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Movies - DVD
Dienstag, 18. Oktober 2011 um 17:37 Uhr

Langweilige Klischees statt fesselnder Ursachensuche.

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Review | Kritik | Bewertung
Infinite Justice - In den Fängen von Al Kaida (2011)

logo-lovefilmBewertung: 3 von 6
Studio: Universum Film
www.universumfilm.de

Der bereits 2006 in Großbritannien veröffentlichte Film Infinite Justice des Regisseurs Jamil Dehlavi kommt pünktlich zum 10. Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September auch bei uns als DVD in die Regale. Wie Syriana und Von Göttern und Lämmern versucht der Film die Hintergründe für den andauernden Hass und die interkulturellen Missverständnisse aufzudecken. Leider verfällt er dabei allzu sehr in Klischees und obskuren Verschwörungstheorien.


Dabei fängt der Film vielversprechend an. Nach einem Intro, bestehend aus einem schwarzen Bildschirm untermalt mit Tonaufnahmen zum 11. September, sehen wir Ausschnitte aus einem Geiselvideo, wo irgendetwas schief läuft. Die Auflösung des Ganzen kommt natürlich erst am Ende des Films. Der Weg dahin wird in drei verschiedenen Zeitebenen erzählt. Das Spiel mit zeitlich oder räumlich verschiedenen Handlungsebenen ist ähnlich wie bei vielen anderen Filmen über dieses Thema. Auch Syriana nutzt verschiedene Stränge, um die Komplexität des Themas herauszustellen und gleichzeitig Spannung aufzubauen. Das erfordert vom Zuschauer oft Aufmerksamkeit und Mitdenken. Richtig gemacht, fördert es aber die Qualität ungemein. Leider ist das bei Infinite Justice nicht wirklich der Fall.

movie-infinitejusticeDa ist zuerst die Gegenwart, ein paar Tage vor dem Ausschnitt. Hier dreht sich alles um die Gespräche zwischen dem jüdischen Wirtschaftsjournalisten Arnold Silverman (Kevin Collins), der für einen amerikanischen TV-Sender arbeitet und versucht die Geldgeber hinter den Anschlägen zu finden sowie dem Briten pakistanischer Abstammung Kamal Khan (Raza Jaffrey), studierter Ökonom und Vordenker des islamischen Fundamental- ismus. Beide spielen Schach, diskutieren über den Kampf ihrer Kulturen und bauen eine persönliche Beziehung auf. Die Zwiegespräche zwischen Kamal und Arnold sind gut gespielt, aber die Beziehung der beiden wird unzureichend dargestellt, wodurch das Ende an Glaubwürdigkeit einbüßt. Einzig Kamals Auseinandersetzungen mit anderen seiner Gruppe sind für kurze Zeit interessant. Der Rest ist ein lahmes Psychoduell, das kaum Neues bietet und damit endet, dass sich beide doch irgendwie sympathisch sind ohne dass der Zuschauer richtig mitbekommt, warum eigentlich.

Die zwei anderen Ebenen behandeln den Werdegang der beiden Protagonisten. Die eine thematisiert Kamals Vergangenheit. Seine Zeit als Schüler in einer konservativen christlichen Schule, wie er mit rassistischen Tendenzen in der britischen Gesellschaft fertig werden muss, über einen alten Freund zum islamistischen Ideengut findet, bei Al Kaida eingebunden wird und warum er es ist, der Arnold schließlich gegenüber sitzt. So ist dieser Strang über die Vergangenheit von Kamal ein einziges Klischee in zu kurzen Episoden. Er bringt weder die Handlung voran, noch hilft er bei einer besseren Charakterisierung des Terroristen. Eigentlich ist er überflüssig. Die letzte Ebene ist die umfangreichste, spannendste und vor allem die tragende.

Allerdings macht Infinite Justice auch hier wieder den Fehler und verkürzt vieles zu sehr. Außer der eigentlichen Tatsache vom Tod der Schwester am 11. September, was das Motiv für Arnolds Suche ist, erfahren wir nichts. Nichts von seiner Trauer, seiner Beziehung zu ihr, wir sehen nicht einmal ein Gesicht von ihr. Stattdessen macht sich Arnold direkt auf die Suche nach den Hintermännern des Anschlages. Dabei gerät er an allerhand zwielichtiges Volk und muss sich durch politische Intrigen kämpfen. Eben alles was von einem Thriller erwartet wird. Dabei kommt auch immer wieder Spannung auf. Leider reicht diese bei weitem nicht, um für die beiden anderen Ebenen zu entschädigen. Wenn sich dann am Ende alle drei Ebenen treffen, kommt es zum obligatorischen Showdown. Dabei geht es dann blutig zur Sache und der wahre Strippenzieher kommt zum Vorschein. Leider büßt der Film damit auch noch die restliche Glaubwürdigkeit ein.   



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Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung

Sven Sauerhammer ist der Meinung...
Infinite Justice ist ein zweitklassiger Verschwörungsthriller. Dass er einige Preise gewonnen hat, ist wohl mehr dem sensiblen Thema, als dem filmischen Niveau zu zuschreiben. Bei dem Versuch Männerfreundschaft, kulturelle Probleme und Gründe für islamistischen Terror zu vereinen, kommt nur ein fades Süppchen heraus. Es mangelt an glaubhaften Charakteren und einer überzeugenden Story. Zu oft ist der Film schlichtweg langweilig und unterfordert den Zuschauer mit althergebrachten Klischees. Kamal hatte eine schwere Kindheit in einer christlichen Gesellschaft. Ist das Grund genug zum Terroristen zu werden? Wir lernen nichts über Kamals Familie und auch nicht über seinen Glauben. Genauso ist es mit Arnold. Der Tod seiner Schwester wird gar nicht thematisiert, dabei ist dieses Ereignis doch der Auslöser für seine Suche. So weiß man auch bei ihm nicht, warum er das alles tut. Infinite Justice gibt dem Zuschauer keine Antworten oder neue Blickwinkel auf die Ursachen der Anschläge.

 
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