Wenn blutige Visionen zur eigenen Identität führen...

Review | Kritik | Bewertung Prowl (2011)
Bewertung: 2,5 von 6 Studio: Senator www.afterdarkoriginals.com
Die 18-jährige Amber (Courtney Hope) hat blutige Visionen. Im Traum scheint sie vor etwas davonzulaufen und zu Beginn des Horrorstreifens Prowl vermutet der Zuschauer dahinter noch die harmlose Symbolik ihres drängenden Auszugswunsches aus dem nicht mehr ganz so heimischen Elternhaus im Zuge ihrer Adoleszenz. Während ihre Freunde ausgelassen ihre Jugend feiern, wirkt Amber betrübt und nachdenklich. Die Chance, aus ihrem mittlerweile verhassten Kleinstadtnest nach Chicago abzuwandern ist zum greifen nahe, nur der Weg in ihr neues Leben noch unklar.
Mangels eigenem fahrbaren Untersatz wird die Clique bemüht, die Amber kurzerhand zu diesem ganztägigen Road Trip begleitet. Wie zu erwarten war, macht das voll beladene Auto bereits nach den ersten gefahrenen Meilen schlapp, die Motorhaube qualmt und nichts geht mehr. Zu ihrem (Un)Glück hält ein Truckfahrer an und lässt sich von den sechs Jugendlichen dazu überreden, sie auf der Ladefläche seines LKWs mitzunehmen. Auf die Namen der Figuren braucht man eigentlich nicht weiter einzugehen denn ohne großartige Charakterzeichnung während des Films, lebt nach gut 30 Minuten sowieso kaum noch jemand von ihnen... Der Truckfahrer ändert nämlich die ursprünglich vereinbarte Route und stellt seinen LKW mit den gefangenen Opfern auf einem verlassenen Industriegelände ab.
Die Jugendlichen finden nur wenig Zeit, um sich zu orientieren, denn sie werden wie Lämmer zur Schlachtbank geführt und dezimieren sich relativ schnell auf zwei Personen, darunter Amber und ihre Freundin Suzy (Ruta Gedmintas), die von den unheimlichen Vampirwesen beziehungsweise Menschenfressern, die hier ihr Unwesen treiben bereits angeknabbert wurde. Was aufgrund der teilweise hektischen Kameraführung nicht sofort auffällt, mit der Zeit aber zusehends verwundert, ist die Tatsache, dass sich ausgerechnet eine so zierlich wirkende Hauptdarstellerin wie Courtney Hope gegen die regelrechten Horden an Angreifern mit beeindruckender Schnelligkeit und dem ein oder anderen schlagkräftigen Argument erwehren kann und dabei nicht einen Kratzer abbekommt. Um keinen falschen Eindruck zu erwecken: Prowl ist als klassische B-Movie Horrorerscheinung in Sachen Kampfszenen weit entfernt von dem Actionspektakel, das mancher von Filmen wie Resident Evil womöglich gewohnt sein könnte.
Und wo der ein oder andere für die Rahmenhandlung wichtige Charakter eigentlich näher beleuchtet werden sollte, verzichtete Regisseur Patrik Syversen bei seinem Werk Prowl gleich gänzlich darauf. Es scheint ihm auch nicht weiter wichtig zu sein, was allerdings unweigerlich dazu führt, dass sich der Zuschauer etwas verloren in der zusammenhangslosen Story ohne echte Höhepunkte vorkommt. Ein Mitgefühl für die Opfer der blutigen Hetzjagd entsteht kaum und die Auflösung des Films, als sich Amber entscheiden muss, ob sie nun ihrem übernatürlichen Instinkt oder ihren menschlichen Gefühlen folgt, ist mehr als unzufriedenstellend. Insgesamt ist Prowl eine nette, aber nicht weiter nachhaltig im Gedächtnis bleibende Abendunterhaltung für Horrorfans, die auch einem unscheinbaren B-Movie noch etwas positives abgewinnen können.
Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung
Alexander Riede ist der Meinung... Der zweite Horrorstreifen aus der After Dark Originals Filmreihe zeigt sich als relativ unspektakuläre Randerscheinung des B-Movie Bereiches. Ein bisschen unbeholfen jugendlicher Leichtsinn, dazu dunkle Splatteratmosphäre und so etwas wie die Suche der Hauptdarstellerin nach der eigenen Identität. Bei Prowl könnte man fast meinen, dass es sich hierbei um einen Pilotfilm zur nächstbesten Teenie-Mystery/Horror-Serie handelt, wobei dann wiederum Regisseur Patrik Syversen sich die Mühe machen müsste, neben ordentlicher Charakterzeichnungen vielleicht noch so etwas wie eine Liebesgeschichte einfließen lassen zu müssen, wozu er bestimmt keine rechten Ambitionen hegt.
|