Review | Kritik | Bewertung @ Generation One
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Artists - Interviews
Montag, 16. Januar 2006 um 09:54 Uhr
Randgruppe
(Januar 2006)

Die Frankfurter HipHop-Szene besteht bei weitem nicht nur aus den bekannten Künstlergrößen aus dem Bozz-Lager und besonders im Untergrund brodelt es gewaltig. Mit ihrem zweiten Albumrelease „Alles oder Nichts“, das über Evilmama Records veröffentlicht wurde, scheinen die Jungs der Rap-Crew Randgruppe die besten Karten zu haben, sich einen Namen in Deutschland zu machen. Checkt in unserem Special neben dem aufschlussreichen Interview und der Review unbedingt den Exklusive Track „Generation One“ der Randgruppe!

Alex: Das hier ist ja eines der ersten Interviews, die man von Randgruppe im Netz finden kann. Stellt Euch doch bitte mal all denjenigen vor, die bislang noch nichts von Euch wussten.
Randgruppe: „Also wir sind die Randgruppe aus Frankfurt am Main bestehend aus den vier MC’s, Mr.Hankey, Johhny Gun, Albow Flash und Kosmo84 und dem DJ – Kamisa.One.“

Alex: Nehmt Ihr bereits bewusst ein gestiegenes Medieninteresse wahr, oder befindet sich alles noch ein wenig im Anfangsstadium? Wie waren die bisherigen Resonanzen auf Euer zweites Album-Release?
Randgruppe: „Man muss sagen, dass sich schon noch alles relativ im Anfangsstadium befindet, aber es geht voran! Die Reaktionen auf unser zweites Album sind schon sehr positiv. In den letzten Tagen kamen einige Anfragen für Interviews herein, es gab einige Reviews und wir wurden zu dem einen oder anderen Radiosender eingeladen. Allerdings gab es auch schon zu unserem ersten Album „Maulkorb“ einige Reaktionen, zum Beispiel hat das Juicemagazin auf seinen „Next Generation“ Seiten die CD besprochen. Es gab auch einige Reviews online. Wie gesagt, das zweite Album „Alles oder Nichts“ wurde bisher sehr positiv angenommen. Auch in verschiedenen Internetforen wird über das Album gesprochen und die Resonanz ist teilweise echt fett.“

Alex: Der Albumtitel lautet: "Alles oder nichts". Steht dieser metaphorisch für die Zukunft Eurer Crew, nach dem Motto: „Entweder kommt jetzt der Durchbruch oder nie!” oder hat er eine andere Bedeutung?
Randgruppe: „Wir müssen zugeben dass z. B. als Albumstitel „Alles - oder wir machen trotzdem weiter“ <grinst> besser gewesen wäre, denn wir würden auf jeden Fall weiter hart daran arbeiten unsere Musik zu präsentieren, sollten wir nicht mit unserem zweiten Album den Durchbruch schaffen. Genau gesagt bedeutet „Alles oder Nichts“ dass wir mit unserem zweiten Album versuchen wollen, uns bundesweit zu representen und bekannter zu machen. Wir denken schon, dass unsere zweite CD das Potenzial hätte einige Heads in ganz Deutschland zu flashen und wir hoffen sehr, dass uns dies gelingt.“

 Alex: Wer war überwiegend für die Produktionen bzw. Beats auf „Alles oder Nichts“ zuständig, die sind ja durchaus fett ausgefallen und überzeugen auf ganzer Linie?
Randgruppe: „Zunächst freut uns das sehr, dass du das so siehst. Also zu 90% sind die Beatz von uns selbst, wobei das meiste Material von Johnny beigesteuert wurde. Übrigens, der Beat zu „Wo ist Gott“ ist von Kosmo (haben wir leider auf der CD vergessen, zu benennen ;) Auch von einigen Evilmama Kollegen haben wir den einen oder anderen Beat bekommen. Johnny hat übrigens auch unser Album gemischt und gemastert.“

Alex: Habt Ihr einen oder mehrere Favorite-Tracks auf dem Album? Sind Euch bestimmte Songs besonders wichtig, sei es nun wegen der Message oder dem Gesamtkonzept?
Randgruppe: „Jeder von uns hat sicher verschiedene Favoriten auf dem Album, ich z.B. (Kamisa.One) finde "Er war ein guter Junge", "Roll Until We Die“, "Wo ist Gott", "BlaBlaBla“ und "Tausende Tränen" sehr fett. Aber auch "We Are Back“, „Wie ’ne Clock“, "Alkoholiks“, "Oh mein Gott" und "Aus dem Weg“ flashen mich total. Wie man sieht, fällt es mir schon relativ schwer eine Auswahl zu treffen, da ich mit dem Album sehr zufrieden bin. Wir haben bewusst versucht verschiedene Seiten von uns zu zeigen, wollten eine Mischung aus Party- und Representer Tracks, Battlestuff und Themensongs, bzw. deepem Material bringen. Bei dem Track "Er war ein guter Junge" finde ich, haben die Jungs sehr geil verschiedene Lebensläufe gezeichnet und zum Beispiel bei "Alkoholiks“ oder "Wo ist Gott" stand natürlich die Message im Vordergrund und die Auseinandersetzungen mit der eigenen Sichtweise und Problemen. Bei anderen Tracks ging es teilweise einfach nur darum Party zu machen, zu representen oder zu batteln. Das Gesamtkonzept ist einfach Randgruppe!”

Alex: Die Raps auf „Alles oder Nichts“ sind ja getreu dem gängigen FFM-Style eher hart geraten… wird das auch in Zukunft beibehalten oder könnt Ihr Euch auch mal in eine andere Kategorie hineindenken?
Randgruppe: „Naja, „hart geraten“ ist für uns eher relativ. Wir machen halt was wir machen. Aber wir versuchen ja schon verschiedene Styles zu bringen, das steckt nun mal alles in uns drin. Vor einigen Jahren waren da sicher noch nicht so durchdachte Flows und Rhymes am Start, aber man entwickelt sich ja weiter, und von daher, wird man noch sehen, vor allem hören, was noch kommt. Aber Du hast natürlich Recht, in Frankfurt ist schon überwiegend die härtere Gangart am Start und das beeinflusst uns sicher auch etwas.“

Alex: Wie seid Ihr im Einzelfall zur Rap-Musik gekommen? Gibt es konkrete Vorbilder oder führte der Weg dazu über andere Disziplinen der HipHop-Kultur (Breakdance, Turntablism, Graffiti)?
Randgruppe: „Einige von den Jungs haben früher auch mal ein bisschen gemalt. Mr.Hankey zum Beispiel hat irgendwann direkt mit dem Rappen angefangen. Ich komme ursprünglich aus der Producer Ecke, hab irgendwann angefangen Beats zu basteln, später kam dann das DJing dazu. Mittlerweile machen auch fast alle anderen Beats. Konkrete Vorbilder gibt es da sicher keine, aber natürlich wird man von dem ein oder anderen MC beeinflusst. Hier sind sicher z.B. Sammy Deluxe, Kool Savas und Azad zu nennen.”

 Alex: Kennen gelernt habt Ihr Euch ja dann 1999 bei einem Workshop. Wie lief das genau ab und wann habt Ihr gemerkt, dass Ihr gemeinsam Musik machen wollt?
Randgruppe: „Cool dass Du diese Frage stellst, denn dann können wir auch endlich mal was klarstellen. Also die MC's kennen sich schon viel länger, teilweise waren die sogar zusammen im Kindergarten. 1999 sind die vier dann auf mich getroffen. Bei einem Workshop in einem Jugendhaus im Frankfurter Osten. Es geht das Gerücht um, dass ich einen Workshop veranstaltet hätte, so eine Art Casting-Workshop, indem ich dann die vier Rapper ausgewählt, und zur Randgruppe geformt hätte. Der totale Witz! Aber da wir in Frankfurt leider nicht nur Freunde haben, behaupten einige hartnäckig, die Randgruppe wäre eine Castingband, sozusagen nicht "real“ und versuchen uns damit zu schaden. Immer wenn wir das Gerücht wieder hören, müssen wir grinsen. Es hat aber auch dazu geführt, dass wir einen Track namens "Castingband" aufgenommen haben. Diesen Track haben wir zwar nicht mit aufs Album genommen, den gibt’s aber demnächst als Free-Download auf unserer Website in diesem Track machen wir uns über dieses Gerücht lustig. Der Track „BlaBlaBla“ vom Album z.B. geht auch auf diese Internethaterei ein, und mit den Vocals: „Links rein, Rechts raus, alles ist nur blabla“ wollten wir zeigen, dass wir auf solche Sprüche ein Shit geben. <lacht> Vielen Dank an dieser Stelle, an unsere Hater - für die Inspiration. Um aber nochmal auf die Frage zurückzukommen, die vier Rapper haben ja sowieso schon länger was zusammen gemacht und ich hab mich dann zunächst als Beat Producer eingeklinkt, später als DJ. Es war relativ schnell klar, dass wir auch in Zukunft zusammen was auf die Beine stellen wollen.”

Alex: Wie seht ihr im Allgemeinen die HipHop-Szene in Frankfurt? Mal abgesehen von Majors und bekannten Größen…
Randgruppe: „Es geht so! Z.B. das Studio in dem wir arbeiten, ist ja das Studio vom Projekt Hip Hop Movement. Dort nehmen auch jede Menge andere MC's auf, eigentlich nur Newcomer. Zwei von uns arbeiten ja auch in diesem Projektstudio, welches von mir gegründet wurde. Und wir können uns vor Nachfragen kaum retten, uns wird regelrecht die Bude eingerannt. Es gibt also jede Menge Nachwuchs. Ansonsten sind in Frankfurt schon viele Leute am Start, mit einigen Arbeiten wir immer wieder mal zusammen. Allerdings ist es bei uns leider schwierig, Auftrittsmöglichkeiten klarzumachen, da die meisten Clubs usw. nicht bereit sind Hip Hop Konzerte und Veranstaltungen abzuhalten. Und wenn mal was stattfindet ist oft auch nicht so viel los. Unser Releasekonzert zum neuen Album hat uns da schon etwas überrascht, denn die Bude war brechend voll und die Leute sind voll abgegangen. Hat echt total Spass gemacht! Frankfurt wird ja auch nachgesagt, dass es hier sehr viele Hater gäbe. Ich denke aber, das ist auch nicht anders als in anderen Städten. Wir erleben da ja leider auch Anfeindungen, zu 99% im Internet, in lokalen Foren, wie ich eben auch schon erwähnt habe, Leute reißen Plakate ab und überkleben Aufkleber usw. Aber wie gesagt, das ist wohl überall so, und je mehr man im Gespräch ist, umso mehr Hater und Neider bekommt man halt ab. Aber nichtsdestotrotz, wir lieben unsere Stadt, wir sind Frankfurter vom Herzen, unsere Stadt hat jede Menge Potenzial und auch wir versuchen mit unserem Stuff Frankfurt bundesweit nach vorne zu bringen.“

Alex: Was gefällt Euch auf der anderen Seite überhaupt nicht an der aktuellen Rap-Szene in Deutschland?
Randgruppe: „Zunächst muss ich da mal sagen dass wir zum Beispiel über unser Label bisher positive Erfahrungen mit der deutschen Szene machen. Bei Evilmama gibt es ja in einigen Städten Anhänger der bösen Stiefmutter und von diesen bekommen wir schon Support. Z.B. wird der ein oder andere Beat rübergeschickt, es gibt Kooperationen, Kollegen verkleben Sticker unseres neuen Albums in ihren Städten usw. Auch in manchen größeren Internetforen, bekommen wir positives Feedback und Support. Auch hier haben sich neue Kooperationen ergeben. Allerdings ist es doch sehr schwierig sich als Newcomer und unbekannter neuer Act bundesweit durchzusetzen. Viele Leute supporten doch nur ihre eigenen Homies, in ihren eigenen Städten. Und wenn man doch mal ins Gespräch kommt, z.B. über ein Freedownload im Netz, supporten“ die Heads „nur“, indem sie sich halt die Lieder runterladen, das Material dann teilweise auch gut finden, positives Feedback geben usw., aber dann nicht die CD kaufen, um die Leute somit wirklich zu unterstützen. Denn das ist nun mal auch ein Teil des Games, CDs zu kaufen, damit man weitermachen kann und nicht immer nur drauflegen muss, um sein Zeug zu präsentieren. Weißt Du, die laden sich Dein Zeug umsonst runter und kaufen sich dann 50 Cent und Eminem. Ist zwar auch ok und ich will auf keinen Fall irgendwie abgeturnt wirken, von wegen doch alles Scheisse usw. Na ja, ich hoffe es kommt rüber was ich meine.”

Alex: Wie sehen Eure konkreten Zukunftspläne aus? Wo seht Ihr Euch, sagen wir einmal, in 5 Jahren?
Randgruppe: „Ja also momentan arbeiten wir erstmal daran unsere CD etwas mehr in die Öffentlichkeit zu bringen, produzieren verschiedene Exklusives wie unter anderem auch das für euch (wir hoffen es gefällt euch), sind aber auch schon wieder dabei an der dritten CD zu arbeiten die auch wieder im Winter rauskommen soll, haben mit den Evilmama Kollegen TMA ein neues Projekt namens SpitfireBoys ins Leben gerufen. Auch hier soll im Sommer eine CD erscheinen. Unter dem Namen SpitFireBoys ist übrigens auch vor kurzem ein Video entstanden, das man auf rand-gruppe.de oder auf evilmama.com runterladen kann. Wo wir uns in fünf Jahren sehen, ist etwas schwierig zu sagen. Wir werden auf jeden Fall immer noch als Randgruppe zusammenarbeiten und unsere Musik präsentieren und wir hoffen natürlich, dass wir es bis dahin weiter nach vorne gebracht haben.”

 Alex: Wird es denn eine entsprechende „Alles oder Nichts“-Tour geben oder sind nur vereinzelte Veranstaltungen (Jams, etc.) geplant?
Randgruppe: „Klar, eine Tour wäre schon nicht schlecht, aber wir arbeiten z.B. noch nicht mit einer Bookingagentur zusammen, die das für uns organisieren würde. Momentan organisieren wir auch was Jams angeht ziemlich viel selbst und über Evilmama ergibt sich da vielleicht auch noch das eine der andere. In Frankfurt hatten wir ja am 06.01. eine fette Releaseparty, aber leider war es das auch erstmal. Im Mai werden wir zusammen mit Evilmama auf der Tatort Jam in Duisburg auftreten und die Kollegen aus Berlin versuchen auch demnächst mal ein Konzert klar zu machen. Wie gesagt, eine Tour gibt es leider nicht, aber wir werden überall am Start sein, wo wir die Möglichkeit haben werden. Übrigens, wenn das hier jemand liest, der ein Konzert in seiner Stadt veranstalten will, kann gerne bei uns anfragen.“

Alex: Ist schon das nächste Projekt geplant? Ein neues Album, Mixtape oder Sampler-Beiträge? Vielleicht sogar Solo-Projekte oder Features mit anderen Künstlern bei Evilmama Records?
Randgruppe: „Wie gesagt arbeiten wir schon wieder am dritten Album und an dem SpitFireBoys-Projekt, dass auch über Evilmama erscheint, produzieren Exklusiv Tracks usw., haben unter anderem für das „KopfnickerMixTape“, dass DJ HighTime, von den Vinylcutterz, aus der Schweiz, produziert - auf dem auch einige deutsche Rapgrößen mit dabei sind - einen Track abgegeben und haben einige Kollabos am kochen, für Online-EP’s. Evilmama hat vor, wieder einen Labelsampler zu produzieren und natürlich wird es einige Features hier und da geben. Solo Aktionen sind erstmal nicht näher geplant, aber es wird auch verstärkt Beat-Material von der Randgruppe für andere MC’s geben usw. Es gibt also viel zu tun und die Randgruppe wird weiter am Start sein!“

Alex: Wo wir schon thematisch bei Evilmama sind, wie seht Ihr im Nachhinein die Entscheidung, zum Frankfurt-Berlin Label gegangen zu sein?
Randgruppe: „Naja, solange sind wir ja noch nicht bei Evilmama und von daher kann man da noch gar nicht so viel dazu sagen. Eines Abends haben wir mit BurnArt zusammen im Studio gechillt, Tracks gehört, und da kam die Idee zu Evilmama zu gehen, war mehr oder weniger spontan entschieden. Bisher haben wir das noch nicht bereut, im Gegenteil. Die Jungs von Evilmama haben die gleiche Einstellung zur Musik wie wir, versuchen da ebenso ihr Bestes zu geben und es geht in erster Linie um den Spaß an der Sache, aber auch darum, einen Schritt weiter nach vorne zu gehen. Von Evilmama erhalten wir an dieser Stelle bisher wirklich gute Unterstützung. Wir versuchen uns gegenseitig zu pushen, kommen gut miteinander klar, es geht voran, alles ist bestens!”

Alex: Danke für das Interview. Was möchtet Ihr den Lesern unseres Online-Magazins zum Schluss noch auf den Weg mitgeben?
Randgruppe: „Yo, Ihr Leute da draussen, haltet den Kopf oben, lasst Euch nicht verarschen, gebt Euch unseren Exclusive Track hier und wenn ihr Bock habt, schaut mal auf unserer Homepage rand-gruppe.de oder auf evilmama.com vorbei, checkt dort die weiteren Freedownloads und unseren aktuellen Videoclip. Kauft, kauft, kauft unsere neue CD „Alles oder Nichts“ <grinst> - Bleibt locker und macht's gut!“

Interview am 16.01.2006,
Alexander Riede (Generation One)