Review | Kritik | Bewertung @ Generation One
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| Artists - Interviews | |||
| Dienstag, 26. September 2006 um 10:29 Uhr | |||
Prinz Pi (September 2006) Obwohl kaum ein Rapkünstler der Untergrundszene mit dem enormen Output von Prinz Pi mithalten kann, wurde von der Fangemeinde des Berliners eines heiß erwartet, und zwar das an vielen Stellen angekündigte erste „richtige“ Album von Pi. Auf „Donnerwetter!“ tritt der Prinz nun mutig die „Rebellion gegen die Sinnesleere des Deutsch-Raps“ an und bietet dem Hörer neben 22 Track-Unikaten ein zuvor nie da gewesenes, einzigartiges 50-minütiges Heldenepos („Der Herr der Dinge“). Prinz Pi legt dabei viel Wert auf Details – wir auch, in unserem Premium Special mit nahezu allen Infos zum großen „Donnerwetter!“. Alex: Angefangen von „Porno Privat“ über die Beatfabrik-Zeiten, die „Wir battlen jeden“-Tour, dem kurzweiligen Karriereende bis zu Deinem Comeback und den vielen darauf folgenden Releases, was siehst Du, wenn Du an dem Punkt, an dem Du jetzt stehst, über Deine musikalische Laufbahn reflektieren müsstest? Prinz Pi: „Ich sehe viele Höhen und Tiefen, wie das eben immer so ist im Leben. Aber im Nachhinein betrachtet, habe ich mich von Release zu Release immer gesteigert – jedenfalls hoffe ich das. Das ist ja oft so ein zweischneidiges Schwert: Ein Künstler will sich – wenn er innovativ ist - immer weiterentwickeln und bei jedem Album was Neues machen. Die Fans hingegen wollen immer den Künstler von dem ersten Album, das sie von ihm kennen.“ Alex: Welche Momente, vielleicht sogar beeinflussende Ereignisse aus dem nicht-musikalischen (also privaten) Bereich, haben Dich besonders beeinflusst? Prinz Pi: „Eine ganze Menge – das meiste ist aber privat und gehört hier nicht hin. Ich denke, es ist meist das, was man mit seinen Freundinnen durchmacht, mit Kumpels erlebt und solche Sachen halt. Musikalisch war auf jeden Fall das wichtigste Ereignis das erste WBM Tape, zumindest was Deutschland angeht.“ Alex: Wenn man die Arbeit an Deinem brandneuen Album „Donnerwetter!“ mit der Arbeit an den vorherigen Releases vergleicht, was hat sich konkret verändert, dass Du es voller Stolz als Dein „Chronic“ bezeichnest?Prinz Pi: „Ich habe das als mein Chronic bezeichnet? Naja, passt schon... Wir haben auf jeden Fall sehr lange und gewissenhaft daran gearbeitet, ich habe bisher noch kein anderes so ausgereiftes deutsches Album gehört.“ Alex: Was können die Fans von „Donnerwetter!“ erwarten? Ich meine, ich kenne das Album schon und habe es für mehr als gut – was rede ich, spektakulär - befunden, aber wie würde Werbung dafür aus Deinem eigenen Mund klingen? Prinz Pi: „Selbstlob stinkt immer, also will ich das jetzt nicht in den Himmel loben. Zunächst einmal werden auf dem Album Themen angesprochen, wie man sie sonst nie auf einem deutschen Rapalbum finden würde. Dann ist jeder Track etwas ganz eigenes, es gibt da kaum Überschneidungen. Wir haben versucht, die Songs so auszuarbeiten, dass man sie sehr oft hören kann, ohne dass sie langweilig klingen – das Album ist also kein musikalisches Fast Food. Auf der zweiten CD gibt es außerdem noch etwas ganz besonderes, was noch niemand sonst gemacht hat.“ Alex: Gibt es einzelne Stücke darauf, die Du persönlich besonders abfeierst (z.B. „Berlin, Meine Stadt“) oder auf die Du sehr stolz bist? Ich stelle diese Frage auch mit dem Hintergrund des Perfektionsanspruchs, den Ihr (Biztram und Du) Euch gestellt habt. Prinz Pi: „Das schwankt natürlich immer. Am Anfang war „Der Rand“ mein Lieblingssong, dann „Schwarz ist das neue Schwarz“, momentan gerade „Donnerwetter!“. Aber ich habe alle Songs auch schon mehrere hundert Mal gehört wie Du Dir denken kannst…“ Alex: Wie kann man sich den typischen Produktionsalltag des Duo’s Prinz Pi und Biztram vorstellen? Wie entstehen die meisten Songkonzepte? Prinz Pi: „Also oft kommt Biztram mit einer Beatskizze und ich denke mir dann ein Thema aus und schreibe einen Part. Dann gucken wir, ob es passt. Manchmal habe ich aber auch schon einen Text und frage Biztram, was ihm dazu einfällt. Dann mache ich meinen Text fertig, Biztram feilt den Beat weiter aus und wir gucken, wo wir noch am Beat und Text was ändern könnten. Dann streiten wir uns für gewöhnlich… aber am Ende ist es ganz großartig immer.“ <lacht> Alex: Kommen wir auch gleich zur Labelarbeit bei No Peanuts. Bei so vielen bekannten Gesichtern (Kick, Coes) herrscht vermutlich eine entspanntere Atmosphäre als bei einem Major Label… Prinz Pi: „Das stimmt. Wir kennen uns alle schon sehr lange und vertrauen uns. Es geht natürlich auch offener zu als bei einer so großen Firma, wir sitzen hier alle in einem kleinen Büro von morgens bis abends und arbeiten für No Peanuts.“ Alex: Die Frage, ob es für Dich reizvoll wäre, zu einem Major zu gehen, stellt sich wohl gar nicht, wenn Dir „Verkaufszahlen nicht so wichtig“ sind, oder hast Du schon einmal ernsthaft darüber nachgedacht?Prinz Pi: „Ich habe es mir mal überlegt. Aber ich verkaufe lieber ein paar Tausend independent mit meinen Jungs als 100.000 bei einem Major, dass mir meine Single aufdiktiert. Diese unpersönlichen und beliebigen Strukturen bei einem Major sind mir einfach fremd.“ Alex: Ich habe Dich auf dem diesjährigen Splash!-Festival in Chemnitz leider zweimal nur knapp verpasst. Wie hast Du selbst Deine Auftritte auf Mainstage und der MZEE Stage empfunden? Wie fandest Du das Programm/Line Up 2006 bzw. das Festival-Wochenende an sich? Prinz Pi: „Super – die Fans waren der Hammer. Auf der Mainstage war krass, ist natürlich eine riesige Bühne und sicher der Traum von jedem Rapper in Deutschland mal da oben zu stehen. Auf der MZEE Bühne war es aber noch krasser: Übelster Regen, und trotzdem sind alle geblieben und durchgedreht – das war schon Gänsehaut-Feeling und hat mich sehr gefreut. Das Line Up fand ich von den Amis her Trauer – Juelz ist nicht gekommen, Fat Joe hat Playback gerappt. Das ist doch wirklich enttäuschend. Der einzige Ami der gut war, war Keith Murray. Von den deutschen Acts hat mich absolut keiner interessiert bis auf Kollegah und meinem ehemaligen Crew-Member Kobra.“ Alex: Ich habe in anderen Interviews vernehmen können, dass Du große Menschenmassen meidest… Wie kommt das? Ist das problematisch für einen Künstler auf Live-Auftritten oder genügt Dir dieser „kleine private Raum“ auf der Bühne? Prinz Pi: „Ich mag es einfach nicht, wenn so viele Leute auf einem Platz sind, das beengt mich. Und seitdem mich Leute erkennen, ist mir das auch zusätzlich unangenehm.“ Alex: Du siehst Dich selbst nicht als Star… Falsche Bescheidenheit oder identifizierst Du Dich einfach weniger mit diesem Hype, der beispielsweise um die „ganz großen Namen im Rapbusiness“ geschieht? Prinz Pi: „Da hast du Recht, dieser Hype geht mir am Arsch vorbei. Ein Künstler ist ein Mensch wie jeder andere auch und ich finde nichts künstlicher, wenn sich irgendwelche dahergelaufenen Toys als Stars fühlen und meinen, alle müssten sie bedienen, nur weil sie ein paar Platten verkaufen. Ein Rapper hat in meinen Augen in den meisten Fällen weniger geleistet als jeder normale Arbeiter, die lassen sich doch auch nicht hofieren. Peinlich finde ich so was. Wie manche Möchtegern-Stars sich benehmen – ekelhaft. Das sind sicherlich Leute, die eine sehr schlechte bis keine Erziehung genossen haben.“ Alex: Du bezeichnest Dich selbst als „eher pessimistischen Typen“. Schmiedet man trotz einer solchen Einstellung Zukunftspläne oder gehst Du Deinen musikalischen Weg step by step ohne große Erwartungshaltung?Prinz Pi: „Wenn Leute unsere CDs kaufen, ist das cool. Wenn nicht, dann nicht. Ich mache die Musik nicht, weil ich mir davon verspreche ein Star zu werden, viel Geld zu verdienen oder sonst was. Viel Geld kann man mit anderen Jobs viel bequemer und sicherer verdienen und dieses Star-Ding liegt mir nicht. Ich freue mich einfach die Möglichkeit zu haben, Musik machen zu können und sie auf einem gewissen Level releasen zu können. Das verdanke ich meinen Partnern bei No Peanuts.“ Alex: Diese Einstellung ist ja mitunter ein Grund, dass Du Dich vorwiegend auf Deinen Job bei PornoGraphics und Dein Studium verlässt. Wie wird Dein Leben nach dem Abschluss an der Uni wohl aussehen? Hast Du Dir da schon Gedanken gemacht? Prinz Pi: „Mal sehen… wenn es geht, dann werden wir halt weiter No Peanuts machen, ich bin da der Art Director und mit etwas Glück kann ich meine Miete davon bezahlen.“ Alex: Ich finde diesen Punkt und den Begriff Work-a-holic sehr interessant, weil ich da gewisse Parallelen zu meiner Person sehe. Hast Du nicht auch manchmal das Gefühl, man könnte in manchen Bereichen bessere Arbeit ableisten, wenn man nicht so viele Dinge gleichzeitig erledigen müsste. Bei mir ist es immer so ein auf und ab der Gefühle zwischen erledigten Aufgaben und dem Drang, gleich wieder neue Projekte zu starten… Prinz Pi: „Das ist sicher richtig. Aber ich stecke eigentlich immer 100% in meine Projekte, weil ich Perfektionist bin. Ich würde mich nicht mit einem unfertigen Ding zufrieden geben. Manchmal wünschte ich, dass ich Projekte eher loslassen könnte, weil der Perfektionsgrad nur mein eigener, selbst gesteckter Maßstab ist.“ Alex: Dein Output scheint grenzenlos zu sein, da Du schon wieder am nächsten Album arbeitest… Es soll ja diesmal ein Feature-Album werden, so die Idee. Welche Künstler kommen Dir da spontan als erstes in den Sinn, also mit wem willst Du unbedingt zusammenarbeiten? Prinz Pi: „Da sind mir schon einige in den Sinn gekommen… Das bleibt aber vorerst noch geheim. Es sind aber ziemlich viele und auch wieder ungewohnte Zusammenarbeiten, soviel sei verraten.“ Alex: Soll also heißen, das Interesse wäre da, aber gibt es auch – speziell im Rap-Genre – Acts, die Du aufgrund deren Arbeit oder sei es nur Erscheinung/Auftreten in der Szene besonders respektierst? Prinz Pi: „Ja klar, das ist ohnehin so ein Trugschluss, alle Leute würden sich untereinander hassen. Wenn man sie persönlich trifft, dann sind die meisten nette und korrekte Leute. Ein paar finde ich von der Musik her halt Scheiße, aber nun ja, Geschmäcker sind bekanntlich verschieden. Musikalisch bewundere ich aus der deutschen Rapszene momentan Eko, Casper und Kollegah. Dann gefällt mir noch K.I.Z. sehr gut.“ Alex: Interessant fand ich Deine Aussage: „Rap ist alles andere als mein Traumberuf, es ist eher ein Zwang!“ Das ist ja quasi als Ohrfeige für den Großteil der Rapszene zu verstehen… Prinz Pi: „Nein, überhaupt nicht. Wieso auch? Das ist einzig und allein auf meine Person bezogen – ich mache das eben nicht, weil ich es cool finde oder ein Star werden will. Es ist für mich halt etwas, von dem ich nicht lassen kann, auch wenn ich will. Eine Sucht, ein Zwang eben.“ Alex: Bist Du der Ansicht, dass gerade in jüngster Zeit viele Newcomer den Erfolg arg erzwingen und sich ins Rampenlicht drängen?Prinz Pi: „Nein, Erfolg kann man nicht erzwingen. Aber es stimmt: Viele versuchen schon sich ins Rampenlicht zu drängen. Aber lass sie doch. Über ihren Erfolg entscheiden letztlich die Fans, die die CDs kaufen oder auch nicht.“ Alex: Die textlichen Inhalte anderer Rapper kritisierst Du ja ganz gerne… Kann man dieser empfundenen Langeweile tatsächlich nicht entgehen? Hörst Du denn viel Musik, die dieses Gefühl bestärkt bzw. hörst Du überhaupt Sachen von fremden Künstlern? Prinz Pi: „Man kann dieser Verblödung leider nicht entgehen. Ich höre mir schon manchmal Alben an, einfach um mir darüber eine Meinung zu bilden. Wenn mir jetzt jemand absolut nicht gefällt, muss ich ihn mir natürlich nicht anhören, aber ich kann trotzdem – und das kann jeder bezeugen, der die CD gehört hat - sagen, dass die neue Blumentopf CD schlecht ist und uninnovative Reime drauf hat. Ich will die damit nicht persönlich angreifen, ich kenne sie ja nicht mal. Aber die Musik finde ich einfach dumm. Genauso die neue Dendemann: Früher fand ich ihn cool. Heute finde ich es fremdschämesk, was soll ich dazu sagen. Solche CDs höre ich mir einmal an, einfach um zu wissen, wovon ich rede, dann fliegen sie in den Müll. Auf der anderen Seite gibt es auch Musik, von der ich total positiv überrascht bin. Bei mir sind z.B. Kollegah, Casper, Eko, They might be Giants, The Game momentan auf Heavy Rotation. Ich war – und werde es immer sein – ein Musikliebhaber und Fan. Ich liebe es Mucke zu hören. Kollegah und Eko höre ich beim Workout, Game bei der Arbeit. Musik gibt einem immer einen guten Flavour.“ Alex: Es wird in den Medien ja immer viel über Vorbildfunktionen geredet und viele Rapper müssen sich diesbezüglich rechtfertigen. Prinz Pi ist eher so etwas wie das positive Vorbild mit intelligenten Statements, die bei den Jugendlichen auch gehör finden. Warum denkst Du, glaubt man Deinen Worten eher als denen anderer und könnte man dies evtl. auch auf anderem Weg (z.B. Politik) nutzen? Prinz Pi: „Man sollte nicht seine künstlerische Popularität nutzen für politische Ideale, das ist ganz gefährlich. Guck dir Arnold Schwarzenegger an. Viele Amerikaner denken doch, wenn alles zu Ende geht und das Motherland bedroht ist, packt Arnie die Gatling über die Schulter, springt in eine F-22 und heizt rüber zu Osama und macht ihn dann Mann gegen Mann kalt. Das ist natürlich Schwachsinn. Ich glaube außerdem nicht, dass meine Worte mehr „Gewicht“ haben als die von anderen Rappern. Guck dir die ganzen Kids an, die mit Cordon Jacken und Diesel Saddler rumlaufen und Bushido nacheifern. Es gibt aber auf der Straße keine kleinen Prinz Pi’s in Cordjackets und Y-3 Sneakern.“ Alex: Prinz Pi, wahrlich die „größte Hoffnung des Landes für Rap mit Sinn und Verstand“… Besten Dank für dieses besondere Interview zu unserem Premium Special! Möchtest Du zum Schluss noch etwas loswerden? Prinz Pi: „Ich bedanke mich sehr für das Interview und hoffe es hat etwas Spaß gemacht beim Lesen. Wenn ihr wollt, hört euch mein Album an, ich denke es wird jedem Freund von guter Musik gefallen.“ Interview am 26.09.2006, Alexander Riede (Generation One)
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Prinz Pi
Alex: Wenn man die Arbeit an Deinem brandneuen Album „Donnerwetter!“ mit der Arbeit an den vorherigen Releases vergleicht, was hat sich konkret verändert, dass Du es voller Stolz als Dein „Chronic“ bezeichnest?
Alex: Die Frage, ob es für Dich reizvoll wäre, zu einem Major zu gehen, stellt sich wohl gar nicht, wenn Dir „Verkaufszahlen nicht so wichtig“ sind, oder hast Du schon einmal ernsthaft darüber nachgedacht?
Alex: Du bezeichnest Dich selbst als „eher pessimistischen Typen“. Schmiedet man trotz einer solchen Einstellung Zukunftspläne oder gehst Du Deinen musikalischen Weg step by step ohne große Erwartungshaltung?
Alex: Bist Du der Ansicht, dass gerade in jüngster Zeit viele Newcomer den Erfolg arg erzwingen und sich ins Rampenlicht drängen?



