Review | Kritik | Bewertung @ Generation One
|
|
| Artists - Interviews | |||
| Mittwoch, 08. August 2007 um 10:48 Uhr | |||
Separate (August 2007) „Ein guter Tag zum Sterben“ scheint es dann doch nicht zu werden. Und das ist auch gut so, denn das neue Album des ganz normalen Jungen Separate hatte mit dem Release zum diesjährigen Splash! einen erfolgreichen Start. Im Interview sprach der Mainzer Rapper mit uns über seine musikalische Karriere, die Arbeit am Album und das, was die Zukunft noch so für ihn bereithalten soll. Rap mal von seiner ehrlichen Seite. Alex: Auf dem Splash! Festival 2007 konnte man Dich auf der Vulcano Mainstage live erleben. Wie hast Du den eigenen Auftritt empfunden? Zufrieden mit der Crowd? Separate: „Auf jeden Fall. Für mich ist es auch nicht alltäglich auf der Hauptbühne vom Splash! zu spielen, um genau zu sein war das das erste Mal. Aber mir hat es sehr gut gefallen und man hat ja gesehen, den Leuten auch.“ Alex: Verglichen mit dem Vorjahr… MZEE Stage, anderer Festivalstandort, usw. Was hat sich verändert – außer dem offensichtlichen: einem neuen Album? Separate: „Also ich finde den Standort jetzt ehrlich gesagt wesentlich besser, weil alles viel übersichtlicher ist und nicht so leicht ausarten kann wie das noch in Chemnitz der Fall war. Ich fand allgemein dass das Splash! dieses Jahr sehr gut organisiert war, deshalb von hier aus auch nochmal großen Respekt und Dank an die Veranstalter. Ansonsten ist halt mein neues Album draußen, und der beste Newcomer Deutschlands - Vega - wird bald ein Mixtape mit dem Namen „Lieber bleib ich broke“ veröffentlichen was einige Ärsche aufreißen wird.“ <lacht> Alex: Welche Acts hast Du Dir dieses Jahr aus persönlichem Interesse reingezogen?Separate: „Ich hab mir Casper angeguckt. Ich hab nach wie vor natürlich ein Bedürfnis zu sehen, was er so macht und ich fands auf jeden Fall gut auch wenn in der Crowd leider sehr wenig los war. Dann hab ich K.I.Z gesehen, bei denen war eigentlich das gleiche Problem wie bei Cas. Snoop konnte ich nicht sehen weil ich zu spät war und Redman interessiert mich nicht sonderlich. Und natürlich die Show von meinem Freund Olli Banjo hab ich mir angeschaut, da hatte ich ja auch nicht ’nen kleinen Gastauftritt.“ Alex: Dein brandneues Album „Ein guter Tag zum Sterben“ wurde pünktlich zum Splash! Wochenende veröffentlicht. Wie war das erste Feedback auf das neue Material? Separate: „Das Feedback war auf jeden Fall extrem positiv. Ich glaube auch dass es den Leuten langsam auf den Sack geht, immer diese Gangster und Gangbanger Scheiße zu hören, da dass mittlerweile halt jeder Vollpfosten macht und nicht nur die, denen das ernsthaft zusteht Gangsta Rap zu machen. Deswegen haben die Leute vielleicht auch auf etwas gewartet wie “EGTZS“ auf dem jemand aus dem echten Leben erzählt und nicht aus „Boyz in the Hood“.“ Alex: Produziert wurde das Album ausschließlich von Monroe. Warum diese Einschränkung auf nur einen Produzenten, mal ganz ungeachtet dessen, dass Monroe selbstverständlich zu den Besten seines Fachs gehört? Separate: „Weil ich einfach an so ein Album nur den besten ranlassen will und das ist nun mal meiner Meinung nach Monroe. Wir sitzen stundenlang bei ihm und denken nach, was man alles machen kann um ein unfassbares Album zu machen. Bei 12 Produzenten müsstest Du da ne Telefonkonferenz starten. Außerdem habe ich nicht nach Monroe gesucht oder so was, wir sind uns halt über den Weg gelaufen und haben uns so gut verstanden, dass die Idee halt aufgekommen ist. Allerdings hätte er auch komplett unbekannt sein können, wenn er mir die gleichen Beats vorgespielt hätte, hätte ich ihm auch als No Name gesagt, wir machen ein Album wenn du willst.“ Alex: Wie sah die Arbeit am Albumkonzept aus? Wer steuerte die Entstehung mehr? Monroe mit seinen Beats oder Du mit Deinen Textideen? Separate: „Ich denke das geht 50/50. Auf jeden Fall nimmt Monroe sehr viel Einfluss auf die Songs, vor allem beim Aufnehmen hat er mir oft Tipps zu Dingen gegeben, die ich nicht mehr objektiv betrachten kann, da ich manche Sachen einfach schon zu oft gemacht habe und alles aus einer gewissen Routine kommt. Ich hab da auch meistens versucht auf ihn zu hören.“ <lacht> Alex: Die erste Singleauskopplung „Ein ganz normaler Junge“ kann man symbolisch für Dein Standing innerhalb der HipHop-Szene sehen. Du entziehst Dich also gerne irgendwelchen Imagezwängen, wenn man das so sagen darf?Separate: „Ganz normaler Junge ist in dem Fall ja dann auch quasi ein Image, deswegen kann ich mich dem natürlich nicht entziehen. Es war mir einfach wichtig für die Kids ein Zeichen zu geben, die mittlerweile denken es ist notwendig auf hart zu machen etc. Ich wollte damit nur sagen dass man sich nicht zu verstecken braucht, egal wer oder was man ist. Das man zu sich selbst stehen soll und etwas Gutes tun, anstatt alles nur schlecht zu machen. Das man immer an sich glaubt, auch wenn man sich gerade nicht als etwas besonderes fühlt und abgeturnt ist. Am Ende vom Tag ist jeder ein ganz normaler Junge.“ Alex: Für das entsprechende Video stand mit Oliver Korittke auch einer meiner persönlichen Lieblingsschauspieler vor der Kamera. Wie kam es dazu und was verdammt noch mal muss passieren, damit das Ding auch endlich auf den Musiksendern im TV heiß läuft. Genügend Potential dafür schreibe ich dem Track zu! Separate: „Das habe ich auch gedacht, aber die Herren bei Viva und MTV sehen das halt anders. Ich hab auch schon die Phase, in der ich mich ernsthaft darüber geärgert habe hinter mir. Die spielen meine Sachen halt nicht und damit fertig. Aber das war eh nie der Grund, warum ich Musik gemacht habe und deshalb soll es mir auch auf eine gewisse Art und Weise egal sein, auch wenn es natürlich schon eine ziemliche Respektlosigkeit ist, da ich ja nicht erst ein Video eingereicht habe und die bei MTV ja auch wissen, was ich alles gemacht habe. Aber wie gesagt: MTV wird bald noch ein Video von uns geschickt bekommen zu „Wunderschöner Tag“, vielleicht kann sie das ja dann überzeugen...“ Alex: Auf dem Song „Meskalin“ rappst Du: „Ich krieg das JUICE Cover nicht, doch auf der Straße viel Liebe.“. Du scheinst jedoch, wie man Deinen Aussagen in besagtem Magazin entnehmen kann, alleine damit nicht mehr zufrieden zu sein. Welche Ziele hast Du für die Zukunft? Separate: „Die JUICE hat mich immer unterstützt. Von allen Medien immer am meisten in ganz Deutschland, deswegen bin ich immer down mit denen. Ich hatte einfach das Gefühl, mit diesem Album das JUICE Cover verdient zu haben aber wusste auch immer, dass es nicht klappen wird, da in meinem Zeitraum 50 releasen sollte, der dann verschoben wurde und dadurch T.I. aufs Cover kam. Das ist ok. Ich sags wie Zidan: „Ich liebe die JUICE und die JUICE liebt mich“. Haha, alles cool. In der Zukunft hoffe ich in erster Linie, dass die Menschen in meinem Umfeld gesund und glücklich bleiben. Meine Familie und Freunde. Wenn das eintrifft bin ich schon der zufriedenste Mensch der Welt.“ Alex: Worst case: Das Album bringt nicht den erhofften Erfolg. Du sprichst in diesem Zusammenhang davon, das Mic an den Nagel zu hängen. Warum stellst Du Dir selbst dieses Ultimatum? Separate: „Naja, es war ja glücklicherweise für Indie Verhältnisse erfolgreich. Sowieso geplant war noch ein Mixtape aus der „Die Jagd auf den König“ Reihe von mir zu releasen. Mal sehen was danach passiert. Ich will, dass Rap wieder etwas Wichtiges für die Jugend wird und nicht einfach nur asozial ist. Und da mich so Sachen in letzter Zeit sehr genervt hatten, habe ich mir irgendwann auch die Frage gestellt, wie wichtig jemand wie für die Szene ist, oder ob ich nicht doch nur einfach die zweite Geige spiele in einem Orchester, dem keiner mehr zuhört. Ich bin mir immer noch nicht sicher was passieren wird, aber ich sag Dir ganz ehrlich, ich hab auch meine Probleme damit bekannt zu sein. Ich werde halt ziemlich oft auf der Strasse angesprochen und Leute sagen mir die verrücktesten Sachen. Ich hab also wirklich ganz beängstigende Separate Stans getroffen, was mir oft aber eher unangenehm ist, da ich mich nicht als was anders als mein gegenüber sehe.“ Alex: Okay, sprechen wir nicht länger von Misserfolgen aber von dem was sein könnte. „Ein guter Tag zum Sterben“ schlägt ein wie eine Bombe und Du gehst den nächsten Step in Deiner Karriere. Was würde sich dann an Deinem Lifestyle verändern? Separate: „Nicht viel denke ich. Ich würde meinen Eltern viel Geld abgeben. An materiellen Dingen muss ich ehrlich sagen, bin ich wirklich zufrieden mit dem was ich habe...“ Alex: Zusammen mit Samy lässt Du auf „2 Perspektiven“ die vergangenen HipHop-Zeiten der Neunziger Revue passieren. War damals tatsächlich alles besser weil einfacher und überschaubarer oder kannst Du der aktuellen Szene auch etwas Positives abgewinnen?Separate: „Klar. Es gibt echt geile Rapper in Deutschland, keine Frage. Neben Vega gibt es da einen anderen Newcomern der heißt Haftbefehl. Üba3ba baut den grade auf. Das ist ein unfassbar guter Rapper. Snaga & Pillath sind auch Hammer. Es gibt viele gute Rapper, aber es fehlt der Zusammenhalt der früher da war.“ Alex: An zahlreichen Stellen von „Ein guter Tag zum Sterben“ werden endlich mal Props an andere deutschsprachige Rapper verteilt. Mangelt es Deiner Meinung nach allgemein an Respekt innerhalb der HipHop-Szene? Separate: „Ja wie eben schon gesagt, das ist auf jeden Fall ein Problem. Und es ist sehr traurig, denn Du kannst nur Respekt bekommen, wenn Du Respekt geben kannst und das macht die ganze Sache zu einem Teufelskreis. Früher hieß es wir als HipHopper gegen den Rest und heute bekriegen wir uns gegenseitig und die deutsche Medienlandschaft schlachtet das aus und lässt uns wie die letzten Deppen dastehen.“ Alex: Du hast insgesamt auf diesem Album mehr Wert auf hörbare Emotionen als auf Raptechnik gelegt. Wie kommt es? Separate: „Ich bin ein emotionaler Typ und bei Musik sind das wichtigste die Emotionen. Du hörst in meiner Stimme dass ich die Wahrheit sage, da gibt es nicht viele. Mir war es einfach wichtig, die Emotion der Musik auf den kompletten Song zu übertragen.“ Alex: Zum Abschluss des Interviews möchte ich dieses Mal ein paar Worte an die Leser richten: Bitte rennt in den Laden und kauft die Platte, denn was wäre HipHop in Deutschland ohne von Grund auf ehrliche Rapper wie Separate?! Vielen Dank. Separate: „Das ist ein sehr gutes Schlusswort. Vielen Dank für das Interview.“ Interview am 08.08.2007, Alexander Riede (Generation One)
|


Separate
Alex: Welche Acts hast Du Dir dieses Jahr aus persönlichem Interesse reingezogen?
Alex: Die erste Singleauskopplung „Ein ganz normaler Junge“ kann man symbolisch für Dein Standing innerhalb der HipHop-Szene sehen. Du entziehst Dich also gerne irgendwelchen Imagezwängen, wenn man das so sagen darf?
Alex: Zusammen mit Samy lässt Du auf „2 Perspektiven“ die vergangenen HipHop-Zeiten der Neunziger Revue passieren. War damals tatsächlich alles besser weil einfacher und überschaubarer oder kannst Du der aktuellen Szene auch etwas Positives abgewinnen?



