Review, Test, Kritik @ Generation One
| Stories - Konzertberichte |
Splash! Festival 200706. bis 08. Juli 2007
Halbinsel Pouch (Leipzig)
Festival Perspektive: Bastian und Alex
Lange hat es gedauert, lange haben tausende von HipHop-Fans gezittert, bis es endgültig war: Das Splash! 2007 findet statt, zumal es gleichzeitig das 10-jährige Jubiläum ist! Voraus- gegangen waren etliche Splash!-Festivals, die von heftigen Regenfällen heimgesucht wurden und sprichwörtlich im Wasser standen. Die Besucher blieben aus oder reisten vorzeitig ab. So folgten unzählige Spendenaufrufe seitens der Veranstalter und bange Monate des Wartens.
Auch in unserer Redaktion wurde bis zuletzt mitgefiebert und uns fiel ein Stein vom Herzen, als es amtlich war. Denn das Splash! gehört seit mittlerweile 10 Jahren zum HipHop wie das Amen in der Kirche. Allerdings fand das Splash!-Jubiläum diesmal nicht – wie in den letzten neun Jahren – in Chemnitz am Oberstaussee Rabenstein statt, sondern ein Umzug kündigte sich an. Ort des Geschehens war diesmal die Halbinsel Pouch in der Nähe von Leipzig. Zudem wurde das Ganze noch um einen Monat nach vorne verschoben, um sicher zu gehen, nicht noch einmal in eine desaströse Wetterkapriole zu geraten. Außerdem bereitete uns das großartige Line-Up bereits im Vorfeld eine wahre Vorfreude. So kündigten sich Künstler wie Snoop Dogg, Redman, Talib Kweli, Dilated Peoples, The Roots, Kool Savas und Spezializtz an. Die Vorbereitungen in unserer Redaktion liefen da natürlich auf Hochtouren. Jeder machte sich so seine Gedanken, was uns heuer erwarten würde.
Unser Chefredakteur Alex war letztes Jahr schon vor Ort unterwegs und berichtete uns ausführlich (siehe auch Splash! Bericht 2006). Darüber hinaus haben wir auch Interviews mit Künstlern klargemacht. So sollten Gerard MC, Separate sowie Snaga & Pillath zu unseren Fragen Rede und Antwort stehen. Die Tage schwanden und plötzlich war er da, der 5. Juli 2007, der Tag unserer Abreise. Bevor wir allerdings die Reise nach Pouch antraten, stand uns noch ein Großeinkauf in einem weltbekannten Supermarkt namens Metro bevor. Um für ein 5-tägiges Campingabenteuer gewappnet zu sein, fanden so Dinge wie eine große Palette Dosenbier, unzählige Konserven à la Ravioli, jede Menge Toastbrot und Schnaps den Weg in unseren Einkaufswagen. Da der Wetterbericht sich anscheinend nicht entscheiden konnte, ob es nun regnerisch oder sonnig werden sollte, lief unser Alex noch schnell in den Baumarkt nebenan und kaufte sich ein paar Gummistiefel, um auch bei Regenwetter eine gute Figur zu machen. Ein kurzer Besuch an der Tankstelle, um nicht auf halber Strecke liegen zu bleiben und die Mission Splash! 2007 konnte losgehen. In entspannter Atmosphäre und gut gelaunt flogen Deutschlands Metropolen wie Weiden und Hof an uns vorbei. Nebenbei lief Snaga & Pillath’s „Aus Liebe zum Spiel“ und Separate’s „Ein guter Tag zum Sterben“ im CD-Player und wir klärten letzte Details unserer spannenden Interview-Fragen. Nach einer kleinen Pinkelpause kurz nach Hof setzten wir unsere Odyssee fort. Nach nochmals eineinhalb Stunden Fahrt und einem 5-minütigem Monsuneinbruch, der uns ein Tempo von 30 km/h auf der linken Spur ermöglichte, erblickten wir am Horizont die Ausfahrt Bitterfeld. Wir haben es fast geschafft! Die letzten 20 Minuten verflogen dann wie im Flug und wir erreichten das Provinzstädtchen Bitterfeld. Von dort aus war es nur noch ein Katzensprung bis nach Pouch. Allerdings haben wir nicht damit gerechnet, dass bereits am Donnerstagnachmittag ein derart großer Ansturm auf das Festivalgelände herrschte.
So mussten wir einen 30-minütigen Stau noch in Kauf nehmen, bis wir endlich unsere VIP-Bändchen in Empfang nehmen konnten. Dieses Privileg ermöglichte es uns, an all den wartenden HipHop-Liebhabern mit Unmengen Gepäck im Schlepptau vorbei zu düsen, um auf den extra ausgewiesenen VIP-Campingplatz zu fahren. Unsere Laune stieg ins Unermessliche. Was unseren Gemütszustand leider etwas trübte, war der etwas zu starke Wind, der uns vom See her direkt ins Gesicht geblasen hatte. Somit waren wir doch etwas länger damit beschäftigt, die Heringe unseres komfortablen 2-Mann Zeltes im sandigen Erdboden zu verankern. Aber auch diese Hürde nahmen wir mit Humor und ließen es uns nicht nehmen, unsere Campingstühle aufzustellen und erstmal gemütlich eine 1Liter Dose Bier zu öffnen. Kurze Zeit später bekamen wir dann auch Nachbarn auf dem bis dato noch sehr mager belegtem Camping-Areal. Auch sie hatten Probleme, ihren Pavillon bei derart monströsen Windböen aufzustellen und so boten wir unsere Hilfe an. Diese kam so gut an, dass wir anschließend auf ein köstliches Barbecue ihrerseits eingeladen wurden. Wie sich herausstellte, kamen unsere Nachbarn aus dem östlichen Raum Deutschlands, genauer gesagt aus Chemnitz.
Nachdem auch letzte Sprachbarrieren aus dem Weg geräumt wurden, stand einem gemütlichen Abend mit jeder Menge Bier nichts mehr im Wege. Zu später Stunde wurden wir dann durch einen ohrenbetäubenden Lärm etwas hellhörig. Wurde denn schon am Donnerstagabend auf dem Festivalgelände performt? Nein… Aber in Anbetracht der Tatsache, dass die Spezializtz in Kürze ihr Album releasen werden, gaben sie eine Kostprobe schon einen Tag vorher vom Dach ihres Busses zum Besten. Das kam natürlich an beim Publikum. Werbung hat bekanntlich ja noch nie geschadet. Und so ging der erste Tag Splash! auch zu Ende. Leider war die Nacht sehr kurz, da wir bereits vom ersten Tageslicht geweckt wurden. So nutzten wir die Zeit, um auch die sanitären Anlagen mal genauer unter die Lupe zu nehmen. Sehr positiv sahen wir der Tatsache entgegen, dass sogar die Möglichkeit bestand, die morgendliche Körperpflege in einer der zahlreich vorhandenen Duschcontainer zu tätigen. Nicht selbstverständlich, zumal diese auch noch kostenlos zur Verfügung gestellt wurden. Nach dem Frühstück, welches aus einer Fischkonserve und ein paar Scheiben Toastbrot bestand, machten wir uns auf, um uns mal auf dem Innengelände umzusehen. Dort wurde natürlich im Hochbetrieb gearbeitet, denn bis zum Startschuss waren es nur noch wenige Stunden. Der Rückweg führte uns schließlich ins Pressezelt, um uns unseren Fotopass abzuholen, der es uns ermöglichen sollte, bis vor die Bühne zu kommen und ein paar Schnappschüsse von unseren Stars machen zu können. Doch dort folgte die für uns große Ernüchterung. Zum einen wurde der Fotopass abgeschafft, es gab 5-6 feste Fotografen, die die Fotos für alle zugänglich machten. Die extra für diesen Zweck angeeignete Digitalkamera wurde somit hinfällig. Zum anderen gab es auch keinen extra für Journalisten ausgewiesenen Bereich vor der Bühne mehr. Zu guter Letzt wurde uns auch noch der Zutritt in den Backstage Bereich untersagt. So wurden wir aus den Träumen gerissen, mit den ganz großen der HipHop-Szene abzuhängen oder ein spontanes Interview zu führen.
Sichtlich niedergeschlagen zogen wir uns wieder auf unseren Campingplatz zurück und machten unseren Frust mit ein paar Bierchen weg. So verpassten wir dann den Beginn des 10. Splash!-Festivals und fanden uns dann erst zu Kool Savas’ Auftritt auf dem Innengelände ein. In der Zwischenzeit rockten Dendemann und die Spezializtz die Crowd. Aber der King of Rap ließ uns unseren Gemütszustand vergessen und sorgte mit seinen Klassikern wie „LMS“, „Optik Anthem“ oder „Der beste Tag deines Lebens“ für beste Stimmung. Aber das Sahnehäubchen sollte noch kommen: Snoop Dogg. Leider hatte dieser es nicht so mit der Pünktlichkeit und ließ uns mitsamt dem Publikum eine Stunde warten. Dieses reagierte mit einem lauten Pfeifkonzert und ließ seinem Unmut freien Lauf. Auch der zwischenzeitlich auf die Bühne kommende Dr. Knarf konnte mit seinem Kurzauftritt daran nichts ändern.
Um 1.15 Uhr Ortszeit war es dann soweit. Die Westcoast-Legende betrat die Bühne und spätestens nach dem ersten Track verzieh ihm auch der Letzte seine Unpünktlichkeit, denn Snoop heizte der Crowd in seiner knapp einstündigen Show mächtig ein. Er gedachte seinem verstorbenen Homie Tupac, lobte die Qualität des deutschen Marihuanas und entschuldigte sich für sein Zuspätkommen. Nebenbei droppte er noch seine alten Hits wie „Fuck The Police“, „Gin & Juice“, „Nuthin’ But A G Thang“, „Snoop Upside Ya Head“ sowie „What’s My Name?“ und spielte auch neue Tracks wie „Drop It Like It’s Hot“, „I Wanna Fuck U“ und „That’s That Shit“. Ein unvergesslicher Auftritt. Am nächsten Morgen blieb uns die nächste Katastrophe nicht erspart. Der alltäglich vorherrschende Wind war so stark, dass er unser Zelt erheblich beschädigte und den Pavillon unserer Nachbarn komplett zerstörte. Somit entschlossen wir uns spontan, die Heimreise anzutreten. Schade eigentlich. Auf ein Neues im Jahr 2008!
Festival Perspektive: ArnoGuten Morgen Splash! Guten Morgen Muskelkater! Guten Morgen Kopfschmerz! ...aber wen interessieren diese kleinen Problemchen mit EMC, Dende, Savas, La Familia, Redman, Cunninlynguists in bester Erinnerung und trotzdem darf ich mich auf kommende Highlights freuen! Der Wettergott hat sich entschieden, den Streit mit seiner alten Freundin der Sonne beizulegen und das hebt die großartige Stimmung weiter. Schon vor dem dritten Tag muss ich sagen, dieses Splash! entschädigt für vieles, was in den vergangenen Jahren misslungen war. Das LineUp ist ausgeglichen und sowohl Backpacker-, als auch Atzenfraktion kommen voll auf ihre Kosten. Durch das neue Gelände werden die Campingplätze auseinander gezerrt und der Stress deutlich reduziert. Insgesamt könnte man sagen, das Splash! hat sich gesund geschrumpft. Sogar die Securities sind von gewaltbereiten Rausschmeissmaschinen zu kooperativen Helfern mutiert. Einzig die Preise für alles waren und bleiben eine Unverschämtheit und die Dusch- und Toilettensituation könnte man etwas verbessern, indem man einfach noch mal irgendwo ein paar Container aufstellt.
Besser ausgerüstet denn je ist auch am dritten Tag Essen und Alkohol jeder Sorte im Überfluss vorhanden und begleitet von der grausig schlechten Musik die man an jeder Zelt-Ecke geschenkt bekommt und die immer für ein Lachen gut ist verfliegt die Wartezeit. Es stellt sich trotzdem die Frage, wieso sich Menschen die Mühe machen, ihren Sound auf Regionalliganiveau auf Hunderte oder Tausende Tonträger zu pressen und auf dem kompletten Gelände zu verteilen. Nicht nur dass diese Verhurung von Musik den Künstler und sein Produkt entwertet, irgendwie müsste es doch auch entmutigend sein, wenn der halbe Zeltplatz über einen lacht. Nun ja, irgendwo muss das viele offenbar übrige Geld ja untergebracht werden. Um drei geht’s aufs Gelände, wo Megaloh und Sprachtot erfolgreich die ersten Ohrenschmerzen verursachen. Auch die momentan über alle Maßen gefeierten K.I.Z. können mich nicht überzeugen, die Fanbase vor der Bühne ist da – offensichtlich – anderer Meinung, und wie Eingangs schon gesagt, das schöne an diesem Splash!-Festival ist, dass wirklich jede Sparte ausreichend bedient wird. Diese Erfahrung der anderen Art fordert bei uns ihren Tribut in Form einer dringend notwendigen Weinflasche, die sogleich geholt wird. Hier muss eine weitere Neuerung des Splash! erwähnt werden, die bitte nie wieder abgeschafft werden soll: Man darf Getränke in Plastikbechern mit aufs Gelände nehmen! Der Absturz und ich sage vielen Dank liebe Veranstalter!
Nächster Pflichttermin vor der Mainstage ist das Stones Throw Showcase. Peanut Butter Wolf, J-Rocc, Percee P, Aloe, Blacc & Guilty Simpson zeigen allen Kritikern, dass HipHop nicht tot ist, sondern auf ein ganz anderes Level gehoben werden kann. Genossen wird dieses Gourmetmusikmenü natürlich und leider nur von einer handvoll Die-Hard-Fans, aber die kommen dafür voll auf ihre Kosten. Hier wird zwischen Boom-Bap und Synth-Wahnsinn alles geboten. Eine unglaubliche Bandbreite. Die Dilated Peoples bekommen von mir nur eine kurze Chance, die sie leider ungenutzt verstreichen lassen (Laaaaangweilig!), denn RJD2 ist mit Band da und heizt einem fast vollen Grenada Tent ein. Der Meister selbst springt zwischen Gitarre, Keys und Turntables hin und her, spielt ungefähr jeden Hit, den er jemals produziert hat und bringt die Menge zum Pogen, Tanzen, Kopfnicken und Stagediven.
Dem geneigten Hörer bleiben keine fünf Minuten Verschnaufpause. Freunde anweisen, mehr Alkohol mitzubringen und dann stehen Snaga und Pillath auf dem Programm. Die beiden reißen das Samoa Zelt und mein Trommelfell fast nieder, schaffen es aber trotzdem nicht, mich zu überzeugen. Das macht aber gar nichts aus, denn schließlich sind ja auch noch The Roots auf der Mainstage und sind – wie man das von den Roots gewohnt ist – in Bestform. Sie jammen sich durch ihre neue Scheibe und ihre alten Hits, bis kein Bein mehr ruhig am Boden stehen bleibt. Das Finale des Splash! 2007 ist eine Show von Freundeskreis. Vor dieser Show ist die Aufregung im Publikum deutlich zu Spüren. Ich selbst bin ebenfalls äußerst nervös. Einerseits ist da die Reunion und die komplett verrückte und gleichzeitig großartige Idee der Splash!-Veranstalter, Freundeskreis zum zehnjährigen Bestehen einzuladen. Auf der anderen Seite ist da dieses Best-Of-Album, dass man von einer Band, die zwei Alben (auch wenn die voller Hits sind, bleiben es eben NUR zwei Alben) gemacht hat und seit der Jahrtausendwende quasi verschwunden war und der ganzen Angelegenheit den schalen Beigeschmack der kommerziellen Ausschlachtung gibt.
Auch das Konzerterlebnis selbst bleibt für mich ein zweischneidiges Schwert. Natürlich ist es Klasse, die ganzen Songs erstmals seit 1999 (Chiemsee Reggae Summer) wieder live zu erleben, aber bei einem gemeinsamen Song wirkt Afrob – zur Unterstützung auf der Bühne – motivierter als Max und Joy ist stimmlich und optisch zwar die Bombe, aber es kommt stark durch, dass sie sich dessen auch äußerst bewusst ist. Den Zauber von damals können sie nur dann erreichen, wenn man die Augen schließt. La Familia waren da am Samstag deutlich sympathischer und näher am Publikum. Status heißt nicht, dass es die Leute vor der Bühne geschenkt gibt und die Zugabe bestärkt den Eindruck, dass sich Max & Joy Denalane hier in erster Linie selbst genießen. Nichtsdestotrotz machen die Lieder Spaß, aber es fällt auf, dass die Crowd nach der Zugabe sehr schnell in Richtung Zeltplatz verschwindet. Nein... nicht die ganze Crowd. Ein Teil geht zurück ins Samoa Zelt, wo Snaga & Pillath – man hört das bis in die letzte Ecke des Campingplatzes – ein weiteres mal alles in näherer Umgebung in Brand stecken.
Apropos in Brand stecken: Die befürchtete Armee von Neros bleibt aus und so entstehen nur einige der obligatorischen Festivalzeltplatzbrände und auch insgesamt ist die gesamte Stimmung äußerst entspannt. Der nächste Morgen steht ganz im Zeichen der neuen Krise zwischen dem Wettergott und der Sonne. Es regnet in Strömen und so fällt das Aufstehen weniger schwer. Heimfahrt. Abschließend bleibt wenig, was nicht Anfangs schon gesagt wurde. Um es im aktuellen Rapslang zu sagen: Das Splash! ist back! Die gelungene Kombination aus Formationen der unterschiedlichsten Rapsparten und dem neuen Gelände hat viel Spaß gemacht und man kann sich wieder auf das Splash! freuen. Auch dass der Termin von August auf Juli verlegt wurde soll unbedingt beibehalten werden, weil das die Finanzen für August erfreulich entlastet.Lediglich in Sachen kleinerer Rap-Acts für Nachmittag enttäuschte mich das Splash! auch dieses Jahr. Hier wäre mehr Experimentierfreude gefragt. Es gibt wirklich jede Menge guter, motivierter kleinerer Rap-Acts, die sicher auch gerne auf dem Splash! spielen. Acts wie Manuellsen, Jaysus, Pal One, Der schöne Ralf, Casper usw. klingen irgendwie doch alle gleich und da wären ein paar innovativere, vielleicht auch weniger bekannte, aber deshalb in Sachen Qualität den anderen in Nichts nachstehende Bands, die das Programm möglicherweise aufwerten. In diesem Sinne, wir sehen uns 2008!
Exklusive Berichterstattung,
Bastian Weickert und Arno Papenheim (Generation One)
| Weiter > |
|---|







