Wer seine Grenzen vor Eindringlingen schützt...

Review | Kritik | Bewertung Territories (2011)
Bewertung: 2 von 6 Studio: Universum Film www.universumfilm.de
Zehn Jahre sind vergangen seit den erschütternden Terroranschlägen des 11. September 2001 und das Misstrauen nicht nur der amerikanischen Bevölkerung gegenüber muslimischen Mitmenschen ist in vielen soziokulturellen Begegnungen und Gegebenheiten noch deutlich wahrnehmbar. Bei allem Verständnis befindet sich die Grenze zwischen polemisch extremen Ansichten und politisch motivierten Extremismus in einem zunehmend fließenden Übergang.
Wer hebt eigentlich den moralischen Zeigefinger, wenn sich das vermeintliche Opfer aus Gründen der rechtfertigungsfreien Selbstjustiz in eine aggressive Täterrolle begibt? Eine diskussionswürdige Thematik, mit der sich Regisseur Olivier Abbou in seinem schockierenden Horrorstreifen (wenn man es so bezeichnen möchte) Territories beschäftigt. Eine Gruppe Jugendlicher ist mit ihrem Geländefahrzeug unterwegs von einer Hochzeitsfeier in Kanada zurück in ihre Heimat, die Vereinigten Staaten von Amerika. Statt des üblichen Grenzübergangs entscheidet man sich folgenschwer für eine abgelegene und menschenleere Strecke, als man prompt von zwei vermeintlichen Grenzpolizisten für eine Routinekontrolle angehalten wird. Der sowieso schon unangenehme Vorgang spitzt sich etwas zu, als der offensichtlich überkorrekte Beamte die Personalien des Fahrers mit dem scheinbar so verdächtigen Namen Jalil Adel-Khalid (Michael Mando) feststellt. Welchem Zweck dient ihr Besuch? Eine Frage, die dem seiner Aussage nach gebürtigen Amerikaner mit Migrationshintergrund durchaus suspekt vorkommt und von seinen Freunden gar als Beleidigung ausgelegt wird.
Dass mit patriotisch veranlagten Organen der Staatsgewalt nicht zu spaßen ist, spürt die vorlaute Rechtsanwältin der Gruppe, die den beiden Amtsmissbrauch und böse Machenschaften unterstellt. Nach einer demütigenden Leibesvisitation aufgrund des dringenden Verdachtstatbestandes strafbaren Drogenbesitzes eskaliert die Situation und einer der Jugendlichen wird kurzerhand erschossen. Der point of no return ist erreicht und die verbleibenden vier „verdächtigen Straftäter“ landen in einer Art unbarmherzigem Gefangenenlager. Wie Tiere werden sie in Einzelkäfige gesperrt und müssen dort mehrere Tage ohne Flüssigkeit und Nahrung verharren, bevor sie von den beiden – wie sich im folgenden Verlauf des Films Territories herausstellt – psychisch massiv gestörten und gesellschaftlich isolierten Kriegsveteranen Samuel Torrence (Roc Lafortune) und Walter Sotos (Sean Devine) weiter verhört und auch unmenschlich gefoltert werden. Es dauert Tage, bis ein nicht minder zwielichtiger Privatdetektiv (oder verwendet man hier besser den Begriff Schnüffler?) die Spur der vermissten Personen aufgenommen hat und eine Rettung nicht ausgeschlossen werden kann...
Ehrlich gesagt fragt man sich vor, während und erst recht nach dem betrachten der schonungslosen Bilder in Territories, was uns dieser Film konkret mitteilen möchte und wird gewissermaßen enttäuscht ohne wirkliche Antworten zurückgelassen. Ich verrate es nur ungern, aber hier gibt es kein Happyend. Nicht nach 92 Minuten Spielzeit und erst recht nicht im globalen Kontext. Wer wie Olivier Abbou das Sicherheitsbedürfnis einer ganzen Nation in seiner gnadenlos pervertierten Form darstellt, weiß nicht schlichtweg mehr, sondern möchte uns vor Augen führen, dass ein solches oder ähnliches Szenario vermutlich immer und irgendwo auf der ganzen Welt nicht nur in einem denkbaren Bereich liegt, sondern mit einer (militärisch) tolerierten Dunkelziffer zu rechnen ist.
Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung
Alexander Riede ist der Meinung... Kein besonders guter Film. Territories glänzt weder durch eine spannende Handlung, noch zeichnen sich die einzelnen Schauspieler durch irgendwelche Glanzleistungen aus. Im Fokus steht hier eindeutig die überzogene Gewaltbereitschaft ob des Gefühl der Bedrohung eigener Sicherheiten, vielleicht könnte man es sich argumentativ auch besonders leicht machen und die beiden grausamen Kriegsveteranen als Produkt ihrer Erlebnisse geisteskrank und paranoid erklären. Stellt sich eigentlich nur die Frage, wie (un)realistisch solche Szenarien tatsächlich sind.
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