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Donnerstag, 15. September 2011 um 18:23 Uhr

Wenn die künstlerische Schärfe langsam verloren geht...

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Review | Kritik | Bewertung
Red Hot Chili Peppers - I'm With You (2011)

I'm With You - Red Hot Chili PeppersBewertung: 4 von 6
Label: Warner
www.redhotchilipeppers.de

Ruft man sich mit so außergewöhnlichen Hits wie Under The Bridge, Scar Tissue oder Californication die individuelle Klasse der Red Hot Chili Peppers noch einmal konkret ins Gedächtnis, ist man im Vorfeld ihrer neuesten Veröffentlichung I'm With You gleich umso gespannter, ob vermeintlicher Veränderungen im Klangbild. Der allgemeine Meinungsaustausch im Netz, den ein Wechsel der Bandposition an der Gitarre von John Frusciante zu Josh Klinghoffer auslöste, bricht jedenfalls auch unmittelbar nach Release ihres inzwischen zehnten Studioalbums innerhalb des dann doch stolzen 28-jährigen Bestehens der Red Hot Chili Peppers kaum ab.


Nicht wenige sind der Meinung, dass man dies den insgesamt 14 Tracks des aktuellen Longplayers auch anhören könnte. Wiederum bemängelte manch enttäuschter Fan an anderer Stelle teils eingefahrene Muster der Berechenbarkeit. Alles zweifelsfrei auf einem hohen künstlerischen Niveau, aber eben längst zu einer angenehmen Randerscheinung verkommen. Wo Give It Away, By The Way und Can't Stop einst das Publikum so richtig an- und einheizten, klingt der Gesang des Frontmannes Anthony Kiedis anno 2011 nur mehr nach reiner Makulatur eines für den mainstream noch ins letzte Detail glatt gebügelten, mehr angepassten den alternativen Funkrock Erscheinungsbildes vergangener glorreicher Tage im Musikbusiness. So beiläufig wahrnehmbar wie bessere „Kaufhausmusik“, würden böse Zungen an dieser Stelle behaupten. Und die in die Jahre gekommenen Anthony Kiedis, Michael Balzary, Chad Smith sowie Josh Klinghoffer unterliegen offensichtlich schon länger nicht mehr dem kindlichen Spieltrieb früherer Tage, denn alles ist ein wenig ernsthafter geworden. Was jetzt nicht behaupten soll, dass man I'm With You nicht mehr den Spaß an der eigenen Musik anhören würde, hier bleibt selbstverständlich alles beim alten.

act-redhotchilipeppersDer Opener Monarchy Of Roses wirkt mit schräger Stimmenverzerrung zu Beginn fast ein wenig befremdend, entwickelt sich aber noch zu einer wunderbaren Rockhymne mit großen Gebärden. Auf dem folgenden Track Factory Of Faith nölt der gute Herr Kiedis wieder in gewohnt überheblich wirkender Nuance seinen Text ins Mikro, um dann einen melancholischen Gedenksong für Brendan anzustimmen, einen verstorbenen Freund der kalifornischen Band. „We all crossed when we were feeling lost / it's just the tide / Katari cried the day her lover died / She recognized / because he gave her / a life of real love / It's no surprise / the nights are long / but the years are short / when you're alive.“ Das regt definitiv zum Nachdenken an... Bei aller Traurigkeit gewiss auch eine schöne Bekenntnis an das Leben und alles lebenswerte, wenn man es einmal so interpretieren möchte. Bei sonderbaren Tracks wie Ethiopia oder Annie Wants A Baby bin ich mir aber beim besten Willen nicht mehr sicher, ob ich den suggerierten Genius der Red Hot Chili Peppers auf ganzer Linie verkenne oder so mancher Songinhalt sich hart an der Grenze zum künstlerischen Nonsens bewegt.

Mag bei kalkulierter Eindringlichkeit darin vielleicht sogar ein brauchbarer Hit schlummern, mir persönlich ist das aber alles zu wenig, um dem eigenen Anspruch gerecht zu werden. Da sind ein groovendes Look Around, dazu das treibende Goodbye Hooray und als passender Abschluss des Albums ein klangvolles Dance, Dance, Dance schon eher auf meiner Wellenlänge, was ambitionierte Rockmusik anbelangt. Ebenfalls gut: die entspannte Ballade Police Station. Zieht man einen Strich unter die 14 Songs auf dem Album I'm With You, so wird vermutlich eine Diskussion unter treuen Fans gleichermaßen wie in Kritikerkreisen, ob der Sound der Red Hot Chili Peppers eine spürbar angenehme Wandlung vollzogen haben könne oder man seitens der Verantwortlichen wieder nur auf das altbewährte setzte, kaum zu vermeiden sein.



redakteur-alex

Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung

Alexander Riede ist der Meinung...
Mit einem schmackhaften Teaser im Vorfeld der Album-VÖ war ich eigentlich in freudiger Erwartung des neuen Red Hot Chili Peppers Werkes I'm With You. Einen künstlerischen Anspruch vermittelt jedoch nach den ersten Anspielpunkten zunächst nur das fragwürdige Cover-Artwork. Was soll uns dieses Bild eigentlich sagen?! So ganz ohne informative Packungsbeilage kann mir vermutlich nicht mal mein Arzt konkrete Auskünfte darüber erteilen, ob sich dieser Longplayer auch ohne den Genuss bunter Pillen cerebrale Nachhaltigkeit erspielt, einfacher ausgedrückt: auch tatsächlich länger als die 59 Minuten Spielzeit im Gedächtnis hängen bleibt. Einen Versuch ist dennoch allemal wert.

 
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