Interviews
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| Artists - Interviews | |||
| Montag, 10. Juli 2006 um 10:20 Uhr | |||
mnemonic (Juli 2006) Gerade einmal ein halbes Jahr ist vergangen, seit der Mannheimer MC mnemonic zusammen mit Fiva die viel gelobte „Rücken an Rücken“-EP veröffentlichte. Parallel zu diesem Projekt lief die Produktion für sein langerwartetes Debütalbum „Zeitlos“, auf dem er jetzt gewohnt persönliche und selbstkritische Lyrics präsentiert. Deutschrap braucht einfach einen entspannten und bodenständigen Typen wie mnemonic, wie er auch in unserem exklusiven Interview beweist. Murray: Hi mnemonic, seit 06.06.2006 ist Dein Debütalbum „Zeitlos“ draußen. Erzähl doch ein bisschen von der Entstehungsphase. Was war Dir besonders wichtig, ein Debütalbum ist ja immerhin die erste große Präsentation eines Künstlers? Mnemonic: „Na ja, ich seh’ das jetzt nicht so spektakulär, weil das ja auch nicht mein erster Release ist, aber Du hast schon Recht. Wobei ich jetzt auch nicht anders dran gegangen bin als sonst. Ich hab einfach versucht, gute Beats zu picken, gute Lyrics zu schreiben und ein stimmiges Ganzes auf die Beine zu stellen. Leider lief das alles nicht immer so reibungslos ab wie es sich jetzt vielleicht anhört - der Weg war auf jeden Fall ein steiniger. Es gab viele unnötige Verzögerungen, aber jetzt ist das Album da und das ist ein sehr gutes Gefühl.“ Murray: Du nennst Dein Album „Zeitlos“, welche Intention steckt dahinter? Mnemonic: „In erster Linie steht der Titel dafür, dass ich einfach keine Zeit habe und mir immer mehr verloren geht. Aber auf der anderen Seite steht er auch dafür, dass sich das Album nicht an aktuellen Trends orientiert und seinen eigenen musikalischen und inhaltlichen Weg geht.“ Murray: Wie lange hast Du an Deinem Album gearbeitet? Sind die Texte vor kurzem erst alle neu entstanden oder liegen manche schon länger bei Dir rum? Mnemonic: „Das ist schwer zu sagen, weil das Album über einen längeren Zeitraum Stück für Stück entstanden ist. Parallel hab ich die "Rücken an Rücken" EP mit Fiva geschrieben und viele Features auf den Weg gebracht. Ein paar der Lyrics sind erst kurz vor der Aufnahme im September letzten Jahres entstanden und andere hatten schon ein paar Monate auf dem Buckel. Inhaltlich und auch vom Vibe her, hätte das Album eigentlich vor "Rücken an Rücken" erscheinen müssen, aber man kann das eben nicht immer steuern wie man will.“ Murray: „Zeitlos“ erscheint über Kopfhörer Rec. das Label von Fiva MC und DJ Radrum, mit denen Du etwa vor einem halben Jahr die EP „Rücken an Rücken“ heraus gebracht hast. Wie kamst Du dazu, Dein Album über diesen Weg zu veröffentlichen?Mnemonic: „Nach dem erfolgreichen Release der EP hat sich die Frage, bei welchem Label ich mein Album release, einfach nicht mehr gestellt. Ich hätte das Teil auch durch zig Hände wandern und noch mehr Zeit verstreichen lassen können, aber darauf hatte ich einfach keinen Bock. Die beiden mochten mein Album und wollten es machen. Und ich war absolut unten damit.“ Murray: Sehr gut gelungen finde ich z.B. in dem Track „Sieh mich an!“ das Zusammenspiel zwischen dem gepitchten Sample und Deinem Rap im Refrain. In einem älteren Interview hast Du einmal erzählt, dass STI oft so vorgegangen ist, Beats sozusagen um Deine Texte herum zu produzieren. STI ist auf Deinem Album überhaupt nicht vertreten, wie lief die Zusammenarbeit mit Brisk Fingaz, CSP, Shuko und DJ Crates ab? Mnemonic: „Die Arbeit mit den Jungs verlief ganz unterschiedlich – einmal hab ich einen Beat gepickt und darauf geschrieben und ein anderes Mal hab ich einen Beat für einen fertigen Text gesucht. Auf jeden Fall haben alle vier gute Arbeit geleistet. Und das STI nicht vertreten ist, hat eigentlich nur mit meinem Dickkopf zu tun. Wir hatten zwei Songs fertig, die uns zum Ende hin aber nicht mehr gefallen haben. Ich hatte zwar noch einen Hammerbeat von ihm und er hat mich immer wieder angepeitscht, das Ding zu machen, aber für mich war das Album abgeschlossen und fertig, so wie es jetzt eben ist.“ Murray: Kommt es auch mal vor, dass Du selbst ein Sample hörst, das Dir gefällt, und Du Dich dann an einen Producer wendest um daraus einen Beat zu machen? Mnemonic: „Nein, eigentlich nicht. Ich meine, ich höre schon ab und an irgendwo eine Melodie, die mich catcht, aber ich lasse mich lieber von einem Produzenten inspirieren statt ihn zu lenken.“ Murray: Inwieweit liegt das Mastering der Aufnahmen in Deiner Hand? Willst Du so viel wie möglich an Deinen Releases selbst übernehmen, oder hast Du kein Problem damit, auch mal etwas aus der Hand zu geben? Mnemonic: „Also ich hab schon in jedem Prozess meine Finger mit drin und auf jeden Fall auch gewisse Vorstellungen. Aber ich bin jetzt auch kein Kontrollfreak, sondern lass mich gerne überraschen und von Ideen anderer überzeugen. Zum Mastering hab ich jetzt nicht so viel beizutragen wie zum Beispiel zum Mixing – generell lass ich den Engineer erstmal machen und geb’ danach meinen Senf dazu bis wir auf einen gemeinsamen Nenner kommen.“ Murray: Auf „Zeitlos“ finden sich nur nachdenkliche, reflektierende Texte. Hat das mit einer Art Konzept zu tun oder wie verlief die Wahl der Tracks, die auf das Album kommen. Mnemonic: „Ein Konzept gab es nicht und eine Auswahl hat auch nicht wirklich stattgefunden. Ich hab einfach Momentaufnahmen geschrieben bis das Album für meinen Geschmack fertig war.“ Murray: Zeilen wie „Ich bleib wie ich bin, auch wenn der Preis dafür heißt, dass ich bleib wo ich bin“, oder der Acapella Track „Ohne mich“, der in eine ähnliche Richtung geht, zeugen von einem ganz anderen Standpunkt als der, der in „Imagerap“-Zeiten herrscht. Wenn Du privat Musik hörst, pickst Du Dir dann die Ausnahmen im Rap heraus oder hörst Du ganz andere Musikrichtungen? Mnemonic: „Na ja, was heißt Ausnahmen – ich hör einfach Musik, die mir gefällt. Da hast Du auf der einen Seite einen 50 Cent, hinter dem natürlich ein riesiger Apparat wie verrückt am Dampfen ist, dessen Musik aber auch auf einem extrem hohen Level spielt, und auf der anderen Seite einen Cormega oder Little Brother, die auch absolut geile Musik machen, ohne sich dabei aber dauernd in den Vordergrund drängen zu müssen. Ich hab auch nichts gegen Images per se – jeder hat ein Image. Aber es kommt halt drauf an, ob es künstlich generiert wurde und überhaupt nicht dem Menschen dahinter entspricht oder ob es aus der Musik eines Künstlers erwachsen ist.“ Murray: In dem eben genannten „Ohne mich“ hast Du die Zeile „Zu lang schon war ich viel zu nett, du weißt doch was der Lohn für ist“ untergebracht. Welche schlechten Erfahrungen musstest Du bisher im Musikbusiness erleben?Mnemonic: „Ach, dies und das. Man bewegt sich eben in einem Business und wie in jedem Business gibt’s hier auch große Haie und kleine Fische, die alle ihr Stück vom Kuchen abhaben wollen. Die einen kennen Grenzen, andere gehen über Leichen. Bist Du ein netter Kerl, schätzen die einen das und die anderen warten eben auf den Moment, wo Du Dich nach der Seife bückst.“ Murray: Anderes Thema: Sprachtot, der auch aus Mannheim kommt, hat in einem Generation One Interview gesagt: “Mit mnemonic hat mich auch noch nie was verbunden. Ich find das ist einfach nur ein Vogel, der sich Mannheim schimpft. Keiner hier in Mannheim kennt den, und keiner weiß, woher der kommt. Der macht auf pseudodeep, der schmückt sich mit fremden Federn.“ Möchtest Du dazu Stellung nehmen? Mnemonic: „Eigentlich nicht, aber dann hätte sein Statement ja keinen Sinn gemacht. Der schnellste Weg zu mehr Aufmerksamkeit ist eben, über Leute zu reden, die mehr Aufmerksamkeit bekommen als man selbst. Und der Marc ist halt so ein Competition-Typ, der diesen Weg gerne geht. Erst hat er gegen Low geschossen, dann kam Pal auf seine Liste und jetzt bin ich eben auch dran. Aber wen interessiert es? In einem Punkt hat er auf jeden Fall Recht: uns verbindet nichts.“ Murray: Was bedeutet für Dich die Zugehörigkeit zu einer eingeschworenen Crew deren Mitglieder sich gegenseitig pushen/ihre Stadt representen usw.? Entspricht das Deinem Umfeld oder bist Du eher ein Einzelgänger? Mnemonic: „Das ist auf jeden Fall eine gute Sache - wenn alle das gleiche Ziel mit der gleichen Intensität verfolgen. Ansonsten kann so was aber auch schnell ausbremsen und frustrieren. Klar, ich hab auch meine Jungs, mit denen ich mich sehr gut verstehe und vorwiegend arbeite, aber ich setze mir da keine Stadtmauern als Grenze. Das macht für mich einfach keinen Sinn.“ Murray: Kann man Dich auf einer „Zeitlos“ Tour live erleben? Mnemonic: „Bisher ist nichts geplant. Eine ganze Tour zu fahren ist für mich auch nicht so einfach möglich, weil ich meine Brötchen nicht mit der Musik verdiene. Aber man kann mich natürlich jederzeit für Bookings anfragen – einfach über den Kontakt auf meiner Homepage.“ Murray: Was steht als nächstes bei Dir an? Machst Du eine musikalische Pause oder arbeitest Du schon an weiteren Projekten? Mnemonic: „Ich hätte schon Lust, erstmal ein wenig kürzer zu treten und den Sommer zu genießen, aber ich muss mich noch ein wenig um das Album kümmern. Und mich juckt’s auch schon in den Fingern, das nächste Ding anzugehen. Also lasst Euch überraschen…“ Murray: Mnemonic, danke für das Interview, die letzten Worte an unsere Leser gehören Dir… Mnemonic: „Eigentlich wurde schon genug geredet, also schaut mal auf mnemonic68.de vorbei und fahrt Euch das Snippet zum Album rein. Vielleicht entdeckt Ihr für Euch ja eine Perle unter den ganzen Säuen da draußen.“ Interview am 10.07.2006, Murray Schell (Generation One)
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Murray: „Zeitlos“ erscheint über Kopfhörer Rec. das Label von Fiva MC und DJ Radrum, mit denen Du etwa vor einem halben Jahr die EP „Rücken an Rücken“ heraus gebracht hast. Wie kamst Du dazu, Dein Album über diesen Weg zu veröffentlichen?
Murray: In dem eben genannten „Ohne mich“ hast Du die Zeile „Zu lang schon war ich viel zu nett, du weißt doch was der Lohn für ist“ untergebracht. Welche schlechten Erfahrungen musstest Du bisher im Musikbusiness erleben?