Das neue musikalische Selbstverständnis von Evanescence auf Albumlänge.

Review | Kritik | Bewertung Evanescence - Evanescence (2011)
Bewertung: 5,5 von 6 Label: Wind Up (EMI) www.evanescence.com
Evanescence sind zurück mit neuem Songmaterial! Nach der weltweit erfolgreichen Hitsingle Bring Me To Life, diversen Auszeichnungen der Musikbranche und mehr als 24 Millionen verkauften Tonträgern sind inzwischen stolze fünf Jahre seit dem letzten Release The Open Door verstrichen. In dieser Zeitspanne entwickelte sich nicht nur Leadsängerin und kreativer Kopf der Band Amy Lee menschlich wie musikalisch weiter, es fand eine regelrechte Wandlung auf dem Weg zu einem gestärkten Wir-Gefühl und Selbstverständnis der fünfköpfigen Formation statt.
Evanescence sind auf ihrem selbst betitelten dritten Studioalbum nicht mehr nur erwähnte Amy Lee, die man bewusst wahrnimmt und nehmen soll. Die Herren Terry Balsamo, Troy McLawhorn (beide Gitarre), Tim McCord (Bass) und Will Hunt (Schlagzeug) an den Instrumenten wurden stärker als zuvor in den aktiven Prozess des Songwritings mit einbezogen, was dem Klangbild des Longplayers mit Sicherheit nicht geschadet hat. Natürlich bietet Evanescence die gewohnt stilvolle und zumeist melodramatische Mixtur aus klassischen Klängen und Rockelementen, soll aber laut Pressemitteilung und in Interviews mit Sängerin Amy bewusst betont, „das bislang härteste, experimentellste und spaßorientierteste Werk“ der US-amerikanischen Alternative bzw. Nu Metal Band aus Little Rock, Arkansas sein.
Mitverantwortlich für den Sound von und auf Evanescence ist der Grammy prämierte Rock-Produzent Nick Raskulinecz, der in der Vergangenheit schon anderen Größen der Szene wie Alice In Chains, Deftones oder den Foo Fighters zur Seite stand. Entsprechend charakterfest startet das Album mit der ersten Single What You Want, bei der Amy Lee noch zufrieden anmerkt, dass man zwar den Kompromiss eingegangen ist, nicht allzu viel von der Erwartung an den Evanescence-Sound abzuweichen, aber alles weniger zwanghaft und mit spürbar mehr Euphorie für das eigene musikalische Motiv versehen wurde. Auf dem folgenden Track Made Of Stone wirkt man sogar noch rigoroser, was nicht nur perfekt zum Kraft gebenden Songinhalt passt, sondern auch mit einem besonders eingängigen Chorus aufwartet. Genau das richtige, um über etwas hinweg zu kommen, das einen schon längere Zeit schwer beschäftigt...
Tief dunkle Romantik zerbrechlich ehrlicher Emotionen bieten dann The Change und My Heart Is Broken, die beinahe wieder etwas Hymnenartiges haben. Den mit Abstand persönlichsten Bezug hat Amy Lee wohl zu der tieftraurig bewegenden Rock-Ballade Lost In Paradise und als Hörer versinkt man förmlich in den gefühlvollen Strömungen der Verzagtheit. Glücklicherweise rütteln einen die aggressiven Klänge von Sick prompt wieder wach und Evanescence spurten mit weiteren pikanten Songkonzepten (ich denke dabei beispielsweise an Never Go Back) dem beinahe zu harmonisch geratenen Abschluss ihres dritten Studioalbums entgegen. Was gibt es da schon zu entschuldigen? Nichts, denn Evanescence dürften mit dem neuen Material nicht nur „nach Hause“, sondern eben auch auf der Erfolgswelle schwimmen. Pflichtkauf für Fans, zudem für Interessierte stets eine Hörprobe wert.
Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung
Alexander Riede ist der Meinung... Fans der Band mussten lange warten, aber es hat sich in jedem Fall gelohnt, denn Evanescence wirken auf ihrem selbstbetitelten dritten Studioalbum einige Nuancen gelöster, als man es vielleicht im Vorfeld erwartet hätte. Im Gegensatz zu manch anderen Alternative Rock-Gruppierungen, die sich mit der Zeit in der eigenen Identität förmlich verrennen, feiern Evanescence hier vor allem sich selbst und vermitteln den bedingungslosen Spaß an der eigenen Musik auch dem in der Regel begeisterten Zuhörer.
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