Sexappeal alleine reicht auf Dauer eben nicht aus.

Review | Kritik | Bewertung Alexandra Stan - Saxobeats (2011)
Bewertung: 2 von 6 Label: Sony Music www.saxobeats.com
„Sex sells“ lautet das Erfolg versprechende Motto und gewiss auch Marketingkonzept vieler Plattenfirmen, die regelmäßig begierig sind, mit schönen neuen, noch unverbrauchten Gesichtern den sowieso schon gesättigten Markt weiter zu nähren. Das traurige Ergebnis ist dann leider viel zu oft ein künstlich produzierter Hype um mehr oder minder mittelmäßige Popmusik. Auch im vorliegenden Fall des rumänischen Popsternchens Alexandra Stan, die ihren meiner Meinung nach durchschnittlichen Sound längst nicht so gut vermarkten könnte, wäre nicht ein gewisses Maß an Freizügigkeit hinsichtlich Style und natürlich Songinhalten vorhanden.
Sie ist jung, blond und durchaus attraktiv, wie man ihr auch aus sonst eher skeptischer Frauensicht zugestehen muss. Der sinnliche Schmollmund ist selbstverständlich im Gesamtpaket enthalten, was die Männerwelt zusätzlich begeistert und zum einstigen Kraftwerk Hit aus dem Jahr 1978 sehr gut passen würde („Sie ist ein Model und sie sieht gut aus...“). Zu jener Zeit kannten sich vermutlich noch nicht einmal die Eltern der heute 22-jährigen Sängerin. Mit ihrer zweiten Singleauskopplung Mr. Saxobeat jedenfalls landete Alexandra Stan in vielen europäischen Ländern ganz weit oben in den Media Control Charts, in Deutschland, Österreich, der Schweiz und logischerweise der Heimat Rumänien gar auf Platz eins. Die Radiostationen können sich derzeit gar nicht genug mit der Single austoben und schaffen damit exakt jenen gefährlichen Umstand, dass ich für meinen Teil schon richtig genervt auf die dutzendfache tägliche Wiederholung von Mr. Saxobeat reagiere. Man kann einen Sommerhit auch tot spielen...
Was viele vermutlich nicht wissen: bereits zwei Jahre zuvor erfolgte die ursprünglich erste Singleauskopplung mit dem Track Lollipop, welche allerdings international nicht ansatzweise so erfolgreich einschlug bzw. dem Grunde nach komplett ignoriert wurde. Erst Mr. Saxobeat schaffte wie Wende und garantiert Alexandra Stan nun die nötige Aufmerksamkeit in den Medien. Die beiden genannten Titel alleine betrachtet sind noch halbwegs respektable Popkunst, das dazugehörige Album mit dem Titel Saxobeats motiviert den Hörer allerdings nur schleppend, tatsächlich bis zum Ende durchzuhalten. Ohne sexy Knackpo und geübt laszivem Blick (was nicht nur auf dem Cover Artwork, sondern eben auch in den beiden bisherigen Video Veröffentlichungen sehr deutlich im Vordergrund steht, Anm. der Redaktion) ist die Musik auf sich alleine gestellt für einen Kritiker mit gewissem Erwartungshorizont nicht wirklich überzeugend. Somit wird Alexandra Stan wie schon viele mittelmäßige Künstlerinnen vor ihr wieder einmal zu einer osteuropäischen Schönheit degradiert, die im Minirock vor der Kamera steht und damit leider auch noch Erfolg hat: musikalisches Talent gerät hier zur absoluten Nebensache.
Das Album Saxobeats bietet insgesamt 13 Tracks, allerdings sind gerade mal acht davon reine Individualitäten. Die restlichen fünf sind Studio Remixes und Extended Versions von bereits gehörtem Material, also eigentlich mehr eine bessere EP als ein ernst zu nehmendes Album im Longplayer Format. Für mehr Songtexte mit zweifelhaften Singalogpassagen, wenn einem mal wieder der Text ausgehen sollte, hat es dann wohl nicht mehr gereicht... Bleibt abzuwarten, ob Alexandra Stan in spätestens einem Jahr ebenfalls in die gefürchtete Schublade der prominenten One Hit Wonder gesteckt werden kann. Dann wird man Mr. Saxobeat zwar immer noch auf Samplern und Best Of's des Jahres 2011 finden, allerdings über die Künstlerin höchstens in "What happened to..."-Reportagen zu hören bekommen.
Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung
Andrea Thalhofer ist der Meinung... Alexandra Stan steht für reichlich Sexappeal. Ohne ihr Aussehen würde sich aber die Musik auf Saxobeats wahrscheinlich nicht wirklich verkaufen. Nur kommt es bei der Bewertung eines Albums nun mal auf den Inhalt an. Durchschnittlich, eher langweilig und auf Dauer fast schon nervig, mein Fazit. Mr. Saxobeat ist ein Sommerhit, der gewiss gefällt. Für die Zukunft wird sich Alexandra Stan nicht länger nur mit ihrem Aussehen retten können, schließlich wird auch sie älter, also muss auf musikalischer Ebene deutlich mehr geschehen, um nicht in Vergessenheit zu geraten.
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