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Mit seinem neuen Album Hybrid geht MAdoppelT weniger Kompromisse ein, als sich musikalisch frei zu entfalten.

MAdoppelT - Hybrid (2010)
Bewertung: 4,5 von 6
Label: Stoff Records
www.madoppelt.com

Zurück in die Zukunft. Aber diesmal ohne den Delorean. Ein kurzer Blick auf die Discographie verrät uns jedenfalls, dass der Wiener Rapper MAdoppelT mit seinen beiden bisherigen Albumveröffentlichungen bei den Kritikern nur durchweg positive Resonanzen und viele Worte des Lobes hervorrufen konnte. „Wäre die Welt gerecht, müsste sich das irgendwann auch endlich mal in den Verkaufszahlen widerspiegeln lassen.“ So oder so ähnlich lautet die Anspielung eines recht bitteren Resümees des Künstlers.

Ich persönlich würde es ihm jedenfalls von Herzen gönnen, denn Plan Leben (2006) war ein erfrischend gutes Stückwerk deutschsprachiger Rapmusik. Alles nicht so einfach. Mit der neuen Platte Hybrid wird nun vier Jahre später ein weiterer wilder Ritt auf der Erfolgswelle gewagt und MAdoppelT möchte darauf bewusst ein „breit gefächertes musikalisches Spektrum“ bieten, was bereits im Pressetext angekündigt die Hörerschaft polarisieren wird. Unterstützt wird der österreichische MC bei seinem Vorhaben in erster Linie durch zwei Beatbastler, die unterschiedlicher kaum sein könnten... Wütende Bassmonster von Brenk konkurrieren auf Hybrid mit der weitaus filigraneren Handschrift des Produzenten Santo. Auch inhaltlich passt sich der Künstler an den jeweiligen Sound an.

BEDINGUNGSLOSE VIELSEITIGKEIT
AUS DER NACHBARSCHAFT.


Da wird doch tatsächlich im Club unverfroren die sprichwörtliche Sau aus dem Stall gelassen (Zeig mir wo Du bist) und auch sonst mit gepflegten Battle-Lyrics kräftig ausgeteilt (Hunga). Kennt man in der Art gar nicht von MAdoppelT. Als Gegenentwurf finden sich aber auch nachdenklich stimmende Tracks auf Hybrid wieder. Luft verdeutlicht beispielsweise, dass unsere Gesellschaft durch Lügen, falsche Vorbilder und ebenso falsche Versprechungen mit der Zeit der Freiraum zur persönlichen Entfaltung genommen wurde. Da ist er wieder, der sozialkritische Tonus und der Künstler weckt seine Erinnerungen an vergangene schöne Zeiten, angesichts eines knallharten Schicksalsschlages im Hier und Jetzt (Ich wünschte). Vom sich anbahnenden Flirt (Frage der Zeit) bis zum wenig verschämten Sex-Track (Ich verrat's) klingt so manches für MAdoppelT ungewöhnlich in meinen Ohren. Da wirken eine weitaus reifere Lobeshymne an die weibliche Vernunft (Frühlingswind) oder ein ehrliches Liebesgeständnis (Lied ohne Name) schon vertrauter.

Mit Lass es brennen wartet MAdoppelT sogar noch mit einem der besseren Kiffer Tracks auf und vergisst auch hier nicht den halbwegs kritischen Fingerzeig: „ Pass auf, dass Dein Zubehör nicht bald unwillig dazu gehört, verliert den Fokus nicht weil Du an nichts anderes als an den Ofen denkst, genug der Ratschläge, roll es zusammen, rauch es und hoch damit!“ Bunte Mischung. Was die Zukunft für den Wiener Rapper so bringt, steht in den Sternen (Wünsch Dir was), aber es ist ihm zu gönnen, dass diesmal mehr dabei heraus springt als „nur“ gute Kritiken. [AR]



Zusammenfassung der Review

Alexander Riede ist der Meinung...
Ein Album der Gegensätze und dadurch als Hybrid passend betitelt. Eine kleine Umstellung für jeden, der gerade die soulige Grundstimmung des Vorgängers Plan Leben wie ich sehr zu schätzen weiß. MAdoppelT lebt auf diesem Album jedenfalls seine musikalische Vielseitigkeit in vollen Zügen aus, was in der Summe absolut in Ordnung ist. Souveräne Rapklasse und abwechslungsreicher Sound, was will man eigentlich mehr? Weiterhin Geheimtipp.

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