Abwegig instrumentierte Harmonie unter künstlerischen Querdenkern.

Review | Kritik | Bewertung Eliana Burki - Travellin’ Root (2011)
Bewertung: 4 von 6 Label: Edel www.elianaburki.ch
Sollte man mit dem Gedanken spielen, sich in nächster Zeit auf eine aufschlussreiche Weltreise zu begeben, gibt es außer Digitalkamera und Kohletabletten noch etwas, was meiner Meinung nach auf keinen Fall im gepackten Rucksack fehlen darf: Travellin’ Root – das neueste musikalische Werk der schweizer Ausnahmekünstlerin Eliana Burki. Tangorhythmen, arabische Klänge und frischer Jazz werden hier gepaart mit rockigen und lebhaften Funk-Elementen. Ein exotisch arrangiertes Werk, das ganz im Zeichen von Elianas „Wunderwaffe“ steht: dem Alphorn.
Wer jetzt denkt, ein Alphorn wäre allen Ernstes ein ausschließlich traditionell einsetzbares Instrument, wird auf dieser Scheibe nicht nur überrascht, sondern eines Besseren belehrt. Jazzbands gibt es bekanntlich wie Sand am Meer, aber wer kann schon eine wunderhübsche junge Frontfrau aufweisen, die nicht nur virtuos singt und Alphorn spielt, sondern dieses Instrument darüber hinaus in ein neues Zeitalter geführt hat. Seit ihrem sechsten Lebensjahr war für die in Lugano geborene Tochter einer Musikerin und eines Sportlers klar, dass das Alphorn jenes Medium sein wird, auf dem Eliana Burki ihre Botschaft von der Schweiz aus in die ganze Welt senden wird. Gut 20 Jahre später ist diese Botschaft auch in der Welt angekommen und was die Welt ihr zurück gibt, hört man auf Travellin’ Root.
Nach Tourneen in Latein- und Nordamerika, Asien und Indien in den letzten Jahren, auf denen Eliana als musikalische Botschafterin der Schweiz wirken durfte, spiegelt das aktuelle Album jene Weltreise musikalisch wieder. Unterstützt von ihrer Band iAlpinisti demonstriert Eliana Burki, dass Weltmusik und ein traditionelles Blasinstrument (das man meist nur aus Heimatfilmen kennt) wunderbar harmonieren. So wird man auf der Platte in polka-ähnliche Klangwelten entführt (Ayy!), taucht bei Las Tres Princesas in ein Latin-Märchen ein und darf bei Nummern wie Triple Date verträumten Akkustikgitarren lauschen. Heart Of Cairo kombiniert verzerrte E-Gitarren mit arabesken Klängen und wird zudem noch geschmückt von Elianas herrlich klarer Stimme. Doch egal welch individuelle und experimentelle Formen die Klangwelten auf Travellin’ Root auch annehmen mögen, das Herzstück Alphorn ist nie fehlplaziert, nie zu dominant und stets kompositorisch ausgewogen in den Sound der iAlpinisti eingeflochten. Das Album zeichnet sich zudem durch absolute Professionalität seitens der Band aus.
Einziger Grund zur Beanstandung ist meines Erachtens das erste Lied. Natürlich ist es eine Frage des Musikgeschmacks, doch die erste Nummer auf einem Album hat die wichtige Funktion, den Hörer sofort zu vereinnahmen und auf die grobe Richtung des Gesamtwerks hinzuweisen. Baggage Claim hingegen ist aber in Anbetracht der Klasse des restlichen Albums viel zu seicht geraten und erinnert eher an das funkig-poppige Gedüdel an der Käsetheke im Supermarkt. Schade, aber wer sich nicht daran stört oder einfach weiterhört, wird mit Sicherheit überzeugt werden, dass er sich für ein extravagantes, mutiges und gelungenes Stück Musik aus der Schweiz entschieden hat. Etwas, das sich über Grenzen hinweg setzt, seien es die Grenzen zwischen Tradition und Moderne, verschiedener Musikrichtungen oder verschiedener Kulturkreise. Dieses Grenzauflösende und Zusammenführende ist der Grundgedanke jedes Weltreisenden, the root of travellin'.
Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung
Lisa Kienle ist der Meinung... Wer hat’s erfunden?! Die Schweizer. Und wer hat DAS Traditionsinstrument der Schweiz - das Alphorn - quasi neu erfunden? Eliana Burki. Mit der Band iAlpinisti präsentiert die talentierte Künstlerin auf Travellin’ Root, was grenzenlose Musik ist oder besser gesagt sein kann. Jazz, Rock, Funk, Latin und Arabeskes werden auf diesem Album richtig funky kombiniert und ob man es glaubt oder nicht, es ist stets ein Alphorn mit dabei. Glaubt ihr wirklich nicht? Reinhören.
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