Review | Kritik | Bewertung @ Generation One
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Artists - Interviews
Montag, 06. November 2006 um 10:35 Uhr
Megaloh
(November 2006)

Der Berliner Nowschool-Rapper Megaloh und Level Eight Hausproduzent KD-Supier sind derzeit „Reim Geschäftlich“ unterwegs und schlossen sich für ihr Album-/ Sampler-Projekt mit so einigen bekannten Namen der deutschen HipHop-Szene kurz. Von Samy Deluxe, Jonesmann und Sentino hin zu Frauenarzt, K.I.Z. und MC Bogy - ungewöhnlich, gewagt und doch scheint das Konzept voll und ganz aufzugehen! Mehr über diese 23 Tracks starke, vielseitige Scheibe berichten wir Euch in unserem Special. Alles „Reim Geschäftlich“ wohlgemerkt...

Christian: Für die Leute, die Dich noch nicht kennen, stell Dich doch bitte einmal vor.
Megaloh: „Für alle Leute die mich noch nicht kennen, dies ist eure letzte Chance! <lacht> Ich bin Megaloh a.k.a. Megaloco a.k.a. Mr. Mega, M zu dem E, Moabits Junge, der Hund, ya favourite rapper’s favourite rapper, der Chef, Berlins Hoffnung, der Fluss der Spree, Co-Labelinhaber von Level Eight Entertainment und die Zukunft des Deutsch Rap!“

Christian: Dein Künstlername leitet sich von dem Begriff „Megalomania“ ab, was auf Deutsch soviel wie „Größenwahn“ bedeutet. Weshalb diese Namensgebung?
Megaloh: „Naja, ich habe Ziele, die für manche vielleicht größenwahnsinnig wirken, weil sie meine Sicht nicht teilen können. Der Name steht dafür, dass ich Großes erreichen will im Leben.“

 Christian: Sprechen wir doch mal über Dein aktuelles Release. Was erwartet den Hörer auf „Reim Geschäftlich“?
Megaloh: „Auf „Reim Geschäftlich“ haben mein Produzent und Labelpartner KD-Supier und ich uns aus den unterschiedlichsten Camps und Crews die Besten an Bord geholt. Wir zeigen, dass die beste Art sein Geschäft zu machen die ist zusammenzuarbeiten. Die erfolgreichsten Unternehmen oder Organisationen funktionieren auch nur weil jeder seinen Platz einnimmt und alle gemeinsam an einem Strang ziehen. Beef ist schlecht fürs Bizness! Schau Dir die Rapper in Amiland an, wem hat denn da sein Beef langfristig gesehen wirklich gut getan? Egal. „Reim Geschäftlich“ ist eine Art Labelsampler und dient in erster Linie dem Ziel, die Produktionen von KD-Supier und Level Eight als Label zu etablieren. Gleichzeitig zeige ich auch, dass ich als Rapper flexibel und vielseitig bin. Es gibt verschiedene Themenbereiche unseres täglichen Lebens, Autopumper, Clubbanger und so weiter… und für jedes Gebiet haben wir uns den aus unserer Sicht bestgeeigneten Feature-Gast eingeladen. „Reim Geschäftlich“ sind knapp 80 Minuten geile, breite Mucke. Rausgehen und kaufen!“

Christian: Auf „Nie gesehen“ sagst Du „Deutscher Rap ist wie ein Buch, alle Seiten sind noch leer“ und schießt damit auf die komplette Szene. Was fehlt Deiner Meinung nach Rap in Deutschland?
Megaloh: „Also erstmal ist diese Zeile von Sprachtot <lacht>, aber es stimmt, wir denken da gleich. Was gemeint ist, ist dass wir in einer Zeit wirken dürfen, in der deutschsprachiger Rap immer noch vom Großteil der Bevölkerung ignoriert oder belächelt wird. Schau Dir allein diese Comedy Shows an, das Klischee von einem Rapper ist dieser hampelnde, fuchtelnde Yo-man Spast! Alter Rap ist Kultur, die Stimme der neuen Generationen. Wird Zeit, dass es in die Kultur eingeht, so wie in Frankreich oder U.S.A., aber dafür braucht es einfach Leute mit Herz und Eiern! Und ich mein damit nicht hart sein, sondern die Eier haben, was bewegen zu wollen, auch wenn kein anderer daran glaubt oder es grad nicht im Trend ist.“

Christian: Auf „Reim Geschäftlich“ übernahm KD-Supier die gesamte Produktionsarbeit. Wie würdest Du den Sound und die Arbeitsweise des Level Eight-Hausproduzenten beschreiben?
Megaloh: „Eine Legende rankt sich um die Entstehung seiner Beats. Es heißt, dass nachts, wenn alle andern schlafen, ein Geist in sein Zimmer kommt und ihm die Melodien ins Ohr flüstert. <lacht> Sehr mysteriös, das Ganze… Alles was ich weiß ist, dass die Beats sehr schnell entstehen und immer anders und fresh sind. Der Typ ist ein Genie, kauft seine Beats lieber jetzt, bevor er zu teuer für Euch wird.“ <lacht>

Christian: Ihr habt sowohl Major-Acts wie den Big Baus Of The Nauf und Jonesmann, aber gleichzeitig auch Berliner Untergrund-Ikonen wie Frauenarzt, Basstard und MC Bogy auf „Reim Geschäftlich“ zusammengepfercht. Wie verlief das Connecten mit den Artists bzw. die Produktion des Tonträgers?
Megaloh: „Mit allen außer Jonesmann, waren wir oder zumindest KD im Studio und haben zusammen aufgenommen. Zum Teil bei uns, zum Teil bei anderen im Studio. Mit Massiv und Basstard war ich bei Basstard aufnehmen. Samy hat seinen Part bei Djorkaeff one take eingespittet. Arzt hat ’ne halbe Stunde für schreiben und aufnehmen gebraucht. Vorkk kann seine Schallgeschwindigkeitsflows absolut perfekt sauber einrappen und doppeln. Alle haben ihre Sache wirklich sehr gut gemacht. Das Connecten beruht auf gegenseitigem Respekt und dem Gedanken, seine Musik nach vorne bringen zu wollen, eine Hand wäscht die andere, Reim geschäftlich.“

 Christian: Für Außenstehende macht es oft den Anschein, als würden sich die Berliner immer gegenseitig die Köpfe einschlagen. Du schaffst es aber, gleichzeitig auf Sentino’s aktuellem Album, dem Horrorcore Mixtape und Fler’s 90210-Mixtape zu sein. Scheinen sich mittlerweile die Bögen in Berlin etwas zu glätten oder war es schon immer so, nur dass die Non-Berliner da zuviel reininterpretieren?
Megaloh: „Es stimmt. In Berlin gibt oder gab es keine Einigkeit, dafür ist die Stadt einfach zu groß oder sind es die Egos? Der böse Geist des toten Führers? Auf jeden Fall gönnt hier keiner keinem was. Das gilt es zu ändern. Wir sind nur stark wenn wir zusammenhalten. Berlin ist nicht nur ein Hype, Berlin ist Macht! Hier steckt noch soviel Potenzial und Talent. Dieser ganze Frust der hier herrscht schafft gleichzeitig eine große kreative Energie. Jeder will aus seiner beschissenen Lebenssituation raus und es besser haben. Und die, die es nicht wollen, sagen auch nichts.“

Christian: Überzeugt hat mich besonders Fonz aus Frankreich auf „Pas de Garantie“. Viele Artists scheuen ja fremdsprachige Features auf ihren Releases. Denkst Du, deutscher Rap müsste globaler angegangen werden, um wirklich ernst genommen zu werden?
Megaloh: „Du sagst es. Rap kann es überall geben wo es Schmerz, Leid, Frust oder Unterdrückung gibt. In jedem ausgeübten Regierungssystem gibt es eine Form der Unterdrückung, zumindest nach der Scheuklappenmethode. Rap ist die Stimme der Freiheit. Die Stimme, die das anspricht was andere nicht können oder sich nicht trauen oder in ihrer engstirnigen Weltsicht so nicht sehen können. Und diese Stimme kennt nicht nur eine Sprache.“

Christian: In der Vergangenheit hast Du schon mehrmals mit Black Lion zusammengearbeitet, auf „Reim Geschäftlich“ ist dieser jetzt gleich zweimal vertreten. Hast Du eine besondere Verbindung zu dem gebürtigen Kameruner?
Megaloh: „Ja. Black Lion kenne ich jetzt schon fünf Jahre. Er gehört zum Kreis. Er bringt eine einzigartige Energie und ein besonderes Feeling für die Musik an den Tisch. Außerdem haben wir den gleichen Hunger. Wir müssen es schaffen, weißt Du? Für uns, für unsere Familien. Versagen ist keine Option. Black Lion ist mein Bruder, zieht Euch seine Parts auf dem Album rein, hört’s Euch mehrmals an und feiert den Jungen!“

 Christian: Auf „Wenig zu lachen“ machst Du deutlich, dass Dein Leben nicht leicht ist und Du viel mit Rassismus und Diskriminierung zu kämpfen hast. Strassen-/Ghettorap wird zurzeit gehyped wie sonst noch nie. Woran, denkst Du, liegt das?
Megaloh: „Naja, einmal natürlich daran, dass das gerade wieder der globale Trend in der Rapmusik ist, bzw. war. Zum anderen daran, dass wir uns wirklich von dieser Comedy-Identität à la Fanta 4, no disrespect, lösen müssen. Zeit für was echtes, was so hart ist wie das Leben was wir führen. Man sollte nicht vergessen, dass Rap auch einfach nur Ausdruck eigener Emotionen oder Verarbeitung von Erlebtem sein kann. Ist einfach nicht alles schön. O.k., Straßengeschichten werden auch glorifiziert, aber wer glorifiziert denn nicht. Die an der Macht machen es doch vor und die Medien, Filme etc. Wir wollen den Leuten mit unserer Musik Hoffnung machen.“

Christian: Blicken wir mal etwas in die Zukunft. Was können wir von Level Eight in nächster Zeit so erwarten?
Megaloh: „Unsere Aufgabe bzw. unser Ziel ist es die geilste Mucke zu machen und damit erfolgreich zu sein. Genau das werden wir auch in Zukunft tun. Als nächstes kommt das Kollabo-Album mit Sprachtot, eine Zusammenarbeit zwischen Level Eight und Unterdrukk Muzik. Ganz mächtige Sache, zieht Euch besser warm an! Und dann werde ich mich voll auf mein nächstes Soloalbum konzentrieren… Ach so, übrigens gibt es mein Debüt-Album „Im Game“ ab Dezember 06 als Special Edition mit Bonus-CD in limitierter Auflage im Handel. Inkl. 7 extra Tracks und zwei Videos. Rausgehen und kaufen!“

Christian: Was waren Deine bisher größten Erfolge und welche Ziele hast Du Dir für die nächsten Jahre gesetzt?
Megaloh: „Die größten Erfolge? Das ist schwierig, weil mir alles, was ich schaffe im Nachhinein als nicht so besonders erscheint. Ich schaue nach vorn und stecke meine Ziele hoch. Ich will ganz nach oben und allen, die mich von Anfang an in irgendeiner Form unterstützt haben etwas zurückgeben können. Vor allem meiner Familie!“

Christian: Das letzte Wort überlasse ich natürlich dir. Möchtest du unseren Lesern noch etwas mitteilen?
Megaloh: „Ich danke allen, die mich bisher unterstützt haben, in dem sie meine Scheiben gekauft haben. Wir machen diese Musik für euch und wir wollen, dass Ihr völlig zufrieden seid mit der Ware, die Ihr bekommt, denn dann sind auch wir völlig zufrieden. Das ist unser Leben, wer daran teilhaben will, ist herzlich eingeladen. Wer etwas aus seinem Leben machen will, kann sich hier inspirieren lassen. Wer einfach nur geile Mucke hören will, kommt auf seine Kosten. Alle anderen gehen mir am Arsch vorbei. An alle meine Fans, wir sehen uns auf dem nächsten Gig, one luv!“

Interview am 06.11.2006,
Christian "Monk.E" Wolking (Generation One)