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Artists - Interviews
Freitag, 10. März 2006 um 10:00 Uhr
Sookee
(März 2006)

Mit „Kopf Herz Arsch“ lieferte die 21-jährige Berlinerin Sookee ein ordentliches Debütalbum ab, wird jedoch von den meisten Kritikern noch unterschätzt. Wir trafen die talentierte Nachwuchskünstlerin auf dem Poetry Slam in der Alten Mälzerei Regensburg zu einem sehr ausführlichen Interview. Alle wichtigen Infos und noch mehr zur sympathischen Rapperin könnt Ich ab sofort unserem Special entnehmen.

Alex: Im Programm der Alten Mälzerei Regensburg wirst Du als „Berlins weiblicher Rap-Poetry Shooting-Star“ angekündigt. Machst Du häufiger bei solchen Veranstaltungen mit?
Sookee: „Um ehrlich zu sein, war das einer der ersten. So viele gibt es noch nicht… Der Veranstalter hat mir vor einem Jahr eine Mail geschrieben, ob ich daran Interesse hätte und anfangs hatte ich ein wenig Hemmungen, mich da reinzufinden, weil die Szene ganz anders strukturiert ist als beim HipHop. Es ist auf jeden Fall eine tolle Erfahrung und macht unheimlich viel Spaß, weil das Publikum ganz anders reagiert, vor allem auch der Text ausnahmsweise mal im Vordergrund steht. Und das ist eigentlich das, was ich will. Der Text ist mir auch beim Rap am wichtigsten, insofern ist Poetry Slam eine tolle Sache. Heute Abend habe ich mal Prosa ausprobiert, es gibt eben nicht nur Reime… Ich will unbedingt dranbleiben und sehen, was in Berlin so geht. Da gibt’s ja nur einen Slam und hoffentlich komme ich noch mehr rum, wie beim Rap eben auch, wo ich schon quer durch Deutschland gereist bin.“

Alex: Obwohl die Verknüpfung zu Rap auf der Hand liegt, ist es nicht unbedingt eine Selbstverständlichkeit für HipHop-Künstler, bei solchen Wettbewerben teilzunehmen. Klär mich bitte auf, wenn ich da falsch liege… Welche Erfahrungen sammelst Du durch Abende wie heute?
Sookee: „Dass Rap mehr kann als im übertragenen Sinne „auf die Fresse geben / Kacke hauen“ und dass wirklich der Inhalt im Zentrum sein kann ohne irgendein Klischeè zu erfüllen. So etwas gibt es beim Poetry Slam einfach nicht, außer wenn Du schon etwas bekannter bzw. profilierter bist und die Leute bei Deinen Auftritten schon ein gewisses Bild von Dir erwarten können. Im Rap ist es halt sehr speziell, sehr vorgefertigt und Poetry Slam vermittelt mehr den Eindruck, dass man sich auch ausprobieren kann. Man steht weniger unter einer Wertung und kann menschlich mehr existieren als in der Rapszene.“

Alex: Laut Biographie bist Du seit 2003 „rapaktiv“. Wie bist Du zu HipHop gekommen? Was hat Dich dazu bewegt, selbst Musik zu machen?
Sookee: „Die erste Begegnung mit HipHop war im Grunde ein kleines Piece auf der Ledertasche meiner Schwester, die mit einem bekannten Writer zusammen war. Ich war total fasziniert und man lernte, wie es in der Pubertät so üblich ist, andere Leute kennen. So war ich auch in der Graffiti-Szene in Berlin unterwegs, habe aber relativ schnell davon wieder Abstand genommen, weil es einfach ziemlich brutal zugeht. Die Leute prügeln sich schon darum, wer an welche Wand, wer an welchen Zug darf. Ich selbst habe viel skizziert, auf Papier gemalt und jeder zweite in meinem Bekanntenkreis rappte eben. So war es auch ein relativ fließender Übergang von Graffiti zum Rap, ich habe ein wenig geschrieben und 2003 dann den ersten ernstzunehmenden Text verfasst und recordet. Das war so im Wesentlichen der Werdegang…“

 Alex: Hat sich durch Deine Rap-Karriere auch das Interesse für einen Studiengang wie Germanistische Linguistik/Gender Studies entwickelt oder bestand das schon vorher?
Sookee: „Es hat schon irgendwie etwas miteinander zu tun, aber eigentlich war es unabhängig voneinander und führt jetzt wieder zusammen. Mein Interesse für Rap bestand schon vorher. Irgendwann machst Du Dein Abi, hast die Möglichkeit zu studieren und ich bin grundsätzlich an Sprache interessiert. Ich meine, die Menschen wissen es gar nicht zu schätzen, dass wir uns artikulieren können. Aus der Idee, deutsche Sprache zu studieren, entstand die Überlegung, ob es eher literaturwissenschaftlich oder grammatikalisch werden soll. Jetzt habe ich beides in meinen Seminaren, kann mich sozusagen austoben und alles Mögliche über die Sprache herausfinden. Gender Studies ist eher global ausgelegt und es geht um Machtverhältnisse, die sich u.a. entlang von Geschlechtshierarchien entwickeln. Das führt alles natürlich schon wieder zu Rap, die Frage ist nur, wie kannst Du das aushalten, wenn Du so spezialisiert bist und Dein Blick so geschärft ist, darauf zu schauen, wie Geschlecht funktioniert… was ja bei Rap sehr deutlich ist. Sookee als Person hat eben Interesse an Rap gehabt und irgendwann kreuzt sich der Weg mit Linguistik und Gender Studies und beides bedingt sich wechselseitig.“

Alex: Inwiefern beeinflussen sich Deine Musik und Dein Studium gegenseitig? Du bezeichnest Rap selbst auch als „hervorragendes Mittel zur Kommunikation“…
Sookee: „Unbedingt! Ich lerne wie man Texte analysiert, aufbereiten kann und auf fremde Texte eingeht. Wenn ich einen Text schreibe, teile ich mich mit und muss mich natürlich an die Strukturen des Rap halten, so dass ich meine Betonungen in einem 4/4-Takt unterbringen kann. Doublerhymes und Flow sind auch sehr wichtig. So habe ich neben der inhaltlichen Ebene eben noch den Blick auf grammatikalische Strukturen. Aber es geht mir im Grunde bei jedem Text den ich lese so, dass ich schaue, was ich aus meinem Studium anwenden kann. Insofern habe ich auch den Ansporn, lange genug an meinen Texten zu feilen. Von Einstellungen wie „Ich kann meine 16 Bars in 10 Minuten schreiben“ halte ich nicht viel, denn ich glaube kaum, dass es dem Inhalt gerecht wird, den ich vermitteln will. Ich bemühe mich schon darum, es mehrdimensional zu gestalten und jede Reaktion darauf, dass man etwas davon raushört, freut mich natürlich doppelt.“

Alex: Ich hätte ja zu gerne Deine Hausarbeit mit dem Titel „Was ist ein Female MC – zur Positionierung rapaktiver Frauen in Deutschland“ gelesen, die aufgrund von Computerproblemen leider nie abgegeben wurde. Ist Rap oft Bestandteil Deiner universitären Arbeiten?
Sookee: „Man muss sich ja beim Schreiben der Hausarbeit einigermaßen an den Titel des Seminars halten und Rap ist ein Stoff, der relativ wenig wissenschaftlich aufgearbeitet wird. Auch wenn ich finde, dass da eine Menge Potential drinsteckt und man einfach viel über aktuelle Kulturgeschichte nachlesen bzw. heraushören kann. Dieses Seminar trug den Titel „Gendering Black Arts“, also alles was unter „schwarzer Kultur“ bedacht wird. Das war bislang in 5 Semestern die einzige Gelegenheit, was über Rap zu machen, weil das Spektrum des Seminars es einfach nicht ermöglicht, Rap einzugliedern. Gerne würde ich mehr machen, aber so besteht nur die Möglichkeit privat was zu schreiben, was wiederum eine Frage des Zeitaufwands darstellt. Aber ich hoffe, es gibt noch weitere Chancen. Das wäre mir ein großes Bedürfnis.“

Alex: In einem Interview hast Du geäußert: „Rap [hätte] Sexismus nicht erfunden, er [mache] es nur sehr deutlich.“. Ist das eine Sache, der Du mit Deiner Musik auch offensiv gegenüber treten willst?
Sookee: „Ich hab’s mir bislang verkniffen, jeglichen Text darüber zu schreiben, wie es sich mit Männern und Frauen im Rap verhält. Normalerweise läuft es bei anderen sog. Female MC’s darauf hinaus, zu sagen: „Schaut mal, ich bin eine Frau und rappe trotzdem.“. Damit bedient man gewissermaßen das Klischeé, das Skeptiker hören wollen. Deswegen beschränke ich mich darauf, so etwas in Interviews zu behandeln, statt es in Texten zu verarbeiten. Ich stelle mir das wahnsinnig schwer vor, diese Regeln einzuhalten, die Rap strukturell liefert und dennoch das Thema auf den Punkt zu bringen. Natürlich beschäftige ich mich damit, probiere es immer ein bisschen zur Seite zu schieben, aber es kommt immer diese Frage… Ich meine, wie lange gibt es Rap in Deutschland in einer etwas populäreren Form? Sagen wir mal 15 Jahre, jede Frau, jede Cora, Pyranja, Brixx, wer auch immer schon da war, wird auch immer mit dieser Frage konfrontiert. Ich denke, das Thema „Frauen im Rap“ wird einfach schon zu oft angesprochen und eigentlich will ich darüber gar nicht mehr sprechen, aber das wäre dann auch wieder der falsche Ansatz. Wenn ich jetzt in Interviews darüber rede und mich für eine bestimmte Frauenperspektive einsetze, bin ich halt gleich die verkrampfte Feministin. Das ist einfach schade, denn das bin ich wirklich nicht. Die Geschlechterrolle ist im Imageträchtigen Rap-Genre einfach schwer umsetzbar…“

 Alex: Wie ich in meiner Review zu „Kopf Herz Arsch“ bereits erwähnt habe, passen Inhalt/Thematik immer zum jeweiligen Sound. Nach welchen Kriterien hast Du Dir die Beats gepickt bzw. die zahlreichen Produzenten auf Deinem Album ausgesucht?
Sookee: „Erstaunlich, dass Du das sagst und ich war auch erstaunt, als ich das gelesen habe. Im Grunde ging es mir darum, bestimmte Leute auf der Platte zu haben. Ich bin zu denen hingegangen und meinte, von Euch will ich Musik haben, gebt mir Beats und ich schreibe was darauf. Ich hatte natürlich vorher auch eine Art Themenkatalog, aber keine feste Idee davon, welche Beats auf welches Thema kommen. Die Beatauswahl an sich ist natürlich eine sehr intuitive und emotionale Angelegenheit, die sich schlecht rational erklären lässt. Ich habe auch Leute auf der Platte, die zum Teil auch bekannter sind wie z.B. Djorkaeff oder Kumpels von mir, die keiner kennt aber von denen ich weiß, sie machen gute Arbeit. Deswegen war es nicht so  geplant, wie es vielleicht wirkt.“

Alex: Mit dem Track „8ung“ hast Du auch am „Beats & Lyrics-Contest“ im Rahmen der deutschen UN-Millennium Campaign teilgenommen, bei dem es darum ging „mit eigenen Kompositionen ein klares Statement zu Armut und Unterentwicklung“ abzugeben. Die Gewinner Was Los landeten mit dem Track „Man sagt“ neben Acts wie Curse, Kool Savas und Gentleman auf dem Sampler „Voices Against Poverty“. Was bedeutet Dir die Teilnahme an solchen Projekten?
Sookee: „Auf jeden Fall nicht der Gewinn! Natürlich hätte ich mich gefreut, keine Frage, aber ich habe mich nicht nach dem Ranking gefragt. Mir war es wichtig, den Leuten einen sinnvollen Beitrag zu liefern, meine Version des Themas abzuliefern aber auch den Organisatoren zu zeigen, auch Sookee macht mit, nicht um den Anschein zu erwecken etwas soziales zu machen, sondern um zu zeigen, ich habe eine Meinung dazu. Ich habe den Gewinner-Song zwar nicht gehört, aber es gab einige Textausschnitte im Internet und die fand ich cool und habe mich für Was Los auch gefreut. Genauso habe ich mich gefreut, dass Millenium Campaign sagt: „Leute, wir wollen Inhalt, setzt Euch hin und wenn Ihr richtig gut seid, gewinnt Ihr sogar noch.“. Das ist eine sehr schöne Kombination aus Inhalt und Motivation und das war der Grund für mich mitzumachen.“

Alex: Mal abgesehen von „Untitled“, bei dem man die persönliche Relevanz deutlich spürt, welcher Song auf „Kopf Herz Arsch“ ist Dir besonders wichtig? Wenn Du möchtest, kannst Du auch auf den genannten Track ein wenig eingehen…
Sookee: „Der wichtigste Song auf dem Album ist „Sprich!“, weil dort die Sprache thematisiert wird und mir diese wahnsinnig am Herzen liegt, weil sie einen aus einer Isolation herausholt. Es gibt wohl nichts schlimmeres, als nicht das ausdrücken zu können, was man möchte. Nicht die richtigen Worte zu finden, ist furchtbar und so etwas hat man relativ häufig in tragischen Situationen des Lebens. So etwas engt mich innerlich ein, ich muss meinen Mund aufmachen können, um mich mitzuteilen. Und das zu kultivieren und an einer Sprache dranzubleiben, finde ich auf jeden Fall erstrebenswert. Das ist genau das, was „Sprich!“ sagt: Nutze Deine Möglichkeiten und sage das was wichtig ist! Bei „Untitled“ war es einfach ein Thema, das im Rap keine Beachtung findet, wobei es schon ähnliche Tracks z.B. von sido & Harris gibt. Da war es mir wichtig und es ist kein Lied, nichts wozu wir bouncen wollen, nichts was wir uns morgens auf dem Weg zur Schule, Uni, Arbeit auf die Kopfhörer tun wollen… Das ist ein Ding, das man einmal hört und auch gerne weiterskippt am Schluss, was ich verstehen kann. Ich wollte es thematisieren, weil es in unserer Welt zu schnell in den Nachrichten abgehandelt und wieder vergessen wird. Ich habe auf jeden Fall Feedback bekommen von jungen Eltern, die dabei geweint und aus Angst ihr Kind festgehalten haben. Ich will niemandem Angst machen, sondern nur ein Bewusstsein schaffen.“

Alex: Auf dem Track „Booking“ wirst Du von Pyranja, Dra-Q und Joe Rilla gefeatured. Wie kam der Kontakt mit Pyranja bzw. der gesamten Ostbokk Crew zustande?
Sookee: „Ich habe sie vor 2 Jahren auf einer Party getroffen. Das war eben die typische Situation, in der ein Rapper in Berlin in einen Club kommt und sich gleich alle auf sie/ihn stürzen, um etwas vorzurappen. Deswegen habe ich mich erst einmal zurückgehalten, bis ich gemerkt habe, dass sich Pyranja akklimatisiert, bevor ich sie angesprochen habe. Wir haben über ihr damaliges Album geredet und ich bat sie um Ihre Email-Adresse, um ihr meinen Stuff zuschicken zu können, was ich dann auch gemacht habe. Sie hat es sich angehört, hat mir Feedback gegeben, im konstruktiven Sinne kritisiert und irgendwann kam eine Mail, ob wir nicht einen Track zusammen machen wollen. Ich habe mich tierisch gefreut, auch wenn dieser Track aufgrund widriger Umstände nicht zur Veröffentlichung kam. Wir verstehen uns jedenfalls richtig gut und sind Freunde geworden auch wenn der Kontakt nicht so hochkonzentriert ist, da wir beide viel unterwegs sind. Sie ist eine coole Person, weshalb es mir ohne irgendwelches Name-Dropping ein Bedürfnis war, sie auf’s Album zu holen. Über sie habe ich auch die anderen Ostblokker kennen gelernt. Joe Rilla ist einfach ein Hammertyp, der mit beiden Beinen fest am Boden steht. Dra-Q’s Stimme finde ich total klasse und auf Party-Ebene verstehen wir uns ebenfalls sehr gut. Deswegen habe ich gedacht, es wäre super, wenn ich die drei auf dem Album hätte und es hat geklappt. Schöne Grüße an die drei!“

 Alex: In Berlin scheint man sich auch wieder auf musikalische Gemeinsamkeiten zu besinnen… Gern gestellte Frage, deshalb auch an dieser Stelle: Was hältst Du von der Berliner Rap-Szene und von HipHop in Deutschland im Allgemeinen?
Sookee: „Also zu Deutschland, es passiert wahnsinnig viel, wir (die Rap-Szene) haben den Einstieg in die Charts geschafft, wir kriegen goldene Platten, wir kriegen Preise… Irgendwann gibt es vermutlich MTV Cribs mit den deutschen Rappern. In Deutschland ist es so vielschichtig, dass man im Einzelnen gar nicht alles beurteilen kann. In Berlin funktioniert einfach das Phänomen „Großstadt“ wahnsinnig gut, wie die Verkaufszahlen von Aggro Berlin belegen. Berlin soll ein „heißes Pflaster“ sein, was zum Teil auch stimmt aber manchmal auch absolut überzogen ist, keine Frage. Wenn ich morgens zur Uni oder zur Arbeit fahre, dann passiert mir so was alles nicht… Mittlerweile könnte man sagen, dass die Ideen aus den jeweiligen Texten, die Stadt neu konstruieren. Jeder Bezirk, der vorher sehr bürgerlich und ruhig war, ist mittlerweile auch harte Straße. Was mich stört, ist dass ein Bild wiedergegeben wird, was andere Leute wirklich real erleben. Man soll es thematisieren aber nicht als erstrebenswert darstellen. Rap ist aus einer sozialen Notlage entstanden und heute wird es nachgebastelt. Den realen Ghetto-Schmerz packen wir in eine coole CD mit einem super Cover und ein richtig krasses Video. So rauben wir den Leuten ihren eigentlichen Schmerz. Berlin ist halt nicht so brutal wie es immer dargestellt wird.“

Alex: Rap-Künstlerin (ebenfalls aus Berlin) She-Raw war ja vor kurzem auf dem Musiksender VIVA in der Reality-Doku „Unser Block“ zu sehen. Kennst Du die Sendung und könntest Du Dir vorstellen mit Deiner Crew Profirap auch bei so etwas mitzumachen oder käme so etwas nicht in Frage?
Sookee: „Soweit ich das gehört habe, haben sich die Macher von „Unser Block“ nach dem Release der „Rap City Berlin“-DVD ein paar Leute rausgepickt, die sie dann angesprochen haben. Ein paar haben abgesagt und 3 haben eben zugesagt. Ich kann es verstehen, dass Leute sagen: „Ich scheiß auf alles andere und nehme mit, was ich kann.“. Ich habe nie mit den Dreien persönlich darüber gesprochen, aber ich glaube nicht, dass sie zu 100% damit glücklich sind, weil im Grunde genommen ein „echtes Leben“ verkauft wird, aber es ist nicht das echte Leben. Ich weiß nicht, wie die 3 dann vertraglich gebunden waren, aber das ist eine Sache, die ich auf keinen Fall machen würde. Ich meine, ich find die auch cool, das sind hammergeile MC’s, keine Frage. Das bestätigt auch der Erfolg, She-Raw und Serk treten demnächst als Vorgruppe von Kanye West auf! Hammer. Ich respektiere ihre Entscheidung, aber mein Fall wäre es unter gar keinen Umständen gewesen, niemals!“

Alex: Was gibt es Neues in Sachen Releases von Deinen Crew-Membern Chrizzow Flex, Bierpimp und Mad Maks? Was erwartet uns noch in Zukunft, auch aus Deiner Richtung?
Sookee: „Mad Maks hat sein Album schon so gut wie fertig aufgenommen und es kommt bald, Bierpimp hat auch seit längerem was Neues geschrieben… Bei Chrizzow Flex ist es immer schwer zu sagen, weil er nicht aus Berlin kommt. Ich wohne z.B. mit Bierpimp und Mad Maks in einer WG. Wir müssen nur beim anderen an die Tür klopfen und können uns untereinander austauschen. Das ist bei Chrizzow ein wenig schwierig und aufwendiger, weil immer hin- und hertelefoniert werden muss. Das nächste Sookee-Album ist zwar noch nicht konkret in Arbeit, aber ich habe viele Ideen und wieder Bock, was zu machen. Ich will die Möglichkeit nutzen, mich mitzuteilen und habe noch eine Menge Themen im Kopf, die ich verarbeiten möchte. Es wird also definitiv nicht bei einem Album bleiben… da kommt noch was!“

Alex: Vielen Dank für das Interview. Vielleicht möchtest Du noch etwas zum Schluss loswerden…
Sookee: „Ich habe in meiner Biographie geschrieben, dass ich es sehr wichtig finde, seine eigene Idee von Coolness zu wählen. Es geht nicht darum, einen Stock im Arsch zu haben oder voll brav zu sein, sondern vielmehr, sich zu trauen, den Mund aufzumachen und seine Meinung zu äußern. Ich kann das wirklich nur jedem empfehlen. Die Leute reagieren darauf und man kann einfach wahnsinnig viel daraus ziehen… Das Leben ändert sich so schnell, deswegen sollte man langfristig auf Zufriedenheit hinarbeiten und es ist nicht damit getan, wenn ich sage: „Ey Alter, Du bist scheiße, ich fick Dich!“ – das funktioniert auf lange Sicht nicht! Deswegen kann ich allen nur empfehlen, sich Gedanken darüber zu machen, was sie wirklich im Leben erreichen wollen, sich mit den Dingen auseinanderzusetzen, Interesse zeigen, nachfragen, einfach eigene Ideen zu entwickeln.“

Interview am 10.03.2006,
Alexander Riede (Generation One)
 
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