Review | Kritik | Bewertung @ Generation One
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Artists - Interviews
Mittwoch, 02. August 2006 um 10:25 Uhr
Eko Fresh
(August 2006)

Nach einer Zeit der Probleme und dem immer noch anhaltenden Status eines der viel diskutiertesten Rapper der deutschsprachigen Szene findet der in Köln lebende Eko Fresh mit neuem Album „Hart(z) IV“ zurück zu den Wurzeln seiner respektablen musikalischen Anfangszeiten und entdeckt diesen „Spaß“ an seinem „freshen“ Output wieder zurück. Im Leben des Ekrem Bora hat sich seit seinem letzten Albumrelease so einiges verändert. Was genau, berichtet er uns im Interview zum „Hart(z) IV“-Special auf Generation One.

Alex: Am 16.06.2006 wird Dein zweites Soloalbum mit dem vielleicht überraschenden Titel „Hart(z) IV“ über Subword/Sony BMG erscheinen. Der Albumtitel soll ja auch gleichzeitig „eine Art Motto des Albums“ darstellen und Deine „neue Werteordnung“ repräsentieren. Was genau können die Leute da draußen erwarten?
Eko Fresh: „Was die Leute vom Album erwarten können ist der Sound von meinem Viertel Dörnberg. Die meisten Beats hat mein Kindheitsfreund Kingsize gemacht, der auch hier wohnt, die Texte sind von mir, das ist Sound von unserem Viertel, man kann erwarten dass ich an meinen damaligen ironischen Style angeknüpft hab, allerdings dass ich auch erwachsen geworden bin und das wird man auf jeden Fall auf der Platte raushören. Die Platte hat auf jeden Fall sehr viele gute Beats und sehr viele gute Texte und ist auf jeden Fall ein Ohrenschmaus.“

Alex: Als erste Singleauskopplung wurde der Track „Gheddo“ mit Bushido an Deiner Seite gewählt und es ist in diesem Zusammenhang von „ehrlicher Selbstreflexion eines erwachsenen Mannes“ die Rede. Könnte es passieren, dass wieder einige zu vorschnell urteilen und Dich gleich in eine bestimmte Schiene der Rapmusik stecken wollen, obwohl das bestimmt nicht Deine Absicht ist?
Eko Fresh: „Ich glaube nicht, dass das passieren kann, jeder hat auf jeden Fall meinen Werdegang miterlebt und weiß, dass die Single „Gheddo“ sozusagen einfach nur ein Resultat aus meiner Vergangenheit ist… und ja, umgekehrt sogar, ich glaube, dass viele Leute positiv überrascht waren vom Track „Gheddo“ und dass ich danach meine Ruhe hab.“

 Alex: Wie würdest Du selbst nicht nur Deinen Lebenswandel, sondern auch Deine musikalische Entwicklung charakterisieren?
Eko Fresh: „Ich hab eigentlich keinen direkten Lebenswandel durchgemacht, sondern es ist so mit der Zeit gekommen, es hat sich schon damals bei dem deutsch-türkischen Album von mir herausgestellt, zeitchronologisch ungefähr die Zeit als ich nach Köln gezogen bin, dass sich einiges verändern wird.
Ich war auch sowieso mit einigen Sachen nicht zufrieden, deswegen hab ich das langsam aber sicher geändert. Was die musikalische Entwicklung angeht, kann ich nur sagen, dass jeder Künstler den du so mit 16, 17 rausbringst, sich nicht genauso anhört wie wenn er 5 Jahre älter ist, und deswegen ist es einfach nur eine logische Schlussfolgerung, und ich denke, dass das jeder nachvollziehen kann.“

Alex: Nach dem Weggang von Optik Records und dem Release Deines Debütalbums „Ich bin jung und brauche das Geld“ warst Du ja längere Zeit auf künstlerischer Identitätsfindung und wolltest verschiedene Dinge mit den Projekten „L.O.V.E.“ und Eko & Azra sowie dem „Fick Deine Story“-Mixtape tatkräftig beweisen. Wie siehst Du diese Zeit rückblickend?
Eko Fresh: „Wenn ein junger Künstler so erfolgreich ist, ist es klar dass er verschiedene Identitätskrisen durchgeht, das weiß ich jetzt heute, rückblickend, und ich hab diese Zeit genutzt, mit vielen Projekten… wollte auch wie Du meinst viele Sachen beweisen, hab dabei weniger an mich oder meine Geldbörse gedacht, sondern mehr so was die Leute von mir denken. Hab ich jetzt aber alles hinter mir, habe begriffen. Ich weiß jetzt auf jeden Fall, dass die Kraft aus dem Inneren kommt und dass ich einfach nur gute Mucke machen muss.“

Alex: Worüber sich viele innerhalb der HipHop-Szene aufgeregt haben, ist der damit verbundene Imagewechsel, der bei Dir angeblich zu oft stattgefunden haben sollte. Du wirst so etwas vermutlich dementieren und auf Deine Vielseitigkeit hinweisen. Hast Du das Gefühl, immer noch unterschätzt zu werden und Dich für alle Schritte, die Du gehst, rechtfertigen zu müssen?
Eko Fresh: „Ich hab hundertprozentig das Gefühl dass ich unterschätzt werde. Das ist einfach so, weil ich der Erste von den "coolen Rappern" war die ins Fernsehen gekommen sind, die in die Bravo gekommen sind. Ich bin der Erste der so einen gewissen Style berühmt gemacht hat, Doppel-Reim-Punchline-Style, war auch der Erste wo es keine Schande war, dass man was schafft. Diese ganzen Schritte die ich eingeleitet habe, dafür hab ich weder einen Respekt bekommen oder irgendwelches Geld oder sowas, und daher denke ich, dass es schon ziemlich unterschätzt wird. Es wird auch unterschätzt, dass wenn ich ein Soloalbum herausbringe, dass es ein Highlight ist… überhaupt, das wird auch nicht immer so dargestellt, bei manchen schon, denn es werden mehr, die das zugeben, aber das ist noch  lange nicht so wie ich mir das vorstelle. Aber es wird immer besser, also ich hab dieses Jahr gemerkt dass alles auf einem guten Weg ist. Das „Hart(z) IV“-Album war ein Grundstein, weil ich sehe, dass es bei den anderen schlechter wird im Gegensatz zum letzten Jahr und dass es bei mir besser wird im Gegensatz zum letzten Jahr. Und so kann man sich dann ausmalen, wie es nächstes Jahr sein wird.“

Alex: Siehst Du Dich tatsächlich als Wegbereiter dafür, dass „deutscher HipHop auch für die Generation Bravo salonfähig“ wurde und die Rap-Acts sich „nicht mehr für ihre Videos/Auftritte bei VIVA zu schämen brauchen“ oder sind Dir solche positiven Nebenerscheinungen eher unwichtig?
Eko Fresh: „Das ist genau das was ich eben gesagt habe, ich bin ein Vorreiter in gewissen Sachen, allerdings wurde mir das nie honoriert bzw. wurde das nie öffentlich angesprochen. Das liegt halt daran, dass die HipHop-Szene in der Hand von so ein paar Leuten ist, die das nicht gern sehen wenn einer wie ich den Respekt bekommt, den er verdient. Wir haben uns dagegen zur Wehr gesetzt und es wird immer besser und wir sind auf einem guten Weg!“

 Alex: Kommen wir zurück zu „Hart(z) IV“ und seine Vorgeschichte… in einigen Interviews meintest Du „eine Zeit lang ging es [Dir] wirklich dreckig“, nicht nur aus finanzieller Sicht. Wie hast Du diese Phase erlebt und konkret wahrgenommen?
Eko Fresh: „Ich bin froh für diese Zeit, weil sie mir gezeigt hat wie die andere Seite des Lebens ist und dadurch kann ich mit Erfolg jetzt viel besser umgehen und freue mich auch viel mehr über kleine Erfolge. Ich bin auch viel ruhiger geworden und viel abgeklärter, ich bin Gott dankbar dafür, dass er mir diese Seite des Lebens auch gezeigt hat.“

Alex: Hast Du das Kapitel, das mit Deiner „Abrechnung“ geöffnet und dem Mixtape „Fick Deine Story“ weitergeführt hast, auf Deinem neuen Album schon geschlossen oder wird es dort in gewisser Weise fortgesetzt bzw. thematisch darauf eingegangen?
Eko Fresh: „Ja ich hab auf jeden Fall damit abgeschlossen. Die Leute die sich dafür interessieren, wissen, dass ich mich immer nur verteidigt habe, dass ich nie jemanden angegriffen habe und solang mich niemand angreift wird’s auch von mir nichts in die Richtung geben.“

Alex: Kurze Zwischenfrage: Welches Fazit ziehst Du dieser ganzen Beef-Geschichte? Konntest Du Deinen Standpunkt verdeutlichen? Haben sich Deiner Meinung nach zu viele bei dieser Sache zu Wort gemeldet, die eigentlich nur sekundär etwas mit der Geschichte zu tun haben?
Eko Fresh: „Das Ding ist halt, durch diese Beef-Geschichte - wie es alle immer so schön sagen - dass andere Leute immer mehr davon hatten wie ich, obwohl ich das in die Wege geleitet habe. Das ist wieder so eine Sache wo ich übergangen wurde, aber wie gesagt, ich heule nicht, ich mach einfach weiter und es interessiert mich nicht was ein anderer sagt. Ich sag immer, wenn mich einer angreift, bin ich immer zur Stelle um mich zu wehren, ansonsten lass ich es einfach gut sein.“

Alex: Über diese Umstände bzw. auf diesem Weg entstand aber auch der Kontakt, der sich als sehr wertvoll für Dich persönlich und Dein künstlerisches Vorankommen erweisen sollte. Welchen Verdienst hat Bushido an Deinem zweiten Soloalbum geleistet und wie wichtig war sein Umfeld (Ersguterjunge) für einen „an sich zweifelnden“ Ekrem Bora?
Eko Fresh: „Das Ding mit Bushido war sehr wichtig. Ich hab mich ja auch offen bei ihm bedankt in meinem Album, dass Bushido von meinem Talent wusste und mich auch dann unterstützt hat. Als meine eigene Firma mir nicht das Forum gegeben hat um zu erscheinen hat Bushido mich auf den Nemesis-Sampler genommen und den Leuten gezeigt, „Ey, das geht doch mit dem Jungen“ und so bin ich auf jeden Fall einen Schritt vorangekommen und da danke ich ihm auch für.“

Alex: „Hart(z) IV“: Auf welche Songs würdest Du im Vorfeld besonders hinweisen? Welche Tracks sind Dir besonders wichtig, weil sie eine grundlegende Message haben oder soundtechnisch einfach am fettesten rüberkommen?
Eko Fresh: „Auf „Hart(z) IV“ haben sich meine Lieblingstracks immer geändert… Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich manche früher und manche später aufgenommen hab. Zurzeit sind meine Lieblingstracks z.B. „Westside“, das ist ein Track der sehr nach vorne geht, der sehr einfach gestrickt ist, aber das ist genau das geile an dem Track, und ansonsten „Stenzgang“ mit Hakan Abi und Kingsize und Summer Cem, das unser Viertel repräsentiert, wo alle Leute aus unserem Viertel so drauf abfahren, daraus ist eine kleine Hymne geworden und darauf bin ich auch stolz.“

 Alex: Hast Du ein konkretes Ziel, eine feste Erwartungshaltung an das Album oder gehst Du die ganze Sache recht locker an und freust Dich, dass Du den Leuten da draußen Dein Talent beweisen kannst?
Eko Fresh: „Ich bin auf jeden Fall locker an die ganze Albumgeschichte rangegangen, weil man von mir ohnehin nicht viel erwartet hat. Denn dadurch erschien mir auch jeder geringere Erfolg wie ein großer Erfolg und dadurch hab ich dann bewiesen, dass ich zurück bin und dass man mit mir auf jeden Fall rechnen muss. Die Musik ist einfach zu stark, als dass man sie ignorieren könnte und dementsprechend bin ich so an die Sache getreten...“

Alex: Auf die früheren Fehler von Kool Savas und/oder Dir angesprochen, die letztendlich zur Trennung von Deiner alten Crew führten, hast Du den Satz geäußert: „Freundschaft geht für mich über HipHop“. Ein Blick auf die Gästeliste von „Hart(z) IV“ zeigt auch, dass Du es hier auch eher familiär (hauptsächlich Leute von German Dream) gehalten hast. Wie wichtig ist Dir dabei der persönliche Bezug zu den Künstlern aus Deinem Labelumfeld?
Eko Fresh: „Für mich ist auf jeden Fall sehr wichtig, dass meine Freunde auf dem Album sind. Ich hab z.B. ein Ami-Feature was mir auch sehr viel bedeutet hat, das war mit den Outlawz. Das waren früher meine Vorbilder, da hab ich mir den Traum erfüllt und was ihnen gemacht, allerdings hab ich auch das auf die B-Seite von „Gheddo“ gemacht. Ich wollte auf meinem Album wirklich nur Freunde haben, ich hatte keinen Bock auf fremde Leute, eingekaufte Leute, wie auch immer… Ich hab das ganze sehr familiär gehalten, das ist mir auf jeden Fall sehr sehr wichtig!“

Alex: Nachdem auch wieder das Label Subword/Sony BMG voll hinter Dir steht, welche nächsten Schritte planst Du mit Deinem eigenen Label German Dream? Du hast ja noch einige Versprechungen in punkto Summer Cem einzulösen, um wie Du selbst sagst „[Deinen] Seelenfrieden zu finden“…
Eko Fresh: „Also Summer Cem werde ich auf jeden Fall herausbringen, koste es was es wolle. Dieser Junge hat es sich auf jeden Fall verdient, dass er auch mal ein Shining hat, dass er auch mal ein Album hat und man wird überrascht sein. Ich bring auch die La-Honda-Boys raus und einige andere Projekte sind geplant, ein Gembranx-Sampler usw. Nur das Feinste vom Feinen ist dabei, die Leute werden überrascht sein, wie weit wir dieses Jahr noch gehen."

Alex: Mit „Hart(z) IV“ sollte der Bezug von selbigem wohl unter Garantie abgewendet werden… Vielen Dank an dieser Stelle für das ausführliche Interview. Deine Schlussworte?
Eko Fresh: „Ich grüße einfach jeden, der das hier sieht und bleibt gerade Leute!“

Interview am 02.08.2006,
Alexander Riede (Generation One)