Review | Kritik | Bewertung @ Generation One
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| Artists - Interviews | |||
| Dienstag, 05. Februar 2008 um 10:52 Uhr | |||
Ryoma (Februar 2008) Mit ihrem Video zur Single „Zeitlos“ konnte das Hamburger Künstler-Kollektiv Ryoma bereits im Netz auf sich aufmerksam machen und trafen auf durchweg positive Resonanzen. Mit ihrer „Ryoma EP“ soll nun endgültig der Weg für das kommende Debütalbum geebnet werden. Wir haben uns den Kern der Band geschnappt und interviewten den halbjapanischen Rapper Ryo sowie den Produzenten Algorhythmiker in unserem Special. Alex: Zu Beginn des Interviews möchte ich Euch darum bitten, dass Ihr Euch zunächst einmal unseren Lesern vorstellt. Wer verbirgt sich hinter dem Projekt Ryoma? Ryo: „Michi (der Algorhythmiker) und ich haben erstmal lange zu zweit Songs gemacht, er die Beats und ich die Raps, bis dann nach und nach Freunde dazugekommen sind, die anfangs musikalisch, später, als es dann auch um Sachen wie Video und Booklet ging, auch grafisch mitgewirkt haben. Mittlerweile sind es bestimmt 15 Leute, die irgendwie mit Ryoma zu tun haben. Flash-Analogue, die Jungs von ilovebrezelsuhzi.de haben die ganze Grafik und das Video gestemmt, da hat mal eine Freundin, hier die großen Brüder ausgeholfen.“ Algorhythmiker: „Als wir anfingen die Beats auszuarrangieren, habe ich Thomas Burhorn, einen Trompeter mit dem ich gut befreundet bin, gebeten auf dem einen oder anderen Stück zu spielen. Die Zusammenarbeit klappte so gut, dass Thomas am Ende zu 5 von 7 Stücken beigetragen hat und so den Sound der EP mitgeprägt hat.“ Alex: Wie seid Ihr auf den Namen „Ryoma“ gekommen? In der Kurzbiographie war etwas von einem japanischen Samurai als Inspirationsquelle zu lesen… Ryo: „Das muss ich wohl ein bisschen auf meine Kappe nehmen... Da meine Mutter Japanerin ist und sich das auch irgendwie in meinem Namen niederschlagen sollte, bin ich zu meinem Zweitnamen "Ryo" gekommen. Und dieser Name ist abgeleitet von eben diesem "Sakamoto Ryoma". Als wir dann einen Band-Namen brauchten, habe ich "Ryoma" vorgeschlagen. Mit der Zeit hat sich dann gezeigt, dass es da viele Ähnlichkeiten gibt, zwischen ihm und unserem Projekt. Da ist zum einen diese "auch wenn alle was anderes machen, gehen wir hier lang"-Attitüde, und das Netzwerk, aus dem wir schöpfen können. Das war jedenfalls keine krampfhafte Suche nach asiatischer Identität durch irgendeinen Namen, den man sich gibt, sondern eine natürliche Fügung.“ Alex: Ryo’s Interesse für Rap wurde soweit ich erfahren habe, durch Bands wie A Tribed Called Quest geweckt. Wie seid Ihr beide dann dazu gekommen, selbst Musik zu machen. Sind die Vorgeschichten da recht ähnlich oder komplett verschieden? Algorhythmiker: „Sie sind komplett verschieden! Ich habe bis Ende der 90er Bassgitarre in Punk und Hardcore Bands gespielt. Zu der Zeit wuchs durch meine Liebe zum Funk auch das Interesse an HipHop. Da gab es keinen Moment, wo ich dachte „so, jetzt hörst Du Rap“ – es war irgendwann einfach so. Dann kaufte ich mir eine gebrauchte MPC und fing an zu samplen. Schließlich habe ich gelegentlich mal Freunde auf Beats rappen lassen und irgendwann beschlossen, mir eine Gesangskabine in mein Schlafzimmer zu bauen, um das ganze etwas professioneller betreiben zu können. So kam eins zum anderen.“ Ryo: „Ich hab nie Tagebuch geschrieben, aber das Texte schreiben kommt dem manchmal schon sehr nahe. Nachdem ich meine DJ-Träume zwangsläufig begraben musste, bin ich beim rappen gelandet, hab lange nach Leuten gesucht, mit denen man längerfristig zusammen arbeiten kann und die jetzt mit Ryoma auch gefunden.“ Alex: Wie habt Ihr Euch dann kennen gelernt bzw. wie kam es zur Idee, fortan gemeinsame Sache zu machen?Ryo: „Wir wollten für ein Mixtape von Buzz einen 16er aufnehmen und sind schließlich bei Michi gelandet, da sonst niemand Zeit hatte. Das hat wahnsinnig gut harmoniert! Ein paar Tage später hatten wir dann einen Remix von Michi zu einem Stück im Posteingang, das wir auch noch aufgenommen hatten. Ab dem Punkt haben wir uns dann regelmäßig getroffen und aus ersten Skizzen haben sich dann die 7 Songs herauskristallisiert, die auf der EP sind.“ Alex: Euer erstes Video zur Single „Zeitlos“ erreichte im Internet über einen Zeitraum von mehreren Wochen durchschnittlich beinahe 300 Klicks am Tag. Wie habt Ihr die Resonanzen wahrgenommen? Ryo: „Das war allein schon ein krasser Moment, das fertige Video zu sehen. Und dann das Feedback darauf, aber vor allem auch die Resonanz auf die EP war sehr cool! Das war das erste Mal für viele von uns Feedback auf seine Sachen zu bekommen. Und wenn Dir die Leute dann sagen, dass sie froh sind, endlich auch mal wieder Sound wie unseren hören zu können, dann weißt Du, dass Du auf dem richtigen Weg bist. Uns ist klar, dass wir noch ganz am Anfang stehen, wir verdienen unsere Brötchen woanders. Das ist vielleicht auch gar nicht schlecht so...“ Algorhythmiker: „Ich bin jeden Abend einmal auf die MySpace-Seite gegangen und hab mir mit breitem Grinsen den Zähler angeschaut. Mit dieser Reaktion hatte einfach niemand gerechnet! Das Video ist zwar der Oberhammer, aber die Reaktion kam trotzdem sehr unerwartet. Zwischenzeitlich bekam ich Emails von wildfremden Personen, die irgendwie über weitergeleitete Mails auf das Video stießen und sich bei mir dafür bedankten.“ Alex: Sind Plattformen wie YouTube etc. Eurer Meinung nach die wertvollsten Werbemaßnahmen der Zukunft, besonders wenn man noch als unbekannter Act agiert? Ryo: „Fiva und Radrum haben zum Glück Sherin für die EP gewinnen können und die hat sich sehr für uns ins Zeug gelegt. Aber MySpace ist eine gute Möglichkeit, wenn man selbst etwas machen will. Man kann mit Leuten in Kontakt treten, Tracks diskutieren, oder Fragen beantworten. Nicht so cool, sind die, die wortlos Werbung posten, ein "Hallo" ist da oft nicht drin...“ Algorhythmiker: „MySpace ist halt Fluch und Segen zugleich. Wenn Du was präsentieren willst, kommt man derzeit einfach nicht daran vorbei. Und es kann dann auch sehr hilfreich sein. Fiva und Radrum haben uns ja auch dort gefunden. Als unerwünschten Nebeneffekt bekommt man aber auch Massen von peinlichen Selbstdarstellern. Und jeder ringt um Aufmerksamkeit. Was mich auch ein wenig stört an dieser Entwicklung ist, dass gutgemachte Bandseiten so gut wie gar nicht mehr angeklickt werden, weil man sich nur schnell steckbriefartige Informationen aus einem vorgefertigten Rahmen zieht. Ich kann jedem Empfehlen auch die individuellen Seiten von Künstlern zu checken, da diese meist viel raffinierter aufgebaut sind.“ Alex: Eure Musik soll sich „nicht in heute gängige Kategorien einordnen lassen“. Wie würdet Ihr also Euren Musikstil am treffendsten umschreiben? Ryo: „Kommunikativ, geerdet, soulful.“ Algorhythmiker: „Puh. So etwas überlass ich lieber anderen. Soulful trifft es vielleicht schon recht gut.“ Alex: Was erwartet den Hörer auf der „Ryoma EP“?Ryo: „7 Tracks, die in 1 1/2 Jahren entstanden sind und unser erstes Aufeinandertreffen festhalten.“ Algorhythmiker: „Besser kann man es nicht beschreiben.“ Alex: Ihr wollt mit Eurer Musik bewusst einen Gegenpol zu „künstlichen Images und Orgien aus Hass und Gewalt“ darstellen. Was haltet Ihr generell von der aktuellen Rapszene in Deutschland? Ist es tatsächlich so schlimm? Ryo: „Naja, wie real das alles geworden ist, hat sich ja gezeigt! Ob Promo-Move oder nicht, was da in letzter Zeit passiert ist, ist krass! Schlimm wie teilweise Leute in den Foren reagiert haben, das ist nicht normal. Zum Beispiel bei Massiv, da waren manche Kommentare echt nicht mehr in Ordnung! Die Hemmschwelle ist definitiv gesunken. Zur Rapszene: wo Licht ist, muss auch Schatten sein und umgekehrt...“ Algorhythmiker: „Letztendlich wird nichts so heiß gegessen wie es gekocht wird. Trotzdem sind die Ereignisse der letzten Zeit beängstigend. Aber ehrlich gesagt, mache ich mir gar nicht allzu viele Gedanken darüber. Da gibt es meines Erachtens wesentlich interessantere Dinge und dringendere Probleme als die derzeitige deutsche Rapszene. Ich mach mein Ding. Und währenddessen denke ich keine Sekunde darüber nach, wie andere das jetzt gerade machen oder finden.“ Alex: Wie sieht es mit einem kommenden Album in voller Länge aus, könnt Ihr schon genaueres zum ungefähren Releasezeitpunkt und den konkreten Planungen sagen? Ryo: „Ich meine, das jetzt mal so grob der Oktober angepeilt ist. Wir haben schon ein paar neue Tracks angefangen, teilweise noch Skizze, teilweise weiter fortgeschritten. Textlich wird es etwas direkter, als es noch auf der EP ist, ein bisschen mehr von den Schattenseiten...“ Algorhythmiker: „Wir werden noch mehr Live einspielen, aber trotzdem einen ruffen Samplecharakter erhalten. Es wird auf jeden Fall abwechslungsreicher werden.“ Alex: Gibt es Wunsch-Features? Mit welchen Künstlern würdet Ihr gerne mal zusammen arbeiten? Nun, Fiva MC und DJ Radrum liegen ja sehr nahe… Ryo: „Für Fivas und Radrums Album, was auch dieses Jahr kommen wird, werd ich wohl noch was aufnehmen, also vielleicht gibt es da die Möglichkeit für eine Retourkutsche... Mit Mnemonic verstehen wir uns auch sehr gut. Er war es auch, der Radrum auf uns aufmerksam gemacht hat. So ergab sich das ja mit Kopfhörer. Mit ihm würden wir gerne was machen! Vielleicht schafft er es mal nach Hamburg zu kommen!?“ Algorhythmiker: „Ansonsten gibt es keine konkreten Pläne. Wir sind auch nicht die Typen, die einfach jemanden anfragen würden. Bisher hat sich alles einfach entwickelt. So ist das EP-Feature von Zora auch eher zufällig entstanden, weil wir uns einfach gut verstehen. Es wird sicherlich wieder viele unbekannte Helfer geben.“ Alex: Eure Musik soll ja auch live umgesetzt und richtig in Szene gesetzt werden. Ihr habt dafür eine richtige Band zusammengestellt. Wer wird alles beteiligt sein?Algorhytmiker: „Flash-Analogue, die auch schon für Mixing und Mastering der EP verantwortlich waren, stellen die Grundbesetzung, welche aus Schlagzeug, Keys und Gitarre besteht. Dazu kommt ein Bass, Thomas mit der Trompete, DJ Buzz-T an den Plattenspielern und ich mit einem Laptop. Unser Ziel ist es, nicht die Songs eins zu eins umzusetzen, sondern sie live zu interpretieren. Es wird live auf jeden Fall jammiger werden! Dadurch das Buzz und ich aber auch Samples verwenden werden, wird es auch eine ganz eigene Note bekommen. Man darf gespannt sein!“ Alex: Es soll ja eine Ausstellung unter dem Motto „I have a dream“ mit Eurer Beteiligung geben. Erzählt uns doch bitte etwas mehr davon. Was kann man sich darunter vorstellen? Algorhythmiker: „Wir waren auf der Ausstellung von Suki Bamboo (a.k.a. Zora) auf Leinwand verewigt. Das war auch wieder so ein Zufall. Ich war gerade zu Besuch als sie die Ausstellung vorbereitete und da kam ihr die Idee, uns zu malen. Das Motto „I have a dream“ passte eben auch wie die Faust aufs Auge, weil wir gerade die EP veröffentlichten und wahnsinnig viele Freunde sich für uns den Arsch aufgerissen haben, weil sie wie wir an unseren Traum glaubten. Suki hat dann alle Beteiligten der EP aus einem Baum wachsen lassen und so den Ryoma Family Tree erschaffen, den man auch auf unserer MySpace-Seite bewundern kann.“ Alex: Ihr seid ja beide keine Vollzeit-Musiker. Ryo studiert Sprecherziehung und der Algorhythmiker ist promovierter Volkswirt. Könntet Ihr Euch dennoch vorstellen, später einmal von Eurer Musik zu leben oder setzt Ihr beide eher auf Sicherheit und ein geregeltes Erwerbsleben? Ryo: „Ich habe gerade mein Studium geschmissen und bin nach Hamburg zurück. Nicht um jetzt alles auf eine Karte zu setzen, sondern um doch wie mein Vater Schauspiel zu machen. Wenn es sich ergibt, warum nicht, aber überhaupt die Möglichkeit seine Musik veröffentlichen zu können und Feedback zu bekommen, ist eine gute Sache. Dadurch kann ich rappen, was ich will! Ich steck da soviel rein, wie ich kann, aber nicht mein Leben!“ Algorhythmiker: „Was ist heutzutage schon noch sicher? Ich hab derzeit einen 3-Jahresvertrag an der Uni. Ob ich danach weiterhin dort arbeiten kann, ist fraglich. Ich will auf jeden Fall versuchen, meinen Lebensunterhalt mit dem Produzieren zu verdienen. Aber es hilft, etwas in der Hinterhand zu haben und zu wissen, dass man nicht von der Musik leben muss.“ Alex: Vielen Dank für das Interview. Möchtet Ihr unseren Usern abschließend noch etwas mit auf den Weg geben? Algorhytmiker: „Bleibt bodenständig.“ Ryo: „Hört einfach mal bei uns rein, ein Snippet gibt’s auf unserer MySpace-Seite ! Wir danken fürs Interview! Gruß an alle Kopfhörer!“ Interview am 05.02.2008, Alexander Riede (Generation One)
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Ryoma
Alex: Wie habt Ihr Euch dann kennen gelernt bzw. wie kam es zur Idee, fortan gemeinsame Sache zu machen?
Alex: Was erwartet den Hörer auf der „Ryoma EP“?
Alex: Eure Musik soll ja auch live umgesetzt und richtig in Szene gesetzt werden. Ihr habt dafür eine richtige Band zusammengestellt. Wer wird alles beteiligt sein?



