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Artists - Interviews
Freitag, 15. September 2006 um 10:27 Uhr
Kool Savas
(September 2006)

Am 15.09.2006 kam nun endlich der lang erwartete „Optik Takeover“ in die Läden und Kool Savas rotiert mit seiner Army auch schon längere Zeit, mit der ersten Singleauskopplung „Das ist OR!“ auf den Musiksendern. Bis zu der ausgiebigen Tour im Oktober ist es auch nur noch eine kurze Verschnaufpause und dann werden wieder etliche Optik-Records Fans in die Konzerthallen rennen um den King of Rap und die anderen Optik Künstler zu sehen. Am Tag der Albumveröffentlichung führte ich mit einem etwas müden, aber sehr sympathischen Kool Savas folgendes Interview.

Murray: „Optik Takeover“ steht ab heute in den Läden. Bist Du aufgeregt oder entspannt?
Kool Savas: „Ich bin entspannt insofern, weil ich weiß, dass wir den größten Teil an der Arbeit daran hinter uns haben. Und aufgeregt natürlich, weil ich gerne wissen will wie die Leute darauf reagieren und wie die Resonanzen sind. Ich hab mir ein paar Sachen schon durchgelesen und es scheint schon so zu sein, dass es ihnen gefällt. Es ist ja schon was anderes, es ist nicht die übliche leichte Kost.“

Murray: Liest Du gerne Rezensionen über Dich selbst?
Kool Savas: „Ja, schon teilweise. Es kommt halt darauf an, aber wenn etwas so aktuell ist wie jetzt, dann liest man sich das schon am Anfang mal durch. Es ist aber nicht so, dass ich mir alles zu Herzen nehme. Wenn ich merke, dass derjenige überhaupt keinen Plan hat, oder echt nur irgendetwas schreibt und am besten noch irgendwas aus der Vergangenheit herauskramt, dann hat das eh für mich keinen Sinn und keinen Wert. Aber wenn das eine objektive, gute Geschichte ist, dann lese ich mir das schon gerne durch.“

Murray: Hat sich der Release von „Optik Takeover“ so lange hingezogen, weil die Arbeit daran so lange gedauert hat, oder hatte das andere Gründe?
Kool Savas: „Unter anderem lag es natürlich daran, dass wir einige Sachen, einige Songs ein paar Mal überarbeitet haben. Auf der anderen Seite auch an dem ganzen hin und her mit der BMG, weil wegen dem Label geklärt werden musste wie das abläuft und wo es dann wirklich veröffentlicht wird usw.“

Murray: Bist Du jemand der gleich nach dem Release eines Albums den Blick nach vorne auf neue Projekte richtet oder genießt Du den Abschluss und schaust wie es ankommt, gehst erstmal auf Tour usw. ?
Kool Savas: „Ja, die nächste Sache ist schon die Tour und da werde ich mich natürlich darauf konzentrieren, aber ich hab auf jeden Fall schon so ein Auge auf die Zukunft. Man hat ja ein paar Sachen vor und muss schauen was sich ergibt. Ich hab auch ein Soloalbum was irgendwann mal gemacht werden will, außerdem Erc, Caput, Moe und verschiedene Sachen.“

 Murray: Man merkt, dass sehr viel hinter „Optik Takeover“ steckt, alles wirkt sehr durchdacht und abgestimmt, als würde es jetzt mit Optik erst richtig losgehen. Siehst Du das auch so bzw. soll das so sein?
Kool Savas: „In gewisser Art und Weise schon. Ich mein, wir haben jetzt zwei Jahre Eingewöhnungsphase gehabt mit dem Label und mussten einfach schauen in welche Richtung das geht und wie wir das machen. Man muss noch selbst viel lernen, von uns ist ja keiner als Businessmann geboren, sondern für uns war das wirklich ein Entwicklungs- und Reifeprozess.  Auch um zu sehen, wie man am besten mit seinen Artists umgeht. Man muss immer eine Ebene finden um mit den Menschen zu kommunizieren. Dass jetzt der „Optik Takeover“ rauskommt und dass jetzt z.B. auch heute die neue Seite online ist und die Tour jetzt sofort folgt, all das sind Zeichen dafür, dass es in gewisser Weise ein Neuanfang ist, so wie man es sich gewünscht hätte von Anfang an. Wir haben davor auch cool gearbeitet, aber wir hatten nie die Zeit und die Energie, eigene Projekte von vorne bis hinten so krass umzusetzen wie wir es diesmal gemacht haben.“

Murray: In welchem Licht siehst Du dann die Veröffentlichungen davor, war das eine Art Warm up vor dem großen Durchbruch? Ist mit den Mixtapes erst mal Schluss?
Kool Savas: „Wir haben das natürlich schon ernst genommen aber in gewisser Weise war es schon ein Warm up, weil ein Mixtape ist immer ein Warm up auf ein Album. Aber es ist natürlich schon so, dass ich niemandem sagen kann, er kann jetzt kein Mixtape mehr machen. Wenn Amar jetzt als nächstes ein Mixtape machen will anstatt einem Album, dann akzeptiere ich das, dann kann ich dazu nichts sagen. Aber ich will nicht in die Geschichte eingehen als Mixtape-Label. Wir haben gute Acts, wir haben auch Acts die kommerziell was reißen können und dann glaub ich da fest dran. Ich bin mir sicher, dass es die nächsten Jahre dann auch einfach zeigen werden.“

Murray: Mir fällt im Moment kein Sampler ein, der zum Meilenstein in der Rapgeschichte wurde. Das sind ja eher immer die Alben einzelner Künstler. Warum hat der „Optik Takeover“ trotzdem das Zeug dazu?
Kool Savas: „Ich denke weil es wirklich der erste Sampler ist, den man sich trotzdem wie ein Soloalbum von einem Soloartist anhören kann, weil ein roter Faden da ist, und mehr oder weniger jedes Thema abgedeckt ist. Es ist sowohl für Hardcore HipHop-Fans, als auch für Leute die eher „normale“ Sachen hören. Ein Ding was Du nebenbei hören, Dich aber trotzdem auch darauf konzentrieren kannst. Ich weiß einfach was da drin steckt und ich glaube fest daran. Das Album hat auf jeden Fall Potenzial dazu. Es ist eigentlich eher Album statt Sampler, nicht Labelsampler sondern eigentlich das Optik Album.“

Murray: Es macht auf mich oft den Eindruck, als würdest Du den Optik Style konkret von anderen abgrenzen wollen. In der Art, das ist unser Style so machen wir das und kein anderer.
Kool Savas: „Definitiv. Das soll sich jetzt in den Videos zeigen, das soll sich auf der Website zeigen, das zeigt sich durch die Musik. Ich hatte nie so ein Problem damit wenn sich die Leute, auf der nicht musikalischen Ebene, Sachen angeeignet, geklaut und übernommen haben. Aber irgendwann ist halt einfach Schluss. Man kann das auch nicht zulassen, dass die anderen sich daran bereichern. Ich will auf jeden Fall klarmachen, dass das unser Ding ist. Das ist eine eigene Nische, das ist Optik und das steht für etwas. So wie es früher war, wenn Alben zu Dre Zeiten bei Death Row oder so raus gekommen sind. Da wusste man, das hat einen bestimmten Flavour, das ist Death Row, das ist der Sound von denen.“

Murray: Könntest Du das ein bisschen erläutern, was ist das gewisse Etwas von Optik Records?
Kool Savas: „Das ist natürlich schwer zu sagen, aber ich sag mal so, wir sind nicht die Typen die eine Sache plump und einfach behandeln. Man kann eine einfache Sache trotzdem lustig, intelligent und interessant rüberbringen. Wir haben auch alltägliche Themen auf dem Album. Wir haben Tracks wie „Ich fick Dich nicht“, die wirklich sehr simpel sind, aber es kommt immer darauf an mit welchem Vibe man das macht. Nachdem „LMS“ z.B. raus gekommen ist, sind viele Leute mit Songs gekommen die so ähnlich klangen. Aber die haben trotzdem keinen Anklang gefunden, weil sie unintelligent und uninteressant waren und diesen Moment nicht mehr hatten, dass sie die ersten sind die das machen. Ich denke wir sind Schöpfer statt Nachmacher, aber ich kann das natürlich jetzt nicht so einfach in Worte fassen.“

 Murray: Mich würde interessieren inwieweit Du selbst in die Beatproduktion eingreifst? Gehst Du Mel oft zur Hand, gibst Verbesserungsvorschläge, Kritik etc. oder konzentrierst Du Dich nur auf das Rappen?
Kool Savas: „Am Anfang haben wir uns die Beats ausgesucht und haben drauf gerappt. Im Nachhinein war ich natürlich auch teilweise im Studio bei den Arrangements usw. und hab auch meinen Input gegeben. Aber im Großen und Ganzen hat sie das selbst entschieden, und produziert ja sowieso selbst, also da hatte ich eh gar keinen Einfluss darauf. Es gab schon ein, zwei Ideen von mir, z.B. die mit den Live-Instrumenten, unser Engineer ist eh Live Drummer. Ich meinte es wäre auf jeden Fall interessant das da mit rein zu bringen, weil das auch etwas anderes ist. Man ergänzt sich halt gegenseitig, jeder versucht den anderen zu inspirieren und Ideen zu geben.“

Murray: Franky Kubrick ist nur einmal auf dem Album vertreten, man wird sich schwer tun ihn wie die anderen Mitglieder fest mit Optik Records in Verbindung zu sehen. Wird er bewusst etwas außerhalb der Optik Army gehalten?
Kool Savas: „Es ist so, dass Franky erstens noch gar nicht so lange bei Optik und zweitens noch kein fest gesignter Artist ist. Er hat sein Mixtape gemacht und wir haben ihm alle Optionen frei gehalten, ob er sein Album bei uns machen will oder nicht. Ich find das auch scheiße sich da nach ein, zwei Wochen festzulegen. Es ist so wie wenn Mann und Frau zusammen kommen und nach zwei Wochen sagen, wir wollen heiraten. Die sollen erst mal ein bisschen Zeit miteinander verbringen und gucken ob das funktioniert und am Ende kann man dann schauen: Zieht man zusammen, heiratet man, will man Kinder usw.? Und so ähnlich sehe ich das jetzt auch darauf bezogen. Ich mein, ich kenn die anderen Jungs teilweise jahrelang und wir machen seit Jahren zusammen Musik. Da geht das bei Franky auch nicht von null auf hundert. Dazu kommt, dass er auch sein eigenes Ding macht und davor auch schon ein fertiger Artist, mit einem fertigen Style und einer fertigen Einstellung war. Er macht sein Ding, und es muss jetzt auch nicht alles immer dieser ganz close, nahe, feste Verband sein, sondern das kann auch mal locker sein, Optik ist auch ein Label. Er ist ein guter Freund von mir und ich verstehe mich sehr gut mit ihm, aber es ist nicht so, dass ich jetzt mit ihm so intensiv chille wie mit Erc oder Caput. Aber auf der Tour wird er natürlich sein um sein Zeug zu representen und zu zeigen was er am Start hat. Damit die Leute sich sein Mixtape weiterhin holen und sich aufs Album freuen.“

Murray: Ein großer Punkt Deines Erfolges ist sicher, dass Du die Leute immer mit Skills überzeugt hast und Dich nicht z.B. mit dem Pimplegionär-Style hast aufhalten lassen. Hast Du z.B. zu Westberlin Maskulin Zeiten schon gedacht, Du willst so etwas nicht immer machen, oder war Deine Weiterentwicklung eher eine Reaktion auf Dein Umfeld?
Kool Savas: „Wahrscheinlich eine Mischung aus allem, aber ich kann sagen, dass ich z.B. zu der Zeit von Maskulin überhaupt nicht im Kopf hatte, später könnte das so und so werden. Ich hab immer in dem Moment gelebt und immer das gemacht, was ich da einfach geil fand. Es ist einfach die Evolution. Der Einzeller war sich auch nicht bewusst, dass später durch mehrere Teilungen, keine Ahnung, Krokodile entstehen usw. In dieser Schöpfungskraft an sich, genau wie in der Evolution, ist vielleicht schon ein größerer Plan dahinter. Ich hatte auf jeden Fall immer das Bedürfnis als MC respektiert zu werden und als MC, in dem Rahmen der sich mir bot, bestmögliche Leistungen abzugeben. Das hat sich bis heute nicht verändert. Das ist wahrscheinlich diese Schöpfungskraft aufgrund der ich so viele verschiedene Sachen gemacht habe, wie „LMS“, „Pimplegionär“, „Haus und Boot“, „Neongelb“, „Till ab Joe“, „beste Tag“, „Das ist OR!“. Es werden auch immer wieder andere Sachen kommen. Ich bin darüber auch froh, weil ich weiß, okay in fünf Jahren werde ich komplett andere Sachen machen. Für mich ist das auch interessant. Dann kann ich mir irgendwann in meinem iPod das alles anhören und kann mir sagen, krass wie anders ich geklungen hab, noch vor einem Jahr zum Beispiel.“

Murray: Weißt Du noch wann Dir klar geworden ist, was für einen Einfluss Du auf die Rapszene in Deutschland hattest? Gab es da so etwas wie ein Schlüsselereignis?
Kool Savas: „Die ersten Male wird einem das klar wenn man größere Konzerte gibt. Ich glaub das erste Mal war wirklich mein erstes Konzert in Hannover. Falk, der später auch Supreme gemacht hat, hat das organisiert. Da hab ich auch nur irgendwie 300 Mark oder so bekommen. Aber da waren 800 Leute, der Laden war richtig voll und die Leute kannten „Schwule Rapper“, „LMS“ und „King of Rap“ auswendig. Da hab ich gesagt: Wow! So hatte ich das noch nie, das war echt verrückt. Dann ging es eigentlich Schlag auf Schlag. Dann hat man gemerkt, okay die Leute kennen deine Sachen, Leute identifizieren sich damit und orientieren sich daran. Dann schaut man natürlich und fängt an darüber nachzudenken.“

Murray: Welcher Deiner Songs erscheint Dir im Nachhinein besonders wichtig?
Kool Savas: „Das ist natürlich wirklich schwer zu sagen. Es kommt immer drauf an, worum es da geht. „LMS“ war extrem wichtig für mich, weil das der Song war durch den mich viele Leute kennen gelernt haben. Oder sie waren das erste Mal schockiert und haben wirklich hingehört. „King of Rap“ war wichtig, weil das mein erstes Video war. „Neongelb“ war wichtig als Song, der sich von den Skills her auf einem anderen Niveau bewegte. „Bester Tag“ war auch extrem wichtig für mich, weil sich den viele Leute angehört, zu Herzen genommen und gesehen haben, dass ich auch mal was anderes kann. Aber von meinen Songs, mag ich „Urteil“ zurzeit noch am meisten. Einfach weil es eine Story, eine wahre Geschichte ist, die ohne Schnickschnack auskommt. Der Song hat sich eh wie von selbst geschrieben. Das war wie Tagebuch schreiben, weil ich einfach nur die Ereignisse aufschreiben musste. Ich musste nichts recherchieren oder dazu erfinden, ich musste mir keine lustigen Rhymes überlegen, sondern es war wie es war und es ist wie es ist. Einfach fünf Minuten am Stück. Flowwechsel in Kombination mit dem Beat usw. Mit dem Song bin ich sehr zufrieden, sag ich ehrlich.“

 Murray: Dein Output an Songs ist ja bekanntlich sehr groß. Hat sich das mit dem Optik Takeover geändert, nimmst Du Dir mehr Zeit für die Arbeit an einem Track?
Kool Savas: „Es kommt immer darauf an. Ich war vor kurzem in der Schweiz und hab für ein Mixtape in zwei Tagen acht Tracks gemacht. Das ist halt alles Mixtape-Material. Aber wenn ich was für ein Album mache, ist das natürlich anders, da geh ich auch wirklich anders ran und lass mir auch mal Zeit, mir über ein Thema Gedanken zu machen. Ich hab meinen Output auch nicht unter Kontrolle. Manchmal hab ich halt so einen Turn, wenn ich irgendwo bin wo ein Studio ist und zwei, drei Tage Zeit habe, dann kann ich natürlich Gas geben. Manchmal komm ich zwei Monate überhaupt nicht mehr dazu Musik zu machen, weil ich von links nach rechts hetze.“

Murray: Da Du das Mixtape aus der Schweiz gerade angesprochen hast. Kannst Du uns ein wenig zu „Optik Schweiz“ erzählen?
Kool Savas: „Ich mache mit DJ Pfund 500, meinem Kollegen aus der Schweiz, zusammen das Label Optik Schweiz. Er arbeitet da recht autonom, übernimmt Booking, Merchandise usw. und hat auch eine eigene Website, optikschweiz.ch. Wir haben einen eigenen Artist namens Dezmond Dez und Pfund selbst ist auch Artist bei uns. Da kommt jetzt das erste Mixtape „Wer hatz erfunden“ mit DJ Sweap zusammen, mit Video etc. Wir bauen darauf auf, auch in der Schweiz noch ein Standbein zu haben und auch die Schweiz mit unserer Musik zu prägen.“

Murray: Wie kam der Kontakt zustande?
Kool Savas: „Weil ich Dezmond Dez aus der Schweiz kannte und ich hab schon damals zu ihm gesagt, lass uns das machen, sei Repräsentant für Optik in der Schweiz. Als ich DJ Pfund 500 kennen gelernt hab, hab ich gesehen, dass er ein sehr ambitionierter, junger, fleißiger Mann ist, der auch musikalisch eine ähnliche Vision hat wie ich. Er kennt auch meine Sachen und identifiziert sich damit, was auch sehr wichtig ist, und dann kam das einfach so.“

Murray: Woher nimmst Du mittlerweile Deine Motivation? Du wirst regelmäßig in der JUICE zum „besten Rapper national“ gewählt. Lässt das eigentlich noch Wünsche offen? Hast Du als Künstler nicht manchmal das Gefühl, Du könntest alles machen und die Leute fänden es immer noch cool?
Kool Savas: „Nein, weil Ich es mir selbst auch immer wieder beweisen will und ich will natürlich auch immer wieder beweisen, dass die einen Grund hatten mich zu wählen. Für mich selbst ist es wichtig der Beste zu sein und ich will mich für mich entwickeln. Rapmäßig ist so viel möglich. Ich hab auch schon mal irgendwo erzählt, dass sich Rappen so wie Mathe in meinem Kopf abspielt. Ich sehe die Zeilen und die Flows und Styles wie mathematische Formeln vor mir, vor meinen Augen. Ich sehe wo die Sätze enden, wo ein neuer Satz wieder anfängt, ob in der Mitte ein Break ist, ob die Zeilen sich untereinander reimen und all diesen Quatsch. Daher ist das auch eine wahnwitzige Wissenschaft. Und wenn ich im Studio bin, kommt dazu noch diese Euphorie und die Lust am Schöpferischen.“

Murray: Welche deutschen Acts gefallen Dir gerade besonders gut, außerhalb von Optik Records?
Kool Savas: „Ich mag natürlich Azad. Ich mag Chaker von Bozz Music, weil er einfach einer der wenigen Rapper ist, der einen krass eigenen Style hat. Ich mag Germany von Alles Real, aus exakt dem gleichen Grund. Ich mag jemand mit einem eigenen Style, eigener Stimme, eigenem Flow, das bewundere ich auf jeden Fall. Wen gibt es noch? <überlegt> Kaas von Bassquiat mag ich, aber Kaas wird ja sowieso seine Sachen wahrscheinlich bei uns machen. Mich interessieren nur Sachen, die für mich selber auch inspirierend sind, weil sie anders und neu sind. Diese Abklatsch-Rapper mit ihren einfachen Punchlines und ihrer dreier-Silben-Endung, so was interessiert mich überhaupt nicht mehr. Da lockt man mich nicht vom Ofen vor. <überlegt weiter> Xavier mag ich natürlich, ihm fallen immer wieder gute Melodien ein. Aber sonst, so aus dem Stegreif hab ich gerade nichts mehr.“

 Murray: Heute kennt Dich jeder und wenn Dich jemand bitet kann man sofort sagen, der klingt ja wie Savas und alle wissen was gemeint ist. Wieso sind Deiner Meinung nach trotzdem viele junge Rapper so unmotiviert etwas Neues zu probieren, obwohl das Biten immer schwerer wird?
Kool Savas: „Weil die das mittlerweile nicht mehr als was ganz Schlimmes sehen. Ich lebe wirklich noch irgendwie nach diesem Old School HipHop Codex, der besagt, dass Biten eine Schande ist. Dass man sich wirklich dafür schämen muss, wenn man von jemand anderem was klaut. Das ist einfach Diebstahl, das bist nicht du selbst. Ich meine, das zeigt sich auch darin, dass die Leute keinen eigenen Klamotten-Style, keinen eigenen Geschmack, keine eigene Musik haben. Das sind einfach uninspirierte Idioten, einfache Leute halt.“

Murray: Hast Du eigentlich noch Kontakt zu alten Rapkollegen
und wirfst eine Auge auf deren neue Alben wie z.B. das Taktlo$$ und Justus Album?
Kool Savas: „Na klar. Ab und zu guck ich mir natürlich im Internet an, was Sache ist, oder hör mir ein paar Dinge oder Snippets an. Justus ist auf jeden Fall weiterhin ein krass talentierter Typ und ich mag auch seine Sachen. Es ist nicht so, dass ich es mir intensiv anhöre, aber ich hab mir jetzt z.B. das Snippet von seinem neuen Album mit Taktlo$$ angehört. Das ist natürlich ein ganz anderer Style als den, den ich fahre. Aber es ist was eigenes, und ich fände es auch geil, wenn er ein Soloalbum machen würde und würde mir das auch auf jeden Fall anhören. Ansonsten, wer ist jetzt noch raus gekommen …“

Murray: Mmh…Boba Fettt!
Kool Savas: „Ja genau, sein Album hab ich gehört. Nicon hat mir die CD gegeben, der ist auch mit ihm befreundet. Das ist auch interessant, auf jeden Fall, der macht sein Ding. Ich hör mir immer wieder Sachen an und lass mich gerne überraschen. Ich hör mir auch weiterhin definitiv lieber die Sachen von meinen alten Rapkollegen, als den meisten Kram aus Deutschland an. Ich hab da noch große Sympathie dafür.“

Murray: Moe Mitchell arbeitet gerade an einem eigenen Album. Kannst Du uns ein wenig darüber erzählen, welche Rolle spielst Du dabei?
Kool Savas: „Er macht mit Mel zusammen ein Album. Zusammen arbeiten sie an den Instrumentals und an den Texten. Ich werde wegen den Texten nur ab und zu, zu Rat gezogen, oder schreibe ein bisschen mit ihm zusammen, aber dafür hatten wir gerade nicht soviel Zeit. Aber ich werde ihn da auch unterstützen und das wird glaube ich sehr interessant. Das wird eine gute Mischung, weil die Beats schon ziemlich HipHop sind, aber trotzdem der Gesang straight R&B. Er ist auch ein sehr offener Typ, kennt sich sehr gut aus mit der technischen Seite vom Gesang und setzt sich damit auseinander und das find ich geil.“

Murray: Kannst Du zum Ende noch einen kleinen Ausblick geben wie es mit Deiner Solokarriere weitergeht? Was sind Deine Pläne für die Zukunft?
Kool Savas: „Ich werde mein Album machen, werde schauen wie das wird. Jetzt im Moment sieht es nicht so aus, als würde ich aufhören. Es macht noch zuviel Spaß, aber ab dem Moment wo mir nichts mehr einfällt und wo ich kein Bock mehr auf Rappen hab, werde ich aufhören. Aber jetzt ist alles cool, ich hoffe dass wir es mit Optik weit bringen und auf einen guten Level kommen.“

Interview am 15.09.2006,
Murray Schell (Generation One)
 
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