Review | Kritik | Bewertung @ Generation One
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Artists - Interviews
Donnerstag, 01. Dezember 2005 um 09:44 Uhr
Dean Dawson
(Dezember 2005)

Dass der Berliner Rapper Dean „D“ Dawson nicht umsonst den Status als überaus authentischer „Straßenreporter“ besitzt, sondern als einer, der schon ziemlich lange im HipHop-Business tätig ist, auch eine Menge Knowledge über die Szene in Deutschland vorzuweisen hat, beweist dieses exklusive Interview.

Alex: „Im tiefsten Inneren bin ich eigentlich Sportler.“ – eine Aussage, die jeder unterschreiben würde, der Dich schon mal beim ballen gesehen hat. Warum nicht Profi-Basketballer, was gab letztendlich den Anstoß für eine Karriere als Musiker?
Dean: „Wie das Schicksal sein Spiel spielt ist immer wieder interessant. Ich wollte immer Sportler werden, bis es dann mit der Musik ernster wurde, aber das war ok, denn Musik machen wollt ich auch schon seitdem ich 12 bin. Heute wär’ ich lieber Sportler… mal ganz ehrlich… wenn ich eine Anfrage bekommen würde, hätte ich sogar Lust mich reinzusteigern und noch mal richtig Dampf abzulassen. Zwei Monate und ich wär’ wieder fit…“

Alex: Die Frage nach der Inspiration für Deine Musik erklärt sich von selbst, wenn Du die „Strassen als Venen der Welt“ bezeichnest. Thematisch mag dies durchaus zutreffen, aber würdest Du auch sagen, dass Dich die Musikszene (sei es nun aktuell oder Oldschool) mitunter beeinflusst?
Dean: „Auf jeden Fall… man muss das Spiel verfolgen, um zu wissen was abgeht. Jeder hat seinen Style, und ich will sicher sein, dass ich mich von den anderen unterscheide. Nichts ist schlimmer als 10 von einer Sorte…“

 Alex: Ohne auf eine mögliche Wiedervereinigung anzusprechen, die Du aufgrund großer Nachfrage bereits des Öfteren in Aussicht gestellt hast, was waren für Dich die prägendsten Erlebnisse in 10 Jahren Spezializtz bzw. 8 Jahren, in denen Ihr permanent Seite an Seite wart?
Dean: „Was wir gemacht haben, zeigt unser Ruf… aber es sind eindeutig zu viele Erlebnisse zum auflisten… da könnte man schon Bücher schreiben, Filme drehen, etc. Das wichtigste war, dass wir wie Transformers oder Raptoren miteinander funktionierten, egal wann und wo.“

Alex: Sowohl auf der diesjährigen Afrob Tour als auch auf den Festivals Splash! und Hip Hop Open konnte man Dich mit dem Stuttgarter Rapper auf der Bühne sehen. Nun bist Du dabei nicht der klassische Backup-MC, sondern bildest mit Afrob und D-Flame ein „Liveteam“. Wie kann man sich das genau vorstellen?
Dean: „Afrob, Flame und Ich kollaborieren immer wieder miteinander. Wir verstehen uns blind auf der Bühne und üben auch nicht oder proben… Setlists sind meistens 5 Minuten vor der Show fertig und dann geht’s los. Wir waren schon letztes Jahr zusammen unterwegs und werden es bestimmt noch mal tun, denn das ist einfach eine gewisse Energie die gebündelt wird. Wir kennen uns ja auch nicht erst seit gestern, da sind ’n paar Jahre dazwischen, und es ist dieser Spaßfaktor, der ganz oben steht. Der Spaßfaktor eine anständige Show zu machen und jedem das zu geben, wofür er gekommen ist… dicke Beats, tighte Rhymes & ’ne Power Show…“

Alex: Im Making Of des Album-Tracks „Streetlife“ beteuert DMX noch einmal sehr deutlich, dass es bei dieser Kollabo nicht um Geld ginge – eine Tatsache, die heutzutage doppelt so hoch angerechnet werden sollte. Ich schätze mal, da Ihr beide begeisterte Biker seid, entstand die Verbindung mitunter auf diesem Weg. Wie lief das ganze ab?
Dean: „Streetlife Entertainment ist auch eine Veranstaltungsfirma die internationale Künstler in Europa verbucht. DMX ist einer dieser Künstler und es wurde zum Thema. Im März kamen sie nach Berlin und ab dann ist DVD geiern angesagt…“

Alex: Die Zusammenarbeit scheint gut geklappt zu haben, zwischen dem Bloodline und dem Streetlife Camp sind bereits weitere Projekte geplant. Schon konkrete Sachen, über die Du uns etwas Genaueres verraten kannst?
Dean: „Wir müssen erst mal die Zeit finden, für einige Tage rüber zu fliegen um arbeiten zu können. Die waren hier, jetzt sind wir dran.“

Alex: Auf „Streetlife Report“ findet der begeisterte Hörer ja eine durchaus ansprechende Bandbreite an Battle-Tracks, Party-Bangern und deeperen Songs. Nicht unbedingt eine Selbstverständlichkeit, zumindest nicht auf diesem qualitativen Niveau. Würdest Du dieses „Konzept“ (es gibt ja eigentlich keins) auch auf weiteren Releases beibehalten?
Dean: „Ich lass mich immer überraschen. Es kommt was kommt. Es hängt sehr viel von meiner Laune ab, die ich bei der Entstehung eines Tracks oder eines Albums habe. Darauf baut sich dann der Rest auf.“

 Alex: Auch wenn Du mir jetzt sagen wirst, dass Du keinen wirklichen Favorite Track auf dem Album hast, weil es so vielseitig ist… welche Aussage ist Dir besonders wichtig (z.B. „Vater Morgana“) und welchen Track feierst Du besonders, ohne damit Deine Feature-Partner zu bewerten, die wie Du selbst meintest, allesamt Spitzenleistungen auf Deinem Album ablieferten?
Dean: „Bei „Vater Morgana“ dreht es sich um die Vergangenheit, dem Jetzt und der Zukunft, ohne Vaterfigur aufzuwachsen. Ich musste einige Emotionen rauslassen und dieser Track ist das Ventil. 70% der Leute, die ich kenne, hatten auch keine andere Wahl, deshalb spreche ich nicht nur von mir, sondern auch aus den Herzen anderer, die denselben Schmerz teilen. Die Atmosphäre bekommt sogar einer aus gesunden Familienverhältnissen zu spüren… warum?... denn es geht unter die Haut. „GBZ Style“ und „None a dem“ feat. D-Flame und der Rest tun es auch, nur auf eine andere Art… und so sollte es sein.“

Alex: Auf den Beiträgen der DVD merkt man sofort, dass Du Dein „Street Life“ auch gerne mit der Kamera festhältst. Führst Du bei Deinen Musik-Videos auch selbst Regie oder überlässt Du die kreative Gestaltung anderen?
Dean: „Ich hab die Finger überall mit im Spiel, weil ich versuche, soviel wie möglich selbst zu realisieren, selbst kreativ zu sein. Ich hab ’ne Vision, und die sehe ich natürlich selbst am besten, aber man arbeitet im Team und somit wird jeder produktive Vorschlag berücksichtigt.“

Alex: Der Track „Hip Hop Music“ wurde über ein Jahr vor dem Album „Streetlife Report“ veröffentlicht, war auch eher eine „Ankündigung für das Label“ und ein Statement für den Hip Hop an sich. Was hältst Du so vom Großteil der Rap-Szene?
Dean: „Sie entwickelt sich von Tag zu Tag in verschiedene Richtungen und der Maßstab steigt in allen Bereichen. Es gibt aber kaum einen Sound der von allen akzeptiert wird. Das zeigt, dass sich einige Dinge entwickelt haben, andere nicht, und das wirkt sich wiederum auf die Szene aus. Mir kommt’s auch so vor, als wenn sich die älteren Generationen von vor allen Dingen deutschem HipHop distanzieren… Identifikationsmangel. Dazu kann ich nur sagen: Checkt den „Streetlife Report“ und die Meinung wird sich ändern, wenn man Geschmack hat…“

Alex: Auch auf den Skits des Albums thematisierst Du recht deutlich die „verloren gegangene Wertschätzung für die Ursprünge des Hip Hops“. Ist das Deiner Meinung nach nur ein Generationenproblem oder mangelnde Identifizierung mit dem Grundgedanken von HipHop?
Dean: „Das schlimme ist, dass es zu viele unwissende gibt. Wir hatten das Privileg damit aufgewachsen zu sein und die ganzen Phasen miterlebt und mitgestaltet zu haben und so wurden wir geprägt. Versuch jetzt mal 20 Jahre HipHop zu recherchieren… da haste was zu tun, und wenn Du es erst seit kurzem kennst, dann erst recht. Wenn man sich nur nach den Klischees orientiert, hat man es nicht verstanden und das wird sich auch nicht ändern. Man kann es auch nicht lernen… Entweder hat man es im Blut oder nicht. Das ist die Sprache der Strassen und längst keine Jugendkultur mehr… es ist die einzige weltweite Bewegung, die es uns ermöglicht, gehört zu werden und für unsere Leute zu sprechen… unseren Gefühlen und Gedanken freien Lauf zu lassen. HipHop war schon immer ein Teil von mir und meinem Leben, und das wird auch so bleiben… bis der Tod uns scheidet.“

 Alex: Mal abgesehen von „Monika Griefahn“ beschäftigen sich wohl die wenigsten Rapper mit politischen Themen. Mit dem „Streetlife Bundestagsbeitrag“ auf Deiner Homepage und in anderen Interviews hast Du bereits Dein politisches Interesse sowie Deine Meinung klargestellt. Ist Angela Merkel als Bundeskanzlerin immer noch ein „rotes Tuch“ für Dich („Gewisse Menschen scheinen mit ihr zufrieden zu sein. Ich bin es nicht.“)?
Dean: „Weniger Charisma, Lebensfreude, Ausstrahlung und Sexappeal kann man kaum haben. Politik interessiert mich zum größten Teil nur, weil die über meinen Steuersatz bestimmen… Für Bildung der Jugend, etc. wird sowieso nur ein kleiner Teil genutzt. Ich will gar nicht erst anfangen, aber wie viele von denen wissen, wie das Leben hier draußen wirklich ist??? Damit müssten die sich auseinandersetzten um es zu verstehen… denn das Volk auf den Strassen ist die Basis auf der sich alles aufbaut, die Wurzel des Problems und der Lösung.“

Alex: Mit der Gründung des eigenen Labels Sreetlife Entertainment ist natürlich auch ein größerer Grad an Selbstverantwortung und Arbeit verbunden. Eine Sache, die sich lohnt, angesichts der Freiheiten? Wie sieht es mit dem Netzwerk aus, dass sich durch ein Major-Label automatisch ergibt?
Dean: „Die Selbstverantwortung ist die Motivation… man kann sich dann auch auf ein Thema konzentrieren, was bei einem Major Label mit mehr als 20 Künstlern oder Gruppen nicht der Fall ist. Ein Major Netzwerk bedient die Massenanbieter, aber nicht das HipHop-Klientel als spezifischer Vertrieb wie Sure Shot, Groove Attack, etc., die sich besser damit auseinandersetzen können und gezielt die HipHop-Welt erreichen. Ein Major allein verkauft auch nicht 100000 Platten, da muss hart gearbeitet werden. Wie ist egal, Hauptsache es kommt an den Mann… und an die Frauen…“

Alex: „Ein Mixtape, ein Ragga-Album und das Bloodline/Streetlife-Projekt“ sind die zukünftigen Planungen, wird es denn auch eine „Streetlife Report“-Tour geben? Welchen Aufgaben widmest Du Dich zuerst?
Dean: „Ich bin schon wieder am aufnehmen… Ein paar Features hier und da, die Koordination von den oben genannten Planungen und weiteren Geschichten passieren parallel. Ich hab keine Zeit zu verlieren und deshalb bin ich momentan im Workaholic-Fieber.“

Alex: Mein Dank gilt Dean Dawson für das exklusive und aufschlussreiche Interview… Kickz.com represent! Viel Erfolg noch mit Streetlife Entertainment, die letzten Worte gehören Dir…
Dean: „Es gibt mehr als was das Auge sieht… doch es liegt an jedem selbst, es herauszufinden… Mehr Infos unter deandawson.de.“

Interview am 01.12.2005,
Alexander Riede (Generation One)