Review | Kritik | Bewertung @ Generation One
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| Artists - Interviews | |||
| Freitag, 04. August 2006 um 10:21 Uhr | |||
Abroo (August 2006) Das Splash! Festival 2006 hatte nicht nur schlechtes Wetter zu bieten, sondern auch eine ganze Menge musikalischer wie persönlicher Highlights. Eines davon war definitiv die Bekanntschaft mit dem sympathischen Buckwheats-Künstler Abroo, der sich mit seinem neuen Album „Zwischen Liebe und Hass“ wohl kaum besser und interessanter darstellen könnte und uns im Interview die ein oder andere Geschichte zu seiner Person zu berichten hatte. Alex: Splash!-Festival 2006 - Mit welcher Grundstimmung bist Du heute hier in Chemnitz angereist? Hast Du positive Erinnerungen, wenn Du an Auftritte in der Vergangenheit zurückdenkst? Abroo: „Die Grundstimmung ist extrem positiv. Wir sind nach vier Stunden Fahrt von Lemgo aus hier angekommen und die Sonne schien, dann hat es kurz geregnet und der Sonnenschein kam zurück - also alles perfekt... und man trifft die ganzen Leute die man kennt und die ganzen "verrückten" Kollegen. Wie gesagt, alles perfekt! Im letzten Jahr war ich auch schon hier, konnte aber den gesamten "Wahnsinn" nicht genießen, da ich nach dem Auftritt wieder weg musste. Bei meinen Auftritten gab es schon viele Szenarien, so dass ich zum Beispiel vor gerade einmal 20 Leuten gespielt habe aber es gab auch Bomben-Auftritte mit großem Andrang und alle hatten Bock auf die Musik. Ich hoffe natürlich dass es am Sonntag ähnlich läuft und man die Leute noch einmal richtig motivieren kann.“ Alex: Erster Festivaltag... regnerisches Wetter... die Leute scheinen trotzdem gut drauf zu sein! Hast Du in den vergangenen Stunden die Möglichkeit wahrgenommen, Dir den ein oder anderen Künstler live anzusehen oder sind Dir andere auftretende Acts eher egal? Abroo: „Klar. Olli Banjo hab ich vorhin gesehen und ich habe Keith Murray so richtig abgefeiert! Wenn es die Zeit erlaubt gucke ich mir natürlich den ein oder anderen Künstler an, auch wenn ich eigentlich weniger mit deren Musikstil anfangen kann, wie es jetzt z.B. heute bei Orgi 69 der Fall war... aber ich zeige schon großes Interesse für Sachen, die ich vielleicht noch nicht so gut kenne, und die Leute haben bei besagtem Künstler ja auch mehr gelacht als ihn mit Flaschen zu beschmeißen. Also geht der Auftritt soweit auch in Ordnung.“ Alex: Hat man mit 29 Jahren, sozusagen als „alter Hase“ im Business, noch dieses Bewusstsein, etwas aus der Sicht eines Fans zu sehen? Also, gibt es Künstler, zu denen Du auch heute noch aufschaust?Abroo: „Was diese Fan-Perspektive betrifft, schaue ich mir Acts eben nicht von der Seite, sprich: hinter der Absperrung des VIP-Bereichs an, sondern frontal aus der Sicht des Publikums. Auch wenn ich nicht unbedingt auf dem Zeltplatz schlafe, will ich schon ein Stück dieser Atmosphäre genießen und stürze mich bewusst in die Menge obwohl ich mich eigentlich in einem großen Menschenhaufen weniger wohl fühle. Ich kann dieses Fan-Ding sehr gut nachvollziehen, da ich auch nicht vergessen habe wo ich herkomme. Wenn ich noch nie hier gewesen wäre, dann wäre ich wohl schon einer derjenigen, die sich alles geben, was hier so angeboten wird. Künstler, die ich mir anschauen werde sind auf jeden Fall Fat Joe und ein paar deutsche Acts, von denen man ausgehen kann, dass sie eine gute Show abliefern oder auch solche, mit denen man selbst mehr zu tun hat. Auch wenn ich finde, dass mich persönlich in diesem Jahr die Wahl der Leute auf der Hauptbühne nicht ganz so überzeugt und man sich schon überlegt, warum da nicht andere gelandet sind...“ Alex: Kommen wir zu Deinem aktuellen Release... „Zwischen Liebe und Hass“ – Warum gerade diese Titelwahl für Dein neues Album? Abroo: „Das hat mehrere Gründe. Zum einen ist es so, dass es mir schon bewusst ist, dass mich manche Leute mögen und es andere gibt, die ein Problem mit mir haben könnten – das wäre dann auf meine Person bezogen. Der andere Punkt wäre, dass der Titel symbolisch für das ganze Album steht und ich beide Sachen in meinen Texten verarbeite und nicht nur auf Tracks wie „Oh Daddy“ gewissermaßen eine Brücke zwischen beiden Gefühlen schlage. Der dritte Grund ist relativ banal, denn Separate sagt auf seinem letzten Album: „Abroo zeigt, dass er Stolz hat und steht zwischen Liebe und Hass“. Und dann war der Titel, den ich wählen würde, schon recht klar.“ Alex: Was können die Hörer von Deinem Album erwarten? Nach eigener Aussage soll es ja „das echteste sein, was [Du] je gemacht hast“. Wie kann man das verstehen? Abroo: „Ich möchte jetzt nicht unbedingt meine alten Sachen damit (ab)werten, aber ich habe auf diesem Album viel mehr von meiner persönlichen Seite gezeigt. Es war auch so, dass ich mich hingestellt habe, Kopfhörer auf – Augen zu und meinen Gefühlen freien Lauf gelassen habe. Ich habe mir auch viele Sachen vorher nicht aufgeschrieben, es kam halt einfach so aus mir heraus. Ich habe auch schon zu Kinder des Zorns-Zeiten ein paar persönliche Sachen gehabt, aber es war trotzdem mit einer anderen Haltung. Diesmal habe ich eher über alles nachgedacht, stehe als 25-Jähriger auch mehr über den Dingen und konnte meinen Hass auch ein Stück weit besser reflektieren.“ Alex: Wer das Video zu „Kopfgeld“ gesehen hat, sollte schnell begriffen haben, dass die Beziehung zu Deinem Vater alles andere als harmonisch ausfällt... Auch in anderen Tracks wird dieses problematische Verhältnis zu Deinem Erzeuger thematisiert. Woraus resultiert dieser „Hass“ ihm gegenüber? Abroo: „Ich habe eine etwas seltsame Familiensituation. Meine Mutter ist im Endstadium schwerbehindert und mein Vater hat dazu eine Menge beigetragen, weil er im Endeffekt daran Schuld trägt, dass diese Nervenkrankheit so extrem geworden ist. Er hat sie immer schlecht behandelt und will von seiner einstigen Familie heute gar nichts mehr wissen. Ich habe das damals auch mitbekommen, war aber einfach noch zu jung, um etwas dagegen zu machen. Und dieser Hass ihm gegenüber hat sich in den letzten Jahren so sehr aufgestaut und meine Vorstellungskraft von dem was man einem Menschen antun kann komplett überschritten, so dass teilweise sehr extreme Songs wie eben "Kopfgeld" entstanden sind. Im Grunde genommen stimmt alles, was ich auf diesem Track sage, bis auf die Tatsache, dass "ihn jemand umbringen soll", was ich natürlich nicht wirklich ernst meine. Die Hintergründe sind teilweise so hart, dass viele nicht glauben wollen, dass diese Sachen stimmen, aber glaubt es mir, es ist so!“ Alex: Der Track „Oh Daddy“ auf dem neuen Album greift dieses Thema erneut auf, diesmal jedoch auch mit dem Aspekt, dass Deine eigene zukünftige Vaterrolle anders aussehen soll. Kannst Du dies mit Deiner Musik ein Stück weit verarbeiten bzw. mit dem Kapitel „Rachefeldzug“ abschließen?Abroo: „Die Frage bringt es sehr schön auf den Punkt. Ich habe mit dieser ersten Strophe auf dem Track auch komplett mit diesem Thema abgeschlossen und werde keine weiteren Songs mehr dazu machen, vielleicht die ein oder andere Zeile, aber dann auch nicht so schlimm…“ Alex: Für den Track „Alles was ich wollte“ steuerte CJ Taylor von Rapsoul einen Gesangspart bei, nachdem Ihr Euch bei der Albumproduktion von Separate’s Album „Zahltag“ kennen gelernt habt. Was genau hat Dich dazu bewogen, ihn unbedingt auf Deinem Album haben zu wollen? Abroo: „Das war noch vor der Zeit, als die allererste Rapsoul-Single veröffentlicht wurde. Wir haben uns, wie Du schon gesagt hast, kennen gelernt und ich glaube jeder, der ihn schon mal live im Studio erlebt hat, würde genau dasselbe sagen. Es ist schon ein Erlebnis, er geht rein in die Gesangskabine und jeder Ton sitzt auf den ersten Take. Jeder bekommt eine Gänsehaut und weiß überhaupt nicht mehr, was er sagen soll. Er ist ein absolutes Talent und das ist genau das Ding, warum ich ihn auf meinem Album haben wollte. Er weiß genau was er will und kann stimmlich alles sofort umsetzen, schreibt sich auch nichts auf, geht direkt in die Gesangskabine, macht die Augen zu und zieht sein Ding durch. Und dieses „Sellout-Kommerz“-Thema, mit dem ich in diesem Zusammenhang öfter mal konfrontiert werde, müsste wirklich aus den Köpfen der Leute gestrichen werden, denn der Junge hat so viel Talent, verdient sein Geld damit und ist vermutlich mehr Rap als so manch anderer hier auf dem Splash! – der Typ ist einfach ein Hammer-Sänger, also warum nicht etwas mit ihm machen wollen?!“ Alex: Seperate und Dich verbindet eine langjährige Freundschaft seit Eurer gemeinsamen Kinder des Zorns-Zeit. Auf dem Track „Denken und sprechen“ ist er auch wieder mit von der Partie. Kann man denn in absehbarer Zeit evtl. mit einem Kollabo-Album rechnen? Abroo: „Lustige Sache. Wir haben mal vor zwei Jahren eines angefangen, hatten so ungefähr 7 Songs fertig, haben es allerdings dann verworfen. Nicht unbedingt, weil die Songs schlecht waren, sondern weil ich mich um viele andere Sachen kümmern musste und nicht die nötige Zeit für eine Fertigstellung aufbringen konnte. Er war auch mit anderen Projekten beschäftigt, wie es bei ihm meistens der Fall ist. Einige Songs von damals haben es auch auf diverse Sampler geschafft. Aber ich glaube, dass es das Kollabo-Album an sich nicht geben wird, weil ich im Moment eher das Soloding durchziehen möchte, um so ein bisschen das Image eines Backup-MC’s zu verlassen. Sachen mit Separate zu machen, sind für mich absolut immer ein echtes Highlight aber ich bin letztlich ja auch ein eigenständiger Künstler, und so möchte ich gesehen werden.“ Alex: „Realness“ ist ja stets ein großes Thema unter Rappern, auch wenn man bei vielen das gesprochene Wort nicht für bare Münze nehmen sollte. „Ehrlichkeit und Realitätsbewusstsein“ prägten seit Deinen musikalischen Anfängen in den frühen Neunzigern stets Deinen Output. Bist Du generell der Ansicht, dass man dies einfach seinen Hörern schuldig sein sollte?Abroo: „Unbedingt, denn es schon so, dass sich viele einfach ein gewisses Image aneignen wollen, das ihnen eigentlich gar nicht entspricht. Das kann man jetzt „auf den Zug aufspringen“ oder „Marketing-Nummer“ bezeichnen, wie auch immer… Man sollte schon nur das sagen, was man auch wirklich tut, auch wenn es in manchen Fällen bewusst überzogen schon wieder lustig sein kann. Ich würde manchen schon empfehlen, mehr darüber nachzudenken, was sie so machen und wen sie in der Szene verhöhnen.“ Alex: Damals hast Du Dir bewusst Zeit gelassen mit der Veröffentlichung Deines Solodebüts „Augenblick“ (2002). Was hältst Du von der aktuellen Szene? Ist das Rap-Game weniger überschaubar geworden, dadurch dass viele Rapper scheinbar viel zu schnell ihren Stuff auf den Markt schmeißen? Abroo: „Ich finde es ganz ok, wenn man jemandem mit Talent gleich unter Vertrag nimmt, aber manchmal sollten die Künstler schon eine ruhigere Kugel schieben. Manchen fehlt in der Hinsicht auch ein bisschen die Geduld, wenn man z.B. Ansprüche stellt, wie sofort von seinem Golf in einen Benz umzusteigen. So Sachen wie „dues payen“ – wie wir es früher immer gesagt haben – sind heutzutage fast weggefallen. So sollten gerade die Newcomer die ganze Sache mit etwas realistischeren Gedanken angehen. Ich habe mir damals tatsächlich viel Zeit mit der ersten Veröffentlichung genommen, weil ich einfach noch nicht zufrieden mit dem Output war und auch für das jetzige Album habe ich knapp ein Jahr gebraucht um es so rund zu bekommen wie es ist.“ Alex: Trotz zahlreicher Feature-Beiträge gibt es in Deutschland leider noch zu viele, denen Abroo’s Talent bisher verborgen blieb. Siehst Du das ähnlich und wie denkst Du, wird sich das nach dem Release von „Zwischen Liebe und Hass“ ändern? Abroo: „Ich glaube schon, dass die Leute mich danach ernster nehmen, weil ich wie ich finde schon ein Album hingelegt habe, dass die Leute überzeugen kann. Selbst wenn es jemandem nicht ganz gefällt so nach dem Motto: „Okay, ist jetzt nicht ganz mein Stil…“ sollte ich die nötige Anerkennung für ein gutes Produkt bekommen. Ich kann mir auch vorstellen, dass demnächst zahlreiche Feature-Beiträge folgen werden. Das war bestimmt erst der Anfang!“ Alex: Abroo, ich danke Dir für das exklusive Interview und wünsche Dir noch eine schöne Zeit auf dem Festival. Viel Erfolg bei Deinem Auftritt am Sonntag. Die Schlussworte gehören Dir... Abroo: „Kauft das Album oder gebt mir eine Chance und hört Euch das Snippet an. Es ist ein sehr abwechslungsreiches Album und es dürfte für jeden etwas dabei sein. Tut Euch selbst und der deutschen Rapszene einen Gefallen und saugt es nicht sondern kauft es, sonst können Leute wie ich einfach keine guten Alben mehr machen, was Rückschritt statt Fortschritt bedeuten würde. Danke.“ Interview am 04.08.2006, Alexander Riede (Generation One)
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Abroo
Alex: Hat man mit 29 Jahren, sozusagen als „alter Hase“ im Business, noch dieses Bewusstsein, etwas aus der Sicht eines Fans zu sehen? Also, gibt es Künstler, zu denen Du auch heute noch aufschaust?
Alex: Der Track „Oh Daddy“ auf dem neuen Album greift dieses Thema erneut auf, diesmal jedoch auch mit dem Aspekt, dass Deine eigene zukünftige Vaterrolle anders aussehen soll. Kannst Du dies mit Deiner Musik ein Stück weit verarbeiten bzw. mit dem Kapitel „Rachefeldzug“ abschließen?
Alex: „Realness“ ist ja stets ein großes Thema unter Rappern, auch wenn man bei vielen das gesprochene Wort nicht für bare Münze nehmen sollte. „Ehrlichkeit und Realitätsbewusstsein“ prägten seit Deinen musikalischen Anfängen in den frühen Neunzigern stets Deinen Output. Bist Du generell der Ansicht, dass man dies einfach seinen Hörern schuldig sein sollte?



