Review | Kritik | Bewertung @ Generation One
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Artists - Interviews
Montag, 20. März 2006 um 10:04 Uhr
PF Squad
(März 2006)

Mit Ihrem zweiten Longplayer "Keine Träne" entgegnet die Stuttgarter Rap-Crew PF Squad Ihren Kritikern ein rundum gelungenes und für Ihre Verhältnisse vollkommenes Album und beweisen, dass man mit dem relativ still gewordenen Süden immer rechnen muss. In unserem Interview berichten Jokane, Max Farah, FlowTone und D-Mark von Ihrem neuesten Werk und grüßen Ihre Fans und Supporter in einem exklusiven Video.

Alex: Seit der Arbeit an dem "Plattform Records Sampler" 2002 geht Ihr als PF Squad gemeinsame Wege. Wer war Initiator des Projekts, wie ist der Rest darauf aufmerksam geworden und wie schnell habt Ihr gemerkt, dass Ihr so gut zusammenpasst, um auch zukünftig Musik zu machen?
Jokane: "Während der Produktionsphase des Samplers haben wir schon alle als Einzelkünstler Jams gemeinsam gespielt. Für den Plattform Sampler wollten wir zusammen einen Track aufnehmen und haben dabei gemerkt, wie gut wir alle zusammenpassen. In diesem Moment war die Idee einer gemeinsamen Zukunft geboren. So kam es zum Zusammenschluss. Einen Initiator gab es nicht wirklich, das war eher so ein Community-Ding."

Alex: Wie seid Ihr zuvor als einzelne Künstler zur Musik gekommen? Gibt es bestimmte Einflüsse z.B. durch andere Disziplinen der HipHop-Kultur?
Flow Tone: "Nach der Breakdance- und Graffitizeit, Mitte der Neunziger, habe ich auf Jams mit Freestylen angefangen. Ich glaube unsere Wurzeln liegen auf jeden Fall in der Jungendhauszeit in der noch alle Elemente des HipHop gelebt wurden."
Max Farah: "In der Zeit als ich in Frankreich lebte, war HipHop dort schon viel größer als hier. Es war dort fast schon selbstverständlich, dass man irgendwann anfängt Texte zu schreiben und auf der Bühne zu stehen."

Alex: Ihr produziert Eure Tracks/Alben ja zumeist "komplett in Eigenregie" und Plattform Records ist "ein self-made Unternehmen". Wer ist konkret für welche Arbeitsschritte verantwortlich?
D-Mark: "Wir schreiben unsere Texte gemeinsam und arbeiten jeden Track bis ins kleinste Detail mit den Drama Monks aus, die auch für Grafikarbeiten, Websites und das Video zu "Aufstand" zuständig waren. Jokane und ich machen den ganzen Labelkram, wie Promo und Werbung und was alles so anfällt."

 Alex: Bringt Euch diese Form der Selbstorganisation eher enorm voran oder wäre es auch mal ganz angenehm, andere Leute wichtige Entscheidungen treffen zu lassen? Ich spreche damit ein wenig die altbekannte Major-Underground-Debatte an…
D-Mark: "Naja, manchmal wäre es schon hilfreich, mehr von einem Major betreut zu werden. Weil da einfach mehr Geld, Erfahrung und Kontakte vorhanden sind um dein Album richtig zu pushen. Trotzdem sind wir froh, dass uns niemand musikalisch oder anderweitig reinredet oder uns vorschreibt, was wir zu tun und zu lassen haben."

Alex: Bei Eurem "Album No.1" (2005) wurde Euch von einigen Seiten noch die Orientierung an amerikanischen Vorbildern angelastet. Trifft das überhaupt noch zu oder geht Ihr einfach Euren eigenen Weg ohne dabei auf andere zu schauen? Wie hat sich die deutschsprachige HipHop-Szene allgemein in Euren Augen entwickelt?
Flow Tone: "Beim "Album No.1" wollten wir noch unbedingt nicht nach deutschem HipHop klingen, was vielleicht der ein oder andere falsch verstanden hat. Für das neue Album haben wir uns vielseitig inspirieren lassen. Für "Keine Träne" haben wir ziemlich viele Songs aufgenommen und herumexperimentiert. Es ist nicht wirklich einfach, seinen eigenen Style zu finden, wir sind jedoch überzeugt, dass wir jetzt unser eigenes Ding machen und einfach nach PF Squad klingen."
Max Farah: "Die deutsche Szene hat in den letzten Jahren mächtig aufgeholt und konnte auch viele HipHop-Künstler in den Charts etablieren. Das ist schon mal ein riesengroßer Fortschritt. Auch die Vielfalt an deutschem HipHop hat sehr zugenommen und deutscher HipHop ist für viele wieder sehr interessant geworden. Schade ist nur, dass momentan fast nur Berliner Acts den großen Hype erleben."

Alex: Wie seht Ihr die aktuelle Situation in Stuttgart? Ich nehme da Bezug auf die Line: "Man nennt sich HipHop-Metropole in jedem Touri-Führer, jeder weiß es ist schon lange nicht mehr so wie früher!".
D-Mark: "Ich habe vor einiger Zeit in einem Stuttgarter Infomagazin gelesen, dass Stuttgart durch das Hip Hop Open immer noch die deutsche HipHop-Metropole wäre. Aber gerade von der Stadt Stuttgart kommt keinerlei Unterstützung oder Support für die Generation nach Four. Früher wurden Netzwerke geschaffen und Kontakte mobilisiert um Leute wie Freundeskreis und anderen zu helfen, heute wird in dieser Hinsicht nichts mehr unternommen. Die wenigen wirklich talentierten Neulinge müssen sich alleine durchschlagen, während viele der Szene noch der alten Zeit nachtrauern. Einen wirklichen Zusammenhalt aufzubauen ist momentan sehr schwer."

Alex: In der Review zu Eurem neuesten Werk "Keine Träne" habe ich schon erwähnt, dass es "sehr themenlastig" geworden ist… Wie seid Ihr auf die einzelnen Ideen gekommen? Wie sieht der typische Arbeitsprozess der PF Squad aus?
Jokane: "Entweder lassen wir uns von den Beats der Drama Monks inspirieren und in eine Stimmung bringen, die uns sofort ein Thema vor Augen führen oder wir kommen mit fertigen Texten ins Studio und suchen nach Beats die die Stimmung tragen. Unsere Themen entstehen durch Alltag, Erfahrungen und Erlebnisse."

 Alex: "Aufstand" ist die erste Single Eures Albums und soll ein ähnliches Szenario aufzeigen, wie das der Aufstände in Frankreich. Wie seht Ihr die Geschehnisse bzw. habt Ihr Verständnis für solche Aktionen?
Max Farah: "In Frankreich sind die sozialen Unterschiede einfach viel gravierender als in Deutschland, vor allem wenn man in die Banlieus schaut. Aber wir konnten wie alle Leute feststellen, dass sich Deutschland auch in diese Richtung entwickelt. Vor allem wir als deutsch-französische Crew sahen unsere Aufgabe darin, zu diesem Thema Stellung zu nehmen und die Verhältnisse aufzuzeigen."
Flow Tone: "Schade, dass Proteste friedlich kein Gehör finden und in Gewalt eskalieren, sonst interessiert sich auch niemand für Dich. Gute Ideen, die in Gewalt ausarten verlieren dabei leider auch ihren Ursprung und das Verständnis derer die angesprochen werden sollen."

Alex: "Wenn man Musik nicht nur hört, sondern auch fühlt, ist es egal woher sie kommt!" steht im Booklet als Anmerkung zum Track "Kein Unterschied". Ist Musik in Euren Augen schon zur "Weltsprache" geworden oder gibt es noch Grenzen, die gesprengt werden müssen?
D-Mark: "Wenn man beobachtet, in wie vielen Ländern der Welt HipHop die Jugendlichen begeistert, oft auch ohne die Sprache verstehen zu müssen, kann man schon von einer Weltsprache sprechen. Sowie bei "Kein Unterschied" bestimmt nur ganz wenige deutsch, französisch und türkisch verstehen. HipHop kann auch ohne Sprachverständnis Emotionen freisetzen und ein Feeling erzeugen. Ein sehr gutes Beispiel ist das Hip Hop Kemp, dass Künstler aus Amerika, Deutschland, Frankreich und aus ganz Europa mit einem international gemischten Publikum verbindet."

Alex: Die authentische Beschreibung des harten Knastalltags auf "Alptraum" ist einer der persönlichsten Tracks des Albums. Vielleicht könnt Ihr unseren Usern etwas über den Hintergrund der Story erzählen…
D-Mark: "Ich habe Briefe von einem meiner Homies, der noch einige Jahre sitzen wird in einen Text und Reime umgewandelt um den ganzen Wannabe-Gangstern zu zeigen, wie es wirklich im Knast zugeht. Alles was in dem Lied gesagt wird ist auch so passiert und leider die Wahrheit."

Alex: Mein persönlicher Lieblingssong auf "Keine Träne" ist "Fake", was Inhalt und Beats betrifft. Habt Ihr auch so etwas wie Favorite Tracks auf Eurem neuen Album oder betrachtet Ihr es eher als gelungenes Gesamtwerk?
Jokane: "Jeder von uns hat so seine Lieblingssongs. Aber bei diesem Album ist uns aufgefallen, dass wir es nach mehrmaligem Durchhören komplett hören können ohne auch nur einen Track zu skippen. "Keine Träne" ist somit auf jeden Fall ein gelungenes Gesamtwerk, bei dem wir mit jedem einzelnen Song 100% zufrieden sind."

 Alex: Producer treten mittlerweile auch in Deutschland immer mehr in den Vordergrund und arbeiten für eine Vielzahl an Interpreten. Werdet Ihr Euch auch in Zukunft die Beats von den Drama Monks "maßschneidern" lassen oder wagt Ihr vielleicht einige Soundexperimente?
Flow Tone: "Eigentlich bekommen wir bei den Drama Monks genau das was wir wollen und sind für uns einfach eines der besten Produzententeams."
Max Farah: "Wenn wir etwas anderes ausprobieren möchten, haben die Jungs auch immer Bock drauf und setzen dies ebenso perfekt um. Vielleicht gibt es in Zukunft auch mal den ein oder anderen Beat von anderen Producern um vielleicht eine andere Handschrift mit im Album zu haben. Aber hauptsächlich werden wir bei DME bleiben."

Alex: Der Titeltrack "Keine Träne" spielt ein wenig mit Selbstzweifel und Ihr stellt Überlegungen an, ob Ihr "nach diesem Album die Karriere beenden" sollt. Welche Erwartungen steckt Ihr tatsächlich in dieses Album?
D-Mark: "Wir haben gar keine Erwartungen an das Album, weil auch nicht die finanzielle Möglichkeit besteht das Album ganz nach oben zu bringen. Aber ein Karriereende soll es nicht sein. Das Album soll jedenfalls das Ende eine Probezeit sein, in der von allen Seiten auf uns eingeschlagen wurde. Mehr Erwartungen haben wir nicht."

Alex: Was kommt nach dem Release von "Keine Träne"? Sind schon neue Projekte in Planung bzw. wird es eine ausgiebige Deutschland-Tour geben?
Jokane: "Momentan ist noch nichts konkretes geplant, aber wir werden sicherlich bald wieder ins Studio gehen, wenn wir nach den Gigs diesen Frühling und Sommer neue Energie dafür haben. Haltet Ausschau nach News, denn es wird noch eine kleine Tour Ende Mai geben!"

Alex: Mein Dank gilt der Stuttgarter PF Squad, deren Karriere mit Sicherheit erst am Anfang steht… Vielen Dank für das Interview und den exklusiven Videogruß! Eure Schlussworte?
Flow Tone: "Checkt pf-squad.de und plattform-records.de!"
Max Farah: "Danke an alle, die uns supporten."
Jokane: "Schaut Euch das Video an und zieht Euch das Snippet noch rein!"
D-Mark: "Danke an Generation One für den ganzen Support."

Interview am 20.03.2006,
Alexander Riede (Generation One)