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Review, Test, Kritik @ Generation One

Stories - Konzertberichte

Splash! Festival 2006
04. bis 06. August 2006
Stausee Rabenstein (Chemnitz)

Freitag, 04.08.2006
Freitagmorgen, 7:00 Uhr, ein Blick aus dem Fenster führt mich zu der Annahme, der Wetter- dienst könnte sich mit seiner Vorhersage getäuscht haben. Sonnenschein... aber wie heißt es so schön: „abwarten und Tee trinken“. Selbiges tat ich dann auch bevor ich mich in Richtung Bahnhof begab, um in den Zug nach Chemnitz einzusteigen. Die viereinhalb Stunden Fahrt verstrichen zwar nicht ganz so schnell wie erhofft, allerdings entschädigte ein doch recht großes Einzelzimmer in der günstigen Pension Anno Tomina für die Reisestrapazen.


Günstig gelegen ist diese Pension obendrein, da man nur einen kurzen Fußmarsch von fünf Minuten zurücklegen muss, um zum Chemnitzer Hauptbahnhof zu gelangen, wo das regelmäßig zwischen dem Stausee Rabenstein und der Innenstadt pendelnde Splash! Shuttle, sprich: ein spezieller Bus des CVB, bereits auf mich und die restlichen Festivalbesucher wartete. Auf dem Splash!-Gelände angekommen, musste ich mich erst einmal orientieren und prüfte nach dem Check-In zunächst eher ungewollt das Security-Personal am regulären Haupteingang. Wichtige Info: Speisen und Getränke dürfen nicht mitgenommenen werden, sollten also im Zelt zurückgelassen werden. Wer besondere Wertgegenstände gerade dort nicht unbeaufsichtigt liegen lassen will, diese aber auch nicht den ganzen Tag mit sich herumschleppen möchte, für den stehen einige Schließfächer bzw. -schränke bereit. Ihr seht schon, die Organisatoren haben mitgedacht...

Jedenfalls kam ich nach einer Besichtigung des gesamten Festivalgeländes gerade pünktlich zum Auftritt von Olli Banjo auf der Mainstage und reihte mich etwas weiter hinten im Publikum ein. Dank einer grandiosen Performance von Olli wusste ich sehr schnell, warum das Splash! von HipHop-Fans so geliebt wird und was ich die letzten Jahre scheinbar so verpasst habe... Verpasst habe ich vor allem eines: gute Festivalstimmung trotz schlechtem Wetter und so fing es auch just in diesem Augenblick an leicht zu regnen, was aber nur wenige zu stören schien. Die Regenjacke konnte ich auch schnell wieder einpacken, denn bis auf ein paar Tropfen zwischendurch meinte es Petrus noch recht milde mit uns an diesem ersten Tag. Durch die Suche nach dem Pressezelt (eigentlich sehr peinlich, dass ich das nicht gleich gefunden habe) verpasste ich leider den Auftritt von Prinz Pi, den ich bis dato noch nie live erleben durfte.

Aber dafür ließ ich mich von einem scheinbar sehr Energiegeladenen Keith Murray begeistern, der während seines Auftritts immer wieder den Kontakt zum Publikum suchte (ich sage da nur stage diving in Vollendung) und eine Menge Peace Signs an die Leute da draußen und vor allem an die bereits verstorbenen US HipHop-Legenden verteilte. Was folgte, war ein Harris, der charmant wie immer die anfänglich auftretenden Tonprobleme seiner mitgebrachten Crew zu überbrücken wusste und einen noch aufgedrehteren Dean Dawson als Gast dabei hatte. Für 17:00 Uhr stand ein Interview mit Abroo von Buckwheats Music auf meinem persönlichen Tagesplan, also ab zum Pressezelt... Der Rapper aus Lemgo präsentierte sich dann nicht nur als angenehmer Interviewpartner, sondern vielmehr als äußerst sympathischer Typ.

Im Anschluss führte mich mein Weg direkt zur MZEE Stage, um einen weiteren legendären "100 Bars"-Auftritt von Samy Deluxe unter keinen Umständen zu verpassen. Und Samy hatte die Lacher bzw. den Beifall auf seiner Seite, denn er performte wieder einmal ein wahres "Punchline-Gewitter" und kündigte sogleich die ultimative Steigerung ("200 Bars") für das Splash! 2007 an. Mit im Gepäck hatte der Hamburger die Deluxe Records Neuverpflichtungen Manuellsen sowie Snaga & Pillath, die kräftig ihr neues Mixtape promoteten. Im Backstage-Bereich lernte ich dann auch kurz vor seinem Auftritt Mannheims "einsamen Leitwolf" Pal One als einen ziemlich entspannten und lustigen Charakter kennen. Zwischendurch gönnte ich mir auch meine erste Splash!-Mahlzeit in Form eines Hamburgers mit Pommes und würde dazu sagen: "Naja, der Hunger treibt's rein...".

Nun aber zurück zur Mainstage, um noch den Rest von Blumentopf mitzubekommen, die trotz angekündigten neuen Albums wieder einige Classics im Repertoire ihrer Bühnenperformance hatten. Was die eben angesprochene "Bühnenpräsenz" angeht, konnten die Töpfe an diesem Freitag eigentlich nur noch von einer Gruppe übertroffen werden, und das waren die Berliner Jungs von Seeed. Wahnsinns-Outfit, Wahnsinns-Sound, Wahnsinns-Show! Eine sehr gute Wahl für einen Headliner, da sie diesen Grundgedanken einer multikulturellen sowie Stil- und Grenzenübergreifenden HipHop-Gemeinschaft reflektieren. Äußerst gelungener Abschluss des ersten von drei Festivaltagen, also ab mit dem Shuttle in Richtung Hauptbahnhof, um die nahe gelegene Pension aufzusuchen und Energie für Samstag/Sonntag zu tanken.

Samstag, 05.08.2006
Nach einer relativ entspannten Nacht traf man beim Frühstück auf weitere "Splashies" (wie die Festivalbesucher auch liebevoll genannt werden) und konnte - nachdem ich mich zunächst rechtfertigen musste, "warum ich denn so ein graues VIP-Band am Handgelenk tragen würde" und schnell den Spitznamen "VIP-Alex" erlangte - gemeinsam das Tagesprogramm durchzusprechen. Der Regen, der mittlerweile Chemnitz und seine Umgebung mit regelmäßigen "Gastauftritten" beehrte, veranlasste uns schließlich dazu, etwas später mit dem Splash! Shuttle in Richtung Rabenstein loszudüsen. 15:00 Uhr –  ca. 15 Minuten Busfahrt und wir waren da. Der Frankfurter Azad war zunächst das Objekt der Begierde bzw. erster Künstler, den ich an diesem Samstag auf der Mainstage zu sehen bekam. Mit Jeyz als Backup-MC lieferte Azad wie erwartet einen "Genickbrecher" nach dem anderen und die Bässe pumpten nur so aus den Lautsprecherboxen, so dass alles in einem zu vibrieren anfing. Diese Tatsache scheint auch meinen Magen derart stimuliert zu haben, dass mich der Hunger in Richtung VIP-Zelt trieb, wo ich die Möglichkeit nutzte, mir eine Portion Grillfleisch mit Kartoffelsalat zu gönnen.

Aus der Entfernung konnte man bereits die Beats der nächsten Gruppe vernehmen und so führte mein Weg zurück zur Mainstage, um zumindest einen Teil der impulsiven Show inklusive erstklassiger Beatbox-Performance der Saian Supa Crew aus Frankreich mitzubekommen. Für Curse reservierte ich mir gleich einem Platz in der vordersten Reihe (dafür nimmt man auch gerne eine gewisse Wartezeit in Kauf) da ich den Auftritt des Mindeners mit großer Spannung und viel Vorfreude erwartete - und er enttäuschte mich keinesfalls. Allerdings fing es nach den ersten beiden Songs so richtig an zu regnen, um nicht zu sagen "es schüttete wie aus Eimern"! Curse trotzte diesem unglücklichen Zustand und zeigte sich solidarisch: "Wenn ihr hier im Regen steht, dann stelle ich mich auch in den Regen!". Wohl mit Abstand eines der besten Zugeständnisse an die Crowd!

Meiner akribischen Planung im Vorfeld des Festival-Wochenendes hatte ich es zu verdanken, dass ich mit qualitativ hochwertiger und wie sich zeigen sollte hochpraktikablen Regenjacke trotzdem jeden Ton aus den Boxen und jeden Blick auf die Bühne in vollen Zügen genießen konnte. Aber auch das Publikum ließ an Feierstimmung nichts vermissen, was man den Leuten wirklich hoch anrechnen muss. Standortwechsel: ab zur MZEE Stage, um festzustellen, dass ich Prinz Pi zum zweiten Mal nur knapp verpasst habe, was jedoch die Live-Auftritte von "Deutschlands Hustler" Separate (Buckwheats Music) sowie Franky Kubrick mehr als entschädigten. Der Stuttgarter "Neu-Optiker" haderte zwar sehr mit seiner Mikrofon-Lautstärke, brüllte sich dennoch leidenschaftlich seine Spitter-Texte vom Leib. Beide Auftritte musste ich definitiv von der Bühnenfront aus erleben, da dort - auch wenn man der MZEE-Bühne insgesamt leider viel zu wenig Zulauf und auch die geringere Stimmung attestieren konnte - die Musik am besten genossen werden konnte.

Etwas enttäuscht von der kulinarischen Auswahl des Vortrags, fasste ich den Entschluss über das Wochenende verteilt alle Imbissstände zu testen und zeigte mich besonders begeistert von einer Pizza im Teig (besser gesagt Pizza Calzone) - sehr empfehlenswert! So gestärkt konnte der Headliner des Samstags kommen... Eastcoast-Legende Fat Joe hatte mit dem rappenden (!) Basketballspieler Ron Artest (Sacramento Kings) einen sehr interessanten Mann in der Vorgruppe, die es gekonnt verstanden, das Publikum trotz sinkender Außentemperaturen so richtig anzuheizen, was so weit ausartete, dass sich der NBA-Star vier Mädels aus der Menge pickte und auf der Bühne zu bouncenden Beats und dopen Lyrics tanzen ließ. "So are you ready for Fat Joe?" waren die Worte des DJ's und die Splash!-Besucher rasteten endgültig aus, als dieser dann die Stage enterte und so einige seiner hörenswerten und altbekannten Classics (unter anderem die Hit-Singles „Lean Back“, „We Thuggin’“ und „What’s Luv“) aus dem Ärmel schüttelte. Kurz vor Mitternacht war es schließlich wieder Zeit für den Bus nach Chemnitz und ab ins Bett. One more day to go...

Sonntag, 06.08.2006
Ein munterer Blick aus dem Fenster am Sonntagmorgen kurz vor einer weiteren Frühstücks-Session limitierte erneut die Auswahlmöglichkeiten des Tagesprogramms, weshalb man auf Grund von kräftigeren Regenschauern auch an diesem Tag erst gegen 16:00 Uhr auf dem Festivalgelände eintraf. Dort verbreitete bereits Denyo auf der Mainstage die pure Heiterkeit dank seines hanseatischen Charmes und rockte das Publikum nicht nur mit seinen Solostücken, sondern auch mit einer Hand voll Beginner-Smashern an der Seite von Eißfeldt a.k.a. Eizi Eiz, der später noch als Jan Delay zusammen mit seiner Liveband Disko No. 1 glänzen sollte. Man möge mir meine scheinbar blanke Unwissenheit verzeihen, aber von einer weiteren französischen Gruppe unter dem Namen Booba wusste ich persönlich zuvor nicht besonders viel, allerdings schienen sich viele VIP's und vor allem weitere Acts, die selbst auftraten, sehr dafür zu interessieren.

Auch Curse wollte die Jungs unbedingt sehen und so wurde unser gemeinsames Interview kurzerhand zeitlich nach hinten verschoben (als Journalist muss man sich schließlich stets flexibel zeigen). Im Pressezelt konnte man während der Wartezeit den Kollegen von der Berichterstattung (in diesem Fall Patrice von MTV Urban und Falk, seines Zeichens JUICE Kolumnist) etwas auf die Finger/über die Schultern schauen. Im Anschluss an ein hochinteressantes Interview mit Curse ging meine Food-Testaktion weiter und japanische Nudeln standen auf dem Speiseplan. Ohne Souvenir wollte ich keinesfalls die Heimreise antreten und so holte ich mir anschließend ein stylisches Splash!-Cap (New Era) vom Fanshop auf Kosten meiner schicken weißen k1x Sneaker, die durch das aufgeweichten Gelände nun gänzlich im Schlamm versunken. Ein musternder Blick in die Menge vor dem Auftritt von Jan Delay lieferte die skurrilsten Bilder von im Schlamm catchenden Frauen bis hin zu vollständig in Müllsäcken eingeschnürt und verpackten Menschen - man könnte sagen, Not macht erfinderisch... Jan Delay an sich trug nicht nur Gummistiefel zu seinem Anzug, er betonte mit seiner Performance noch einmal deutlich die "sehr musikalische" (im Sinne von Liveband statt DJ) Ausrichtung des Splash!-Sonntags 2006, wobei die Krönung des Abends sowie des gesamten Festivals erst noch kommen sollte.

Splash! meets Classic - soll so viel bedeutet wie Robert Schuhmann Philharmonie Chemnitz trifft auf Samy Deluxe, Beginner, Curse, Tefla & Jaleel, Azad sowie Toni L & Torch. Ein sehr gewagtes aber sich auch lohnendes und letztendlich erfolgreiches Experiment, dessen Konzept bereits voll aufzugehen schien, als das mehrköpfige Orchester einige Beatklassiker der HipHop-Geschichte detailgetreu nachempfinden und umsetzen konnte. Was bei Samy's "Weck mich auf" und dem Song "Und was ist jetzt" von Curse noch passte wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge, wirkte bei Azad leider etwas deplatziert, da einfach zu wenig druckvoll für dessen Style. Tefla & Jaleel hätten ruhig mehr als zwei Tracks performen können, befinden sie sich doch auf einer Art "Abschiedstour" von ihren Fans. Das finale Feuerwerk habe ich leider verpasst, da ich schnell genug beim Splash! Shuttle sein wollte… was sich letzten Endes als sinnloses Unterfangen herausstellte, da sich die Scharen an HipHop-Heads orientierungs- und planlos irgendwo kreuz und quer mitten auf der Straße der Bushaltestelle einordneten.

Mit jeder weiteren Minute Wartezeit auf das sich offensichtlich dramatisch verspätende Shuttle sank meine Motivation, mich panisch in einen restlos überfüllten Bus zu zwängen rapide in den Keller, weshalb ich mich zusammen mit den beiden anderen Splashies meiner Pension dazu entschloss, ein Taxi zu nehmen, auf das auch erst einmal gewartet werden musste. Chemnitz, einige Zeit später (kein Wunder, bei dem komischen Umweg, den der Taxifahrer wählte) mit einer Ladung Burger vom Bahnhof im Magen und etwas Alkohol in der Blutbahn wurde das gesamte Festivalwochenende im kleinen Kreise resümiert. Natürlich hätte es neben den musikalischen Beiträgen auf der Mainstage und der MZEE Stage noch viele weitere Side-Events wie etwa das JUICE Tent, das Coke dj culture Tent, das Reggae & Dancehall Tent, das Drum & Bass Tent, die C.O.S. Skate Area sowie das B-Boy Battle @ JUICE Tent gegeben, allerdings blieb mein Hauptaugenmerk auf den Performances der "großen Künstler". Im nächsten Jahr soll das anderes werden...

Den halben Montag verbrachte ich nach dem Auschecken aus der Pension mit einer Sightseeing-Tour durch die Chemnitzer Innenstadt bei sonniger (!) Wetterlage, bevor mich der Zug wie so viele andere abgekämpfte und müde wirkende Jugendliche wieder zurück nach Hause, in meinem Fall nach Regensburg brachte, um dort in den Abendstunden anzukommen. Mein persönliches Fazit hängt sehr stark mit einem Appell an die HipHop-Fans da draußen zusammen, denn eines steht unwiderruflich fest: ein so gigantisches Festival wie das Splash! sollte man unter gar keinen Umständen verpassen! Deswegen mein Tipp für die Zukunft: Vergesst mal all Eure noch so stylischen Outfits und packt Euch Gummistiefel und eine feste Regenjacke ein, dann kann euch eigentlich nichts und niemand mehr die gute Laune verderben. So Splash! keep on rockin’ – wir sehen uns hoffentlich alle beim zehnjährigen Jubiläum in 2007 wieder!

Exklusive Berichterstattung,
Alexander Riede (Generation One)

 

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