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Dieses Album scheint nur darauf zu warten, als Soundtrack dienen zu dürfen. Der Soundtrack für Euer Leben? Film ab.
Collapse Under The Empire - The Sirens Sound (2010)
Bewertung: 4 von 6
Label: Sister Jack
collapseundertheempire.com
1. Szene. Dumpfes Grollen, elegische Klangfächer aus sing- enden Gitarren und verzerrten Drums. Weißes Rauschen. Berge heben sich aus dem Schnee- sturm. Erste Gipfel zeichnen sich ab, und die Tiefe unter ihnen wird sichtbar. Plötzlich ein Snowboarder am Gipfel. Eine Steilflanke unter ihm. Er springt ab. In Zeitlupe löst er sich vom Grat und gleitet, schwebt in die Tiefe, an Türmen aus Fels und Eis vorbei. Das Bild fährt zurück, und eine Wand aus Eis wird sichtbar, die den Boarder zu verschlucken scheint.
Sie glitzert für einen stillen Moment in der Sonne – und explodiert im nächsten Moment, als der Boarder nach einem gigantischen Sturz (oder war es doch ein kontrollierter Sprung?) in einer gleißenden Wolke in den Schnee prallt. Dann kommen Bäume ins Bild – Gefahr! Nein das Tal naht, der Fahrer zieht einige letzte weite Kurven in den Schnee, verliert an Geschwindigkeit und gleitet langsam aus…
2. Szene. Fast zu beschaulich beginnt der nächste Track mit harmonischen Synthie-Beeps und Geigen im Hintergrund. Gerade im richtigen Moment zerreißen die Gitarren die Harmonie und setzen den Kontrapunkt. Der Sound steigert sich, kulminiert in einem Gewitter aus Gitarren und Trommelschlägen, um kurz vor dem Kulminationspunkt wieder von Harmonie verdrängt zu werden.
ERWACHSENER SOUNDTRACK FÜR
AUSGESUCHTE BILDERWELTEN.
AUSGESUCHTE BILDERWELTEN.
3. Szene. Dieser Rhythmus wiederholt sich auch im nächsten Track, in dem die Gitarren endlich einmal richtig zuschlagen dürfen. Breite Metalriffs graben sich tief ins Ohr. Anders als im vorherigen Song kommen die Ruhepausen genau jetzt zum richtigen Zeitpunkt und tragen die Energie weiter. Bilder lassen sie jedoch nicht entstehen.
4. Szene. Synthetische Klänge aus Lounge/Ambient-Elementen schweben über einem verzerrten Schlagzeug. Dennoch – zu sphärisch, um das als Trip Hop zu bezeichnen. Dann Stakkatos rhythmischer Gitarren. Der Song hebt an, steigert sich und...
5. Szene. Am Anfang: Schwärze, Sterne im All. Dann wieder ein verzerrtes Schlagzeug. Ambient-Klänge verwischen die Space-Vision, das Schwarz geht in ein Blau über. Ein Punkt schwebt vor das innere Auge und wächst an, riesenhaft. Ein Walhai, gigantische Riffs voller exotischer Fische und unbekannten, leuchtenden Wesen. Ein Feuerwerk aus Farben und die Ruhe der Unterwasserwelt verbinden sich euphorisch zu sphärischen Klangwelten aus Gitarrenpicking und Synths. Wer diesen Sommer in der Tiefsee tauchen geht und mit den Walen schwimmt, wird sich diesen Sound dazu wünschen.
Abblende. Zu Beginn und zum Ende der EP entfalten sich die Tracks zu enormer Größe und Komplexität. Sie transportieren genug Raum für die Imagination. Bilder entstehen, Assoziationen ergeben sich, Gefühle heben sich aus dem nichts. Wundervolle Konstrukte. Die drei mittleren Tracks bleiben dagegen eher eindimensional. Auch sie technisch brillant und komplex, aber zu klein im vergleich zum Opener und dem großartigen A Different Complexion. Insgesamt ein reifes Werk, ein erwachsener Soundtrack für ausgesuchte Bilderwelten. Empfehlung: Einschalten und abtauchen. [JB]
Zusammenfassung der ReviewBenno Jirschik ist der Meinung...
Wie oft kommt es schon vor, dass ein Album ganze Reihenfolgen von Bildern vor dem geistigen Auge erschaffen kann? Dieser Seltenheitswert begleitet The Sirens Sound und macht das neueste Werk der Musiker von Collapse Under The Empire zu einem echten Erlebnis für all jene, die sich im sonst so hektischen Alltag auch gut und gerne mal Zeit für das Aussergewöhnliche nehmen. Eine willkommene Abwechslung.
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