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Donato & Inferno79 (Dezember 2006)
Die beiden Dortmunder Rapper Donato und Inferno79, die durch ihre letzten Soloveröffentlichungen schon auf viel positives Feedback in der Szene stießen, taten sich dieses Jahr zusammen um an dem Kollaboalbum „Mond-Licht-Schatten“ zu arbeiten. Wie es zu dieser Zusammenarbeit kam, was die beiden selbst alles zu diesem ausdrucksstarken Album zu sagen haben und wie wir „Mond-Licht-Schatten“ finden, könnt Ihr in diesem Special nachlesen.
Murray: Hallo! Erstmal Glückwunsch zu Eurem Album! Für alle die Euch trotz der letzten Releases (Inferno79 - EP "Stimme der Stadt", Donato – Album „Damals wie heute“) noch nicht kennen, stellt Euch doch bitte vor…
Donato: „Ich bin Donato aus Dortmund und habe, wie Du ja schon sagtest, 2005 ein Album namens „Damals wie heute“ rausgebracht. Außerdem war ich auf Releases von mnemonic, Roey Marquis II, Lunafrow und einigen anderen Leuten beteiligt.“
Inferno79: „Mein Name ist Inferno79 und ich komme ebenfalls wie Donato aus Dortmund. Musikalisch habe ich mit Leuten wie Der Lange, Selfmade Records, Ercandize und Too Strong zusammengearbeitet.“
Murray: Welches Feedback bekamt Ihr auf Eure letzten Werke und wie haben diese Eure Arbeit an „Mond-Licht-Schatten“ beeinflusst?
Donato: „Das Feedback war eigentlich durchgehend positiv. Negative Rückmeldungen kamen eigentlich nur von Leuten, die sich das Album gar nicht angehört haben und sich durch Downloadtracks oder Snippets eine Meinung gebildet haben. Die Reaktionen auf meine letzten Sachen haben mich nicht beeinflusst, zumindest bilde ich mir das ein. Außerdem ist ein Kollabo-Album eine andere Geschichte als eine Solo-LP und erfordert aus meiner Sicht eine andere Herangehensweise, da die Verantwortung auf zwei Leute verteilt ist.“
Inferno79: „Es gibt viele Leute, die auf einen zukommen und Dir Liebe für das geben, was Du musikalisch geschaffen hast, was einen im Endeffekt sehr aufbaut und stolz macht. Auf der anderen Seite gibt es Leute, die mit den ganzen Sachen nicht klar kommen und es auch nicht gut finden, weil sie es für sich persönlich nicht ansprechend finden. Mit diesen Reaktionen muss man rechnen und auch in gewisser Form klarkommen. Ich denke, meine letzten Werke hatten keinen großen Einfluss auf das Album „Mond-Licht-Schatten“. Das sind halt Momentaufnahmen gewesen, mit denen man irgendwie abgeschlossen hat. „Mond-Licht-Schatten“ ist ein ganz neuer Abschnitt, der für sich alleine steht, ganz unabhängig von der Vergangenheit. Natürlich versucht jeder von uns, sich weiter zu entwickeln - egal in welche Richtung - und ich hoffe, dass es auf unserem gemeinsamen Album auch zu hören ist.“
Murray: Ihr habt Euch im Rahmen der Albumproduktion von Donato kennen gelernt. Nachdem Ihr Kontakt zueinander hattet, wie kamt Ihr zu der Idee zusammen ein Album aufzunehmen?
Donato: „Naja, zunächst war nur ein Track geplant, aber als wir den dann fertig hatten, hat uns das Ding so gut gefallen, dass wir einfach mehr zusammen machen wollten. Es war auf menschlicher Basis auch sofort richtig cool, also stimmten die Rahmenbedingungen für ein größeres Ding. Wir haben dann also die Idee gehabt, eine EP raus zu bringen, und da wir so viel zu erzählen hatten, haben wir gleich ein Album daraus gemacht.“
Murray: Was haben die Wörter Mond-Licht-Schatten, also der Albumtitel, konkret mit dem Album zu tun?Donato: „Das kann man auf unendlich verschiedene Art und Weisen interpretieren. Denke ich an Mond, Licht und Schatten, schießt mir eine bestimmte Tageszeit in den Kopf, die durch ihr Wesen ihre ganz eigene Atmosphäre versprüht. Hört man dann unser Album, entsteht so ein merkwürdiges, schönes, trauriges, melancholisches Gefühl… und ich genieße es.“
Inferno79: „Der Mond drückt das Düstere aus, Licht erzeugt Wärme, steht z.B. für Geborgenheit, der Schatten steht für einen lichtlosen Raum, könnte man auch als eine auswegslose Situation sehen, in der sich jeder von uns schon mal befunden hat. Wir können mit diesen Worten sehr viele Emotionen und Gedanken verbinden. Am wichtigsten finde ich, dass jeder für sich seine eigene Interpretation dazu findet.“
Murray: Die Beats wurden von Blazin Hand, Screwaholic und Ill-Luzion beigesteuert. Hattet Ihr ein Konzept nach dem Ihr die Beats gepickt habt?
Donato: „Nein. In erster Linie war es wichtig, dass die Sachen bei uns Emotionen freisetzen und uns zum Schreiben animieren. Wir haben für das Album wirklich sehr viele Beats gehört, um ein möglichst gutes Ergebnis zu erreichen, und ich denke, dass uns das auch gelungen ist. An dieser Stelle will ich auch den Producern des Albums danken, die uns völlig unkompliziert und immer wieder Beats gegeben haben, ohne die „Mond-Licht-Schatten“ nicht das wäre, was es heute ist. Vielen Dank Jungs!“
Murray: Beschreibt doch bitte einmal Eure Arbeitsweise. Von der Idee zum fertigen Text…
Donato: „Es läuft eigentlich immer darauf hinaus, dass der Beat die Richtung vorgibt. Welche Beats wir picken, hängt wiederum davon ab, in welcher Stimmung wir derzeit sind. Wir können keine Tracks über lachende Kinder auf dem Spielplatz machen, wenn wir sauer oder traurig sind. Jedenfalls bedienen wir uns aus einem Beatpool, den wir zusammengestellt haben, und jeder schaut erst mal, was er damit anfangen kann. Kommt jemandem von uns eine Idee, fängt er an, zu schreiben, und zeigt es dem anderen dann. Der steigt drauf ein oder auch nicht. Bei uns war alles easy, weil wir einen ähnlichen Geschmack und ähnliche Gefühlswelten haben, sonst wäre „Mond-Licht-Schatten“ in der Form wohl auch nie raus gekommen.“
Murray: Welche Musik inspiriert Euch privat?
Donato: „Inspirieren? Schwer zu sagen. Ich kann nur sagen, was ich im Moment gerne höre, und das hat eher weniger mit Rap zu tun. Ganz groß ist bei mir momentan Nada Surf, Kent, Tomte und so ein Zeug, also eher melancholische Gitarrenmusik mit guten Texten.“
Inferno79: „In erster Linie lasse ich mich von der Welt, meiner Umgebung und meinen Gefühlen inspirieren. Natürlich höre ich gerne und oft Musik, aber das hat wie bei Donato selten was mit Rap zu tun, weil ich im Moment vieles nicht fühlen kann. Privat läuft bei mir im CD-Player Isaac Hayes, Katie Melua, Corinna Bailey Rae, Norah Jones und Erykah Badu.“
Murray: „Mond-Licht-Schatten“ ist sehr stimmungsvoll und eher weniger geeignet es mal nebenbei laufen zu lassen. Welche Emotionen wollt Ihr bei den Hörern des Albums auslösen?Donato: „Ich wäre schon zufrieden, wenn es bei den Leuten überhaupt Emotionen weckt – ganz gleich, welche das sind. Das würde nämlich bedeuten, dass sie sich mit dem Album beschäftigt haben. Wir haben nicht versucht, bestimmte Emotionen bei den Leuten hervorzuzaubern, sondern uns von unseren Emotionen leiten lassen. Jeder, der sich mit diesem Album identifiziert, kann also ähnliche Gefühle verspüren, die auch wir empfunden haben, als wir das Ding gemacht haben.“
Inferno79: „Sehen wir das als einen kleinen emotionalen Einblick in unser Leben. Ich denke, Mond-Licht-Schatten ist ein sehr persönliches und privates Album, wobei wir in erster Linie im Vordergrund stehen. Ich habe bei der Entstehung des Albums nicht an die Reaktion der Zuhörer gedacht, vielmehr an mein eigenes Empfinden und wenn die Welt damit was anfangen kann, bin ich zufrieden.“
Murray: Um zusammen ein Kollabo-Album aufzunehmen, muss sicher schon vor der Arbeit daran ein großes Vertrauen zwischen Euch geherrscht haben. Wie hat sich das Verhältnis von Euch beiden mit der Arbeit an den emotionalen Tracks weiter entwickelt?
Donato: „Man kommt sich schon näher während so einer Zusammenarbeit, zumal die Sachen, wie Du ja schon sagtest, sehr emotional und teilweise entblößend sind. Man muss aber das Vertrauen aufbauen, um auf dieser Ebene zusammen arbeiten zu können, denn sonst wäre es wohl nur möglich, ein inhaltsleeres Album zu machen. Das wird man von uns aber nie zu hören bekommen, und da wir uns ja nun schon besser kennen und schätzen gelernt haben, kommt da ja vielleicht auch irgendwann noch was hinterher.“
Murray: Im Ruhrgebiet scheint man sich zurzeit viel zu pushen und nach älteren Künstlern wie Too Strong oder RAG gibt es eine Reihe neuer Leute die gerade sehr am kommen sind. Wie würdet Ihr Eure Stellung in der Szene dort beschreiben? Wie ist der Kontakt zu anderen Künstlern?
Donato: „Unsere Stellung? Keine Ahnung, das kann ich nicht beurteilen. Kontakt zu anderen Künstlern ist vorhanden, aber nicht übermäßig und auch nicht unbedingt zu denen, die in den Medien stattfinden. Zumindest noch nicht oder besser gesagt bald wieder.“
Murray: In Eurem Pressetext ist davon die Rede, dass Ihr nicht perfekt seid, wie es natürlich keiner ist. Mich würde interessieren was Perfektionismus für Euch bezogen auf das Künstlerdasein bedeutet? Ich meine damit Dinge wie die Arbeitsmoral, oder den Einfluss den Ihr auf Eure Tracks haben wollt.
Donato: „Wir haben größtmöglichen Einfluss auf unsere Tracks, auch wenn manche Dinge von Produzenten abhängen, die ja die Basis für unsere Texte liefern. Perfektes Künstlerdasein würde für mich bedeuten, dass man richtig gute Alben macht, die man sich in 10 Jahren noch anhören kann, dass man live richtig gut ist und dass man auch enorm viele Alben und Tickets verkaufen kann. Sprich: Alles zusammen ist verdammt selten zu finden, erst recht im Rap, wie ich finde.“
Murray: Authentizität wird bei Euch ebenso groß geschrieben. Inwieweit sind die Texte die Ihr schreibt wirklich authentisch, im Sinne von direkt aus Eurem Leben gegriffen. Ich meine, kennt man Euch wenn man „Mond-Licht-Schatten“ kennt ein gutes Stück besser?Donato: „Denke ich schon. Natürlich zeigt das Album nur einen kleinen Teil von uns, aber man kriegt schon etwas von uns mit, klar.“
Inferno79: „Bei mir ist es so, dass ich die Musik als Ventil benutze, um mich frei zu machen, um irgendwelche Situationen zu verarbeiten, oder was auch immer. Aus diesem Grund kann ich sagen, dass Authentizität bei mir sehr groß geschrieben wird. Sagen wir mal: „Hätte ich als Mensch kein Empfinden, hätte ich keinen Stoff für meine Texte.“. Meistens versuche ich meine Gefühle krasser auszudrücken, z.B. „Ich habe mich innerlich gefreut, meine Ziele brechen zusammen und nageln mich ans Kreuz!“. Ich hätte auch sagen können: „Ich habe versagt und mir geht’s beschissen.“, aber das hätte für mich keinen starken bildlichen Effekt und keine Finesse.“
Murray: Mit Kopfhörer-Recordings habt Ihr, wie ich finde, genau das passende Label gefunden. Wie kam der Kontakt zu Fiva & Radrum zustande?
Donato: „Über mnemonic. Er hat Radrum erzählt, dass ich und Inferno an einem Album arbeiten, und Radrum wollte es sich dann gerne mal anhören. Das hat ihm halt so gut gefallen, dass er es letztlich raus gebracht hat. Danke dafür!“
Murray: Werdet Ihr weitere Soloproduktionen auch über Kopfhörer-Recordings raus bringen?
Donato: „Wenn ich darf? <lacht> Im Ernst: Wenn ich etwas ausbrüte, ist Kopfhörer mein erster Ansprechpartner, denn ich mag das Label und kann mich mit ihm total identifizieren. Ob das letztlich dann alles zustande kommt, wird man dann sehen, wenn es soweit ist.“
Inferno79: „Da kann ich mich nur anschließen!“
Murray: Danke für das Interview! Wollt Ihr unseren Lesern noch etwas mitteilen?
Donato: „Supported gute Musik, supportet Kopfhörer Recordings und deren Artists. Und Euch danke für das Interview!“
Inferno79: „Ein frohes Fest und einen guten Rutsch ins neue Jahr!“
Interview am 20.12.2006,
Murray Schell (Generation One)
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