Review, Test, Kritik @ Generation One
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Gerard MC (Juli 2007)
Gerard MC, seines Zeichens österreichischer Rap-Newcomer, bewegt sich derzeit zwischen zunehmendem Hype und anhaltender Skepsis, ob der große musikalische Durchbruch noch folgen könnte. Mit dem Debütalbum „Rising Sun“ beweist er schon einmal viel Talent und konnte auch auf dem Splash! 2007 die HipHop-Fans von seinem Können überzeugen. Wir befragten den Jungspund nach seinen bisherigen Erfahrungen und Zukunftsaussichten im Musikgeschäft.
Alex: Ein herzliches Grüß Gott an Gerard MC, wie geht es Dir und wie hast Du Deinen Auftritt und das gesamte Splash! Festival 2007 erlebt?
Gerard MC: „Poah also ganz ehrlich… ich kann mich nur an Bruchstücke erinnern. Aber das ist ja bekanntlich das beste Zeichen dafür, dass es eine geile Party war. <lacht> Die Show selbst war meiner Meinung nach sehr cool. Ich spürte zwar ein bisschen das Feiern von Freitag Abend, aber ich war extrem überrascht wie cool das alles abging. Und ich hab echt nicht wenig Leute mitrappen gesehen… das war so der über flash.“
Alex: Wenn Du Dein Album „Rising Sun“ in einigen Worten beschreiben müsstest, was würdest Du sagen, um dafür Werbung zu machen?
Gerard MC: „Musik mit Worten beschreiben ist ja schon mal extrem schwer... am besten wäre, man checkt einfach das Snippet auf gerardmc.at und das ist dann auch schon die beste Werbung, denke ich.“ <lächelt>
Alex: Wenn man Parallelen zu Chakuza zieht, dann stellt sich die Frage, warum Du gerade auf die einheimische Szene setzt und nicht einen ähnlichen Weg wählst?
Gerard MC: „Naja… also zuerst mal hab ich ja zurzeit noch gar nicht die Chance auf den anderen Weg. Ist ja nicht so, dass mich Bushido in Linz gefragt hätte ‚Gerard wie sieht’s aus? Ersguterjunge? Goldene an die Wand? Charts? Geld? Frauen?’ und ich so ‚Nein danke, ich setz auf die einheimische Szene.’ ‚Chakuza wie sieht’s mit Dir aus?’. <lacht> Ich mache halt jetzt einfach mal meine Musik und hoffe, dass sie irgendwie Gehör findet. Ob das jetzt in Österreich oder Deutschland oder sonst wo ist, ist ja eigentlich auch ganz egal. Es läuft gerade ja auch sehr cool, von daher denk ich mir leise, dass es so wohl eh der richtige Weg ist.“
Alex: Wie würdest Du selbst Deinen bisherigen Erfolg im Musikbusiness einschätzen?Gerard MC: „Eigentlich gar nicht so groß. <lacht> In Österreich ist das ganze HipHop Ding halt auch echt nicht groß. Kein Vergleich zu Deutschland. Erst grad eben am Splash! hab ich gemerkt, dass es ja tatsächlich Leute gibt, die mich und meine Musik kennen. Da haben mich dann echt Leute erstaunt angeschaut und meinten ‚Alta? Warum bist Du aufm Campingplatz?’.“ <lächelt>
Alex: Wohin soll der Weg noch führen? Wo siehst Du Dich in sagen wir mal 5-10 Jahren?
Gerard MC: „Also mein 5 Jahresplan: Wir richten uns jetzt grad ein cooles studio ein, ich stock mein Equipment auf und will auch endlich anfangen, Beats zu machen. Dann wird sich auch ans neue Album gesetzt. Der Optimalzustand in 5 Jahren wäre dann: Ich hab ein neues Hammer Album, ausschließlich mit Hammer Beats von mir und in meinem eigenen Studio aufgenommen. Und in 10 Jahren gibt’s dann die „10 Jahre Gerard MC Show am Splash!“. <lacht> Aber mal schauen… erstens kommt es immer anders und zweitens als man denkt. Du weißt.“
Alex: Wie schätzt Du einen möglichen HipHop-Boom in Österreich ein, verglichen mit den Nachbarländern Schweiz und Deutschland?
Gerard MC: „Da ist die Chance auf jeden Fall Null. Doppel Null. Was aber nicht an der fehlenden Qualität der österreichischen Szene liegt, sondern einfach daran, dass einheimische Musik in Österreich nicht funktioniert. Außer Christl und Ötzi. Die Medien supporten das halt auch nicht. Irgendwo happert’s da auf jeden Fall.“
Alex: Wie kommst Du so zu Recht im Musikbusiness? Der Track „Ich wünscht“ sagt ja schon viel in diese Richtung aus…
Gerard MC: „Ja es ist halt echt manchmal sehr sehr Nerven zerrend. Aber ich bin grade eben echt euphorisch noch vom Splash!, von daher mag ich jetzt auch nicht zu viel schimpfen. Da gab’s nämlich keine Getränkemarken! Nein… soviel Wodka Redbull wie Du willst! Paradies!!!“
Alex: Du sprichst in erstaunlich vielen Passagen von den ein oder anderen Hatern… Hattest Du in der Vergangenheit viel damit zu kämpfen?
Gerard MC: „Klar… und jetzt in der Gegenwart erst. <lacht> Nein. Mittlerweile ist mir das herzlich egal. Aber weißt Du ich bin ein Mensch der so im normalen Leben echt nicht viele Feinde hat. Ich kann schon behaupten, dass ich mit verhältnismäßig vielen Leuten sehr gut klar komme. Und als das dann mit der Musik los ging liest Du dann in Foren und Gästebüchern etc. Scheiße über Dich. Das war natürlich erstmal ein Schock für mich. Zu der Hater Thematik gibt’s übrigens eine interessante Geschichte... ich hab auf irgendeiner Jam vor 2 Jahren einen Typen kennen gelernt und wir trinken Bier und alles witzig, und der wusste halt nicht, dass ich Gerard bin und dann ging’s halt um HipHop und er ‚Also dieser Gerard is halt echt ein arroganter Arsch.’ und ich so ‚Wie kommst Du auf das, schon mal mit ihm zu tun gehabt?’ und er so ‚Jep.’. <lacht> Naja… ich hab ihm dann gesagt, dass ich das bin und es war ihm sichtlich peinlich und unangenehm und weißt Du was er original gesagt hat nachher? ‚Nein also sorry, aber weißt Du ich hab das einfach mal angenommen... auch wegen Gerard - das klingt so französisch arrogant’.“
Alex: Ist es dann eine Art Genugtuung, endlich verbal mit den „Snobs“ der Vergangenheit abzurechnen?
Gerard MC: „Das sind ja die ganz speziellen... diese Schickimicki Teens die hasse ich echt wie die Pest. Die hassten mich auch immer. Die haben den Türstehern so Geld zugesteckt damit er keine Prolls wie mich und meine Leute in den Club lässt, wo die drinnen sind. Und dann kommen ausgerechnet diese Vollidioten jetzt in meiner Heimatstadt auf mich zu und geben mir Propz und alles. Igitt. Daher diese Nummer… warum glaubt Ihr, dass sich irgendwas geändert hat? Aber die sind eh zu blöd, der Marc, den ich da ja sogar namentlich anspreche ist trotzdem vor 3 Wochen wieder zu mir und lobte das Album und wollt mich auf ne Nase Koks in irgendeinem scheiß Geld-Klub einladen.“ <lacht>
Alex: In welchem Moment Deines Lebens bist Du auf die Idee zu dem genialen „Zwiespalt“-Track „Dorn“ gekommen?
Gerard MC: „Den findest Du genial? Das ist so witzig… da scheiden sich die Geister. Die Hälfte der Leute findet den total scheiße und die andere findet ihn geil. Ich hab aber ehrlich gesagt keine Ahnung mehr, was genau der Auslöser für den Track war. Ich wollte wahrscheinlich einfach nicht doubletime auf dem doubletime Beat rappen und dachte mir, wenn ich schon nicht durch Technik überzeugen kann, dann vielleicht durch die Thematik.“
Alex: Hinter der „Privaten Party“ mit Gimma steckt ja eine lustige Entstehungsgeschichte. Wie kam diese Kollabo zustande?Gerard MC: „Da waren wir beide auf nem Festival in der Schweiz und um 4 Uhr früh, sturzbetrunken haben wir uns gedacht ‚Komm, jetzt gehen wir noch mal auf die Bühne und freestylen’... das Festival war aber schon seit 2 stunden aus und alles abgebaut. Wir wollten uns aber von nichts und niemanden stoppen lassen und sind einfach ins Tontechniker-Zelt eingebrochen und wollten zu zweit einfach mal eben die paar Anlagen wieder aufbauen. <lacht> Naja, ein paar von der Security konnten uns dann aber doch stoppen. Aber apropos… ein Spruch in Österreich, der geht so: ‚Solange Du liegen kannst ohne Dich festhalten zu müssen, bist Du noch nicht betrunken.’ Die Leute checken das nämlich in der Hook nicht... das wollte ich gesagt haben!“
Alex: Einige Deiner Tracks auf „Rising Sun“ fallen durch sehr persönliche Texte auf. Bist Du einfach ein guter Storyteller oder gibst Du dem Hörer schon einen gewissen Teil Deiner Seele preis?
Gerard MC: „Ich sag auf diese Frage immer gern, dass das alles erfunden ist, weil ich einfach nicht will, dass fremde Leute soviel über mich wissen. Das ist halt ein bisschen als ob Dir jemand eine Seite aus Deinem Tagebuch reißt und mal eben tausend mal verteilt. Aber es ist ok. Fluch und Segen. Einerseits freut es Dich extrem, wenn Du hörst dass dieser und jener Song den Leuten geholfen hat, anderseits ist es strange wenn Du von Fremden gefragt wirst ob Du mit dem Tod einer Freundin mittlerweile klar kommst.“
Alex: Auf dem Titeltrack zu „Rising Sun“ rappst Du „Ob es chartet geht mir vollkommen am Arsch vorbei…“. Welche Erwartungen setzt Du trotzdem in das Album?
Gerard MC: „Also mit dem Album ist grad eh sehr viel passiert von daher bin ich jetzt mal zufrieden… ich weiß noch keine Verkaufszahlen aber ich hoffe, dass der ein oder andere in mich investiert und mich so supportet! Es würde mich auf jeden Fall freuen, wenn ich sehen würde, dass da auch was ging.“
Alex: Siehst Du Deine Zukunft in der Musik oder baust Du darauf nur als zweites Standbein neben einem „normalen“ Beruf?
Gerard MC: „Zweites Standbein auf jeden Fall. Hab auch gestern mit dem Pal darüber gequatscht, da der ja auch gekündigt hat, aber der riet mir da auf jeden Fall ab. Von daher...“
Alex: Vielen Dank für das Interview. Ich wünsche Dir auch weiterhin viel Erfolg! Deine abschließenden Worte?
Gerard MC: „Ich bedanke mich bei Euch für den Support! Hört doch bitte einfach mal rein ins Album und wenn’s gefällt, seid so gut und holt Euch das Teil. Amazon.de.“
Interview am 10.07.2007,
Alexander Riede (Generation One)
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