Review | Kritik | Bewertung @ Generation One
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| Artists - Interviews | |||
| Sonntag, 06. August 2006 um 10:23 Uhr | |||
Curse (August 2006) Den vielen Verpflichtungen als „Künstler zum Greifen“ zum Trotz, nahm sich der Mindener Rapper Curse auf dem Splash! Festival 2006 in Chemnitz die nötige Zeit für ein Interview mit Generation One. Nach einigen terminlichen Verschiebungen traf man sich schließlich am Sonntagabend im Pressezelt und klärte so einige Fragen zum aktuellen Mixtape-Release „Einblick zurück“. Alex: In unserem letzten Interview bist Du bei der Frage nach Deiner mentalen Vorbereitung auf Deine Konzerte direkt auf das Splash!-Festival eingegangen. Lustigerweise treffen wir uns 10 Monate später hier in Chemnitz, was mich dazu veranlasst, ein wenig nachzuhaken. Mit welchem Gefühl bist Du gestern hier angereist und wie lief Dein Auftritt am Samstag? Curse: „Ich bin mit dem guten Gefühl „Cool ich hab’ Bock auf die ganze Sache“ angereist, denn wir sind auch mit vielen Freunden zu zwölft aus Minden hierher gekommen. Und der Auftritt lief ebenfalls cool, es hat natürlich Monsunartig geregnet aber es ist alles in allem sehr gut gelaufen. Ich bin auch sehr stolz auf die Leute, die dageblieben sind und sich die Show reingezogen haben obwohl es ein absolutes Terrorwetter war.“ Alex: Wie viel hast Du sonst noch vom Splash! 2006 mitbekommen? Hast Du zwischendurch auch Zeit gefunden, den ein oder anderen Künstler live zu sehen oder ist man als einer der auftretenden Acts zu sehr mit der Vorbereitung seiner eigenen Show beschäftigt? Curse: „Ehrlich gesagt ist man eigentlich am meisten damit beschäftigt, Interviews zu geben. Leider… Immer wenn ich auf’s Splash! komme, bekomme ich viel weniger mit als andere Leute, weil ich eben sehr viele Interviews gebe und sehr viele Termine habe. Ich meine ich laufe hier rum und gebe heute alleine 3 Interviews, und daraus werden dann schnell 15. Deswegen bekomme ich nicht so viel mit, aber ich habe Booba gesehen, Joy Denalane hätte ich mir gerne angesehen -was jetzt wegen diesem Interview nicht klappt – Jan Delay werde ich mir gerne angucken. Gestern habe ich ein bisschen von Azad gesehen und Fat Joe, das war’s aber dann schon.“ Alex: Ich war im März dieses Jahres im Münchener Ampere, als Du mit der „Sinnflut“-Tour dort Station gemacht hast und habe die gute Stimmung bzw. die erstklassige Atmosphäre dort förmlich in mich aufgesogen. Wenn Du einen Vergleich aufstellen müsstest, zwischen einem solchen Auftritt im kleineren Rahmen und einem riesigen Publikum wie auf dem Splash!, wo siehst Du einzelnen Reize?Curse: „Es hat beides seine Vor- und Nachteile. Natürlich sind hier im Optimalfall zehn- bis zwanzigtausend Leute und das ist natürlich ein riesen Kick. Im Club ist es intimer, privater, also ein ganz anderer Kick. Aber die Atmosphäre kann ja ganz ähnlich sein. Du kannst ja auch auf einem Festival eine sehr familiäre Atmosphäre kreieren, und das versuche ich sowieso bei meinen Shows zu machen. Ich hab’ keinen Bock, dass sich die Leute bei meinen Shows gegenseitig auf die Schnauze hauen und ähnliches, sondern dass die Leute auf meine Show kommen, eine gute Zeit haben und mit guten Erinnerungen nach Hause gehen. Das kann auf’m Splash! sein, im Ampere oder in jedem anderen Club.“ Alex: Eigentlich ein schlechtes Thema, weil Du schon von so vielen Reportern auf die konträren Reaktionen, die das Vorgängeralbum „Innere Sicherheit“ auslöste, angesprochen wurdest und ich dieser Monotonie bewusst entkommen möchte, aber: hast Du mit dem aktuellen Release „Sinnflut“ wieder mehr das Gefühl, auf Akzeptanz von den HipHop-Heads zu stoßen? Curse: „Nein, das gar nicht! Die Alben haben sich genau gleich gut verkauft, und die Leute fanden das eine Album vielleicht scheiße und das andere dann besser und andersrum, viele Leute fanden beides geil, viele Leute finden weder noch geil… Ich habe auch gar kein Problem mit meinem dritten Album. Ich habe immer wieder gesagt, ich kann verstehen, warum mein drittes Album für die Leute teilweise schockierend war, weil es viele einfach in der Form nicht erwartet hätten. Die Leute stecken ja nicht in meinem Kopf drin! Ich habe 1,5 Jahre an dem Album gearbeitet und in dieser Zeit haben die Leute nicht das gesehen, was ich gesehen habe oder auch nicht gedacht, was ich gedacht habe, sie haben nur das Ergebnis davon gehört. Wenn sie dann natürlich sagen, das wäre ein ganz andere Curse, haben sie natürlich Recht, weil es eben 1,5 Jahre später ist und in dieser Zeit viel in meinem Leben passiert ist, was mich natürlich verändert hat. Deswegen kann ich das verstehen. Auf der anderen Seite haben das auch Leute gehört, die mich vorher nicht kannten und gesagt haben „Oh, den Menschen hatten wir gar nicht auf’m Schirm, den finden wir geil!“. Das ist völlig in Ordnung, ich bereue nichts und glaube auch nicht, dass ich da jetzt mehr oder weniger Respekt bekomme. Schau mal, Du bekommst Respekt, wenn Du gut bist… Und ich kann was, bin gut und dafür bekomme ich Respekt. Die Leute, denen meine Inhalte nicht gefallen, die werden immer was finden, was sie kritisieren können egal ob die Beats hart oder smooth sind, egal ob ich über das Thema Struggle oder Frauen rappe. Und deswegen geht’s mir mehr oder weniger am Arsch vorbei…“ Alex: Lass uns kurz bei „Sinnflut“ bleiben. Interessant fand ich Deine Aussage: „Wenn Innere Sicherheit ein Showcase von allem war, was Curse KANN, ist Sinnflut die Essenz von dem was Curse IST.“. Wie zufrieden bist Du jetzt, nachdem das Release schon ein wenig zurück liegt, mit dem Album und den Kritikerstimmen dazu? Curse: „Ich bin sehr zufrieden mit dem Album. Ich finde, da sind grandiose Songs drauf, grandiose Beats von Claud, Sashliq und den anderen Producern. Sachen wie „Herbstwind“, die meiner Meinung nach noch nie da gewesen sind. Es sind natürlich Hammer-Lyrics drauf, ich sage da nur „24“ oder „Broken Language“ und ich finde das Album einfach sehr stark. Das müssen die anderen erst mal nachmachen! Ich bin wie gesagt damit 100% zufrieden aber auch natürlich schon wieder einen Schritt weiter, habe neue Ideen und Sachen in meinem Kopf.“ Alex: Würde man Worten wie „Ich mach das was ich will, Kritik, da scheiß ich extra drauf.“ glauben, hätte man wohl ein falsches Bild von Dir, da Du andererseits Onlinemags als „super wichtiges Medium“ für die Fans da draußen siehst und das in Interviews auch betonst. Wie viel von dem, was so über Dich berichtet und geschrieben wird, liest Du Dir selbst durch und wie sehr nimmst Du Dir manche Meinungen zu Herzen?Curse: „Ich lese ehrlich gesagt die wenigsten Berichte und Plattenkritiken über mich. Es ist natürlich wichtig, dass die Presse gut über mich schreibt und dass ich gute Plattenkritiken bekomme, damit die Leute da draußen dem Album eine Chance geben und sagen „Da habe ich eine gute Kritik dazu gelesen, da gab’s ein interessantes Interview, da höre ich rein!“. Dafür ist es sehr wichtig, aber das sollten die Leute da draußen lesen. Für mich ist es nicht wichtig. Ich brauche keine JUICE um zu sagen, ob meine Platte gut oder schlecht ist, auch wenn ich es liebe, wenn dort Props zu erhalten. Aber selbst wenn ich keine Props bekomme, ändert das nichts daran, dass das eine geile Platte ist. Es beeinflusst mich nur bis zu einem ganz kleinen Punkt, denn Kritiker schreiben ihre Sachen meist aus einer bestimmten zumeist subjektiven Stimmung oder Einstellung heraus, die sich natürlich stetig ändert oder einfach schon zu festgefahren ist. Deswegen muss man Rezensionen immer unter einem bestimmten Gesichtspunkt betrachten.“ Alex: Die eben erwähnte Textpassage stammt aus dem Track „Rap“, dessen Video „entgegen üblicher Vermarktungsstrategien“ als offizielles Video zum Release Deines neuen Mixtapes „Einblick zurück!“ ausgewählt wurde. Warum gerade dieser Song? Curse: „„Rap“ ist ein Song, der schon seit Jahren ein Favorite von mir und von den Leuten ist. Der kommt immer gut an, wenn ich ihn spiele, ich bekomme oft Kommentare zu dem Song und es gibt Leute die meine Sachen bislang noch nicht so gefeiert haben aber eingestehen, dass „Rap“ ein geiles Ding ist. Und ich wollte einen Song aus dieser 10-jährigen Geschichte nehmen, der eben schon etwas älter ist und diesen mit Video noch einmal in ein neues Licht rücken. Der Song ist jetzt schon über 3 Jahre alt aber ich präsentiere ihn neu und man lernt ihn sozusagen neu kennen. Das ist auch Zeichen dafür, dass meine Songs nicht nur eine Halbwertszeit von 3 Monaten haben, sondern dass die auch nach ein paar Jahren noch gut und aktuell sein können.“ Alex: Wenn man an die derzeit in der Szene gängige Verwendung eines Mixtapes denkt, ist das eher als Plattform für meist zusammenhangslose Tracks, die nicht gut genug für ein richtiges Album sind, zu verstehen. „Einblick zurück!“ ist jedoch ein Best Of. Warum hat man sich dennoch für diese Form einer Veröffentlichung entschieden und sie einem Best Of-Album vorgezogen? Curse: „Unsere Idee war einfach, dass man nicht so eine komische Compilation aus Singles oder Lieblingstracks zusammenstellt, sondern dass man es DJ’s – die auch der ganzen History gegenüber neutral sind - in die Hand drückt, die auch wissen was die Leute gut finden. Einfach nur ein Best Of-Album hätte ich nicht so spannend gefunden. Sonst hätte man nur ca. 15 Songs drauf gehabt und in der Mixtape-Form sind es eben 41 Tracks! Ich finde es einfach viel spannender als einfach nur Songs hintereinander zu machen, das machen Scorpions usw. – ich mache immer noch HipHop!“ Alex: Kool DJ GQ und DJ Kitsune hatten, wenn ich richtig informiert bin, vollkommen freie Hand bei der Zusammenstellung des Mixtapes. Wie findest Du das Endprodukt? Wäre es wohl ähnlich ausgefallen, wenn Du die Entscheidung treffen müsstest, welche Tracks für das Best Of geeignet wären?Curse: „Also, es gibt 1-2 Sachen, die ich vielleicht nicht drauf getan hätte und 1-2 Sachen, die mir gefehlt haben, aber ich habe ja den Jungs freie Hand gelassen. Vielleicht gibt es ja in 10 Jahren einen Part II und dann kann ich ja die Sachen drauf machen, die ich noch vermisse.“ <lacht> Alex: Wenn man an Nummern wie „Hassliebe“, „Scheiß auf Curse“, oder „Und was ist jetzt“ zurückdenkt, verbindest Du die Songs mit besonderen Erinnerungen oder sogar Lebensabschnitten? Curse: „Ja und nein. Dadurch, dass ich die Songs auch oft live spiele verbinde ich damit nicht nur eine sondern 5.000 Erinnerungen. Aber natürlich ist es immer noch so, wenn ich z.B. „Wahre Liebe“ höre – heue Abend [Anm. der Red.: Splash! meets Classic] performe ich den Song noch – dass ich mich gewissermaßen in die Zeit zurück versetzt fühle, wo der Song entstanden ist und das ist auch gut so.“ Alex: „Es war alles ’ne geile Zeit ich denk häufig daran wie’s begann, doch die größte Zeit liegt noch vor mir ich fang gerade erst an!“ klingt wie eine Art Vorankündigung auf das nächste Curse-Album. Gibt es schon konkrete Planungen in diese Richtung? Curse: „Natürlich bin ich schon dran am neuen Album. Ich hab knapp 20 Songs recordet, aber das heißt nicht viel, ich mache immer 40-50. Ich bin dran, das Album kommt nächstes Jahr und ich arbeite auf Heavy Rotation. Ich hab auch schon 1-2 nice Features am Start. Ich will aber nicht zuviel sagen, denn dann schürt man wieder die Erwartungen zuviel aber ich glaube ich kann einen drauf setzen.“ Alex: Vielen Dank für das exklusive Interview. Hast Du noch irgendwelche abschließenden Worte für unsere Leser? Curse: „Wenn ihr Euch für Curse interessiert, zieht Euch das Mixtape rein. Supportet Alles Real Records, Reno Album kommt, Germany Album kommt, Stress & Trauma Album kommt – checkt das auf jeden Fall aus!“ Interview am 06.08.2006, Alexander Riede (Generation One)
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Curse
Alex: Ich war im März dieses Jahres im Münchener Ampere, als Du mit der „Sinnflut“-Tour dort Station gemacht hast und habe die gute Stimmung bzw. die erstklassige Atmosphäre dort förmlich in mich aufgesogen. Wenn Du einen Vergleich aufstellen müsstest, zwischen einem solchen Auftritt im kleineren Rahmen und einem riesigen Publikum wie auf dem Splash!, wo siehst Du einzelnen Reize?
Alex: Würde man Worten wie „Ich mach das was ich will, Kritik, da scheiß ich extra drauf.“ glauben, hätte man wohl ein falsches Bild von Dir, da Du andererseits Onlinemags als „super wichtiges Medium“ für die Fans da draußen siehst und das in Interviews auch betonst. Wie viel von dem, was so über Dich berichtet und geschrieben wird, liest Du Dir selbst durch und wie sehr nimmst Du Dir manche Meinungen zu Herzen?
Alex: Kool DJ GQ und DJ Kitsune hatten, wenn ich richtig informiert bin, vollkommen freie Hand bei der Zusammenstellung des Mixtapes. Wie findest Du das Endprodukt? Wäre es wohl ähnlich ausgefallen, wenn Du die Entscheidung treffen müsstest, welche Tracks für das Best Of geeignet wären?



