Von Märchen und Mythen der Neuzeit.

Review | Kritik | Bewertung Emmy The Great - Virtue (2011)
Bewertung: 5 von 6 Label: BMG (Rough Trade) www.emmythegreat.com
Die hierzulande relativ unbekannte englische Sängerin mit chinesischen Wurzeln Emma-Lee Moss, auch bekannt als Emmy The Great, versucht mit ihrem zweiten Album Virtue nun auch auf dem deutschen Markt Fuß zu fassen. Der Sound der Platte erinnert dabei ein bisschen an Florence And The Machine. Ob Zufall oder nicht, jedenfalls teilte sich Miss Moss mit Florence kurzzeitig das Rampenlicht in der Band Lightspeed Champion.
Verträumte Lyrics mit einem Hang zum Melancholischen sind kennzeichnend für das vorliegende Album Virtue. Schon allein der Titel des ersten Songs Dinosaur Sex regt den Hörer zum Nachdenken an. Wie kann man besagte Wörter sinnvoll in ein Lied einbauen? Während Emmy The Great meint, dass Dinosaurier-Sex zu nichts führte, ist es doch nur eine Metapher für die eigenen Verlust- und Zukunftsängste. In A Woman, A Woman, A Century Of Sleep ist eine moderne Version des Märchens Dornröschen zu finden. Unterstützt wird das Lied von einem kräftigen Beat, was gewissermaßen auch die Eindringlichkeit der Lyrics widerspiegelt. Die Leadsingle Iris überzeugt durch eine eingängige Bassline und eine leichtfüßige musikalische Untermalung, während man als Zuhörer fasziniert ist, dass es doch tiefgründigere Texte rund um das Thema Liebe gibt, als so manche Künstler erahnen lassen.
Paper Forest (In The Afterglow Of Rapture) ist eines der stärksten Songs des Albums. Emmy's Stimme ist hier beonders bezaubernd, vor allem wenn sie den Satz „I'm blessed“ singt, um sich zu überzeugen, dass selbst nach der Auflösung der Verlobung mit ihrem Freund alles in Ordnung ist, während ein akkustisches Ensemble an Instrumenten ohne großartigen elektronischen Schnick Schnack die Sängerin dabei unterstützt. Cassandra und Creation zeigen beide, dass Miss Moss ein sicheres Talent dafür hat, die englische Sprache auf poetische Weise mit Musik zu verbinden, um ihre Geschichten dem Hörer auf interessante Weise näher zu bringen. Auf die elektronische Schiene gerät das Album bei dem Titel Sylvia. Elektro-Beat und Synthesizer spielen sich hier dezent in den Vordergrund.
Der düstere Song Exit Night / Juliet's Theme enthält wie der Titel schon erahnen lässt einen Mix aus gleich zwei Geschichten. Einerseits ein tragischer Unfall und zum anderen die Erinnerungen an Romeo und Julia, die beide Menschenleben kosten bzw. gekostet haben. Durch die Steeldrums, die öfter mal auf dem Album vorkommen, wird die Stimmung etwas gelöster. In North geht es um Missionare, die der festen Überzeugung sind, als einzige die Landkarte der Humanität zu besitzen und nicht wahrhaben wollen, dass es Menschen gibt, deren Herzen in einem anderem Rhythmus als dem eigenen schlagen. Mit dem letzten Song der Platte Trellick Tower wird Emmy The Great sehr deutlich, warum ihr Verlobter sie verlassen hat. Er hat als früherer Atheist tatsächlich noch zu Gott gefunden... Daraufhin war kein Platz mehr in seinem Leben für jemanden, der in seinen Augen nicht so gläubig ist wie er und Emmy musste zusehen, wie sie den Scherbenhaufen wieder zusammenklebt. Teilweise ist ihr das wohl schon durch die Verarbeitung des Erlebten in diesem Album gelungen.
Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung
Daniela Faber ist der Meinung... Mit Virtue ist Emmy The Great ein wirklich gutes Album gelungen. Es ist überaus abwechslungsreich, äußerst stilsicher, hat reichlich lyrischen Tiefgang und dennoch könnten die Macher von Grey's Anatomy einen der zahlreichen geeigneten Songs locker für eine Episode ihres TV Formats ausssuchen, um diese damit musikalisch im Hintergrund zu bereichern. Bleibt abzuwarten, ob es die talentierte Sängerin schafft, sich mit diesem Werk in Deutschland tatsächlich zu etablieren.
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