Interviews
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| Artists - Interviews | |||
| Mittwoch, 28. Dezember 2005 um 09:51 Uhr | |||
Fiva & mnemonic (Dezember 2005) Der Mannheimer mnemonic und die Münchnerin Fiva MC haben im Dezember 2005 über Fivas und DJ Radrums gemeinsames Label Kopfhörer Recordings zusammen eine EP namens „Rücken an Rücken“ veröffentlicht. Lest in unserem Interview, wie es dazu kam und was in nächster Zeit bei den beiden ansteht. Murray: Wie kam es denn zu der Zusammenarbeit zu „Rücken an Rücken“? Kanntet Ihr Euch vorher schon privat oder kam der Kontakt erst über die Musik zustande? Fiva: „Wir hatten bisher nur über unsere eigenen Veröffentlichungen voneinander gehört. Radrum und ich fanden mnemonic’s erste EP den absoluten Brenner. Kennen gelernt haben wir uns erst bei einem gemeinsamen Auftritt in Augsburg. Da haben wir mnemonic auch gleich gefragt, ob er auf unserem neuen Album „Kopfhörer“ einen Track mit uns machen möchte. Radrum hat ihm Beats geschickt und nach einigem hin und her haben wir dann beschlossen, gleich eine EP zusammen aufzunehmen. Da gab es so viele Gemeinsamkeiten, die konnte ein Song gar nicht alleine ausdrücken…“ Murray: War von Anfang an klar, in welche Richtung die EP inhaltlich gehen sollte? Fiva: „Wir wollten auf jeden Fall ein positives Stück Musik schaffen, und ich denke, dass ist uns auch geglückt. mnemonic und ich haben viel telefoniert und gemailt und sind so nach und nach zu den Themen gekommen. Wichtig war uns, so wenig wie möglich über den Rap und das Biz zu schreiben. Schließlich gibt es über diese Thematik nun wirklich schon genug Stücke.“ Murray: Wie wichtig ist es Euch, in dem Hörer ein gutes Gefühl nach dem Anhören Eurer Tracks zu hinterlassen? Oder wird die „Selbsttherapie“ bei Rap immer an erster Stelle stehen? Fiva: „Also Rap ist für mich eigentlich gar keine Therapieform im klassischen Sinn. Mir sind die Inhalte besonders wichtig, da Deutsch nun mal meine Muttersprache ist und ich will, dass sich das was ich da zu sagen habe gut anhört. Wenn ich nur Musik hören will, ohne mich auf den Text zu konzentrieren, höre ich meist englische Produktionen an. Bei der EP war es uns wichtig, den Hörern ein gutes Gefühl zu vermitteln. Zum einen, dass sich der ein oder andere vielleicht mit dem Gesagten identifizieren kann. Zum anderen auch, dass man dem Hörer überhaupt mal wieder ein Stück Musik bieten kann, welches den klassischen Rapkontext mit „Bitches“ und „Bling Bling“ nicht als zentralen Punkt hat. Es ist ja nicht so, dass wir den deutschen Gangsterrap nicht gut finden. Wichtig ist es nur, eine Alternative zu bieten, zu all dem was im Moment gespielt wird.“ mnemonic: „Bei mir ist das ein wenig anders. Ich mache meine Musik in erster Linie schon für mich selbst. Das schlägt sich auf jeden Fall auch in der Art und Weise wie ich schreibe nieder. Aber gerade das scheint den Leuten zu gefallen. Die hören da einen Typ, der seine Gedanken mit ihnen teilt und können das fühlen. So geht es mir ja auch bei den Sachen, die ich höre. Ich kann mir keinen Bullshitrap geben – auch nicht was amerikanische Produktionen angeht.“ Murray: Hattet Ihr eine Art Konzept in der Schaffensphase dieser EP, z.B. das Ihr Euch immer zusammen hockt und die Texte zu zweit schreibt?mnemonic: „Nein, ein Konzept gab es eigentlich nicht. Das Ding ist mehr aus dem Bauch heraus entstanden. Ich bin auch überhaupt kein Konzeptschreiber. Ich picke einen Beat, lass mich von ihm inspirieren und erzähl ihm etwas aus meinem Leben. Momentaufnahmen eben.“ Murray: In dem Track „Alt“ rappt Ihr: „wenn man sich dagegen wehrt, wird man zu schnell alt“. Entstehen solche Aussagen eher weil Ihr Eure eigene Entwicklung betrachtet, oder indem Ihr merkt, was andere Menschen für Probleme haben? Fiva: „Also „Alt“ basiert auf der Idee, dass man sich der Zeit doch anpassen muss, um nicht stehen zu bleiben. Das soll auch gar nicht so zum Problem hochstilisiert werden. Es braucht nur immer wieder den Mut sich verändern zu wollen, und keine Angst davor zu haben neue Wege zu gehen. Das geht uns so und den meisten anderen auch. Ich schreibe meine Texte meistens aus einer Mischung Erlebtem und Gesehenem. Jeder ist mal an dem Punkt, an dem er einen neuen Abschnitt beginnt. So fließt das Leben. Und „Alt“ soll daran erinnern, das vielleicht auch mal als etwas Positives zu sehen.“ mnemonic: „Wie gesagt, meine Aussagen beziehen sich schon alle auf mich selbst und auf Erfahrungen, die ich mache. Ich bin kein Storyteller, der irgendwelche Geschichten erzählt, die irgendwelche Dritte erlebt haben. Du bekommst mit jedem meiner Parts einen Teil meiner Persönlichkeit vorgesetzt und kannst Dir damit Stück für Stück ein Bild von mir machen.“ Murray: Wie schaut es in Zukunft mit einer erneuten Zusammenarbeit zwischen Euch beiden aus? Fiva: „Also wir haben uns da alle Türen offen gelassen. Wir hatten alle Drei eine super gute Zeit – sowohl beim Schreiben, als auch im Studio. Jetzt stehen ja erstmal unsere eigenen Solo Projekte ins Haus. Und warum nicht noch mal etwas Gemeinsames aufziehen…“ Murray: Fiva, wenn Du auf Poetry Slams Deine Texte vorträgst, dann scheinst Du in ihnen voll aufzugehen. Wobei fühlst Du Dich besser, beim Vortragen Deiner Texte auf Poetry Slams oder auf der Bühne mit Beats unterlegt? Fiva: „Also ich kann nicht sagen, an welchem Ort ich meine Texte lieber performe. Bei Slams hast du natürlich meist ein aufmerksameres Publikum, welches von Anfang an mehr auf die Texte fixiert ist. Aber dafür fehlt mir auch oft die musikalische Unterlegung. Rapshows mache ich nun doch schon seit sechs Jahren und es gehört einfach dazu, dass man die Leute erstmal von sich überzeugen muss. Gerade heute, wo Texte in vielen Songs nur noch die Nebenrolle spielen. Aber ich muss sagen, ich habe nur positive Erfahrungen gesammelt. Die Leute im Publikum haben Bock auf beides: gute Musik und gute Lyrics. Ich bin ehrlich gesagt sehr glücklich darüber in beiden Richtungen Fuß gefasst zu haben. Die Abwechslung macht es für mich perfekt!“ Murray: Dein neues Album „Kopfhörer“ wird ja nun auf Deinem und Radrums eigenem Label Kopfhörer Rec. veröffentlicht. Was hat Euch letztendlich dazu gebracht, den Weg über ein eigenes Label zu gehen? Fiva: „Also zum einen der Mangel an wirklich ernstzunehmenden Angeboten von Seiten irgendwelcher großen Plattenfirmen. Und zum anderen der Wunsch endlich alles alleine in der Hand zu haben. Radrum und ich haben jetzt wirklich lange genug gewartet, um jemanden zu finden, der unsere Musik herausbringt. Wir haben uns immer wieder vertrösten lassen auf das nächste Gespräch, das nächste Demo. Das hat uns irgendwann einfach gereicht. Wir wollen uns wieder auf das konzentrieren, was wir wirklich machen wollen: Musik! Es ist natürlich schon ein Schritt auf sehr wackligen Beinen. Denn die Sache will ja auch finanziert sein. Aber auf der anderen Seite können wir nun wirklich alles selbst entscheiden, und das ist ein super Gefühl.“ Murray: Und kannst Du uns schon etwas über Dein neues Album verraten? Werden die Leute nach „Spiegelschrift“ überrascht sein, oder bleibst Du Deinem Stil treu?Fiva: „Also ich bin mir auf jeden Fall selbst treu geblieben, was aber auch mit einschließt, dass ich mich weiter entwickelt habe. Es liegt ja auch eine Menge Zeit zwischen dem ersten und dem zweiten Album. Jedoch wird „Kopfhörer“ wieder viele gute Texte enthalten und, wie der Name schon sagt, etwas für Leute sein, die gerne mal zuhören. Radrums Beats sind sehr melodisch und auch er hat einen Riesenschritt nach vorne gemacht. Man darf wirklich gespannt sein!“ Murray: Mnemonic, wieso wurden nur Beats von Radrum auf „Rücken an Rücken“ verwendet? Wolltest du nicht z.B. STI auch dabei haben? mnemonic: „Das hat sich einfach so ergeben. Ursprünglich war tatsächlich geplant, dass jeder „seinen“ Produzenten mit einbringt und dass Radrum und STI sich die EP teilen. STI sollte das Ding eigentlich auch mischen und mastern. Leider hat das alles zeitlich nicht geklappt, weil er zurzeit schwer beschäftigt ist. Aber unterm Strich hat das der EP nicht geschadet.“ Murray: Wie sieht es mit Deinem neuen Album aus, kannst Du schon genaueres zum Releasedatum und den Inhalten sagen? mnemonic: „Das Album steht und geht Anfang Februar zum Mischen und Mastern nach Hamburg. Das wird wieder H-Peh von Mastertask übernehmen, der auch die „Rücken an Rücken“ EP gemischt und gemastert hat. Wann das Ding dann erscheint, kann ich noch nicht sagen. Das hängt von verschiedenen Faktoren ab, die nur zum Teil in meiner Hand liegen. Vorab über die Inhalte zu sprechen, macht für mich auch keinen Sinn – man muss das Album einfach hören.“ Murray: Spürst Du einen gewissen Druck, weil sich wohl einige Leute nach der „Einsicht“ EP sehr viel von Deinem ersten Album erwarten, oder lässt Dich so was eher kalt? mnemonic: „Na ja, in erster Linie muss ich mir selbst gerecht werden und mein eigener Anspruch an meine Musik macht mir schon genug Druck. Die „Einsicht“ EP war ja z. B. auch 12“ des Monats in der damaligen JUICE und die „Rücken an Rücken“ EP ist in der aktuellen Ausgabe knapp an diesem Titel vorbeigeschrammt, was ich sehr schade finde, weil sie ihn sicher nötiger hätte als ein Samy Deluxe Release. Aber es ist wie es ist und ich lass da auch keine Tränen fallen. Das spornt mich nur noch mehr an, ein gutes Album abzuliefern und meinen Namen zu festigen.“ Murray: Danke Fiva und mnemonic für das Interview! Das abschließende Wort gehört natürlich Euch… Fiva: „Wenn die Leute da draußen wieder Vielfalt innerhalb der Musik wollen, dann müssen sie anfangen, die Künstler zu unterstützen – sei es durch Plattenkäufe oder Konzertbesuche. Es liegt in eurer Hand!“ Interview am 28.12.2005, Murray Schell (Generation One)
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Fiva & mnemonic
Murray: Hattet Ihr eine Art Konzept in der Schaffensphase dieser EP, z.B. das Ihr Euch immer zusammen hockt und die Texte zu zweit schreibt?
Murray: Und kannst Du uns schon etwas über Dein neues Album verraten? Werden die Leute nach „Spiegelschrift“ überrascht sein, oder bleibst Du Deinem Stil treu?