Interviews
Drucken E-Mail
Artists - Interviews
Freitag, 18. November 2005 um 09:34 Uhr
Mike Crush
(November 2005)

Seid down mit Mike Crush! Der überaus talentierte Rapper aus der Frankfurter HipHop-Szene versetzt derzeit andere Künstler in Deutschland mit seinem enormen Output, der zudem auch noch qualitativ hochwertig erscheint, sprichwörtlich „in Angst und Schrecken“. Eigentlich schon seit Mitte der Neunziger im Rap-Game ist jetzt die Zeit von Mike Crush gekommen. Nur kurz nach seinem Online-Mixtape „Introducing Mike Crush“ kommt der erste Teil seines „Halbum“-Projektes, also checkt die Infos!

Alex: Als Gewinner des ersten Frankfurter HipHop Contests in der Formation Redrum mit Rap-Kollegen Üba3ba hast Du Dir zumindest in der regionalen Szene einen Namen gemacht. Euer erstes gemeinsames Album wurde ja - nicht unbedingt zu Eurem bedauern - aufgrund eines "Rechtsstreits zwischen Firmen und Vertrieben" niemals veröffentlicht. Mit welchen Gefühlen oder Erinnerungen blickst Du im Nachhinein auf diese Zeit zurück?
Mike Crush: „Nur mit guten Erinnerungen. Die Zeit damals, als ich noch mit Üba3ba unter dem Namen Redrum Frankfurt unsicher gemacht habe, war die Coolste überhaupt. Vor allem denke ich, dass diese Zeit sehr wichtig war, für Alles was danach kam. Egal ob es krasse Erfolgserlebnisse oder harte Abfucks waren, wir haben auf jeden Fall eine Menge gelernt. Die wichtigste Lehre, die ich auf jeden Fall für mein Leben ziehen konnte war, dass alles Schlechte sein Gutes hat, auch wenn es nicht im geringsten danach aussieht. Als wir damals den Deal hatten, das Album fertig und ein bösartiges Video im Kasten war und dann doch alles knickte war das echt Tschö, vor allem weil wir soviel scheiß Kompromisse eingegangen sind und echt gebissen haben um die Sache durchzuziehen. Heute jedoch habe ich mir eine Lamm-Herde gekauft, von der ich täglich eins zum Dank an Gott schlachte, nur aus Dankbarkeit dass das damals nicht geklappt hat. Heute mache ich 100%igen Crush-Shit!“

Alex: Der Kontakt zu Üba3ba besteht dennoch weiterhin und Du hast in einem anderen Interview bereits verraten, dass es demnächst ein gemeinsames Mixtape geben wird. Reunion oder nur ein kurzweiliges Projekt?
Mike Crush: „Üba3ba und ich sind nach wie vor best friends aber zur anderen Seite passen zwei größenwahnsinnige Diktatoren nicht in ein Land geschweige denn in eine Rap-Gruppe. Er besucht regelmäßig meine Welt, wie auch auf dem „Halbum I“ und ich check in seiner vorbei. Unser Mixtape „Der Bäng“ ist ein, von der UNO nicht genehmigtes Treffen zweier Verrückter, die zusammen an einer Massenvernichtungswaffe für Rap-Deutschland arbeiten. Danach macht es Boom und dann sind alle tot. Nach dem „Bäng“ mache ich mein Crush- und er sein Üba3ba-Ding weiter bis es dann irgendwann „Der 2te Bäng“ heißt, falls der dann überhaupt noch nötig ist.“

Alex: Wie groß ist der individuelle Entwicklungssprung seit Ihr Euch entschlossen habt, Euch zu trennen, um sich verstärkt auf die Solo-Karriere zu konzentrieren?
Mike Crush: „Ich denke nicht dass die individuelle Entwicklung unbedingt etwas mit dem Entschluss solo weiterzumachen zu tun hat. Ob man jetzt zu zweit Musik macht und sich einfach deshalb krass entwickelt, weil man sich dauernd mit neuen Styles zu toppen versucht, oder ob man den Weg solo geht, macht glaube ich in punkto Entwicklung keinen großen Unterschied. Bei zwei Leuten hast Du halt automatisch mehr Abwechslung auf Deinen Tracks, alleine MUSST Du Dich stets verbessern und entwickeln, damit Du nicht auf der Strecke bleibst. Wer Üba3ba´s Track auf „Ear 2 the Street Vol.2“ gehört hat, und nicht behauptet dass es einer der Besten ist, den er je gehört hat, ist ein Lügner und schlechter Mensch. Meine Entwicklung ist alleine deshalb pornomäßig, weil ich einfach wie ein verfluchter Workaholic Tracks schreibe und das Ziel habe nicht wie Savas zu klingen. Das machen schon alle anderen, diese genetischen Klone.“

 Alex: Du bezeichnest Dein eigenes Mixtape "Introducing Mike Crush" gerne als "teuren Flyer". Hat sich die Promo-Aktion in Deinen Augen gelohnt? Wie positiv waren die Resonanzen?
Mike Crush: „Das wird man daran sehen, wie viele Leute sich das „Halbum I“ kaufen, bis jetzt wurden erst 3 Millionen gekauft, was ziemlich schlecht ist, wenn man weiß, dass dieses Land eigentlich 88 Millionen Menschen hat die man zum Kauf zwingen könnte. Ernsthaft, die Resonanz war bis jetzt sehr, sehr gut. Wir haben ja einen Jordan Records Regime Supporter Club, der jetzt schon eine große Menge an Crush-Kämpfern zählt. Auch so hat es pervers viele Emails geregnet, von Leuten die dankbar sind, dass ich jetzt da bin um sie vom Abschaum im Deutschrap zu erlösen. Die “Introducing Mike Crush“-CD hat schon einige Türen geöffnet.“

Alex: Hältst Du kostenlose Online-Alben bzw. -Mixtapes generell für die beste Möglichkeit eines noch relativ unbekannten Künstlers, um sich Gehör zu verschaffen?
Mike Crush: „Besser als zu „Deutschland sucht den Superstar“ zu gehen auf jeden Fall! Da würde ich mir eher mein Herz mit einem stumpfen Löffel aus dem Brustkorb schneiden als mich da zum Idioten zu machen. Das Internet ist heute nicht mehr wegzudenken und eins der wichtigsten Medien überhaupt, bla bla, ich höre mich ja schon wie ein Politiker an, dabei wollte ich doch nur Diktator werden! Wie auch immer, wir Musiker leben mit den schlechten Aspekten, wie z.B. dass sich viele die CD´s nicht mehr kaufen, sondern einfach saugen und auf der anderen Seite haben wir jetzt die Möglichkeit unsere Sachen viel leichter einem überregionalen Publikum vorzustellen. Und genauso funktioniert dass auch umgekehrt, wer die Vorteile nutzt muss auch mit den Nachteilen klarkommen.“

Alex: Dein Debütalbum trägt den Namen "Halbum I" und steht seit heute in den Läden. Was erwartet den Hörer beim Einlegen der CD in den Rekorder, mal abgesehen von einer geballten Ladung Mike Crush?
Mike Crush: „Den Hörer erwartet der erste Teil von etwas, was es vergleichbar noch nicht in der Geschichte des deutschen Rap gab. Natürlich sagen viele Rapper, dass ihr Album das Beste und Innovativste ist, was es je gab, jedoch heißen die alle mit Nachname Münchhausen. Stell Dir vor Du gehst am Samstag mit Deiner Freundin oder Deinen Homies ins Kino und siehst einen Film den Du noch nicht kanntest und am Ende gehst Du nach Hause und denkst Dir Boom!!! der Film war Bombe! Das passt gut zum „Halbum I“. Mit dem einzigen Unterschied, dass auf dem Halbum viele Filme sind, wahrheitsgetreue sowie fiktive. Des Weiteren gibt es ein Feature mit dem Üba3ba sowie Blaze, der schon durch sein Mixtape „Making Moves“ und Jonesmann-Features in Erscheinung getreten ist. „Halbum II“ ist bereits in Arbeit.“

Alex: Mit den Track "Schlagzeilen" vermittelst Du durchaus gewollt eine Art Sozialkritik an der deutschen HipHop-Szene. Man hört Dich förmlich rufen: "Glaubt nicht alles was ihr liest!". Ist der Song in Deinen Augen wirklich nur "Unterhaltung" oder steckt da nicht eine gewisse Message dahinter?
Mike Crush: „Viele der erwähnten Rapper des Songs haben „Schlagzeilen“ als das verstanden was es ist, ein guter Song mit einer coolen Story. Eigentlich ist jeder von ihnen für sein Image selbst verantwortlich, muss dementsprechend auch damit klarkommen wenn man darauf anspielt. Zumindest ist es nicht einfach nur ein dummer Diss-Song.“

 Alex: Man könnte mit dieser Grundlage durchaus davon ausgehen, dass Du Dich auch etwas mehr mit den aktuellen Entwicklungen der HipHop-Szene in Deutschland auseinandersetzt. Was stört Dich diesbezüglich am meisten oder wo siehst Du auch die positiven Aspekte?
Mike Crush: „Mich stört am meisten, dass ich noch nicht ganz oben bin und der positive Aspekt ist der, dass ich da bald bin. Im Ernst, ich schieb meinen eigenen Film und mich hat schon lange nix mehr geflasht wie die Samy- oder Savas-Sachen von früher. Das war einfach nur krass. Da mir heute keiner mehr diesen Boom-Effekt bringen will, muss ich es halt selbst machen, „Halboom I“ quasi!“

Alex: Nervt Dich der "Berlin-Hype" ein wenig bzw. bist Du der Ansicht, dass andere Teile des Landes, wie z.B. Dein Frankfurter Umfeld, von der Medienlandschaft derzeit weniger beachtet werden?
Mike Crush: „In Frankfurt gibt es mittlerweile schon einige Representer und verdammt viel Potenzial. Wir können höchstens neidisch auf die Berliner sein, weil es da einfach eine viel größere Rap-Community gibt. Der Hype einer anderen Stadt nervt mich nicht, im Gegenteil, Rap braucht diese Hypes.“

Alex: Ich persönlich musste beim textlichen Inhalt von "Opa Gangsta" schon sehr schmunzeln. Im Großen und Ganzen hat man auch das Gefühl, Du gehst mit vielen Themen weitaus unverkrampfter um, als andere Rapper. Gewollte Lockerheit oder verpackst Du ganz gerne eigentlich nachdenklich stimmende Inhalte in sog. "Gute-Laune-Tracks"?
Mike Crush: „Ich denke nicht, dass es überwiegend die menschlichen oder sozialen Unterschiede zwischen den Rappern sind, sondern einfach der Fakt, dass viele denken sie müssen jetzt krass spielen, hart gucken, deep texten um akzeptiert zu werden. Ich komm aus den gleichen sozialen Umständen wie einige der so genannten Gansta-Rapper Deutschlands, brauch das aber nicht dauernd zur Schau stellen. Ich weiß wer ich bin und hab bei vielen Abfucks des Lebens trotzdem meinen Humor nicht verloren. Das spiegeln die Lieder wieder.“

Alex: Nach "Halbum I" soll ja auch der Rest des konzipierten Zweiteilers auf dem "Halbum II" folgen. Steht schon ein genaues Release-Datum fest? Was wird die beiden Alben voneinander unterscheiden bzw. gibt es überhaupt einen erkennbaren Unterschied?
Mike Crush: „Ein genaues Release-Datum steht noch nicht fest, aber ich denke, dass das „Halbum II“ ca. sechs Monate später erscheinen wird. Bis jetzt habe ich dafür fünf Songs fertig und kann dementsprechend wenig zum Unterschied sagen, da müsstest Du mich noch mal in zwei Monaten fragen. Sicher ist bis jetzt nur, dass einige Burner und zwei bis drei neue Features drauf sein werden, auf die man sich freuen kann. Jetzt ist erst mal „Halbum I“-Zeit.“

 Alex: Mike Crush bezeichnet sich selbst als "verdammter Workaholic"... den Eindruck hatte ich auch als ich erfuhr, dass Du alleine für das "Halbum"-Projekt 60 Tracks aufgenommen hast. Bei 2x15 Tracks bleiben 50 Prozent auf der Strecke. Werden diese Momentaufnahmen Deines künstlerischen Schaffens anderweitig verwendet?
Mike Crush: „Ein Teil der Tracks sind für den „Bäng“ mit Üba3ba geplant, einige werden vielleicht für Specials verballert, andere eventuell auf der Homepage veröffentlicht, wieder andere für Mixtapes und Compilations, der ein oder andere speziell und exklusiv für unsere Supporter und was dann noch übrig bleibt darf nach meinem Tod in Las Vegas veröffentlicht werden. Hab ich schon von dem geplanten Mikevelli Album erzählt?“

Alex: 60 Tracks sind allerdings nicht der neueste Stand Deiner Schaffensperiode, da Du ja nach eigenen Angaben bereits weitaus mehr Tracks in der Hinterhand hast. So soll die Mike Crush-Fans 2006 auch ein "richtiges Album" gänzlich von Deinem Talent überzeugen. Wie weit bist Du bereits damit und was setzt Du Kritikern entgegen, die Quantität und Qualität nicht miteinander vereinbaren können?
Mike Crush: „Kritik kann nur jemand üben, der auch das „Halbum I“ gehört hat, und wer das getan hat wird nicht mit „Quantität“ ankommen. Das Crush-Album wird definitiv kommen, jedoch ist das im Moment nur Zukunftsmusik. Ich konzentriere mich beim Schreiben im Moment nur auf´s „Halbum II“, wenn ich nicht gerade Interviews gebe um die Leute zum Kauf des „Halbum I“ zu zwingen… ähhh… zu bewegen.“

Alex: Mal abgesehen von Deinem gesamten Stuff, der noch das ein oder andere Release erwarten lässt, welche zukünftigen Projekte sind von Deinem Label Jordan Records geplant?
Mike Crush: „Die Pläne sind vom Erfolg abhängig, d.h. wenn keiner das „Halbum I“ kauft, müssen die Leute in Zukunft auf Jordan-mäßigen Rap verzichten und wir von Jordan Records dementsprechend wieder in die Kriminalität flüchten. Vielleicht werde ich dann nebenberuflich Internet-Hater oder so. Es steht ein weiteres Signing an, nur kann ich dazu noch nix sagen bis die Gruppe den Knebelvertrag unterschrieben hat. Sobald sie ihre Seele an uns verkauft haben, seid Ihr die ersten die´s erfahren.“

Alex: Vielen Dank für das Interview, ich wünsche Dir noch viel Erfolg bei Deinen musikalischen Projekten. Mike Crush, merkt Euch diesen Namen! Möchtest Du noch einige Worte an die HipHop-Begeisterten da draußen richten?
Mike Crush: „Seit 18.11. ist Crush-Time! Checkt das DJ Katch Snippet zum „Halbum I“ auf mike-crush.de und macht euch einen Eindruck von der Sache. Ihr habt sozusagen die Chance an etwas Großem teilzunehmen, seid down mit Crush und kauft Euch das „Halbum I“!  Für alle die, die immer das Gegenteil machen, von dem was man sagt, kauf Euch das „Halbum I“ nicht und an die, die sich das Halbum auf keinen Fall zulegen werden, überweist einfach die 15 Euro und wir schicken Euch garantiert keine zu, versprochen! Peace.“

Interview am 18.11.2005,
Alexander Riede (Generation One)
 
Joomla templates by a4joomla