Review | Kritik | Bewertung @ Generation One
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| Artists - Interviews | |||
| Montag, 10. Dezember 2007 um 10:50 Uhr | |||
Team Avantgarde (Dezember 2007) Das Berliner Team Avantgarde gehört zur aussterbenden Rasse der Individualisten. Fest verwurzelt im Untergrund der Hauptstadt und verbunden mit dem Royal Bunker steht das Duo seit mehreren Jahren für ihren relativ elektronischen, melancholischen Sound mit außergewöhnlich starken Songstrukturen und souligen Großstadtemotionen. Wir befragten die beiden zu MySpace, so genannten Gangstern im Rapgeschäft und die mit Werteverfall einhergehende Kommerzialisierung der Musik. Christian: Stellt Euch zu Anfang doch bitte einmal kurz für die Leserschaft vor. Phase: „Ich bin Phase alias Psychosomatik 9.3.0, Edit Entertainment Künstler, Team Avantgarde und Cryptonasen.“ Zenit: „Ich bin Zenit und Produzent, mittlerweile mit leichtem Hang zum Minimalismus. So sehr ich warme, dicke Drums liebe, so versuche ich mich bei der Produktion von Instrumentals immer mehr davon zu verabschieden. Seit 1998 habe ich einen Sampler im Studio stehen, der auch nach wie vor noch exzessiv genutzt wird.“ Christian: Vor einigen Wochen habt Ihr das „Absolut“-Album released. Wie würdet Ihr den Sound auf dem Silberling beschreiben? Phase: „Ich würde sagen, dass unser Sound sehr organisch und warm ist, dabei einen sehr eigenen Flavour hat und sich nicht davor ziert, neue Wege zu beschreiten. Wir sind keine Leute, die einem Amisound nacheifern, sondern wollen einen eigenen, teilweise auch ein wenig psychedelischen Style zelebrieren, den „Team Avantgarde-Style“. Unsere Lieder sind ehrlich!“ Zenit: „Grooves mit punchigen Drums, die aber nicht alles übertönen; als wäre es Trash Metal aus den 80ern. Bis auf drei Ausnahmen selbst programmierte Basslines, denen dieser Umstand nicht anzuhören ist. Wobei bei 2 der 3 Ausnahmen der Bass von Nesin auf dem Kontrabass live eingespielt wurde. Samples zum Großteil aus dem Progressive-, Psychedelic- und Krautrockbereich, mit Garage und ähm… Ach alles Rock. Die Raps auf dem Punkt mit permanenter Verweigerung, nur die Viertelschläge als Metrik zu verwenden.“ Christian: Wie ist das Album allgemein bei den Hörern angekommen? Spiegelt sich die Präsenz in JUICE und Backspin auch im Absatz wider? Ihr habt ja durchweg gute Kritiken bekommen.Phase: „Ja, die Kritiken waren wirklich gut, das liegt glaube ich daran, dass wir einen sehr individuellen Sound machen und viele von diesem unehrlichen Amigebite müde sind. Die Verkäufe laufen tatsächlich ganz gut, obwohl gerade eine schwere Zeit für Künstler angesagt ist!“ Zenit: „Der Absatz ist sowieso unwichtig. Es gibt - gerade im Elektronikbereich - so viele, deren Genius mehr Beachtung verdient hätte. Komischerweise sagen die meisten Leute ja immer noch andauernd, dass ihre Musik eigen wäre, was mir nicht immer ganz geläufig ist. Aber ich meine, wer setzt sich schon an den Computer und sagt: "Heute mache ich mal was ganz anderes". Man macht doch einfach das, was man fühlt und einige machen das, was die Masse braucht. Dieter Bohlen beispielsweise macht ja sicherlich auch nur das, worauf er Bock hat. Er hat einfach das Glück, dass Millionen andere da auch Bock drauf haben.“ Christian: Durch diverse Momentaufnahmen auf MySpace und YouTube geht Ihr mit dem aufgekommenen Trend und gebt den Hörern nicht nur Musik, sondern auch visuelles Entertainment in Form von Videos. Meint Ihr, ohne Special Gimmicks und Image in Form von Making Of’s, Einblicken in Studioarbeiten und Comedy-Einlagen bekommt man schon bald als Musiker keine Aufmerksamkeit mehr? Phase: „Das glaube ich nicht. Es ist bestimmt ein Trend, dass jeder etwas Visuelles zeigt und Einblicke gibt, aber im Grunde genommen feiere ich die Musik von Leuten und nicht deren Privatleben. Es ist aber ein schönes Gimmick von jemandem, deren Musik man feiert, etwas Privates zu sehen, doch im Vordergrund stehen immer noch die Rhymes und Songs. Wenn die schlecht sind, interessieren auch niemanden mehr Deine Gimmicks!“ Zenit: „Ja, natürlich, das Auge isst mit. Die Leute bekommen so schließlich einen, wenn auch nur indirekten Bezug zu den Künstlern. Ist immer ganz interessant, einen Künstler mal auf YouTube zu sehen, von dem man vorher jahrelang die Musik schätzen gelernt hat.“ Christian: „Absolut“ ist geprägt vom Großstadtflavour, melancholischen Instrumentals und deepen Texten. Wie seht Ihr Euren Status im Rappermekka Berlin? Phase: „Ich glaube, dass uns viele aufgrund unserer Ehrlichkeit und Eigenständigkeit respektieren. Ich denke, dass wir recht vielen Menschen aus der Seele sprechen. Wir kriegen eine Menge Feedback und zu 90% sagen uns die Hörer, dass sie uns feiern und sich für unsere Eigenständigkeit bedanken möchten.“ Zenit: „Ich frag mich eigentlich, ob es wirklich so viel ausmacht, wo man herkommt. Ich denke, unser Status in Berlin ist nicht anders als der in ganz Deutschland im HipHop-Bereich. Was für einen Platz wir da einnehmen, werden die Hörer eh selbst entscheiden.“ Christian: Neben Phase und Zenit gibt es auf den 17 Tracks auch Euer Labelmate Gris, Amewu, Boba Fettt und meinen persönlichen Liebling Justus (M.O.R.) zu hören. Wie steht Ihr zum Bunker?Phase: „Die Bunker-Zeit war eine sehr schöne Zeit, die alle miteinander verbunden hat. Damals konnte man in Berlin alles im Bunkershop verkaufen! Im Bunker haben sich viele kennen gelernt, es war so eine Art erstes Camp in der Hauptstadt! Wenn man sich zum Beispiel mal Zenits neues Remixalbum ansieht, da werden K.I.Z, Prinz Pi, M.O.R, Gris, Taktlo$$ und Justus drauf sein - allesamt alte Bunkerleute. Nun sind natürlich auch alle älter geworden und haben ihre eigenen Dinge begonnen, aber man kennt und respektiert sich!“ Zenit: „Ja, der hat seinen Sitz in der Falckensteinstraße, wo es auch schöne Clubs gibt. Ansonsten sind die musikalischen Beziehungen zu den Künstlern vom Bunker mit Bekanntschaft zu begründen.“ Christian: Phase, auf Songs wie „Viel zu jung“, „Swing wie Al Caiola 2“ und „Allein an der Bar“ wirkst Du sehr introvertiert, ja beinahe schon depressiv. Wie nimmst Du Deine Umwelt wahr und wie sieht Dein Alltag aus? Phase: „Ja, das sind eben Tracks, die sehr ehrlich und authentisch sind und die ich in genau den richtigen Situationen gemacht habe. Ich bin halt ein Typ, der ein Lied nur dann macht, wenn er auch gerade etwas Besonderes empfindet. Ich bin kein Typ, der sich hinsetzt und einen Text schreibt, nur um einen Text zu schreiben. Ich warte, bis die Situation zu mir kommt. Gibt es diese Momente nicht, dann spiele ich eben Fußball oder mache Battletracks. Ich bin auch kein Typ, der krampfhaft nach Inhalten sucht oder gar denkt, dass Rap besonders viel Aussage haben müsste. Ich persönlich feiere sowieso eher Battlekram auf hohem Niveau wie JAW und ähnliches. In manchen Momenten wirkt meine Umwelt für mich sehr fern und manchmal fühle ich mich sehr gefangen in mir selbst. Ich bin wohl eher ein Einzelgänger, der viel Zeit mich sich selbst verbringt. Ich bin auf keinen Fall jemand, der zwanghaft nach sozialen Kontakten strebt oder sucht, das heißt natürlich nicht, dass ich keine guten Freunde hätte. Das heißt einfach nur, dass ich mich gut mit mir selbst beschäftigen kann. Ich glaube, das fehlt heute vielen Leuten. Die meisten sind immer auf der Suche! Wir sind beide sehr introvertierte Menschen, die Alleinsein durchaus genießen können und auch brauchen. Mein Alltag sieht ungefähr so aus: Studieren, improvisieren, Tracks schreiben, Fußball, Bar, Konsole, Frau und Jazzmusik.“ Christian: Auf dem hervorragenden „Scheine“ schießt Ihr gemeinsam mit Amewu, Justus und Gris auf Kommerz und gewissenlose Abkassierer. Meint Ihr, deutsche Rapper verlieren mit der Zeit Idealismus und alte HipHop-Werte? Phase: „Bestimmt, allerdings bezieht sich das nicht nur auf Musik, ich habe das Gefühl, dass so viele ihre Werte zum Fenster rauswerfen. Ich denke, dass ich das nicht so nachvollziehen kann, da ich wohl ein sehr selbstgerechter und stolzer Mensch bin und mir am Ende des Tages nur wichtig ist, in den Spiegel sehen zu können, ohne mich für mich selbst zu schämen. Aber das ist ein allgemeines Problem, der Kapitalismus frisst die Ideale auf. Die Scheine sind am wichtigsten und Werte verfallen. Das Fernsehprogramm spricht da zum Beispiel für sich.“ Zenit: „So was verliert man ja nicht nur mit der Zeit, sondern hat so was auch schon oft von vornherein verinnerlicht. Im Endeffekt geht ja jeder mit Idealen ran. Der eine macht es der Musik wegen, der andere des Geldes wegen. Beide haben in den meisten Fällen wahrscheinlich wenig Lust, für den Traum eines Arschlochs zu arbeiten. Unsere Gesellschaft ist halt durch die ganzen Umstände wie Leistungsdruck und Idealisierung in der Erziehung zu Persönlichkeitsgestörten Individuen avanciert. Persönlichkeitsgestört heißt aber nicht gleich psychisch krank, wie manch engstirniger Leser jetzt denken könnte.“ Christian: Wie steht Ihr zu den so genannten „Rappergangstern“, die es bekanntlich zuhauf in der Landeshauptstadt gibt?Phase: „Ach, ich finde es peinlich, rum zu laufen und Scheiße zu erzählen. Gangster? Ist doch ein Witz! Ich kenne Typen, die Business machen und sich über die so genannten Gangster totlachen. Die würden mit deren Köpfen den Boden wischen, aber zum Glück wissen das die Kinder und Jugendlichen nicht, die dann deren Alben kaufen. Genau das ist ihr Glück und deren Existenzberechtigung! Aber ich glaube, dass dieser Trend bald zu Ende gehen wird. Man merkt es ja schon daran, dass viele von diesen Typen jetzt ganz plötzlich versuchen, deepe Dinger zu veröffentlichen, weil sie wissen, dass sie schnell umsatteln müssen. Sonst sehen die in einem Jahr dumm aus! Musst Du echt mal drauf achten!“ <lacht> Zenit: „Ach, das ist schon okay. Die haben halt "Boyz N The Hood", Menace II Society", "Trespass", "Scarface" usw. gesehen und streben nach Unabhängigkeit. Aber solange Mama und Papa die Wohnung finanzieren, ist das etwas widersprüchlich. "Boyz N The Hood" habe ich in meiner frühen Jugend auch gerne gesehen. Ich fand dieses Lied, wo der Vater im Auto sitzt Hammer: "Ooh Child, things gonna get easier...." (1970 von den Five Stairsteps als „O-o-h child“ veröffentlicht; Anm. d. Red.).“ Christian: Auf welche Künstler sollte man eurer Meinung nach in nächster Zeit achten? Phase: „Zuerst denke ich da natürlich an meine Edit-Leute wie Amewu, Wakka oder Hfx. Natürlich gibt es auch außerhalb von Edit viel gutes Zeug. Ich denke, das Potential wirkliche Zugpferde mit Charisma zu sein haben nur wenige. Ich für meinen Teil denke, dass Absztrakkt (vom 58 X-Men Klan und Monks Of The Unbroken Flower; Anm. d. Red.) jemand ist, der sehr viel an Fähigkeiten, Intelligenz und Eigenständigkeit besitzt und dies schaffen könnte.“ Zenit: „In erster Linie sollte man aber auf alle Künstler von Edit und uns achten.“ Christian: Woran werkelt Ihr gerade, was erwartet uns in naher Zukunft von Euch und wo kann man Euch live on Stage erleben? Phase: „Wir arbeiten gerade an einem neuem Team Avantgarde-Album und einem Cryptonasen-Produzentenalbum. Zenit macht noch „Remixes Vol. 3“ und ein neues Instrumentalalbum. Bucht uns, wir kommen!“ Christian: Noch irgendwelche letzten Worte? Phase: „Legt mal Euer Musikkonsumiererverhalten ab. Hört Euch Alben mal wieder öfter an, dann werdet Ihr auch mehr entdecken! Checkt regelmäßig www.editent.com!“ Zenit: „Bleibt bei Euren Idealen, aber bitte bleibt realistisch.“ Interview am 10.12.2007, Christian "Monk:E" Wolking (Generation One)
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Team Avantgarde
Christian: Wie ist das Album allgemein bei den Hörern angekommen? Spiegelt sich die Präsenz in JUICE und Backspin auch im Absatz wider? Ihr habt ja durchweg gute Kritiken bekommen.
Christian: Neben Phase und Zenit gibt es auf den 17 Tracks auch Euer Labelmate Gris, Amewu, Boba Fettt und meinen persönlichen Liebling Justus (M.O.R.) zu hören. Wie steht Ihr zum Bunker?
Christian: Wie steht Ihr zu den so genannten „Rappergangstern“, die es bekanntlich zuhauf in der Landeshauptstadt gibt?



