Review | Kritik | Bewertung @ Generation One
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| Artists - Interviews | |||
| Dienstag, 20. Dezember 2005 um 09:49 Uhr | |||
Pal One (Dezember 2005) Mit "Palwolf" etablierte sich der Mannheimer Untergrund-Rapper Pal One in der deutschsprachigen HipHop-Szene als Künstler, der mehr als nur ein Geheimtipp zu sein scheint. Das Release seines Debütalbums liegt nun schon einige Monate zurück - so ist es an der Zeit, in einem Interview ein Resümee zu ziehen und einen kleinen Ausblick auf das nächste Projekt ("7 Tage LP") mit Produzenten-Ass Roey Marquis II. zu geben. Klaus: Hallo Pal One, erstmal möchte ich Dir noch sagen, dass mir Dein Album "Palwolf" gut gefallen hat - schwer vorstellbar, dass es sich bei dieser Qualität "nur" um ein Untergrund-Album handelt. Auch wenn das Release mittlerweile schon einige Monate her ist, kannst Du uns vielleicht sagen, welchen Wert für Dich persönlich - vor allem im Nachhinein - "Palwolf" besitzt? Pal One: "In erster Linie war "Palwolf" für mich der wichtigste Schritt, endlich eine LP machen. Ich habe sehr lange nachgedacht, wie denn eine Pal One LP klingen oder aussehen könnte, aber im Endeffekt habe ich die Produktion dann einfach laufen lassen. Ich habe die Songs so aufgenommen wie die Beats kamen, da es meiner Meinung nach eine Menge Atmosphäre raubt, wenn man vier Wochen an einem Song bastelt, immer wieder was verändert, das ist nicht mein Ding. Die LP ist jetzt gute 6 Monate draußen, verkauft sich jetzt noch pro Monat ca. 100 mal und ich bin mehr als beeindruckt von den Reaktionen und Reviews auf mein Debüt-Album." Klaus: Sehr positiv aufgefallen ist mir auf "Palwolf" Deine Offenheit und Ehrlichkeit. Es gibt wohl wenige Rapper, die eigene Fehler auch mal öffentlich in Tracks zugeben. Wie kann man das verstehen? Ist dieses typische Übertreiben nicht Dein Ding? Schätzt Du auch selbst beim Hören "ehrliche" Raps? Pal One: "Ich versuche eigentlich prinzipiell nur, die Dinge auch so zu umschreiben, wie sie sind. Warum soll ich jemandem etwas von einem roten Audi TT erzählen, wenn ich ihn nicht fahre, mir ist das im Gunde auch vollkommen egal, was andere Künstler schreiben und rausbringen. Es ist immer dem Hörer, sprich dem Konsumenten der Rap-Musik überlassen, welche Aussagen und Raps ihm gefallen und er hören möchte. Übertreiben ist nichts anderes als "sich in besserer Form darstellen". Ich bin sehr stolz darauf, was ich mit meiner Musik erreicht habe und möchte diese Eindrücke nach außen tragen, nicht irgendwelche erfundenen Geschichten." Klaus: Sehr vielseitig und teilweise recht philosophisch sind Deine Texte. Es kommt keine falsche Ghetto-Romantik in "Palwolf" auf, und Du sagst, Rap ist für Dich wie "Blut in [Deinen] Adern". Verarbeitest Du hauptsächlich Erfahrungen aus Deinem eigenen Leben? Pal One: "Ich kann nur aus meinen eigenen Erfahrungen heraus meine Eindrücke, meine Meinungen und Ansichten kundtun. Alles andere würde für mich keinen Sinn ergeben, denn jeder sollte sich heutzutage sein eigenes Bild zu den Geschehnissen machen und nicht das Bild eines anderen nachzeichnen. Aber wie gesagt, das ist Ansichtssache und jedem selbst überlassen." Klaus: Du hast ja auch einen sehr nachdenklichen Song mit Roey Marquis II. gemacht, der schon vorher den einen oder anderen Track von Dir produziert hat. Du willst ja auch eine LP mit ihm machen, wie gut verstehst Du Dich auf der musikalischen Ebene mit ihm?Pal One: "Roey Marquis II. ist für mich ein Individuum, ich kann mir von ihm ein Bild machen. Ich kenne ihn jetzt seit 5 Jahren, er ist mein Verlagschef bei Edition Shen Ming, er gab mir auf seinen LPs eine Chance, ich habe diese genutzt. Am 10.02.2006 veröffentlichen wir über Ming Dynasty/Groove Attack die Pal One & Roey Marquis II. "7 Tage" LP, welche eine nette Projekt-Arbeit zwischen ihm und mir ist. Jeder Produzent hat sein Fachgebiet, Marquis´ Fachgebiet sind straighte, atmosphärische, soulige "Auf die Fresse-Beats", schöne Samples mit pumpenden Drums, einfach geile Rap-Beats, kein double, tripple, Schnickschnack." Klaus: "Wer?!?" kann man ja so als den einzigen Battle-Track auf "Palwolf" bezeichnen. Welchen Stellenwert hat Battlen für Dich? Pal One: "Ich sehe "Wer ?!?" nicht wirklich als Battle-Track an, bei dem Song habe ich einfach nur Spaß am Rappen gehabt, ich hoffe das hört man auch. Battlen ist ok, es ist ein großer Teil des ganzen Rap-Dings, man kann es machen, muss man aber nicht. Wenn ich jetzt nur soulige Stücke machen würde, wäre es mir sehr langweilig, ich nehme mir dieses Recht einfach vielseitig zu sein, dann habe ich mehr Spaß an der Sache." Klaus: Rap-Features sind kaum zu finden… hat das einen speziellen Grund? Pal One: "Nein, echt nicht." Klaus: Mit Jonesmann hast Du ja schon viele Sachen zusammen gemacht, kann man da in Zukunft mal wieder eine Kollabo erwarten? Pal One: "Wenn es die Terminpläne von uns zulassen, die richtige Zeit dafür gekommen ist, bestimmt. Jetzt stehen erst mal beide Solokarrieren im Vordergrund. Jonesmann bringt im Januar sein Debüt-Album raus, für das ich ihm beide Daumen drücke und ihm alles Gute wünsche." Klaus: Du bist ja vor allem auch als Live-MC bekannt geworden. Welche Rolle spielt Auftreten in Deiner Musik? Definierst Du Dich mehr dadurch auf der Bühne zu stehen als im Studio zu sitzen? Pal One: "Man muss das Gleichgewicht finden, denn ich sitze ja im Studio um diese Songs dann live zu performen. Ich spiele sehr gerne live, das gibt mir die Kraft und die nötige Energie weiter zu kämpfen. Wenn man bei einem Auftritt mit den Leuten richtig feiert ist das für mich wie eine Bestätigung, das Richtige getan zu haben, den richtigen Song geschrieben zu haben. Das positive Feedback der Fans ist der wichtigste Brennstoff, der die Maschine am laufen hält." Klaus: Du kommst ja aus Mannheim, eine Stadt mit einigen bekannten Namen. Wie siehst Du die Entwicklung in deiner Heimat? Versuchst Du auch Mannheim zu representen oder ist für Dich der typisch deutsche Regionalismus und Stadtpatriotismus eher nebensächlich? Pal One: "So langsam drehen sich die Mühlen wieder, mehr möchte ich zur Entwicklung nicht sagen. Ich represente Mannheim seit meinem ersten Text und werde diese Stadt representen bis ich mit dem Schreiben aufhöre, oder jemand diese Stadt mit allen Bewohnern auslöscht." Klaus: Deutscher Untergrundrap - wie siehst Du die Entwicklung und welche Ambitionen hast Du selbst? Pal One: "Jeder kann heutzutage auf einfachste Art und Weise beginnen, sich mit Recording oder Texte schreiben zu befassen. Ich befürworte das ganze auch aus allen Rohren, es ist gut wenn man die Möglichkeit hat sich zu verwirklichen und das zu machen dass man liebt und dabei Spaß hat. Natürlich hat das zur Folge, dass der Markt mit Newcomern überschwemmt wird. Es ist mehr Competition dabei, wer toppt wen, wer ist der nächste Überflieger, ich finde es ganz interessant, das ganze zu beobachten." Klaus: "Ich bin wie ein Gewitter, ich bin einfach nur wütend". Was stört Dich im deutschen HipHop, welche Entwicklungen gefallen Dir? Wenn Du magst, lass Dich mal so richtig aus hier...Pal One: "Das einzige, was mich stört, ist die Verherrlichung von Drogen, Alkohol, Gewalt und Sex, denn alle vier Kandidaten können dich das Leben oder deine Existenz kosten. Ich lebe mit Sicherheit nicht wie ein Engel, aber man muss es nicht nach außen tragen, man hat eine Vorbildfunktion, für die jüngeren Leute denen Rap etwas gibt." Klaus: Bereust Du es bis jetzt, Dein normales, tägliches Arbeitsleben als Schlosser aufgegeben zu haben, um Dich hundertprozentig auf die Musik zu konzentrieren oder war es die Beste Entscheidung Deines Lebens? Pal One: "Es war eine nötige Entscheidung, um endlich Gewissheit zu haben ob es Sinn macht Rap weiter zu machen oder nicht. Bisher bin ich cool damit, das erste Jahr in der Selbstständigkeit ist vorüber, ich lebe noch, alles cool." Klaus: Wie blickst Du in die Zukunft, was hast Du - neben der für Februar angekündigten "7 Tage LP" mit Roey Marquis II. - noch so alles vor? Pal One: "Ich bin gerade dabei, meine zweite Solo-LP aufzunehmen, bisher stehen 5 Songs und ein grobes Gerüst der Platte habe ich im Kopf. Ich möchte aber noch nicht mehr verraten, auf jeden Fall freue ich mich auf den 10. Februar, an dem "7 Tage" released wird, jetzt fällt mein Focus aber wieder auf mein zweites Album." Klaus: Wenn wir schon von der "7 Tage LP" sprechen, was genau können die Leute von diesem Werk erwarten? Pal One: "Es sind 13 Songs, alle von Roey Marquis II. produziert. Im Nachhinein kann ich sagen, die LP ist sehr vielfältig. Die typischen Pal One Songs, einige Dinger bei denen mir Roey selbst ans Herz gelegt hat, sie zu schreiben, ein DJ Track von DJ Sol & Deiabolus, es wird gerappt, es wird gesungen, von "Auf die Fresse" bis "Soulfood", alles dabei, ich wollte mich auf diesem Projekt etwas austoben, was mir auch gelungen ist." Klaus: Vielen Dank für das aufschlussreiche Interview, ich wünsche Dir weiterhin noch viel Erfolg und jetzt erst mal schöne Feiertage und 'nen guten Rutsch! Das letzte Wort nun an Dich… Pal One: "Checkt mal palone.de, am 10. Februar die Pal One & Roey Marquis II. "7 Tage" LP und mein zweites Album nächstes Jahr. Vielen Dank für das Interview, ich wünsche allen ein frohes Fest und einen guten Rutsch ins neue Jahr 200fuckin´6!!!" Interview am 20.12.2005, Klaus Krönke (Generation One)
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Klaus: Du hast ja auch einen sehr nachdenklichen Song mit Roey Marquis II. gemacht, der schon vorher den einen oder anderen Track von Dir produziert hat. Du willst ja auch eine LP mit ihm machen, wie gut verstehst Du Dich auf der musikalischen Ebene mit ihm?
Klaus: "Ich bin wie ein Gewitter, ich bin einfach nur wütend". Was stört Dich im deutschen HipHop, welche Entwicklungen gefallen Dir? Wenn Du magst, lass Dich mal so richtig aus hier...



