Xbox 360
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Games - Xbox 360
Freitag, 08. Juli 2011 um 20:14 Uhr

Garcia Hotspur: der durch die Hölle geht.

Shadows Of
The Damned
(2011)
Bewertung: 2,5 von 6
Hersteller: Electronic Arts
www.ea.com/shadows

Anfang der Neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts wurde einer Generation von Schülern ein ganz besonderer Nachhilfeunterricht im Fach Englisch zuteil: Der Sender MTV, damals noch englisch- sprachig, kostenfrei und cool, sendete die Serie Beavis and Butthead. Wer erinnert sich noch daran? Diese Serie erweiterte schließlich das kulturelle Wissen des Durchschnittsschülers um einige Dinge, die uns das Bildungssystem damals nur allzu gerne vorenthalten hätte...

Wir lernten etwas über die amerikanische Unterschicht, das US-Schulsystem, aber vor allen verschiedene amerikanische Slang-Ausdrücke für das männliche Geschlechtsteil. Warum ist das wichtig? Weil Shadows Of The Damned umfangreich auf eben diesen Wortschatz zurückgreift. Das ganze Spiel ist voll von pubertären Anspielungen auf das beste Stück. Unser Held Garcia Hotspur, eine allzu abgespeckte Version von Machete, beschießt die Horden von Dämonen, die ihm ans Leder wollen z.B. mit einer Waffe namens „Boner“, was man als „Ständer“ übersetzen kann. Darüber hinaus hagelt es sprachliche Glanzleistungen wie „Dick-tator“. Und das war noch eine der glanzvolleren. Aber das ist nicht der einzige Vergleich, den man mit der legendären Comic-Serie machen kann: Die Geschichte von Shadows Of The Damned ist in etwa so umfang- und geistreich wie die 10 Minuten Abenteuer der beiden Intelligenzbestien. Da der Held zu viele Dämonen zurück in die Hölle geschickt hat, entführt deren Oberboss Fleming kurzerhand Paula, die Geliebte von Garcia. Also geht es ab in die Hölle und nach etwa 10 Stunden schließt man seine Liebste wieder in die Arme.

Dabei steht einem der Sidekick Johnson, schon wieder eine Penisan- spielung, zur Seite. Er verwandelt sich in die paar Waffen, die einem zur Verfügung stehen, dient als Reiseleiter und nervt einen mit halbgaren Einlagen und Sprüchen. Für 10 Minuten ist das alles vielleicht ausreichend, für 10 Stunden schon etwas dünn. Genauso dünn ist die Grafik: der Held bewegt sich, als hätte er einen Stecken im Hintern, um der Sprache des Spiels treu zu bleiben. Die Kampfgebiete sind eintönig und von schlechter grafischer Qualität. Die dämonischen Gegner sind dabei so abwechslungsreich wie die T-Shirt-Collection von Butthead und so clever wie Beavis. Die Umgebung darf man ganz im Resident Evil 4 Stil aus der Third-Person-Perspektive bewundern. Man hat zwar durch die Möglichkeit eines Sidesteps oder einer athletischen Rolle eine höhere Bewegungsfreiheit, die wird aber meistens durch die engen Kampfgebiete behindert. Die Waffenbenutzung ist im wesentlichen dieselbe: wenn man zielt, zoomt die Kamera ein wenig heran, um die Dämonenbrut besser abschießen zu können.

Jetzt muss man ehrlicherweise sagen, dass Zielgenauigkeit bei dieser Art von Konsolenspiel immer etwas schwierig ist. Aber bei Shadows Of The Damned ist das Zielsystem viel zu oft der eigentliche Gegner. Ein Kopfschuss gerät zur reinen Glückssache und der Nahkampfangriff wird schnell zur Hauptwaffe gegen den einfachen Dämonenkrieger. Um trotzdem Spannung aufkommen zu lassen, haben sich die Entwickler das Konzept der „Finsternis“ einfallen lassen. Wird Garcia von dieser Finsternis eingehüllt, fällt nach einiger Zeit seine Lebensenergie. Gegner die in Finsternis gehüllt sind, müssen erst mit einem Lichtschuss behandelt werden, bevor man ihnen den Rest geben kann. Ein gezielter Lichtschuss auf einen Ziegenkopf vertreibt die Dunkelheit. Damit ist der einzige innovative Unterschied zu anderen Third-Person-Shootern auch schon erschöpft. Die blutigen Cutscenes, die zerplatzenden Dämonenköpfe und die psychedelischen Einlagen, bei denen Garcia Hotspur die meist halbnackte Paula herum rennen sieht, ist mittlerweile Standard im Genre. Den ewigen Kampf gegen das eintönige Genre-Allerlei hat Shadows Of The Damned so klar verloren, wie Beavis und Butthead den gegen den gesunden Menschenverstand. [VS]



Zusammenfassung der Review

Sven Sauerhammer ist der Meinung...
Letztlich gibt es keinen Grund, sich dieses Spiel zuzulegen. Das einzig wirklich Positive ist, dass man Resident Evil 4 wieder mal in seine Playstation 2 einlegen will und sich damit einen Haufen Geld für die Neuanschaffung sparen kann. Das mittlerweile schon 5 Jahre alte Spiel ist Shadows Of The Damned in so gut wie allen Punkten überlegen, inklusive der grafischen Gestaltung. Sicher, man könnte die dummen Sprüche und den eindimensionalen Helden von Shadows Of The Damned als Selbstironie auslegen. Vermutlich war es auch so gedacht. Das komödiantische Niveau eines Butthead-Spruches erreicht es aber bei weitem nicht. Wer also Lust auf pubertäre Sprüche oder wilde Schießorgien hat, sollte bei den Originalen bleiben.


Bewertung der Review

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