. Spürst Du so etwas wie „Treue“ gegenüber Deinen alten Freunden und Kollegen, die lange an Deiner Seite standen (und stehen) und noch keinen Sprung in die Charts geschafft haben?
Separate: „Also in den Charts war ich mit meinem Album leider auch nicht, was natürlich sehr schade ist. Ich hab mich immer versucht darum zu bemühen den Leuten in meiner nächsten Umgebung weiterzuhelfen. Manchmal kann man aber so viel tun wie man will und man bekommt keinen Dank und wird am Ende noch verarscht oder als Lügner dargestellt. Ich bin mittlerweile der Meinung, dass Musik und Freundschaft weitestgehend getrennt werden sollten.“

Klaus: Noch ein Ausblick in die Zukunft: was erwartet uns noch so alles von Dir, sowohl in Deiner eigenen Karriere als auch mit Deinem Label Buckwheats Music?
Separate: „Als nächstes kommt ein Mixtape von mir, welches den Namen „Die Jagd auf den König“ trägt. Mit sehr vielen Features von allen Top-Rappern aus Deutschland. Danach kommt ein Mixtape von den 55 Alkis. Das ist die Crew um meinen Homie Cherno aus Frankfurt. Das ist richtiger Straßenrap. Frankfurt City Nutten, Alkohol, Drogen Styles... Terror. Dann kommt endlich das langerwartete Bourbon Album von Abdel und mir, mit neuem unfassbaren Material. Und dann als Hauptattraktion des Jahres kommt das Album von Abroo... nächstes Jahr wird Terror!“

Klaus: Separate, ich bedanke mich für das interessante und ausführliche Interview! Das letzte Wort an unsere User bleibt natürlich Dir vorbehalten.
Separate: Ich danke Dir für das Interview. Mein Album ist draußen. Das Teil heißt „Zahltag“, und Ihr solltet das Teil unbedingt kaufen, auch die Single „Deutschlands Hustler“ gibt es im Handel... Also rausgehen und checken!“

Interview am 14.11.2005,
Klaus Krönke (Generation One)