Review | Kritik | Bewertung @ Generation One
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Stories - Konzertberichte
Montag, 06. März 2006 um 14:35 Uhr
Curse - Sinnflut Tour 2006
04. März 2006
Club Ampere (München)

Murray - Zwischen Unfall und klarer Fall...
4.3.2006: Schneechaos in Bayern. Na toll, Alex und ich wollen von Regensburg nach München auf ein Curse-Konzert fahren. Beste Wahl ist hier wohl der Zug. Nach einer zum Glück kurzen Pause, weil ein Zug vor uns in einen Baum gefahren ist, kamen wir dann auch im verschneiten München an. Ich musste mich zurückhalten, auf dem Weg zum Ampere, wo der Auftritt stattfinden sollte, nicht schon alle Bilder zu verknipsen, weil Bayerns Hauptstadt wie ein beein- druckender Eispalast aussah.

Mit nassen Schuhen und einem Döner im Magen kamen wir schließlich beim Ampere an. Und nachdem ich zwei Mal fast gestorben wäre, weil mich eine eisglatte Treppe nicht tragen wollte, ging es dann in die beschauliche, kleine, ja fast schon gemütliche Location. Schnell hatten wir uns einen Platz oben auf der Galerie, mit exzellentem Ausblick auf die Bühne gesichert und dann begann das Warten. Der Mann der die Menge einheizen sollte, war Italo Reno. Und obwohl er immer wissen wollte, ob nun endlich alle abgeturnt sind, stieg die Stimmung doch allmählich an.  Aber eines war trotzdem klar, die Leute wollten Curse sehen. Mit „Curse!"-Sprechchören begann die Menge, nicht zum letzten Mal an diesem Abend, sich selber anzuheizen, bis dann endlich der Rapper der vor kurzem mit „Sinnflut" sein viertes Soloalbum releasede, die Bühne betrat.

Der Sound war von Anfang an fett, denn Curse wurde von ein paar Musikern unterstützt, die ordentlich Power an den Tag legten. Der Abend startete mit Songs seines neuen Albums wie etwa „Münze des Glücks", „Kein Weg zurück" und „Flutlicht". Die Klassiker durften aber natürlich auch nicht fehlen, und so geriet „Lass uns doch Freunde sein" zum ersten Beweis, was man aus der Menge heute Abend noch alles rausholen kann. Die Live Musiker zogen sich dann auch, etwa in der Mitte der Show, vorerst zurück, um Platz für Kool DJ GQ und Curse zu machen, die mit Tracks wie „10 Rap Gesetze" oder „Hassliebe" weit in Curse's Laufbahn zurückgriffen. Wie die Alben von Curse, gestaltete sich der Auftritt sehr abwechslungsreich und richtige Banger gaben gefühlvollen Tracks wie „Und was ist jetzt" die Hand. Wobei beide Arten vom Publikum begeistert aufgenommen wurden. Abgerundet wurde die Show dann wieder mit Band und weiteren Curse-Ohrwürmern wie „Wahre Liebe", „Scheiß auf Curse" oder natürlich „Gangstarap".

Wenn man genau hingesehen hat, konnte man auch Roger von Blumentopf in den Zuschauerreihen sehen oder einem DavidPe begegnen, der erst zur Zugabe das Ampere betrat. München eben. Curse wusste, wie er sein Publikum musikalisch befriedigt und das Lächeln in seinem Gesicht, wenn er zu den „Curse!"-Sprechchören innehielt, war richtig ehrlich. Mit einem guten Gefühl und guter Live-Musik, die uns noch in den Ohren nachklang, machten wir uns auf den Nachhauseweg…

Alex - Alles perfekt organisiert...
Die Entscheidung, für die Fahrt zum Curse-Konzert in der bayerischen Landeshauptstadt die Bahn zu wählen, stellte sich letztendlich als die richtige und womöglich auch einzig durchführbare Variante gemessen an den Wetterverhältnissen heraus. Kurz gesagt, es war eiskalt und die Landschaft versank im Schneegestöber! Mein Organisationstalent wurde schon bei der Hinfahrt auf die erste Probe gestellt, denn der Zug musste 15 Minuten vor München notgedrungen anhalten, da ein vorausfahrender Zug "in einen Baum gefahren ist" und die Weiterfahrt auf unbestimmte Zeit verzögert wurde. Zum Glück war genügend Spielraum eingeplant und es reichte noch für einen kleinen Imbiss bei einem der ansässigen türkischen Kleingastronomen. Besser gesagt, wir gönnten uns einen Döner, bevor wir das Münchener Ampere betraten.

Die Location hätte eigentlich nicht besser gewählt werden können für ein HipHop-Konzert und das war bereits der erste Eindruck, den ich beim Betreten des Amperes hatte. Nicht allzu groß, überschaubar, die Bühne nah am Publikum und aus Erfahrung konnte ich erahnen, dass sich diese Umstände positiv auf die allgemeine Stimmung auswirken würden. Murray und ich suchten und fanden den perfekten Platz für den Rest des Abends auf der Galerie mit frontalem Blick auf die Bühne. Während wir eine Weile warten mussten, bis sich im Bühnenbereich etwas tat, spekulierten wir schon, ob Curse und seine Crew vielleicht im Verkehrschaos, dass der Schnee draußen verursachte, aufgehalten werden. Doch bevor wir lange überlegen konnten, enterte Italo Reno die Stage und heizte mit einer Energiegeladenen Performance schon einmal die Stimmung der Crowd so richtig an. Obwohl er ganz genau wusste, dass er das Gegenteil bewirkt, fragte er zwischendurch immer wieder, ob die Leute "schon abgeturnt wären".

Was für eine Frage bei hämmerden Beats zu Tracks wie "Bei mir" und "Na und". Bei dem Alltime-Klassiker "Bitch" gingen die Leute schon von voll ab und Italo Reno hatte sie genau da, wo er sie haben wollte: hungrig auf Rap!  Und man musste nicht mehr lange warten, bis das "Einklang"-Intro zum Auftritt von Curse ertönte. Man merkte sofort, wie viel Bock die Menge auf ihn hatte. Kreischende Frauen und jede Menge in die Luft gestreckte Arme waren dafür bester Beweis. Doch der Mindener Rapper war erst am Anfang seiner Show und hatte noch so einiges mit den Münchnern vor. So integrierte er auch äußerst geschickt immer wieder das Publikum in seine Performance und steckte jeden mit seiner spürbar guten Laune an. Nach den Tracks „Der Fluch“ und „Liebe“ (dazwischen „Lass uns doch Freunde sein“) seines vierten Studioalbums „Sinnflut“ erzeugte Curse mit dem sehr atmosphärischen „Münze des Glücks“ bei mir zum ersten Mal für Gänsehaut-Feeling. Ab dem Punkt hat er mich total gefangen und ich konnte gar nicht anders, als begeistert die Hookline mitzusingen und es blieb mir sozusagen „Kein Weg zurück“.

Auf „Nimm’s leicht“ stimmten die Leute dann den entspannten „Lalala“-Chorus (im Original von Pete Rock) ein, doch Curse ging schnell zu „Flutlicht“ über und brachte die Leute dazu, ihn lautstark zu feiern. Was folgte, war eine kurze Pause, in der Kool DJ GQ eine beeindruckende DJ-Show abzog und kurz sein neues Album „Birth of Kool“ vorstellte. Bei älteren Tracks wie „10 Rap Gesetze“ und „Hassliebe“ machten die Leute richtig Lärm, klatschten euphorisch und klopften an die Seitenverkleidungen der Galerie. „Und was ist jetzt“, angekündigt als einer der umstrittensten Tracks Curse’s musikalischer Laufbahn sorgte dann für das nächste Gänsehaut-Empfinden, wenn man das als Mann überhaupt sagen darf… „Rap“ war ebenso ein Statement für alle Kritikerstimmen. Das Beste hat er sich für den Schluss aufgehoben und brannte mit "Denk an mich" und "Gangsta Rap" das Ampere so richtig ab. Mit diesem Hochgefühl und absoluter Zufriedenheit aufgrund einer hammermäßigen Show entließ Curse seine Jünger aus seiner "Lehrstunde für perfekte Live-Auftritte" in das Münchner Nachtleben.

Als Zugabe gab es dann noch "Broken Language", diesmal mit Italo Reno statt Samy Deluxe, doch Murray und ich mussten uns schnellstmöglich in Richtung Hauptbahnhof aufmachen, um noch rechtzeitig den Zug nach Regensburg zu erwischen. Dort angekommen, durften wir noch eine ganze Weile mit Hamburger Fußballfans vorlieb nehmen, da unser Zug 30 Minuten Verspätung hatte. Im Zug selbst hatte man lediglich mit Ermüdungserscheinungen und zugefrorenen Türen zu kämpfen, aber das war es der unvergessliche Abend allemal wert. In diesem Sinne... One!

Exklusive Berichterstattung,
Murray Schell und Alexander Riede (Generation One)