Review | Kritik | Bewertung @ Generation One
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Artists - Interviews
Sonntag, 12. November 2006 um 10:38 Uhr
Manuellsen
(November 2006)

„Was nicht passt, wird passend gemacht.“. Vom German Dream über das „Hoodalbum“ bei Shrazy Records hin zu Deluxe Records mit „Insallah“, der Weg von Manuellsen scheint mehr zielstrebig als zufällig. Der Rapper aus Mühlheim vertritt wie seine neuen Labelkollegen Snaga & Pillath wohl am deutlichsten den neuen Pott. In unserem Interview sprachen wir mit Manuellsen über seine musikalischen Anfänge, die ewig währende Debatte Pop vs. HipHop und natürlich über „Insallah“. Checkt auch die Review zum lang erwarteten Debütalbum.

Alex: Wir haben uns ja auf dem Splash! 2006 kurz die Hand geschüttelt, sind aber leider nicht näher ins Gespräch gekommen. Wie hast Du die 3 Tage in Chemnitz und natürlich die Auftritte mit den Jungs von Deluxe Records erlebt?
Manuellsen: “Wir sind auf dem Splash! einfach durchgedreht! Wir haben an allen drei Tagen auf  jeder Bühne aufgeräumt mit Deluxe und das komplett! Der einzig nennenswerte Act neben Deluxe war Azad und der Rest hat mich einfach nicht besonders interessiert! Ganz normal!“

Alex: Bleiben wir gleich bei Deluxe... Zusammen mit Snaga & Pillath bildest Du die Speerspitze von Deluxe Records Ruhrpott. Wie kam der Kontakt zu Labelchef Samy konkret zustande? Wie hat sich dieser Deal ergeben?
Manuellsen: „Das war beim Bundesvision Song Contest 2005, als ich mit Sandy angetreten bin und Samy für Hamburg dort teilgenommen hat! Er fand meinen Auftritt gut und dann haben wir uns unterhalten. Daraufhin hat er  mich dann zu sich nach Hamburg eingeladen, um auf seinem Mixtape „Big Baus of the Nauf“ mitzumachen. Die Zusammenarbeit lief super und so ergab es sich, dass ich meine Sachen über Deluxe veröffentlichen konnte. That´s it!“

 Alex: Wenn man jetzt noch Ercandize vom Optik-Lager dazurechnet, dann kommt demnächst so einiges auf die Leute zu… Ihr repräsentiert ja definitiv die neue Generation des Ruhrpotts. Was denkst Du, hat sich im Vergleich zu den einstigen glorreichen Zeiten des Potts verändert? Führt Ihr vielleicht sogar gewisse Traditionen fort?
Manuellsen: „Ganz ehrlich, was oder wer damals war, interessiert mich eigentlich nicht. Für mich zählen nur Snaga, Pillath & Manuellsen , also Deluxe Records Ruhrpott und Ercandize macht auch sein Ding! Wir sind im hier und jetzt und mein Fokus liegt auf uns!“

Alex: Was jedem mit einem Ohr auf den Straßen schon längst klar sein sollte, kommt businesstechnisch erst so langsam aber nun doch recht gewaltig ins Rollen. Gehst Du fest von der Übernahme aus dem Revier aus?
Manuellsen: „Ganz Deutschland weiß was es ist!!! Aus dem Ruhrpott kommen zurzeit die besten Rapper und es kommen noch mehr, die zwar noch nicht so bekannt sind, denen allerdings die Zukunft gehört! Es stehen einige Releases aus dem Pott an und die werden den Hype, den Snaga, Pillath und ich aufgebaut haben, weiterführen! Der Ruhrpott wird bzw. ist schon eine Konkurrenz für jede andere Stadt! Ganz normal!!“

Alex: In einem gehörigen Großteil Deiner Raptexte - sei es nun auf dem „Hoodalbum“ oder dem neuen Werk „Insallah“ - gibst Du dieses Lebensgefühl Deiner Gegend – Deiner Hood – wieder. Was hat Dich in der Vergangenheit besonders geprägt und sorgt auch heute noch für diese innere Verbundenheit?
Manuellsen: „Meine Heimatstadt ist mein ?Down to Earth“. Hier lieben alle das normale kleine Leben, leben in keiner Traumwelt und sind sehr ehrlich! Die Menschen hier sind einfach Pott. Authentische einfache Menschen, von denen die meisten jeden Tag kämpfen müssen! Das ist auch der Grund warum unsere Musik so bodenständig ist, denn so sind wir alle! Selbst wenn wir manchmal auf die Kacke hauen, kommen wir Ende des Tages nach Hause und wissen & sehen was wirklich abgeht!“

Alex: Du verwendest wie andere Acts aus Deiner Gegend gerne die (teilweise modifizierte) Ruhrpott-Floskel schlechthin: „Was nicht passt, das wird passend gemacht!“. Ist das quasi als eine Art Mentalität zu verstehen, dass man hier straight seinen Weg geht und ebenso Hürden überspringen kann?
Manuellsen: „Absolut! Wenn Du ein Pott-Typ bist, dann gibt es ?gibt´s nicht“ nicht! Alles geht... alles muss! Wenn Du was willst, dann mach es!“

Alex: „Im Gegensatz zu vielen Freunden“ hast Du bereits in frühen Jahren „auch immer noch die Musik als Weg aus der von Hartz IV geprägten Hood“ gesehen. Wie bist Du zum ersten Mal derartig mit Musik in Berührung gekommen, dass Du Dir überlegt hast, selbst etwas in diese Richtung zu machen?
Manuellsen: „Ich weiß gar nicht, wann ich genau angefangen habe, aber mein Leben war von Anfang komplett auf Musik eingestellt und verbunden. Es wurde mit der Zeit halt immer professioneller! Genaue Zeitpunkte kann ich da nicht nennen, weil es keinen gibt!“

 Alex: Was viele vielleicht nicht wussten, Du hattest bereits mit gerade einmal 17 Jahren in Holland den ersten Plattendeal als Ghostwriter für diverse R&B-Künstler in der Tasche. Wie war diese Zeit für Dich?
Manuellsen: „In dieser Zeit habe ich die wichtigen Grundlagen für meine angehende Karriere gelernt. Professionelle Produktionen und Einblicke in das Musikgeschäft!! Zum ersten Mal habe ich dort professionelle Studioarbeit durchgezogen. Wie? Was? Wo? Alle Fragen & Abläufe rund ums Musikbiz wurden damals gecheckt! Insgesamt eine sehr sehr wichtige Zeit, die mich krass geprägt hat! Eine gute Schule! So simple!“

Alex: Du sprichst insgesamt 5 Sprachen (deutsch, englisch, holländisch, türkisch und arabisch). Ist das besonders hilfreich im Musikgeschäft, aber auch im Leben?
Manuellsen: „Im Leben auf jeden Fall , im Musikgeschäft nicht wirklich.“

Alex: Es existieren also kaum sprachliche Barrieren… Musikalisch betrachtet scheint das auch der Fall zu sein, denn Du wirkst weit weniger „Genre-verbissen“ als andere Rapper. Wie hast Du die Reaktionen auf den gemeinsamen Auftritt mit (Ex-No Angel) Sandy beim Bundesvision Song Contest 2005 empfunden?
Manuellsen: „Also, ich habe keine Disstracks von Rappern gehört, weil die genau wissen, dass Manuellsen genau das ist. Kein Schubladentyp, sondern ein gottverdammter Mann! Leute, die Manuellsen hören, wissen ich mache was will und tue was ich will und sie fühlen meinen Shit!!! Ich habe, musikalisch gesehen, keine Grenzen!“

Alex: Was hältst Du generell von der HipHop-Szene? Zeigt man derzeit mehr Experimentierfreude oder herrschen immer noch eingefahrene Muster? Was würdest Du ändern, vorausgesetzt es stört Dich etwas? Ich meine, hast Du ein Auge darauf, was um Dich herum so geschieht?
Manuellsen: „Ganz ehrlich. Ich beschäftige mich mäßig mit der deutschen Popszene. HipHop hat einen großen Entertainment-Faktor. Die Leute geben sich Mühe, gute Videos zumachen bzw. gut im Video rüber zu kommen. Das war lange nicht so, was ein bisschen abtörnend war! Was mich allerdings richtig abtört ist, dass sehr viele neue Rapper, die jetzt kommen, ihr Handwerk nicht können noch verstehen. Sie hoffen auf irgendeinen blöden Hype und können aber weder rappen noch texten. Das ist so als ob ein Typ in der ersten Bundesliga aufgestellt wird, nur weil er  trainiert aussieht! Dabei weiß er gerade mal wie ein Ball aussieht. Sonst wird ist alles cool, die Produktionen werden besser!“

 Alex: Hat man als „Newcomer“ im Bereich Deutschrap bereits die realistische Aussicht auf Existenzsicherung? Um konkreter zu werden, wo würdest Du Deinen bisherigen Erfolg einordnen und wo soll Dein Weg nach der VÖ von „Insallah“ und auch zukünftig hinführen?
Manuellsen: „Man muss es letztendlich so sehen: Wer arbeitet, verdient Geld!! That´s it!“

Alex: „Insallah“ bedeutet „Wenn Gott es will“ und Du bezeichnest Dich eher als gläubig denn religiös. Der inhaltliche Fokus des Albums liegt zwar auch zum Teil auf dem Glauben an Veränderung, egal in welcher Hinsicht, aber doch sehr auf True Stories. Wie viel Herzblut und Arbeit steckt in dem Longplayer? Es soll ja laut Eigenaussage „definitiv einen Abschnitt [Deines] Lebens repräsentieren“…
Manuellsen: „Es ist schon nicht wirklich ein Abschnitt meines Lebens, sondern vielmehr mein Debüt und meine Vorstellung. Alles was Manuellsen ist, denkt und fühlt ist Insallah! Es war eine Notwendigkeit für mich, meiner Seele hier freien Lauf zu lassen und das hat mir absolute Zufriedenheit gebracht. Unabhängig vom Erfolg oder Reaktionen. So Gott will, wird es ein Erfolg! Ich glaube...“

Alex: Jetzt kommt eine dieser unweigerlichen aber für viele sehr wichtigen Fragen nach den Leuten (Produzenten, Features) mit denen Du auf „Insallah“ zusammengearbeitet hast. Erkläre uns doch bitte kurz Deine Auswahl.
Manuellsen: „Also Fab Rider ist Teil von Shrazy Records, das Label bei dem ich vorher war, und ein verdammt guter Produzent. Mit ihm arbeite ich ständig an irgendwelchen Sachen, schließlich ist es der Pott! So auch mit Young Cas! Durch Deluxe  und meinem ständigen Aufenthalt in Hamburg hab´ ich  die Produzenten Monroe und phreQuincy kennen gelernt. Die beide auch verantwortlich sind für meine Singles! So auch mit M3 & Noyd. Don Tone ist eh ein Homie. Valezka ist eine gute Freundin von mir! Zu Snaga, Pillath , Illo und Samy muss ich nicht viel sagen! Es ergab sich im Laufe der Zeit, dass wir ein verdammt gutes Album zusammengestellt haben. Der Rest ist History!“

Alex: Ok, damit wären wir schon am Ende des Interviews angelangt. Danke, dass Du Dir für uns Zeit genommen hast, ich wünsche Dir noch das Beste für die Zukunft. Dein Abschluss-Statement?
Manuellsen: „Danke für Euren Support! Kauft Snaga & Pillath´s „Eine Frage der Ehre“, mein Album „Insallah“ und checkt unseren neuen Shit... It´s Deluxe, baby!“

Interview am 12.11.2006,
Alexander Riede (Generation One)