Interviews
|
|
| Artists - Interviews | |||
| Freitag, 25. November 2005 um 09:37 Uhr | |||
Taichi (November 2005) Der Berliner Rapper Taichi aus dem Hause Krasscore Records serviert den Hörern seines zweiten Soloalbums "Schnell Imbiz" alles andere als lyrisches Fast Food. Von vielen Seiten für seinen variablen Flow gelobt, steht der Titel ganz im Zeichen eines Wortspiels für den musikalischen Werdegang von Taichi. Wie seine zukünftigen Pläne genau aussehen, erfahrt Ihr in unserem exklusiven Interview und wie erfolgreich diese verfolgt werden im Review zu "Schnell Imbiz". Alex: Du wurdest neben N'Owl und Blumio (der letztendliche Gewinner) als Endfinalist des Newcomer MC Contests Biggo Bounce in das Düsseldorfer Tonstudio von Plattenpapzt eingeladen. Die Zusammenarbeit scheiterte. Kann ich Deinen früheren Aussagen ("Ich konnte mir eine solche Zusammenarbeit nicht vorstellen.") entnehmen, Du hast Blumio den Sieg "geschenkt"? Taichi: „Das weiß ich selbst gar nicht. Ich wurde halt von Papzt zweimal nach Düsseldorf ins Studio eingeladen und wir haben da ein paar Sachen aufgenommen. Für mich hat der Vibe aber einfach nicht gestimmt und so habe ich den nächsten Flug zurück nach Berlin genommen. Was dann da genau mit diesem Contest weiter lief weiß ich nicht, interessiert mich aber auch nicht weiter.“ Alex: Beschäftigst Du Dich selbst intensiver mit der deutschen HipHop-Szene? Machst Du Dir Gedanken über die aktuellen Entwicklungen in der Musikbranche? Taichi: „Ich beschäftige mich auf jeden Fall mit der deutschen HipHop-Szene auch wenn es da viel zu viel Scheiße gibt die mich nicht interessiert. Die Entwicklung der Musikbranche verfolge ich natürlich auch interessiert und mache mir Gedanken darüber. Optik wäre, wenn Deutschland ein paar umliegende Kontinente annektiert. Dann könnten deutsche Rapper verkaufzahlenmäßig mal richtig auf die Kacke hauen. Nein, mal im Ernst. Ich hoffe das entwickelt sich alles in eine gute Richtung.“ Alex: "Jungs wie mich gibt es bisher nur in Detroit und Harlem" - wie sehr orientierst Du Dich an der US HipHop-Szene? Welche großen Vorbilder hast Du im musikalischen Bereich?Taichi: „Idole oder Vorbilder habe ich in dem Sinne nicht. Aber die Amis machen halt vor, was wirklich Bizniz ist. Die machen Game in jeder Hinsicht. Das ist definitiv etwas, was mich sehr beeindruckt. Ich habe großen Respekt davor, wie die Amis Biz machen, aber Vorbilder habe ich da nicht. Aber natürlich gibt es Rapper drüben, die ich hart feier wie z.B. Eminem, Juelz Santana, Nas, Jada, Camron und so weiter.“ Alex: Du meintest, dass durch den Dipset-Hype im deutschsprachigen HipHop "viele Rapper besser geworden sind, was Rhymepattern und Vergleiche betrifft". Mir ist lustigerweise aufgefallen, dass zwar jeder den Begriff zu kennen scheint, aber viele gar nicht wissen, was sie teilweise als "Biterei" von US-Acts bezeichnen, eigentlich bedeutet. Klär diese doch bitte mal auf... Taichi: „Ich weiß jetzt nicht genau ob ich die Frage richtig verstanden habe aber Fakt ist, dass viele Rapper viel dynamischer mit Worten umgehen als früher. Viel komplexere Reimstrukturen entstehen und bessere Punches kommen. Ob das nun dem Dipset Hype zuzuschreiben ist, weiß ich nicht. Ich denke viele hören die Dipset Sachen ohne auch nur ein Wort zu verstehen. Die finden wahrscheinlich einfach geil, wie die flown. Ich habe schon immer sehr auf Reime wertgelegt, auch bevor ich Dipset gepumpt habe. Von daher weiß ich nicht ob die breite Masse erst durch Dipset gepeilt hat was Tripple, Quattro Rhymes etc. sind. Es ist aber auf jeden Fall kein biten durch andere Künstler, zu merken, dass man noch mehr mit Worten machen kann, als man es bisher getan hat. Ich finde auf jeden Fall, dass sich deutsche Rapper momentan hart verbessern – Dipset hin oder her.“ Alex: "Ich tu's gern und peitsche Euch mit Bars, brauche halt 'n Mic und fühl mich wie der zweite deutsche Nas.". Wer ist denn Deiner Definition nach der erste? Taichi: „Gute Frage. Das habe ich wahrscheinlich unglücklich formuliert. Ausdrücken wollte ich damit, dass alles was ich brauche nur ein Mic ist und ich zum zweiten Nas werde, angelehnt an den Song „One Mic“ von Nas. Das „deutsche“ ist in dem Zusammenhang wahrscheinlich irreführend platziert, denn die Frage höre ich leider nicht zum ersten Mal.“ Alex: In Deinen Texten stößt man als Hörer auffallend oft auf Vergleiche aus dem TV- und Filmbereich. Bist Du privat ein Movie-Maniac oder wodurch lässt Du Dich inspirieren? Taichi: „Echt? Fällt mir selbst gar nicht auf. Bei „Daily Soaps“ auf „Legende von Morgen“ habe ich das bewusst gemacht. Aber du hast Recht, ich bin auf jeden Fall ein Filmfreak. Ich guck sehr gerne DVD’s oder geh ins Kino. Leider sind gute Filme nicht an der Tagesordnung, aber es gibt sie. Natürlich inspiriert mich dass auch, das fällt mir aber selbst nicht so auf.“ Alex: "Mein Mic" wird ja fälschlicherweise von vielen als Diss-Track interpretiert, dabei ist es "einfach ein persönlicher Track über eine Zeit in [Deinem] Leben". Ist der dadurch entstandene Beef mit Michael Mic nach weiteren Online-Tracks von beiden Seiten nun beendet oder kommt da noch was?Taichi: „Auch falsch. Der Beef ist nicht durch „Mein Mic“ entstanden. Der Beef ist entstanden, weil Michelle ein Track namens „Und Hoch“ gemacht hat. Er hat mich in dem Track gedisst und hatte danach nicht die Eier dazu zu stehen, sondern hat rumgelabert, dass sich da ja jeder angesprochen fühlen kann und dass ich selbst Schuld sei wenn ich mich angesprochen fühle. Deshalb habe ich „Mein Mic“ gemacht, wodurch er sich angesprochen gefühlt hat und hart angepisst war. Tja, selbst schuld Michelle. Er hat dann mit seinem miesen Track „Ziggy Spreng“ den Beef offiziell eröffnet und hat seine Quittung auf „Michelle Mic“ bekommen. Für mich ist die Sache gegessen. Ich werde auch nichts mehr dazu sagen. Ich hab gehört, dass er noch ein paar Songs gegen mich in petto hat aber das ist mir egal. Für mich ist auf „Michelle Mic“ alles gesagt.“ Alex: Auf dem Track "Real Battle Artists" versammeln sich immerhin 9 Feature-Gäste, die Du selbst als "Creme de la creme der RBA (Reimliga Battle Arena)" umschreibst. Warst Du selbst in der RBA bzw. wie bist Du auf die Künstler gestoßen? Taichi: „Ja, ich war auch mal in dieser Liga aktiv. Allerdings nicht als „Taichi“ sondern mit einer zweiten Persönlichkeit sozusagen. Wir haben da so ein kleines Shizo-Problem, meistens setzt sich jedoch Taichi durch und regiert.“ Alex: Mit Kid Kobra bist Du ja befreundet, "On Air" ist auch einer der besten Tracks auf "Schnell Imbiz", ihr harmoniert sehr gut. Wird es in der nächsten Zeit mehr gemeinsame Projekte geben? Taichi: „Es werden auf jeden Fall ein paar Sachen kommen. Wir haben krasse Songs zusammen gemacht, die noch platziert werden wollen. Auf meinen nächsten Veröffentlichungen wird er auf jeden Fall am Start sein und auf seinem Mixtape, welches demnächst kommt, haben wir auch einen geilen Song zusammen gemacht.“ Alex: Ein Blick auf die Trackliste weckte in mir die Erwartung, "1000 Fragen" wäre das Hammerfeature, auf dem She-Raw eher ihre roughe Seite zeigt. Es kam anderes. Kannst Du Dir evtl. einen solchen Track mit ihr vorstellen? Taichi: “Was meinst du? Ob ich mir einen roughen Track mit She-Raw vorstellen kann? Natürlich. Ich find She-Raw sehr gut, sie ist eine der wenigen Ladys, die vielen Jungs zeigen kann wo der Hammer hängt.“ Alex: Nach eigenen Angaben "machst [Du] auf jeden Fall lieber deepes Zeug". Ehrlich gesagt sehe ich aber gerade im Bereich Battle-Rap Deine große Stärke. Hörst Du so etwas öfter bzw. was ist Deine persönliche Meinung dazu?Taichi: „Da gehen die Meinungen auseinander. Die einen finden meine deepen Songs unfassbar, die andern können damit nichts anfangen und geben sich lieber die Punchline-Packung. Ich werde mich da nie festlegen, oder das eine dem anderen vorziehen sondern da immer eine gesunde Mischung machen. Das mir deepes Zeug mehr gibt, ist richtig. Dafür macht Battle mehr Spass, know i mean. Es ist einfach so, dass deepe Themen da sein müssen, um über sie zu rappen. Wenn alles dufte ist, dann kann man auch keinen deepen Song machen. Wenn man es dennoch macht, wird es peinlich und nicht ehrlich. Dafür gibt es genug Beispiele ohne dass ich jetzt Namen nennen will. Wenn allerdings Probleme da sind, gibt es nichts Besseres, als einen guten Song daraus zu machen. Deswegen könnte ich auch nie ein nur deepes Album machen, dafür fehlen mir einfach die Probleme.“ Alex: "Nur Battle-Rap machen, könntest [Du Dir] auf keinen Fall vorstellen" - sehe ich ähnlich, schließlich macht gerade die thematische Abwechslung einen Künstler interessant. Willst Du in der Zukunft verstärkt Themen-Songs machen und Dich in diesem Bereich weiterentwickeln oder verlässt Du Dich auf "Altbewährtes"? Taichi: „Ich denke die Frage ist bereits beantwortet…“ Alex: Als "Freund von Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit", wie sehr bist Du mit der Labeltätigkeit von Krasscore Records zufrieden? Läuft alles so wie Du es Dir vorstellst, oder wird irgendwann mL (mein Label) reaktiviert? Taichi: „Ich bin auf jeden Fall zufrieden mit Krasscore. Die haben sich auf jeden Fall Mühe gegeben mit „Schnell Imbiz“. Das ist schon cool alles so. Ich denke aber, dass der Traum vom eigenen Label nie sterben darf oder sollte. Momentan hab ich aber abgesehen von den Finanzen gar nicht die Zeit mich um ein Label zu kümmern. Außerdem bin ich mit Krasscore zufrieden, der Vibe stimmt und das ist mir sehr wichtig.“ Alex: Taichi, Smoke, Vokalmatador (um nur einige zu nennen) - Krasscore scheint die Zukunft zu gehören. Welche Plattenreleases sind als Nächstes geplant? Signings wird es ja vorerst keine neuen geben... Taichi: „Was genau als nächstes kommt, weiß ich gar nicht. Demnächst kommt auf jeden Fall mein Nachbar und Homie Jaime raus, der jüngste auf Krasscore. Er arbeitet gerade an seinem Album. Das Ding wird sehr krass, er produziert alles selbst und spittet wie ein junger Gott.“ Alex: Mit Deinem Album bist Du bereits „Schnell im Bizz“ und ich drücke Dir die Daumen, dass der Weg noch weiter nach oben geht. Ich bedanke mich an dieser Stelle für das Interview und übergebe das Schlusswort an Dich. Taichi: „Ich danke Dir und bedanke mich natürlich für das Interview. Ein obligatorisches Schlusswort habe ich nicht, außer dem Appell dass man sich CDs von Künstlern, die auf Verkäufe angewiesen sind, nicht aus dem Netz laden sollte. Wenn Euch die Scheiße gefällt, zeigt es und supportet durch den Kauf der Scheiße. Ansonsten besucht regelmäßig meine Seite, um auf dem Laufenden zu bleiben und regelmäßig exklusive Hits auf die Ohren zu bekommen.“ Interview am 25.11.2005, Alexander Riede (Generation One)
|


Taichi
Alex: "Jungs wie mich gibt es bisher nur in Detroit und Harlem" - wie sehr orientierst Du Dich an der US HipHop-Szene? Welche großen Vorbilder hast Du im musikalischen Bereich?
Alex: "Mein Mic" wird ja fälschlicherweise von vielen als Diss-Track interpretiert, dabei ist es "einfach ein persönlicher Track über eine Zeit in [Deinem] Leben". Ist der dadurch entstandene Beef mit Michael Mic nach weiteren Online-Tracks von beiden Seiten nun beendet oder kommt da noch was?
Alex: Nach eigenen Angaben "machst [Du] auf jeden Fall lieber deepes Zeug". Ehrlich gesagt sehe ich aber gerade im Bereich Battle-Rap Deine große Stärke. Hörst Du so etwas öfter bzw. was ist Deine persönliche Meinung dazu?