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Sonntag, 25. September 2011 um 16:44 Uhr

Eigenständiger Whisper Rock oder dann doch gefühlvolle Popballaden?

cd-joshuaradin

Review | Kritik | Bewertung
Joshua Radin - The Rock And The Tide (2011)

The Rock and the Tide - Joshua RadinBewertung: 4 von 6
Label: Warner Music
www.joshuaradin.com

Der US-amerikanische Singer-Songwriter Joshua Radin bringt mit The Rock And The Tide jetzt auch auf dem deutschen Markt sein drittes Soloalbum in den Umlauf. Im Gegensatz zu vielen anderen Musikern musste sich Joshua Radin nicht auf mühevolle, langwierige Weise seinen Weg von ganz unten nach oben erkämpfen, sondern durfte schon weit oben beginnen. Als ein Freund des Regisseurs und Schauspielers Zach Braff, der dessen Musik schon seit frühester Zeit förderte, konnte Joshua Radin den Hit Winter in einer Scrubs Episode platzieren und erlangte somit innerhalb kürzester Zeit große Bekanntheit.


Dieser plötzliche Erfolg ermöglichte es dem sympathischen Sänger aus Cleveland, Ohio - der seine Musik selbst gerne als "Whisper Rock" bezeichnet – weitere nicht minder catchy Musikstücke in anderen erfolgreichen US-Vorabendserien wie Grey's Anatomy, Brothers And Sisters, One Tree Hill oder Dr. House, aber auch in diversen Kinofilmen einer immer mehr anwachsenden Fangemeinde zu präsentieren. Ein Sound, der nicht sofort auffällt oder gar aufdringlich wirkt, aber dann doch irgendwie unterbewusst im Gedächtnis hängen bleibt.

act-joshuaradinDer in den Vereinigten Staaten bereits im Jahr 2010 erschienene, zehn Stücke umfassende Longplayer The Rock And The Tide jedenfalls wirkt treibender und rockiger und dadurch etwas eigenständiger als seine Vorgängerwerke, verpasst es dadurch jedoch, den gleichen emotionalen Tiefgang zu erreichen. Wo Joshua Radin vorher eher das Herz des Hörers berührte, dürften sich hier eher Tanzbeine und Genicke angesprochen fühlen. Country, Pop und seichte Singer-Songwriter-Musik geben sich auf The Rock And The Tide die Klinke in die Hand. Der schlicht verlorene, einsam im Regen stehende Kerl, der seine große Liebe vermisst wird durch einen zwar immer noch dem Grunde nach seine Liebe vermissenden, jedoch durch die positiven Songs etwas gleichmütiger wirkenden Künstler abgelöst.

Man hätte sich gewünscht, die Produzenten der Scheibe hätten manchmal das ein oder andere Schlagzeug oder sphärische Instrument weggelassen und stattdessen auf eine reduzierte Instrumentierung gesetzt. Viel zu leicht und nur wenig fordernd will einem die Emotion geradezu ins Gesicht springen und man fühlt sich manchmal weniger in einer hippen amerikansichen Vorabendserie, sondern eher im ZDF um 19 Uhr 25. Den eindrucksvollsten Beweis liefert der Track Think I'll Go Inside, die siebte Anspielstation auf dem Album, bei dem man bereits nach den ersten Takten eine Szene vor dem inneren Auge ablaufen sieht, in der sich zwei einander eigentlich liebende, gutaussehende Menschen Ende zwanzig unter Tränen bei strömendem Regen voneinander verabschieden. Für immer?



redakteur-arno

Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung

Arno Papenheim ist der Meinung...
Joshua Radin schafft es auf seinem dritten Solowerk ein wenig eigenständiger und vielseitiger zu wirken, als auf den beiden Vorgängeralben, büßt jedoch viel Emotionalität zu Gunsten eines treibenderen, rockigeren Sounds ein. Alte Fans könnten möglicherweise enttäuscht sein, denn der Künstler selbst beginnt mit The Rock And The Tide einen eigenständigeren Weg einzuschlagen. Nicht jedoch ohne den Fernsehzuschauer mitzunehmen.

 
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